Delengkal Weblog

Sinnfragen von einer Insel vor Stockholm

In eigener Sache

Mein Provider www.kontent.de geht mir zunehmend auf die Nerven – die Seite ist langsam, der Webspace klein und die Kosten hoch. Ich wurde auf p1atin.de aufgenommen und darf nun dort mein Zeugs ablegen – Herzlichen Dank!

Fürs Erste wird man daher von meinen Domains fabian-seitz.de, fabianseitz.de und strandpolizei.de auf die URL http://delengkal.de weitergeleitet.

Televisionen auf Schwedisch

Ich saß gerade in der Küche und durfte das grandiose Vorabendprogramm des schwedischen Fernsehens begutachten. Ich war fasziniert.

SVT 1 (Sveriges Television – die Kanäle sind im Allgemeinen nummeriert hier) zeigte eine Kunstauktion oder etwas in der Art. Ich machte mir nicht die Mühe, den Sinn der Sache zu verfolgen. Es folgte eine kurze Werbung für „Lilla Melodifestivalen“ – das Melodifestivalen ist der nationale Vorausscheid zum Eurovision Song Contest (hier auch unter dem Namen „Schlagerfestivalen“ bekannt). „Lilla“ bedeutet klein und heißt soviel, dass sich hier also Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren auf der Bühne zum Affen machen und dann per SMS und Telefon abgestimmt wird. Die beiden Teilnehmerinnen der letzten derartigen Veranstaltung, die für die ganze Sache warben, wirkten wie Medienprofis und bekundeten, dass der Wettbewerb das „größte Erlebnis in ihrem ganzen Leben“ gewesen sein. Der Zyniker wird anmerken, dass vorher ja noch nicht viel passiert sein kann.

SVT 2 überzeugt mit einem amerikanischen Film (wie immer angenehmerweise nur untertitelt), bei dem allen alles leid tut und sich eigentlich alle gern haben. Das ist schön. Danach kommt… nichts – ja, vor allem im zweiten Fernsehen sind weder der nächtliche Sendeschluss noch erhebliche Pausen im Programm abgeschafft. Im ersten Kanal kommt nachts nur die Übernahme aus dem staatlichen Nachrichtenkanal. Ab und zu gibt es sogar das fast vergessene Testbild zu bewundern. Ich fühle mich an deutsches Fernsehen der frühen 90er Jahre zurück versetzt. Persönlich schätze ich es aber, wenn irgendwie immer etwas im Fernsehen kommt.

Man sollte vielleicht noch anmerken, dass SVT1 und SVT2 staatlich sind und per Gesetz werbefrei. Vielleicht sähen ARD und ZDF genauso aus, wenn es dort keine Werbung gäbe: Bildungsfernsehen, kein Schlager, Informationsmagazine – allerdings auch Gottesdienste, Sendepausen, und wenig Filme. Was besser ist, sei dahingestellt.

Mal schauen, was das Privatfernsehen so zu bieten hat:

Kanal 3 überrascht mit einer grotesken Mischung aus DSDS und Hundedressur. Das heißt konkret, dass Hundebesitzer ihre Hunde Kunststücke vorführen lassen und dann eine Nanny-artige Hundeexpertin ihren Senf dazu abgibt. Ich bin begeistert, dass Volksverblödungsfernsehen auch hier Einzug gehalten hat.

Kanal 4 spielt die sportliche Karte und zeigt Pferdegespannrennen. Überhaupt scheint das recht beliebt hier zu sein. Der vierte Kanal ist auch das einzige Privatfernsehen, das über Antenne ausgestrahlt wird. Abends erinnert das Programm etwas an RTL – allerdings bei deutlich niedrigerer Beliebtheit, schätze ich.

Kanal 5 zeigte irgendetwas, das mich nicht interessiert und das ich deswegen auch sofort vergessen habe. Ah, jetzt fällt es mir wieder ein: irgendein Eishockeyspiel. Der Kanal ist sonst aber typisches Privatfernsehen. Ein Kanal (vielleicht dieser) erdreistet sich sogar, die US-amerikanische Serie COPS („Bad Boys, Bad Boys, what you’re gonna do when they come for you“) zu zeigen, die ein verzerrtes Bild amerikanischer Realität zeigt, indem man eine Woche bei der Polizei mitfährt und dann die schlimmsten Sachen zusammenschneidet, um den Leuten zu suggerieren, dass man mächtig Schiss haben sollte, wenn man auch nur den Fuß vor die Tür setzt. Vielleicht soll das als pädagogisches Format dienen, um Schweden auf das Zusammentreffen mit der amerikanischen Polizei vorzubereiten. Man muss zur Verteidung von 3 und 5 allerdings sagen, dass hier auch die ganzen guten Serien wie „The Simpsons“ usw. laufen, und zwar im Originalton.

