Schrumpfende Wikipedia

hansbaer Dezember 1st, 2009

Mit Interesse habe ich gerade diesen Artikel auf SPIEGEL Online gelesen.

Der Autor mag da in einigem Recht haben. Jedoch beachtet er zwei Dinge nicht:
1. Die Oberfläche der Wikipedia ist dem Durchschnittsbenutzer so schwer zugänglich, dass mittlerweile nahezu jeder potentielle Mitschreiber, der sich in den Weiten des Internets bewegt, sich schon einmal daran versucht hat. Dass bei vielen Interesse und Zeit Grenzen haben, ist nur allzu verständlich. Daher ist es nur natürlich, dass irgendwann der Zustrom neuer Autor auf einem niedrigen Niveau stagniert. Das Projekt hat seine Jugend hinter sich, und so ist es kein Wunder, dass Ab- und Zustrom ein anderes Gleichgewicht erreichen werden als noch vor einiger Zeit.
2. Ein Artikel ist mit dem Einreichen ja nicht beendet. Er muss auch gepflegt werden. Die liberale Politik der englischen Wikipedia hat zur Folge, dass dort viele Artikel praktisch gar nicht mehr auf Vandalismus überwacht werden, weil eine Wartung von niemandem durchgeführt wird. Es ist ein Wildwuchs, der manchmal interessant ist, oft aber nur nutzlos. Egal, wie man Relevanzkriterien setzt, gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Artikeln, die zugelassen werden können. Die deutsche Wikipedia ist sehr nahe an dieser Wachstumsgrenze. Deswegen muss natürlich die kritische Prüfung von Artikeln dazu führen, dass ein immer größerer Anteil der eingereichten Artikel durchfällt. Ein unendliches Wachstum wurde nie postuliert, und daher sollte man es auch nicht als Ziel nehmen.

Insofern krankt die Wikipedia wohl weniger daran, dass ihr die Autoren massenweise weglaufen, sondern an der Zugänglichkeit für die Autoren. Manches hat sich da geändert, aber es bleibt eine Seite, die schlecht zu bedienen ist. Wenn die Wikipedia eine Herausforderung in der Zukunft da, dann liegt diese eher dort als an einem vermeintlich sinnvollen endlosen Wachstum.

Schwedischer Schilderklassiker

hansbaer November 26th, 2009

Spiegel Online hat entdeckt, dass es in Schweden auch noch andere Schilder gibt außer den berühmten, die auf Elche hinweisen. Letztere sind übrigens dafür bekannt, dass sie gerne von deutschen Touristen geklaut werden. Ersteren wird dies hoffentlich erspart bleiben, auch wenn mir die Wahrscheinlichkeit, wirklich auf diese Art in einem Aufzug zu sterben, geringer scheint als die, bei einer Kollision mit einem Elch umzukommen. Allerdings habe ich auch nach 4 Jahren in diesem Land immer noch keinen in freier Natur gesehen.

Indiana Seitz und der Durchfall des Todes

hansbaer September 28th, 2009

Heute bin ich ganz hin- und hergerissen zwischen:

  1. einem bitterbösen Kommentar zur schlechten Wahlbeteiligung bei der wichtigsten Wahl des Jahres, der Kirchenwahl in Schweden. Dort waren nämlich nur 11,8% bei der Wahl.
  2. einem gewohnt überlangen Beitrag zur gestrigen Wahl. Da waren auch nur rund 60% mehr.
  3. und einem Gesundheitsepos über meinen Aufenthalt in Frankreich im klassischen Stile meiner Fistel-Dialoge. Siehe Überschrift.

Ich entscheide mich gegen alle drei und sage einfach nur ja:

Auf eine Wiederholung dieses Experiments verzichte ich ebenfalls, denn das Ergebnis hätte vermutlich so ausgesehen.

Deutschland_FDP

Gefühlter Zustand der Republik nach gestern abend (Farbe: FDP)

Nach 4 Jahren des Jammerns und des Zeterns sehen wir uns wieder, Potsdamer Platz, 18 Uhr – bringt eure Colts mit. So long (reitet in die Abendsonne)

Marathonläuferin wider Willen?

hansbaer August 7th, 2009

Es ist zwar schon etwas gewunden, wie Ursula hier auf SPIEGEL Online glaubhaft zu machen versucht, dass sie eigentlich gar nicht laufen wollte und es letztendlich doch tat. Aber anscheinend hat es ihr beim Training auf Djurgården und beim Marathon gefallen – das ist wiederum nachvollziehbar.

