SPIEGEL-Phänomene

hansbaer Januar 22nd, 2009

Nachdem mir Thomas gestern zwei Topthemen vor der Nase weggeschnappt hat, heute etwas ganz anderes. Irgendwie scheint mir der SPIEGEL momentan angesichts der Ereignisse in den USA so begeistert zu sein, dass er alles amerikanisch bebildern will.

So habe ich gerade das hier entdeckt:

Ausriss aus SPIEGEL-Artikel

Quelle: SPIEGEL Online

Interessant, dass ein Vorschlag der deutschen Bundesregierung mit einem Bild versehen wird, das allem Anschein nach in Amerika aufgenommen wurde – zumindest nach der Form der Schilder und der Modellauswahl zu urteilen. Vielleicht irre ich mich da aber. In jedem Fall wäre eine Reihe deutscher Autos passender gewesen.

Nicht minder verwirrend ist ein Countdown, der zwar schön herunterzählt, aber nicht für den recht vorhersehbaren Fall gerüstet ist, dass er auch mal vorbei sein wird.
bushende

Vielleicht ist das aber auch nur eine andere Art zu sagen, dass 8 Jahre Bush nun wirklich vorbei sind.

Nachtrag 14:18 Uhr: Dass dies ein deutscher Parkplatz sein soll, kann mir jetzt aber wirklich keiner mehr erzählen.

spiegel2

Quelle: SPIEGEL Online

Es ist soweit

hansbaer Januar 20th, 2009

Die ganze Welt schaut in diese eine Hauptstadt, wo heute unter großem Pomp ein historischer Moment gefeiert wird. Millionen sind angereist, um persönlich zu erleben, wenn heute ein Mann auf eine Bühne tritt und verkündet, welche Betreibergesellschaft künftig die Stockholmer U-Bahn betreuen wird.

Ganz nebenbei wird 6641 Kilometer westlich davon ein neuer US-Präsident vereidigt. Er heißt Barack Obama, und fährt auch gerne mit der Bahn:

Aber wen interessiert das schon?

Mich zum Beispiel, und deshalb werde ich heute etwas länger auf Arbeit bleiben und mir das Spektakel im Internet angucken, wenn ich es technisch hinbekomme. Hier schonmal eine Liste von Videostreams, wo es funktionieren könnte.

Natürlich interessiert mich auch die U-Bahn – vielleicht wird es dazu auch überraschendes im Laufe des Tages geben.

Nachtrag (12:08 Uhr): Es gibt das ganze auch eingebettet zum Ansehen

Nicht schlecht – nur funktionieren muss es.

Die totale Amerikanisierung Schwedens

hansbaer November 10th, 2008

Nachdem ich mir ja schon gestern den Spaß gegönnt habe, deutsche Wahlen nach amerikanischem System zu entscheiden, heute das gleiche für Schweden. 391 Wahlmänner gibt es und somit reichen 146 zum Sieg. Hier hätte sich am Ausgang nichts geändert: Reinfeldt hätte 238 gewonnen, während Persson sich mit 153 hätte begnügen müssen. Das ist auch kein Wunder, denn die beiden größten Län sind derart bevölkerungsreich im Vergleich zum gesamten Land, dass diese beiden Län die Wahl fast alleine entscheiden könnten.

Die totale Amerikanisierung Deutschlands

hansbaer November 9th, 2008

Wahlmännerverteilung bei der Präsidentschaftswahl 2005

Seit gestern lässt mich ein Gedanke nicht mehr los. Was wäre, wenn man in Deutschland das amerikanische Wahlsystem benutzen würden?