Kanal 6 zeigte einen Film, wo alle über ihre Gefühle und Träume reden, permanent hart an der international einheitlich festgelegten Heulgrenze. Dass nicht die ganze Filmbesetzung schluchzt, ist auch schon alles. Beverly Hills 90210 lässt grüßen – dieses Früh-90er-Machwerk habe ich im Übrigen neulich schon auf einem der Kanäle erspäht. Shannen Doherty und Tori Spelling alias Brenda und Donna liefen durch ein so offensichtlich unechtes Filmkulisse-Paris, dass man sich fragen muss, wie wir auf diesen Käse früher hereinfallen konnten.

Kanal 7 gibt es nicht und wäre eigentlich Z TV, aber das ist vorne nicht einprogrammiert. Stattdessen geht es mit MTV Nordic weiter, wo gerade All Access läuft. Zwei oberflächliche amerikanische Gerade-nicht-mehr-Teenager gehen auf ein Britney-Spears-Konzert und treffen die Hupfdohle persönlich. Diese fragt „Did you enjoy my show?“, worauf diese natürlich bejahen. „Show“ ist eigentlich auch das richtige Wort, denn Konzert kann man das Gehüpfe eigentlich nicht nennen – singen ist dabei unmöglich. Letztes Jahr an Silvester habe ich mir bei der Konzertserie „Pop around the Clock“ auf 3sat alle Konzerte und damit auch ihres aufgenommen. Sie sang genau ein Lied selbst, und das auch nur unter sichtlicher Anstrengung.

Eurosport zeigte den üblichen Käse.

SVT24, der Nachrichtenkanal des staatlichen Fernsehens, brachte wie früher, als morgens noch Videotext im Fernsehen lief, die Nachrichten des Tages in Textform. Freilich graphisch besser aufbereitet.

Fazit: es gib Tage, an dem am Sinn der Erfindung Fernsehen zweifelt.

Klassenkampf im Eisschrank

Während andernorts nach offiziellem Frühlingsbeginn auch wirklich so etwas ähnliches wie Frühling anfangt, fährt der Winter hier nochmal die schweren Geschütze auf. Die Sonne strahlt zwar, und auch die Vögel zwitschern, aber die Temperaturen pendeln zwischen -3°C und -10°C. So bringen mir auch die längeren Tage nicht viel, und das Joggen ist fast unmöglih, da der Schnee sich an vielen Stellen zu nicht ganz ungefährlichem Eis verdichtet hat.

Da ist es doch schön, als altes sozialdemokratisches Schlachtross in trauter Runde der Genossen Arbeiterlieder zu schmettern und wirre Anträge mit Titeln wie „Kaboom“ zu diskutieren. Letztes Wochenende war nämlich die ARSK (gesprochen „Arschk“), die jährliche Konferenz des SSU Stockholm. Unter anderem wurde beschlossen, dass die norwegische Frauenquote von 40 % in Firmenvorständen auch in Schweden eingeführt werden soll und Feuerwerkskörper allgemein verboten werden sollen. Eine Entschärfung der staatlichen Alkoholpolitik wird abgelehnt, und auch Bargeldzahlung in Nahverkehrsbussen soll abgeschafft werden. Das klingt alles etwas albern, ist es aber eigentlich nicht. Wie in jedem politischen Verband muss die eigene Linie gefunden und diskutiert werden, genauso wie die Landesdelegiertenkonferenz (LDK) der Jusos Baden-Württemberg eher das politische Zusammenspiel und Selbstfindung fördern. Gerade an diese Konferenzen erinnert mich die ARSK sehr. War ich allerdings bei den LDKs der Jusos zwar dreimal anwesend, aber kein einziges Mal Ersatzdelegierter geschweige denn Delegierter, so hat man mich hier, ohne mich zu einer Wahl stellen zu müssen, zum Delegierten ernannt, was bei mir starke Irritationen hervorrief, als ich beim Verlesen der Namensliste genannt wurde und eigentlich hätte „Ja“ rufen sollen. Mein Wochenende als „Röstboskap“ (exakte Übersetzung „Stimmvieh“) habe ich jedenfalls genossen. Zwar entzogen sich die meisten Redebeiträge meinen doch noch etwas eingeschränkten Sprachinterpretationsvermögen, aber dank Antragspapieren konnte ich halbwegs folgen.

