Delengkal Weblog

Sinnfragen von einer Insel vor Stockholm

Verraucht

Der schlimmste Fall ist nicht gekommen: die von der Union vorgeschlagene idiotische Regelung zu Rauchverboten in öffentlichen Räumen hat sich nicht durchsetzen können.

Die jetzige Lösung verspricht zumindest eine Reduktion. Auch unnötige Bürokratie wird vermieden, denn nach den Meldungen im September hätten Kneipenwirte bangen müssen, ob ihre Räumlichkeiten mehr oder weniger als 75 Quadratmeter umfassen – Schildbürgerstreiche mit künstlichen Verkleinerungen (eine hübsch dekorierte Holzwand löst das Problem) werden also ausbleiben.

So wird man künftig glücklicherweise zumindest Essen gehen können, ohne von Rauch belästigt zu werden. Immerhin.

Dennoch ist es zu wenig, viel zu wenig. Wenn man sich die mutigen Entscheidungen anschaut, die in ganz Europa getroffen wurden, ist es geradezu erbärmlich. Regierungen unterschiedlichster Richtungen konnten sich dazu durchringen, was in Deutschland offenbar so schwierig scheint. Auch der Raucheranteil des Landes spielte keine Rolle – die Franzosen und Italiener, bei denen Rauchen wohl fast schon ein nationales Kulturgut ist, haben es ebenso durchgesetzt wie die vergleichsweise raucharmen Schweden. Das Echo ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, positiv. Kneipen erleben keinen Gewinneinbruch, selbst Raucher sind mit der Regelung zufrieden und sehen das Rauchverbot in Umfragen positiv.

Der Hintergrund dieser Mittellösung ist klar: die Tabaklobby hat wieder mächtig davon gejammert, dass damit der Wirtschaft erheblichen Schaden entstünde und – damit kriegt man heutzutage letztendlich alle – Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Schon war der hehre Ansatz vom absoluten Rauchverbot gekippt. Letztendlich ist es nicht mehr als die Demonstration der Unfähigkeit der deutschen Politik, Reformen anzugehen. Statt Mut zu beweisen und Dinge zu versuchen, will man niemandem auf die Füsse treten. Heraus kommt etwas, das mittlerweile genauso zum Schipfwort geworden ist wie Reform: ein Kompromiss. Das bedeutet in Deutschland nicht nur, dass man sich für etwas entschieden hat, mit dem alle leben können. Zusätzlich beinhaltet es, dass man sich für etwas entschieden hat, das keiner gut findet. Nebenbei zementiert es die eigene Bewegungsunfähigkeit zur endgültigen Erstarrung.

Fakt ist jedenfalls, dass die Akzeptanz des Rauchens als ein jedem offenstehendes Genussmittel eine Lüge vor sich selbst ist. Würde man die Zahl derjenigen ermitteln, die die im Vergleich zu Zigarillos und Zigarren doch recht minderwertigen Zigaretten nur aus dem Motiv heraus rauchen, dass es angeblich gut schmecke, so würde man auf einen verschwinden geringen Anteil kommen. Nikotin gehört zu den am schnellsten süchtig machenden Substanzen – manche sehen es in der Hinsicht sogar noch vor Heroin. Dass man täglich eine Schachtel aus Genuss raucht, ist Blödsinn, und die Raucher wissen das eigentlich auch. Die allermeisten rauchen aus Bequemlichkeit oder Unfähigkeit weiter.

Vielleicht sollte man sich in Bundestag und Bundesrat einmal vergegenwärtigen, dass man auch die Aufgabe hat, Gesellschaftspolitik zu machen. D.h. man hat eine Vision davon, wie die Gesellschaft von morgen aussehen soll. Und dass in diesem Morgen möglichst wenige Menschen nikotinsüchtig sein sollten, versteht sich eigentlich von selbst.

Immerhin beginnt ein langsames Umdenken. Ab nächstem Jahr kann man endlich nicht mehr ohne Altersnachweis auf der Strasse Zigaretten kaufen. Und wenn sich dann Raucher endlich einmal davonstehlen müssen, um in Raucherecken ihrer Sucht nachzugehen, anstatt dass sich die Nichtraucher permanent der Ignoranz mancher ihrer Mitmenschen aussetzen müssen, ist zumindest ein erster Schritt getan.

