Arboga-Mordprozess: Christine S. verurteilt

Die 32-jährige Angeklagte Christine S. im Mordprozess um die Morde in Arboga ist heute morgen für schuldig befunden worden.

Zwar liegt noch kein endgültiges Urteil vor, aber die Prozedur in Schweden scheint so zu sein, dass eine psychiatrische Untersuchung erst nach einem vorläufigen Beschluss durchgeführt wird. Die Frage war, ob die Frau in Haft bleiben muss oder bis zum Urteil auf freien Fuß gesetzt wird. Nach einer 80-minütigen Beratung gestern und einer weiteren 90-minütigen Beratung heute morgen nun der Beschluss des Gerichts:

Eine überzeugende Beweisführung wurde vorgelegt, dass die Angeklagte des Mordes und des Mordversuchs in Übereinstimmung mit der Anklage schuldig ist.

Der Beschluss des Gerichtes war einstimmig,

Die Verurteilte wird nun untersucht werden. Das Urteil wird dann entweder auf Unterbringung in einer Psychiatrie oder Gefängnis lauten.

Anscheinend ist es möglich, dass ein Verurteilter bis zum endgültigen Urteil auf freien Fuß gesetzt wird. Das hat das Gericht aber wegen Fluchtgefahr abgelehnt. Die Verurteilte erhält aber erweiterte Freiheiten. So hat sie nun Zugang zu Zeitungen, Radio und Fernsehen. Sie darf auch Besuch empfangen.

Das Urteil steht natürlich auf wackligen Beinen, denn ein höheres Gericht kann den Mangel an handfesten Beweisen anders bewerten. Es bleibt eben dabei, dass es außer einem vagen Zusammenhang bei den Schuhen, den der Täter getragen hat, kaum etwas gibt, das einen Aufenthalt von Christine S. am Tatort belegt.

Im Sinne der Gerechtigkeit ist es aber das richtige Urteil.

Sicherlich muss immer die Unschuldsvermutung gelten. Dennoch hat die Angeklagte mit ihrem Auftreten vor Gericht, dass Beobachtern als kühl und berechnend erschien, schon von vorneherein wenig Sympathien gesammelt. Sie hat auch nichts dazu beigetragen, die Vorwürfe gegen sie zu entkräften. Kernpunkt im Urteil wird aber wohl ihr vollkommen unglaubwürdiges Alibi sein.
Niemand kauft ihr ab, sie wäre an einem Tag mit schlechtem Wetter extra für teures Geld nach Arboga gefahren, um dort in den letzten Stunden des Tageslichts eine alte Steinburg anzuschauen. Fotos hat sie keine, und ihre Angaben zum Zeitpunkt der Rückfahrt stimmten ebenso wenig. Dass sie dann angebliche Freunde aus Köping aus dem Hut zauberte, die sie mitgenommen haben sollen, aber deren Namen sie nicht nennen wollte, mag sehr gut den Ausschlag gegeben haben, dass keiner der Richter mehr glaubte, dass es sich hierbei um die Wahrheit handelt.

Sollte sie wirklich unschuldig sein, dann hätte sie während des Verfahrens mit der ganzen Wahrheit herausrücken müssen. Nun ist sie eine verurteilte Doppelmörderin – und das mit großer Wahrscheinlichkeit auch zurecht.

3 Gedanken zu „Arboga-Mordprozess: Christine S. verurteilt“

  1. Dass die Frau unsymphatisch rübekam und sich prozesstaktisch ungeschickt verhalten hat, ist hinreichender Grund sie zu verurteilen? Merkwürdiges Konzept von Strafprozess, dass Du da offenbar hast. Sorry für meine kräftige Sprache, aber das kann ich so nicht unkommentiert stehen lassen.

  2. Ich glaube, Du versteht mich da etwas falsch: ich will nicht behaupten, dass das ein ausreichender Grund ist, sondern meine das im Kontext dessen, dass dem Gericht die Aussage der Angeklagten unglaubwürdig erschien. Ich kommentiere nur das Urteil und ihr Auftreten vor Gericht – vielleicht nehme ich da auch zu sehr Bezug auf vorige Artikel meinerseits zu diesem Thema.

    Ich hätte mich sicherlich nicht darüber beschwert, wenn sie aus Mangel aus Beweisen freigesprochen worden wäre. Vermutlich hätte ich als Richter das genauso gemacht, weil bei einem rechtsstaatlichen Prozess eben alle Zweifel ausgeräumt sein müssen, und dass ist in dem Fall nicht gegeben.

    Es gibt Fälle, bei denen man genau weiß, dass der Angeklagte eigentlich schuldig sein muss, aber man nichts gegen ihn in der Hand hat. Es ist anzunehmen, dass sie die richtige verurteilt haben, aber wissen tut man es nicht.

    Ihr unkluges Verhalten, insbesondere die Weigerung, auch nur ein noch so kleines Stück entlastendes Material zu liefern, hat sicher zu diesem Urteil beigetragen. Leider kann man nicht in die Köpfe der Verteidigung hineinschauen, so dass man nie erfahren wird, wieso sie ausgerechnet so gehandelt hat und nicht anders.

  3. Immerhin stehen ihre Chancen gut, dass das Urteil in zweiter Instanz kassiert wird. Wennich die hiesigen Zeitungsberichte über das schwedische Strafprozessrecht richtig verstanden habe, urteilt in erster instanz eine Art Jury aus Laienrichtern, in der Rechtsmittelinstanz dann aber Berufsrichter. Und dieser Verfahrensgang (erstinstanzliche Verurteilung, dann Freispruch in der Rechtsmittelinstanz) sei häufig zu beobachten.

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