Die Verfahrensweise beim SSU (das ist auch die Abkürzung für den ganzen sozialdemokratischen Jugendverband in Schweden) und wohl auch anderen Parteien und deren Organisationen ist allgemein etwas anders als in Deutschland. So wird bei Abstimmungen einfach kollektiv ein „Ja“ geschmettert. Erst, wenn es Zweifel gibt, wird mit Hochhalten der Stimmkarten abgestimmt. Führt auch das zu keinem klaren Ergebnis, wird gezählt. Die Möglichkeit, sich zu enthalten, existiert dabei nicht. Allgemein geht man auch eher pragmatische Wege bei solchen Dingen. Bei der Jahreshauptversammlung meines Klubs vor einem Monat wurden die Kandidaten für die Posten im Vorfeld von einem Wahlkomitee (auch eine Art Ältestenrat, weil es vorwiegend altgediente Genossen waren) gesucht, um somit für jeden zu wählenden Posten jemanden zu haben. Das ist prinzipiell natürlich gut, allerdings war ich sehr irritiert, dass auch diese Wahlen per Akklamation stattfanden, da es immer nur einen Kandidaten gab. Lediglich bei der Wahl der Nominierung für einen Posten im Redaktionskomitee der Verbandszeitung eine Woche später fand eine geheime Wahl statt. Die Krönung war nun am Sonntagmorgen, als es einen 15:15 Patt bei der Abstimmung gab und am Schluss gelost wurde, welcher der beiden gegeneinander gestellten Anträge angenommen wurde.
Vielleicht liegt es an der offenen schwedischen Art, dass hier nicht hinter dem Rücken Mehrheiten zusammengeschmiedet werden, die dann im Geheimen verteidigt werden können. Dennoch würde dieses allzu offene Vorgehen in Deutschland misstrauisch beäugt werden – was auch verständlich ist, denn unser Verfahren erzeugt zwar viel mehr Aufwand, ist aber prinzipiell die korrektere, denke ich. Eigentlich steht es mir jedoch nicht zu, die schwedischen Verfahren zu beurteilen. Politik ist sowieso immer ein schmutziges Geschäft.

Apropos Politik: am Sonntag wird ja mächtig gewählt. Das habe ich per Brief schon getan – natürlich meine eigene Partei. Eine Hoffnung auf Schwarz-Rot in Baden-Württemberg habe ich allerdings nicht wirklich. Rot-Grün wäre illusorisch. Dennoch hoffe ich, dass zumindest die FDP in Baden-Württemberg nach ihren ganzen Spenden- und Flowtexaffären auch einmal einen Denkzettel verpasst bekommt und wieder lernt, wie es in der Opposition ist. Es würde der Landespolitik auch endlich etwas Bewegung verschaffen, die sie auch nötig hat. Meine unrealistische Hoffnung lautet daher zwar Rot-Grün, aber meine realistische Hoffnung ist Schwarz-Grün. Ich hoffe inständig, dass Kurt Beck in Rheinland-Pfalz wiedergewählt wird. Anscheinend machen die dort ganz gute Arbeit, und Christoph Böhr ist jetzt auch nicht gerade eine übermäßig sympathische Figur.

Nichts erspart

Manchmal im Leben bleibt einem wirklich nichts erspart:

