Die 32-jährige Christine S., die im August wegen des Mordes an zwei kleinen Kindern sowie des versuchten Mordes an deren Mutter verurteilt wurde, ist wie erwartet in Berufung gegangen. Seit heute morgen, 9 Uhr, wird in Västerås vor dem Tingsrätt verhandelt, was laut Radio Schweden einem Oberlandesgericht gleichkommt.

Die Verhandlung soll am 22. Dezember abgeschlossen werden. Weihnachtliche Stimmung wird dabei kaum aufkommen, denn die Details sind bereits bekannt.
Neue handfeste Beweise sind nicht zu erwarten, aber es gibt neue Zeugen. Die Anklage will eine neue deutsche Zeugin verhören, die Christine S. im Sommer 2007 in Kreta getroffen haben soll. Die Angeklagte habe damals geäußert, dass sie einen skandinavischen Mann liebe, dessen Kinder der Beziehung im Weg stünden. Die Verteidigung begann daher gleich mit einem Antrag der Verteidigung, die Hauptverhandlung zu verschieben. Es gäbe drei namentlich bekannte Zeugen, die sich in Mitteleuropa befänden und bestätigen könnten, dass Christine S. zu jener Zeit gar nicht auf Kreta war.
Die Verteidigung hat außerdem eine Zeugin, die bestätigen soll, dass Christine S. gar kein ernsthaftes Verhältnis mit dem Stiefvater der ermordeten Kinder hatte haben wollen. Dies soll das Motiv entkräften, die Angeklagte sei von dem Stiefvater besessen gewesen und habe den Mord begangen, um sämtliche Hindernisse für eine Beziehung aus dem Weg zu räumen.

Man darf gespannt sein, wie die höhere Instanz den Berg von Indizien und die vollkommene Abwesenheit direkter Beweise bewerten werden.

Eines ist sicher: die wertende Berichterstattung samt Vorverteilung in der schwedischen Presse wird weitergehen. Expressen legt heute schonmal vor und spricht von der „eiskalten Taktik“ der Angeklagten, sich auf den Prozess vorzubereiten.

Nur eines ist sicher: die Angeklagte wird unabhängig vom Ausgang des Verfahrens nie wieder in der Lage sein, sich normal in Schweden zu bewegen. Sie müsste um ihr Leben fürchten, denn ihr Name und ihr Gesicht sind schon überall in den Medien gewesen.

Update (12:50 Uhr): Laut expressen.se befinden sich die drei Entlastungszeugen nicht in Mitteleuropa, sondern in Griechenland. Das Gericht legte eine Pause und wies dann den Antrag der Verteidigung ab. Der Prozess wird also wie geplant fortgesetzt.

Einige interessante Details, die mir vorher nicht bekannt waren, befinden sich ebenso in dem Artikel:

  • Die Anklage sagt, sie hätte ein Reisetagebuch von Christine S., das das Zusammentreffen mit der neuen Zeugin belegt.
  • Christine S. zog laut Anklage im Sommer 2007 nach Schweden, ohne eine Wohnung und einen Job zu haben. Das widerspricht natürlich der Behauptung der Angeklagten, der Umzug sei nicht wegen des Stiefvaters der ermordeten Kinder erfolgt.
  • Sie hatte weiterhin angegeben, im Januar in Örebro gewesen zu sein. Dies ist laut Anklage ebenso falsch, da der Kilometerstand des Mietwagens sich nur um 300 km geändert habe. Örebro liegt knapp 200 km westlich von Stockholm, Arboga jedoch nur 150 km in dieselbe Richtung.
  • Die Handydaten aus dem Fürhjahr 2008 zeigen, dass Christine S. in Arboga war.