Der Bundeskanzler wäre unser Präsident, die Bundesländer wären Staaten, der Bundestag das Repräsentantenhaus und der Bunderat der Senat. Bayern wäre dann wohl ganz klar Texas, und würde immer republikanisch wählen, auch wenn die Partei dort sicher anders hieße (vielleicht Christian Social Republican Party). Der bayerische Gouverneur hätte dann schon zweimal versucht, Präsident zu werden, wäre aber gescheitert. Baden-Württemberg wäre dann wohl am ehesten Georgia: relativ bevölkerungsreich, ähnlich konsequent konservativ. Nordrhein-Westfalen wäre Kalifornien – eine demokratische Hochburg und nur in seltenen Ausnahmefällen zu knacken, wie 2005 bei der Wahl des Ex-Bodybuilders und Action-Schauspielers Jürgen Rüttgers zum Gouverneur.
Das Saarland wäre das New Hampshire Deutschlands: immer etwas eigenwillig. Zu Zeiten des Gouverneurs Lafontaine wählte man stramm demokratisch, dann wechselten die Wähler zu den Republikanern. Im Moment ist es sogar denkbar, dass Lafontaine, derzeit ein Minority Leader im Repräsentantenhaus und Hobbydemagoge, als Kandidat einer Third Party “The Left” wieder zurückkehrt.
Wer wäre das Ohio Deutschlands? Vielleicht Hessen, wo das republikanische political animal Roland Koch (gesprochen “Rowländ Kotsch”) sich einen Showdown mit der Demokratin Andrea Ypsilanti lieferte? Nicht zu unterschätzen ist aber auch Niedersachsen, wo man ab und an mal zu den Republikanern umschwenkt. Der dortige Gouverneur Wulff hat aber schon deutlich gemacht, dass er nicht gedenkt, für die Präsidentschaft zu kandidieren.

Wie wäre aber die Wahl 2005 ausgegangen, wenn Deutschland nach amerikanischen System wählen würde? Wer würde in dem herrschaftlichen Amtssitz, den man ehrfurchtsvoll “The Washing Machine” nennt, residieren?

Das Wahlmännerkollegium hätte dann natürlich so viele Mitglieder, wie die jeweiligen Staaten an Vertretern im Kongress haben – also die zwei Senatoren plus alle Abgeordneten im Repräsentantenhaus. Letzteres hat bekanntermaßen 598 Mitglieder. Die Verteilung lässt sich nach dem Huntington-Hill-Verfahren berechnen (Ergebnis siehe Karte).

Hier also das hochoffizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahl:

Kandidat / Vize Partei Wahlmännerstimmen
Gerhard Schröder / Joschka Fischer German Social Democratic Congress, Green Party 384
Angela Merkel / Guido Westerwelle Christian Republican Union (alle außer Bayern), Christian Social Republican Party (Bayern), Tax Reduction and Free Market Party 246
Oskar Lafontaine / Lothar Bisky The Left, Concrete Communist Party 0

2005 war also ein klarer Sieg für die Demokraten. Neben den traditionellen Hochburgen Bayern und Baden-Württemberg konnten sich die Republikaner nur Sachsen, das Saarland und Rheinland-Pfalz sichern. Letzteres war dabei eine Überraschung, den der Staat des beliebten Gouverneurs Curt Back war nicht zu den Swing States gezählt worden.
Leider hatte man bei den Demokraten übersehen, dass Schröder gar kein drittes Mal kandidieren darf, was gegen die Verfassung ist. Daher wurde trotzdem Merkel gewählt, die sich mittlerweile großer Beliebtheit erfreut.
Ein solcher Fehler soll den Demokraten nicht noch einmal unterlaufen. Daher hat man schon vor den Vorwahlen den hoffnungsvollen Kandidaten Frank-Walter Stonemeyer lanciert.

Bleibt nur abzuwarten, was die Wähler dazu sagen werden.

Heute morgen, 5 Uhr

hansbaer November 5th, 2008

Ich erwache auf der Couch vom lauten Jubel, der aus dem Fernseher dringt. CNN hat gerade verkündet, dass ein gewisser Barack Obama zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde.

Große Freude überkommt mich, dass dieses lange und spannende Wahljahr mit diesem Ergebnis zu Ende geht. Nach 8 dunklen Jahren unter einem unfähigen Präsidenten, der sein Land von Krise zu Krise und in einen unsinnigen Krieg geführt hat, besteht nun zumindest die Hoffnung, dass bessere Zeiten anbrechen.

Großen Respekt habe ich auch vor John McCain. Er beendete eine teils unwürdige Kampagne mit einer sehr würdigen Rede.