  • die Vogelgrippe kommt: die Spamversender haben sich schon darauf eingestellt und verbreiten munter, dass man sich mit einem Mittel namens Tamiflu gegen Grippe schützen könnte. Und hoffen, dass genügend Leute dumm genug sind, das auch gegen Vogelgrippe wirksam zu halten. Auch hier hat man schon mächtig Schiss vor der „Fågelinfluensan“ – wie gut, dass ich keine Katze habe.
  • Mein Computer macht lustige Späße – der CPU-Kühler rührt sich wenig bis gar nicht, so dass ich „von Hand“ (d.h. mit offenem Fenster) kühlen muss. Jetzt, da ich alles für teures Geld neu gekauft habe, läuft er auf einmal wie ne eins.
  • Deutschland verliert souverän 1:4 – Klinsi kann dies nicht als taktische Niederlage verkaufen und fliegt gleich mal in die USA zurück. Wörns wurde rausgeworfen, guckt dumm aus der Wäsche und schießt heute ein Tor aus Trotz, weil er nicht mitspielen durfte. Vielleicht überstehen wir gar nicht erst die Vorrunde und müssen so gar nicht gegen Schweden spielen, was mir eventuell einen schwierigen Abend im Juni ersparen würde.
  • Nach 8 Monaten erzählt man mir, dass ich eigentlich schon zu alt bin, um mit meiner Familie krankenversichert zu sein. Stattdessen habe ich die ganze Zeit stramm meine 56€ im Monat abdrücken dürfen. Vielleicht sollte ich mich einfach aus Deutschland abmelden. Ich fühle mich auch schon furchtbar alt.
  • Während hier gerade die 532. Vorrunde zum Eurovision Song Contest im Fernsehen läuft, wird man bei uns die Entscheidung zwischen Thomas Anders (!), Vicky Leandros (!!!) und Texas Lightning fällen dürfen bzw. müssen, denn mehr sind nicht in der Endrunde. Während man hier in Schweden diesen albernen Wettbewerb als nationales Ereignis mit Titelseitenqualität inszeniert, um dann am Schluss doch nur mit großer Begeisterung einen miesen Platz abzuräumen, gibt man sich bei uns die aufs Miniformat reduzierte Variante und hat dafür ausgerechnet zwei Künstler ausgewählt, bei deren Teilnahme ich nur sehr verschämt für Deutschland stimmen könnte. Wenigstens gibt es mit Texas Lightning (Band mit Olli Dittrich) einen ansatzweise alternativen Hoffnungsschimmer. Darum meine kleine parteiische Bitte: Wählt am Donnerstag Texas Lightning, damit ich hier nicht eingehe im Mai!

Und sonst? Schneetreiben vom Feinsten, aber hübsch siehts aus….

Worte zum Tage

Am Rosenmontag bin ich geboooooren,
am Rosenmontag, in Mainz am Rhein.
Bis Aschermittwoch bin ich verlooooren,
denn Rosenmontagskinder müssen närrisch seein,
denn Rosenmontagskinder müssen närrisch sein.

Man spricht dieser Tage verstärkt darauf an, ob es hier so etwas wie Fasnacht/Karneval/Fasching gäbe. Abgesehen von einer Jazzbar, die den Namen Fasching trägt, gibt es nichts dergleichen. Das verwundert auch nicht weiter, denn Karneval ist bekanntermaßen so katholisch wie der Papst, und daher findet man eine solche Tradition in evangelischen Gegenden nur vor, wenn Katholiken in unmittelbarer Nähe sind, z.B. im Schwäbischen. Auf Schweden trifft das nichtmal ansatzweise zu – hier sind nur 150.000 Katholiken zu finden. Bis man auf nennenswerte Ansammlungen stößt, muss man zwar nur über die Ostsee nach Polen (verdammt katholisch), aber auf dem Landweg wird es schwer, denn zwischendrin kommen Dänemark (35000 Katholiken bzw. 0,6 % Katholiken) und Schleswig-Holstein (6,3 % Katholiken).

Insofern erscheint es mir etwas albern, dass einige aus meinem Schwedischkurs sich in der nächsten Stunde verkleiden wollen. Zwar kommt zumindest eine der drei aus Schleswig-Holstein, aber es könnte definitiv daran liegen, dass sie in Mainz studieren. Als Antwort hat einer schon in Unkenntnis der Materie vorgeschlagen, man könnte am Donnerstag verkleidet kommen. Dabei ist am Aschermittwoch bekanntermaßen alles vorbei. Gott sei Dank….

Geständnis

Es ist nicht zu verleugnen – der konstante Geschichtenfluss ist hier Mitte November versiegt. Dabei gäbe es viel zu erzählen. Nicht das, was ich momentan oft gefragt werde: ist es in Schweden kalt? (Antwort: Nein, zumindest diesen Winter nicht) Wie ist es dort? (Antwort abhängig vom Zusammenhang) usw.

