Delengkal Weblog

Sinnfragen von einer Insel vor Stockholm

Anna Sjödin verurteilt

Die Vorsitzende der schwedischen Jusos, Anna Sjödin, ist wegen ihres Kampfs mit einem Sicherheitsmann in einer Stockholmer Disko Anfang dieses Jahres in allen Anklagepunkten für schuldig befunden worden. Das wiegt schwer, denn die Anklage enthielt auch den Vorwurf rassistischer Beleidigungen gegen den Türsteher.

Sie muss nun 120 Tagessätze zu je 300 Kronen (32,50 €) bezahlen. Das wird ihr aber viel weniger weh tun als die politischen Konsequenzen. Die aufstrebende Jungpolitikerin ist damit nämlich so gut wie erledigt. Auf ihrem Posten wird sie sich jedenfalls kaum halten können.

Nordkorea aktuell




Arschbombe

Originally uploaded by HansBaer.

Das Titanic-Magazin wie immer grossartig mit diesem Startcartoon gestern.

Ausserdem heute:

  • 13:00 Uhr: Der Nobelpreis für Literatur wird bekanntgegeben – ich werde leider nicht persönlich dabei sein. Mein Tipp ist aber: es gewinnt ein Amerikaner
  • 13:30 Uhr: Anna Sjödin (treue Leser werden sich erinnern) erhält heute ihr Urteil.
  • Irgendwann heute nachmittag: die kleine nordkoreanische Presseschau – was die vielzitierte Nachrichtenagentur KCNA so aus Nordkorea berichtet.

Kurz eingeschoben: Bussgeldkatalog

Wie ich neulich dem deutschen Programm von Radio Schweden vernommen habe, kostet zu schnell fahren in Schweden schon ab dem ersten km/h satte 2000 kr (215 €). Unangeschnallt fahren schlägt immerhin mit 1500 kr (160 €) zu Buche, und eine rote Ampel überfährt man für 3000 kr (320 €) – alle Werte sehr ungefähr und aus meiner Erinnerung.
Nichtsdesotrotz: kein Wunder, dass die Schweden so korrekt sind, selbst wenn sie im Ausland als Diplomaten unterwegs sind und richtig die Sau heraus lassen könnten, weil sie ja nicht zahlen müssen. Hierzulande löhnt Falschparken nämlich rund 450 kr (50 €).

Hilfreich könnte aber auch ein Aufkleber sein.

Apropos teurer Spass: die Kulturministerin hat eine Pressekonferenz abgehalten und tritt – surprise, surprise – nicht ab. Sie wird aber nachzahlen. Die 20.000 kr (2.150 €) dürften ihr bei ihrem Gehalt nicht so sehr weh tun.

Rekordpreise für Verkehrsstösse kann man übrigens in Finnland zahlen. Dort wird nämlich die Bussgeldhöhe nach den Einkommensverhältnissen bestimmt, was einen Millionärssohn schon einmal 170.000 € gekostet hat.

Polit-Ticker (2): GEZ-Preller und Schwarzarbeiter

Sehr lustig ist allerdings, was sich so alles bei der neuen Regierung tut.

Zunächst haben wir da die neue Kulturministerin Cecilia Stegö Chilò (siehe Metro-Ausriss von heute auf dem Bild), die nun unter anderem für den Bereich Fernsehen zuständig ist und damit auch die Hoheit über das staatliche Fernsehen SVT hat. Auch in Schweden gibt es so etwas wie eine GEZ-Gebühr, allerdings nur für das Fernsehen, welches dafür wiederum werbefrei ist, aber leider beträchtliche Teile des Tages überhaupt nicht sendet.

Der Mann von Frau Chilò hat auch kürzlich ganz korrekt den Fernseher der beiden angemeldet – schliesslich sollte man für den eigenen Verein schon zahlen, meinten die offenbar wohl. Dummerweise kam nun heraus, dass sie die letzten 16 Jahre (!!!) auch schon einen Fernseher hatten, der aber nicht angemeldet war. Das bringt die Gute, die übrigens von der grössten Regierungspartei Moderaterna kommt, schon nach 5 Tagen im Amt doch etwas in Erklärungsnot. SVT forderte gleich mal ihren Rücktritt. Sie selbst war heute auch für grosse Medien wie Svenska Dagbladet nicht zu erreichen.

Handelsministerin Maria Borelius (Moderaterna) hat allerdings auch eine ordentliche Leiche im Keller. Bei ihr kam heraus, dass sie in den 1990er Jahren ein Kindermädchen schwarz angestellt hat. Und das, obwohl das Ehepaar Borelius in dem Jahrzehnt alles in allem 16 Millionen Kronen (nach heutiger Rechnung ca. 1,7 Mio. Euro), was ja schon eine ganze Menge ist und sicher für eine legale Beschäftigung ausgereicht hätte. Borelius war hingegen gleich zu einem Interview bereit und entschuldigte sich vielmals.

Dagegen nimmt sich die Überraschung bei der Ernennung des Ex-Ministerpräsidenten Carl Bildt (Moderaterna) zum Aussenminister noch recht harmlos aus. Dass man ihn zurückholte, hatte einige gewundert, schon alleine, weil sich Reinfeldt und er nicht gerade grün sind.

Polit-Ticker (1): Billström abgesägt

Nordkorea hat doch keine zweite Atombombe getestet, was etwas Luft für andere Dinge gibt.