Gedanken zum Tage

hansbaer Januar 27th, 2009

  • Etwas kurios ist dieser Artikel von Liza Marklund, der aus einem Merian-Heft stammt und bei SPIEGEL Online veröffentlicht wurde. Das ist schon deswegen so, weil Liza Marklund in letzter Zeit viel Kritik dafür bekommen hat, dass ein von ihr geschriebener dokumentarischer Roman wohl doch nicht ganz so faktentreu wahr, obwohl der Untertitel “eine wahre Geschichte” dies andeuten sollte. Marklund schreibt über ihr Stockholm, also anscheinend jenes für alle, die soviel Geld haben, dass der Preis keine Rolle mehr zu spielen scheint. Zu denen gehört sie offenkundig, und so ist ihre Beschreibung von Stockholm zwar irgendwo passend, aber auch ansatzweise snobistisch. Es ist nicht verwunderlich, dass sie nur einen Steinwurf vom Mälaren entfernt wohnt und ihr Büro in der Altstadt hat. Die Vorstädte erwähnt sie vor allem im Zusammenhang mit dem Arlanda Express, einem reichlich teuren Direktzug vom Flughafen in die Stadt. Von Betriebsunfällen spricht sie, wenn sie über diese hässlichen Betonburgen erzählt. Und sie hat recht. Aber man hat gut reden, wenn man in so privilegierter Lage wohnt, und unweit des Stureplan, der offiziellen Sammelstelle für unbezahlbare Nobelboutiquen, seine Klamotten einkauft. Kurios ist auch eine Bildunterschrift. Dort heißt es

    Starke Schwedenkrone: Der Kurswert Stockholms bei Touristen, die hier von Skeppsholmsbron nach Gamla Stan hinüberschauen können, ist genauso hoch

    Interessant, Anspielungen auf einen starken Kronenkurs zu machen, während die Krone gerade in der schwächsten Phase überhaupt ist und im letzten halben Jahr über 10% gegenüber dem Euro nachgegeben hat – vom Dollar erst gar nicht zu reden. Das ist fast schon ein Fall für die Spiegelkritik

  • Letzte Woche Mittwoch war mein Rekord leider vorbei. In den genau 1269 Tagen seit meiner Ankunft in Schweden hatte ich es geschafft, einen eisbedingten Sturz zu vermeiden. Ich bin gerutscht, aber nie gestürzt. Nun eben doch – der Weg vom Schwimmbad zur U-Bahn war spiegelglatt. Ich begann sofort einen neuen persönlichen Rekordversuch. Die 1269 Tage werden erst am 13. Juli 2012 vorbei sein. Drückt mir die Daumen!
  • Ich habe es endlich angegangen, mein Auto nach Schweden umzumelden. Das Verfahren ist unglaublich schnell. Vom Antrag am 13. Januar vergingen gerade einmal 6 Tage bis zur fertigen Bearbeitung. Gestern hatte ich dann den Termin bei Bilprovningen (schwedischer TÜV), bei dem die Identität des Autos und den einwandfreien technischen Zustand des Gefährts bescheinigt wurde. Die zukünftige Autonummer bekam ich gleich mit. Ab dem Moment war ich also aktenkundig, und das Auto ist als “stillgelegt” verzeichnet. Eine Versicherung zu buchen ist leider nicht so leicht, denn importierte Autos fehlen im Computer, so dass man nicht eben online nachschauen kann, was das denn kosten würde. Ich habe verschiedene Angebote eingeholt, die zwischen 210 € und 350 € pro Jahr schwanken. Da habe ich natürlich bei den 210 zugeschlagen. Derweil fertigt die neue Behörde Transportstyrelsen die Schilder. Sobald ich den neuen Fahrzeugbrief/-schein habe, kann ich das Auto in den Verkehr bringen, indem ich es einfach online anmelde und die Steuer entrichte. Manchmal ist die schwedische Bürokratie echt beeindruckend: vom Antrag bis zum ersten Tag im Verkehr sind es drei Wochen, wenn man sich etwas beeilt.
  • Interessant ist auch, dass ich dank der Steuersenkung der Regierung nun trotz Umzugs in eine höher besteuerte Kommune mehr Gehalt bekomme – glaube ich zumindest, denn ich weiß noch nicht, ob mein Umzug schon in die Berechnung mit einfließt.

SPIEGEL-Phänomene

hansbaer Januar 22nd, 2009

Nachdem mir Thomas gestern zwei Topthemen vor der Nase weggeschnappt hat, heute etwas ganz anderes. Irgendwie scheint mir der SPIEGEL momentan angesichts der Ereignisse in den USA so begeistert zu sein, dass er alles amerikanisch bebildern will.

So habe ich gerade das hier entdeckt:

Ausriss aus SPIEGEL-Artikel

Quelle: SPIEGEL Online

Interessant, dass ein Vorschlag der deutschen Bundesregierung mit einem Bild versehen wird, das allem Anschein nach in Amerika aufgenommen wurde – zumindest nach der Form der Schilder und der Modellauswahl zu urteilen. Vielleicht irre ich mich da aber. In jedem Fall wäre eine Reihe deutscher Autos passender gewesen.