Es ist ja nicht so, dass nichts passiert wäre. Nach zweimonatigem Tief habe ich die allermeisten Sachen an der Uni doch noch irgendwie zu Ende gebracht – allerdings auch 10 kg zugelegt. Meine Lauf- und Trekkingschuhe wurden mir geklaut – vermutlich von den komischen Menschen, die sich um den Container herumtreiben. Eine schnelles Wiedererreichen der alten Form war also auch ausgeschlossen. Das wird sich nun ändern. Gleich nach meiner Ankunft hier in Deutschland habe ich neue Schuhe gekauft. Die Laufauswahl im Frühling ist zwar sehr mager in Stockholm, aber ein paar wird es geben. Das Ziel ist in jedem Fall klar: Marathon in Stockholm im Juni.

Es gibt aber auch Positives zu berichten. Beispielsweise ist es mir gelungen, aus dem Container auszuziehen. Ich wohne nun in einem Zimmer mit echten Wänden, ohne Zug, dafür mit Supermarkt. Da kann man nicht meckern.
Highlight des letzten Monats war aber zweifellos, das Nobelbankett, das ich im nächsten Beitrag stellvertretend für den fehlenden Monat in epischer Breite darstellen werde. Es war überragend…

Zunächst aber mal wünsche ich allen Lesern, die mir noch die Treue halten frohe Weihnachten!

Wie ich die Nobellotterie (und den Parkplatzkrieg) gewann

Manche Menschen gewinnen selten bis nie. Ich gewinne manchmal. Zum Beispiel wurde mir bei einem Gewinnspiel mal ein AMD-Athlon-Gehäusesticker zugelost. Dummerweise hatte ich zu der Zeit keinen Athlon. Auch toll war das interne Fußballtippspiel bei DASDING zur WM 2002. Ich siegte souverän und gewann 50 € – allerdings haftet mir der Verdacht an, ich habe die Datenbank manipuliert. Dem war nicht so – ich hatte schlicht in Wagemut und fußballerischer Unkenntnis auf ein schwaches Abschneiden Frankreichs und ähnliche Spinnereien getippt. Zeitzeugen werden sich erinnern, dass Frankreich torlos ausschied. Nicht minder überraschend kam Deutschland ins Finale. Die 10 Sonderpunkte für einen Titelgewinn unseres Landes konnte ich allerdings leider nicht einstreichen.

Parking Permission

Zu oft bin ich auch auf der Verliererseite gewesen. Auf einen überragenden Lottogewinn warte ich bis heute. Allerdings wäre hierzu auch eine Lottoteilnahme notwendig. An Oddset bin ich spektakulär gescheitert. Mathematisch sinnvoll hatte ich auf die Kombinationen mit der niedrigsten Quoten genommen. Nach 6 Spielen auf dem Tippschein war ich in der Gewinnzone angelangt. Da meinte ein Mitschüler, Manchester United würde unbedingt gegen Arsenal oder Wimbledon oder so gewinnen. Mein Ergebnis war prächtig – sämtliche 6 Niedrigquotentipps waren wie erwartet ausgegangen. Und ManU? Wenn sie wenigstens anständig verloren hätten. Stattdessen haben sie 1:1 gespielt. Diese Pfeifen.

Heute habe ich aber gewonnen – es ist zwar nur so ein Halbgewinn wie dereinst beim NYC Marathon, denn dort gewinnt man auch nur die Berechtigung, ein Ticket zu kaufen. Genauer gesagt bekommt man beim Marathon einfach das Geld abgebucht, ohne erneut gefragt zu werden. Bei meinem heutigen Gewinn wurde ich aber gefragt, denn ich habe die Berechtigung, Karten für das Nobelbankett zu kaufen, gewonnen!
Ja, das heißt, ich werde am 10.12. am Bankett nach der Preisverleihung des Nobelpreises teilnehmen dürfen.

Billig ist es freilich nicht: 1000 kr für die Karte, 300 kr für die After-Show-Party und 1800 kr für die Ausleihgebühr des Fracks. Ja, ich muss nämlich mit Frack dort auftauchen, und zwar mit weißer Weste und weißer Fliege – anders kommt man gar nicht erst rein. Meine bezaubernde Begleitung soll ein Ballkleid tragen. Allerdings versuche ich gerade möglichst neutral und diplomatisch zu entscheiden, wer denn mit darf. Ich hoffe, das kommt bei den in der engen Auswahl befindlichen auch so an – wäre schade, wenn es deswegen lange Gesichter geben würde.