Nachdem sich die Folgen der Wahl schon vergangene Woche mit der Wahl Fredrik Reinfeldts zum neuen Statsminister (d.h. Ministerpräsident) manifestierte, scheint es bei meiner eigenen Partei auch hoch her zu gehen. Annika Billström, vor der Wahl noch Bürgermeisterin und Spitzenkandidatin, wurde abgesägt. Stattdessen soll die ehemalige Ministerin Carin Jämtin Oppositionsbürgermeisterin werden. Wer sich bei dem Begriff fragt, was das sein soll, fragt sich zurecht – das Stockholmer System wirkt aus deutscher Sicht etwas eigen. Eigentlich gibt es nicht einmal einen Bürgermeister, sondern nur mehrere Amtsinhaber mit dem Titel Borgarråd (also ungefähr Bürgerrat), die wie Beigeordnete in einer deutschen Stadt bestimmte Aufgabenbereiche hat. Der wichtigste ist der Finansborgarråd, der dann am ehesten der Bürgermeister ist. Die Opposition hat je Fraktion einen sogenannten Oppositionsborgarråd. Der hat bei der Stadtregierung wohl nicht so viel zu melden, aber immerhin einen schönen Titel. Ist ja auch was.

Nun ist also Carin Jämtin die „heisseste Kandidatin“, wie dieser Ausschnitt aus Stockholm City zeigt – Machos werden entgegen, dass sie gar nicht so heiss wäre. Gegenkandidat ist übrigens mein vorübergehender mittsommerlicher Chef, der ehemalige Borgarråd für Kultur- und Arbeitsmarktsborgarråd Roger Mogert.

Alarm, Alarm

Bei den Ereignissen heute muss natürlich auch noch ein ernsthafter Kommentar zu Nordkorea her. Das Land ist neuerdings mein Lieblingsthema und steht ganz oben auf meiner Wunschurlaubsliste – nach den heutigen Ereignissen fragt sich allerdings, wie lange noch.

Wie immer bei Nordkorea weiss man nicht, was wahr ist und was Dichtung. Fest steht aber, dass dieses Mal etwas passiert ist. Ich sitze hier ja nahe an der Quelle, wenn man so will. FOI, meine Diplomarbeitsstelle, wird zwar nicht mittels der Detektoren, mit denen ich auch zu tun habe, feststellen können, dass etwas passiert ist, aber die seismische Messstelle Hagfors hat etwas gemessen:

FOI kann bestätigen, dass am 9. Oktober 2006 eine Sprengung mit einer Stärke von ungefähr einer Kilotonne in Nordkorea stattgefunden hat. Seismische Daten, unter anderem von der Station in Hagfors, registrierten eine Sprenungn um 1:35:28 GMT (3:35:27 MESZ). Die Stärke war ungefähr 4 auf der Richterskala […]
Die Explosionsstärke von einer oder wenigen Kilotonnen ist bemerkenswert niedrig für eine erste Probesprengung einer plutoniumbasierten Implosionsladung. Die typische Stärke för eine Ladung der ersten Generation ist eher in der Grössenordnung von einigen 10 Kilotonnen. Ein nordkoreanischer Atomtest mit der Stärke einer Kilotonne kann aber nicht von vorne herein als fehlgeschlagen angesehen werden.

Meine Chefin ist auf der Seite als Kontakt angegeben und hat daher auch viel zu tun heute.

Mein persönliche Einschätzung ist zwar, dass sich nicht allzu viel ändern wird, ausser dass Nordkorea nun auch seine letzten Freund endgültig verlieren wird und damit noch mehr in die Isolation gehen wird als sowieso schon. Eine einfache Lösung für diesen Konflikt wird es ohnehin nicht geben. Es bleibt abzuwarten, was der Sicherheitsrat heute beschliesst. Allerdings sind die Folgen für die Nordkoreaner fatal, die weiterhin im Glauben gehalten werden, die USA würden sie in Kürze angreifen – die Amerikaner sind neben den Japanern nämlich in der nordkoreanischen Propaganda Sündenbock für alles und jeden. Die zaghafte Öffnung des Landes vor einigen Jahren ist in jedem Fall zum Stillstand gekommen, denn die Sonderwirtschaftszonen nach chinesischem Vorbild zum Aufbau der Wirtschaft werden bei der derzeitigen Situation keine Investoren anlocken. Sollte es zu einer neuerlichen Hungersnot kommen, würde dies massiv Menschenleben kosten, weil das keinerlei Reserven für solche Fälle hat.
Propagandistisch hat es Nordkorea allerdings in einer Hinsicht etwas gebracht: die staatliche Nachrichtenagentur KCNA dürfte bis vor kurzem bei den meisten Redaktionen der westlichen Welt eher als Realsatire gegolten haben. Das wird sich nun zumindest vorübergehend ändern.

Update: Wer sich nicht so recht vorstellen kann sicher ist, ob man denn vor Nordkoreanern Angst haben muss:

Manfred Schneider KPA-Vorsitzender
Manfred Schneider – Vorsitzender der „Korean Friendship Association in Deutschland“

The Ultimate Nobel Experience Reloaded (Preview)

Es ist wieder Nobelzeit – ich war schon auf zwei Pressekonferenzen des Nobelpreises und were dazu in Kürze ein bisschen etwas präsentieren.

Aber nicht jetzt, denn gleich muss ich los nach Kista, später bin ich auf einem Barbecue eingeladen.

Und heute mache ich mal wieder brillantes Radio:21-22 Uhr die Swedish Student Radio Top 20, danach eine Stunde Hello Everybody