Für amerikanische Verhältnisse ist es ein Erdrutschsieg, aber eines gibt mir zu denken. McCain hatte eine untragbare Vize-Kandidatin, einen extrem unbeliebten Präsidenten in der eigenen Partei und einen sprunghaften Wahlkampf. Für Obama stellten sich Menschenmassen an den Wahllokalen an, und trotzdem reichte es am Schluss zu nicht mehr als einem Ergebnis von 52% zu 47%. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die jungen Amerikaner diese Wahl entschieden haben.

Barack Obama wird die nächsten vier Jahre dafür einsetzen müssen, auch die älteren für sich zu gewinnen.

Change

hansbaer November 4th, 2008

Letzte Woche flatterte eine Benachrichtigung über ein Einschreiben ins Haus. Diese muss man in Schweden nämlich wie die meisten Pakete auch bei der Postagentur abholen.

Es war wie erwartet mein Zeugnis. Nun bin ich also auch offiziell ein “Master of Science”, mit einem “major in physics”, wer es genau wissen möchte. Es ist damit mein Lebenstraum erfüllt: endlich kann ich bei den ganzen unnötigen Meinungsumfragen, an denen ich teilnehme, “abgeschlossenes Hochschulstudium” als Ausbildung ankreuzen. Kann es ein größeres Glück geben?

Der Titel des Posts lautet aber “Change” nicht nur wegen meines geänderten Akademikerstatus, sondern wegen der Dinge, die sich auf der anderen Seite des Atlantiks heute abspielen. Ich werde heute nacht mitfiebern. Weil ich begeistert bin, was ein schwarzer Senator mit einer cleveren Taktik und großen Visionen in zwei Jahren geschafft hat und in den kommenden vier Jahren noch schaffen kann. Weil ich mir wünsche, auch in Europa würde man wieder an eine bessere Zukunft glauben und mit ähnlichem Enthusiasmus dafür einstehen. Und, ganz nebenbei, weil ich dann nicht nach Hessen schauen muss.

Derber Humor

hansbaer Mai 11th, 2008

Nach dem Aufreger von heute morgen nun etwas amüsantes zum Wahlkampf in den USA, das nur Deutsche in vollem Umfang nachvollziehen können:

Großartiges Fundstück von Spreeblick.

Clarification

hansbaer Mai 9th, 2008

Wer das Video von neulich in seiner Informationsfülle nicht erfassen konnte: hier eine weitere Botschaft.

Jetzt dürfte aber alles klar sein.

PS: Mein anderer Lieblingskandidat, Alan Keyes, wurde doch nicht Überraschungskandidat der Constitution Party. Jetzt darf er erstmal wieder gegen Honorar reden halten, um seine Kriegskasse für 2012 zu füllen.

Klare Botschaften

hansbaer April 22nd, 2008

Ich bin ja schon so gespannt – in 5 Stunden schließen die Wahllokale in Pennsylvania, und ich hoffe natürlich auf Barack’n'Roll.

Trotzdem sollte man natürlich auch den Kandidaten etwas Platz einräumen, die weniger bekannt sind, aber klare Botschaften vertreten.

Heute: Mike Gravel

Das musste ja auch mal gesagt werden.

Fotos

hansbaer April 15th, 2008

Nachdem ich mich gestern über Fotos aufgeregt habe und Thomas heute berechtigte Kritik an Fotowettbewerben übt, kommt mir mein Lieblingsfoto aus dem bisherigen amerikanischen Wahlkampf ein, nämlich dieses. Es zeigt Alan Keyes – und wie es um dessen Wahlkampf steht, sieht man von selbst. Keyes könnte auf alle Fälle neue PR-Leute gebrauchen, denn wie die Satireseite Indecision 2008 bemerkt:

Wussten Sie, dass Alan Keyes ein sehr großzügiger Arbeitgeber und bereit ist, unausgebildete, unerfahrene Internetredakteure in seine PR-Mannschaft aufzunehmen?

Das ist sehr treffend – anders ist es kaum zu erklären, dass das Foto lange Zeit auf der Startseite war.

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