Etwas anderes habe ich auch noch gewonnen: meinen kleinen Parkplatzkrieg. Urplötzlich war ja doch jemand zuständig. Mittlerweile habe ich eine wundervolle Parkgenehmigung. Wir sind seither unzertrennlich und machen alles zusammen. Nächste Woche mache ich ihr einen Heiratsantrag.

Zum Schluss nach knallharte (gelegentlich auch flüssige) Neuigkeiten: meine erste Packung Toilettenpapier ist leer. Wie das statistische Bundesamt daraufhin ermittelte, beträgt mein durchschnittlicher Verbrauch daher 9,9 Blätter pro Tag.

Der Reihe nach – Nachlese

Der Oktober 2005 wird in die Geschichte eingehen – als der Monat, an dem hier am wenigsten passiert ist.

Üblicherweise repräsentiert dieses Blog immer, was mir so passiert. Ergo müsste mir in den letzten 4 Wochen so gut wie nichts passiert sein. Das entspricht nicht ganz der Realität. Dennoch steht fest, dass ich in letzter Zeit selten die Zeit und Muße hatte, hier viel zu schreiben. Daher gibt es hier die Dinge etwas kompakter in einzelnen kurzen gestaffelten Beiträgen, und zwar:

  • Hässelbyloppet 2005
  • Wie ich den Parkplatzkrieg gewann
  • Wie meine unglaubliche Karriere als Radiostar begann
  • Hoppla – erster Vorlesungsabschnitt schon vorbei

Ich lebe noch…

…und habe auch einige Dinge, die ich hier gerne schreiben würde, aber leider keine Zeit. Ende der Woche bzw. nächste Woche gibt es dann das große Update – in Farbe und bunt.

Nicht der Reihe nach: Mami, ich war im Fernsehen!

Nobelpreis Literatur

Eigentlich geht es hier derzeit ja der Reihe nach – aber welterschütternde Ereignisse müssen unmittelbar berichtet werden. Heute wurde der diesjährige Preisträger des Nobelpreises für Literatur verkündet. Der Unterschied zu Physik und Chemie ist nicht nur rein fachlich beträchtlich – hierfür ist nämlich nicht die Königliche Akademie der Wissenschaften zuständig, sondern die Schwedische Akademie. Diese hat eine etwas andere Informationspolitik. Selbst der Zeitpunkt der Bekanntgabe wird erst kurz vorher festgelegt. Auch von Dramaturgie verstehen sie eine Menge: der Vorsitzende der Akademie tritt aus einer Tür heraus und verkündet den Namen des Gewinners in mehreren Sprachen. Die ganze Presse drängelt sich vor eben jener Tür und wartet gespannt. Die Medienpräsenz war auch deutlich höher als bei den anderen Nobelpreisen – was wohl unter anderem auch daran lag, dass es vorher einen kleinen Skandal gegeben hatte, als ein Akademiemitglied sich von der Vergabeprozedur zurückzog. Angesichts dessen, dass die Akademie ohnehin nur 16 Mitglieder hat und normalerweise in der Zeit vor der Nobelpreisbekanntgabe sehr schweigsam ist, eine interessante Begebenheit.

Bianca und ich hatten uns getroffen, um dorthin zu gehen. Wieder einmal durfte man ohne jegliche Kontrolle hinein, musste jedoch zuvor die Tasche an der Garderobe abgeben – was glücklicherweise kostenlos war. Der Saal ist zwar nicht so schön wie in der Wissenschaftsakademie, aber macht doch etwas her. Wir postierten uns und warteten.

Die ganze Verkündung als Film: Hier klicken

Harold Pinter hat ihn bekommen. Nicht, dass mir der Name zuvor ein Begriff gewesen wäre.

Das wirklich Spannende ist für mich nämlich, dass ich in der Tagesschau zu sehen war – und in den Tagesthemen gleich nochmal! Das schafft sonst nur der Kanzler, auch wenn der künftig nichts mehr schafft. Respektable 56 Frames und damit etwas mehr als 2 Sekunden war ich zu sehen – andere müssen für so etwas viel Geld bezahlen.

Hier der Beweis: Hier klicken.

Wer mich trotzdem übersieht, hier eine Nahaufnahme:

Nobelpreis Literatur

Das ganze epochale Ereignis nochmals in Bildern:

Nobelpreis Literatur
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