Nicht minder verwirrend ist ein Countdown, der zwar schön herunterzählt, aber nicht für den recht vorhersehbaren Fall gerüstet ist, dass er auch mal vorbei sein wird.
bushende

Vielleicht ist das aber auch nur eine andere Art zu sagen, dass 8 Jahre Bush nun wirklich vorbei sind.

Nachtrag 14:18 Uhr: Dass dies ein deutscher Parkplatz sein soll, kann mir jetzt aber wirklich keiner mehr erzählen.

spiegel2

Quelle: SPIEGEL Online

Erstaunlich

hansbaer November 25th, 2008

Vor zehn Minuten schaute ich mir diesen SPIEGEL-Artikel an. Darin enthalten war ein Bild, das angeblich ein Einkaufszentrum im Hamburg zeigte. Ich wunderte mich allerdings über die erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Einkaufszentrum Ettlinger Tor in Karlsruhe, denn diese Spitzbögen dürfte es nicht oft geben. Nun ist das Bild ausgetauscht und zeigt immer noch angeblich ein Einkaufszentrum in Hamburg. Da fragt man sich schon, was denn das erste Bild in Wirklichkeit war…

Späte Rache?

hansbaer Oktober 16th, 2008

Entweder war der Graveur von Trauer übermannt, oder er wollte sich spät rachen: Wie sonst ist es zu erklären, dass die Plakette auf dem Sarg von Jörg Haider als Todesdatum den “11.10.10.2008″ trägt?

Madonna wird 50

hansbaer August 14th, 2008

Carola Padtberg schreibt über Madonna – ich kann nur vollstens zustimmen.

Selbstzünder

hansbaer Mai 21st, 2008

SPIEGEL Online hat ab und zu etwas seltsame Artikel im Angebot, zum Beispiel diesen hier. Da wird argumentiert, der Diesel sei am Ende, weil in der Anschaffung teurer, nicht mehr ganz so langlebig – und nun ist eben auch noch der Kraftstoff genauso teuer wie das Benzin.

Die wichtigste Information bleibt der Artikel aber schuldig: warum ist Dieselkraftstoff denn so teuer geworden? Der gestiegene Ölpreis kann es wohl kaum alleine sein, denn sonst wäre das Benzin ja in gleichem Maße teurer geworden. Der zitierte ADAC-Sprecher sagt im Wesentlichen nur, dass er es selbst nicht weiß.

Komplett unsinnig ist aber ein Argument zum Ende des Artikels: der in der Entwicklung befindliche “selbstzündende Benzinmotor ‘Diesotto’” werde also dem Dieselmotor noch stärkere Konkurrenz bescheren.

Die Argumentation vermengt hier Dieselkraftstoff und Dieselmotor, um die Argumentationskette zu stützen, selbst wenn es gar keinen Sinn macht. Benzinkraftstoff verbrennt schon sauberer als Dieselkraftstoff – soweit wird ja noch ein Schuh draus.
Wer ihn verbrennt und mit welchen Methoden ist jedoch ein ganz anderes Thema. Der “Diesotto” ist nämlich, wie der Name schon andeutet, weder ein reiner Benzin- noch ein reiner Dieselmotor. Vielmehr handelt es sich um einen Motor, der wie ein herkömmlicher Dieselmotor den Kraftstoff durch Selbstzündung verbrennt, aber durch flexibler steuerbare Abläufe auch Benzinkraftstoff verbrennen kann. Letztendlich ist es also das Grundprinzip des Dieselmotors, das hier zum Einsatz kommt, und nicht, wie offenbar der Eindruck entstehen soll, die Abschaffung des Dieselmotors. Denn aus Ingenieurssicht ist der Dieselmotor klar überlegen – er kommt ohne Zündkerzen aus und kann so theoretisch sogar ohne Strom weiterlaufen, bis jemand den Kraftstoffhahn zudreht. Daher ist es auch der große Traum, endlich auch Benzin mit diesem Konzept verbrennen zu können – was nun mit dem “Diesotto” wirklich werden soll.

So mag der Dieselkraftstoff immer teurer werden und auf Dauer vielleicht ein Nischendasein fristen, gesetzt dem Fall, der Preissprung der letzten Monate bleibt so bestehen. Mit der Zukunft des
Dieselmotors an sich hat das aber weit weniger zu tun, als hier der Eindruck erweckt werden soll.

Nachtrag: vielleicht war ich gestern abend nur zu blind, es zu sehen aber jetzt befindet sich in dem Artikel auch einiges über die Gründe des steigenden Dieselpreise. Der Abgesang auf den Dieselmotor in Form von Durcheinanderwürfeln der verschiedenen Techniken ist aber trotzdem genauso unsinnig wie zuvor.

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