Ich habe mich bewusst in der letzten etwas zurückgehalten, was die spektakulären Mordfälle dieses Frühjahrs angeht. Beide sind mittlerweile vor Gericht.

Im Falle von Anders E., der die 10-jährige Engla Höglund ermordet hat, geht es beim Verfahren eigentlich nur noch darum, festzulegen, ob der Mann psychisch krank oder voll schuldfähig ist. Je nachdem landet er dann für den Rest seines Lebens auf der geschlossenen Psychiatrie oder eben zeitweise im Gefängnis. Die Schuldfrage an sich ist geklärt dank umfangreicher Beweise und einem Geständnis des Angeklagten.

Momentan bewegt aber der Doppelmord an zwei kleinen Kindern in Arboga. Deren Mutter überlebte schwer verletzt. Die 31-jährige Angeklagte Christine S., eine deutsche Studentin, soll die Tat begangen haben, da sie dem Lebensgefährten der Mutter nachstellte.

In den schwedischen Medien ist sie natürlich nur „die Deutsche“, was man für sich genommen schon als fragwürdig ansehen kann. Bislang hat es aber keine negativen Nebeneffekte, soweit ich das sehe. Es ist auch ein gutes Pseudonym, denn verschiedene Medien können es wieder einmal nicht lassen, den kompletten Namen der Angeklagten zu veröffentlichen.

Mit Spannung erwartet worden war die Aussage der überlebenden Mutter, die gleichzeitig auch eine Art Kronzeugin ist. Diese berichtet davon, dass sie die Tür geöffnet habe und sich eine Frau auf Englisch vorgestellt habe. Sie erinnerte sich an zahlreiche Details des Tages, aber es ist sehr umstritten, ob diese vermeintlich gute Erinnerung auch etwas über die Erinnerungen an die Tat aussagt. Mittlerweile wurde auch bekannt, dass die Frau nicht komplett von dem medialen Umfeld abgeschottet war, so dass es gut möglich ist, dass sie die Meldungen über die Verhaftung von Christine S. gelesen hat und sich nun einbildet, sie habe die Angeklagte wirklich gesehen.

Gestern hat nun ihr Lebensgefährte ausgesagt, und er berichtete davon, dass er mit Christine S. im Urlaub auf Kreta im Sommer 2006 eine 4- bis 5-tägige Affäre gehabt habe. Im Herbst 2006 habe Christine S. ihn besucht, und er habe schauen wollen, ob die Beziehung es wert wäre, sie weiterzuführen. Aber die Leidenschaft sei verschwunden gewesen, und er machte letztendlich per SMS Schluss. Daraufhin habe Christine S. ihn persönlich treffen wollen, um einen Abschluss zu finden. Er hielt das aber für keine gute Idee. Im Frühjahr darauf tauchte sie dennoch wieder auf. Als sie ihren Geldbeutel verloren und das Mietauto kein Benzin mehr hatte, kontaktierte sie ihn erneut. Erstaunlich ist, dass die Nachrichtenagentur an dieser Stelle sogar von einem Selbstmordversuch berichtet. In der DN wirkt das weit weniger spektakulär. Das Auto sei schmutzig gewesen, und er habe ihr geholfen, wieder zum Flughafen zu kommen.
In er Folgezeit wurden ihre Kontaktversuche immer verzweifelter – sie habe sogar behauptet, sie hätte einen Sohn von ihm, den sie aber adoptieren habe lassen.

Die ganze Geschichte passt natürlich nur allzu gut: eine geistig labile Frau mit Stalking-Tendenzen, die am gleichen Tag zufällig in der gleichen Stadt gewesen sein soll. Dazu reiste die Frau kurz nach der Tat plötzlich nach Deutschland. Man kann sich gut vorstellen, dass sie es getan hat.

Allerdings fehlen jegliche Beweise. Keine Fingerabdrücke, keine DNA – ein bei der Angeklagten im Reisegepäck gefundener Hammer, der gut die Tatwaffe hätte sein können, enthielt keine nachweisbaren DNA-Spuren. Selbst Katzenhaarspuren auf der Kleidung der Angeklagten wurden analysiert, und es stellte sich heraus, dass es nicht die Haare der Katze des Opfers waren. Mit Ausnahme der Aussage der Mutter, die auch nicht wasserfest ist, gibt es nur eine Reihe Indizien, die lediglich belegen, dass die Frau dort gewesen sein könnte. Mehr aber auch nicht.

Die Beobachter sind sich uneins, aber es spricht vieles dafür, dass es aus Mangel an Beweisen zu einem Freispruch kommen wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie es nicht war.

Man kann annehmen, dass die Polizei weiter ermitteln wird. Mord verjährt in Schweden nach 25 Jahren, und es können durchaus noch handfeste Beweise auftauchen.

Wenn das nicht passiert, kann der Mord auch unaufgeklärt bleiben, denn es ist wohl auch nicht damit zu rechnen, dass die Angeklagte gestehen wird, wenn sie nächste Woche aussagt.