Wer hat Angst vorm…

Der moderne Mensch sieht sich nur noch wenigen Bedrohungen ausgesetzt – die Rationalität hat Einzug gehalten, so dass Vulkanausbrüche nicht mehr notwendigerweise der Zorn der Götter sind. In der Schifffahrt muss man nicht mehr befürchten, vom Rand der scheibenförmigen Erde zu fallen, und man hat sogar akzeptiert, dass der Aderlass und starke Stromströße deutlich weniger gesund sind, als man früher annahm. Eigentlich sind alle Risikofaktoren auf rein vernunftbegabte Abschätzungen heruntergebrochen worden.

Aber es gibt Ausnahmen.
Eben beispielsweise durfte ich in epischer Breite im Podcast vernehmen, welche bösen Viren von überall her auf uns einschwirren und vor was man gefälligst Angst haben sollte.

Viel schlimmer ist es aber bei Radioaktivität. Eine vermeintlich seltene Strahlung, die man nicht sieht, spürt, hört oder schmeckt, scheint perfekt zu sein, um irrationalste Ängste hervorzurufen. Kürzlich fuhren wir ja mit einem Mietwagen nach Gävle. Ich habe mich gefragt, wie der Mann am Schalter der Tankstelle reagiert hätte, wenn er gewusst hätte, dass wir radioaktive Quellen dabei haben. Zumindest zögerlich, schätze ich. Es ist genau die Art Angst, die 1986 zu absurdesten Reaktionen auf die Katastrophe von Tschernobyl geführt.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die aktuelle Berichterstattung über den Fall Litwinenko diese Ängste nur anheizt. Überall lauert die Gefahr, ist die Botschaft – schließlich kann man sich radioaktive Stoffe problemlos besorgen.
Was dabei gerne übersehen wird, ist, dass wir ohnehin die ganze Zeit von Strahlung umgeben sind. Salz mit Kalium ist radioaktiv. Aus allen Wänden verströmt der Beton Radon, ein Edelgas, das hierdurch allgegenwärtig ist, wenn auch in geringen Konzentrationen. Die Zerfallsprodukte können sich in der Lunge ablagern und dort ab und zu einmal Krebs erzeugen. Bevor jetzt jemand aufschreckt: das ist die sogenannte natürliche Radioaktivität – die war schon immer da, und wird auch immer da sein. Dass sie auch schaden kann, ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Laut Wikipedia sind 10% aller Lungenkrebsfälle durch Radon verursacht – also 4.000 im Jahr in Deutschland. Es sterben allerdings 6.000 Menschen jedes Jahr in Verkehrsunfällen. Der einfache Schluss: es ist gefährlicher, Auto zu fahren, als Radon einzuatmen. Solche plakativen Beispiele sollen nur verdeutlichen: Radioaktivität erhöht in den allermeisten Fällen nur das Risiko.

Dem sind sich die meisten Menschen natürlich nicht bewusst, und das ist auch nur zu gut verständlich. Doch ich stelle mir schon die Frage, ob durch die Medien irrationale Ängste nicht zunehmen.

Momentan ist es Polonium, das zum ultimativen Teufelszeug gemacht wird. Dass so gut wie jedes Schwermetall hochgiftig ist, fällt hier unter den Tisch. Zudem ist es auch nicht der einzige Alpha-Strahler. Entgegen der landläufigen Meinung, dass Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlen nach deren Gefährlichkeit benannt sind, ist es nämlich so, dass gerade die Alpha-Strahlung zwar sehr kurze Reichweiten hat, dafür aber auf dieser sehr viel Energie abgibt und damit Körperzellen schnell schädigt. Auch unterschlagen wird dabei, dass auch andere Polonium-Isotope als Teil der natürlichen Radioaktivität in der Luft sind – und sie sind alle radioaktiv.

Polonium wird also nicht unbedingt der Nachfolger von Zyankali als Lieblingsmordinstrument für Schwiegermütter werden. Wenn man es sich leisten kann, könnte zum Beispiel auch Plutonium nehmen – der Iran bietet demnächst sicher günstig welches an 🙂

Litwinenko ist wahrscheinlich schlicht daran gestorben, dass er erhebliche Mengen des Metalls im Körper hatte und sowohl an den Vergiftungs- als auch an den Strahlungsschäden gestorben ist. Gerade letztere entstehen übrigens um ein Vielfaches stärker, wenn die Quelle im Körperinnern ist. Dort ist nämlich auch das Gewebe für solche Einwirkungen schlechter gerüstet.

Das Ende der Litanei: ich würde mir wünschen, dass ich solche Sätze nicht mehr lesen muss, weil die Leute bei radioaktivem Material nervös werden:

An Bord der beiden Maschinen nur „sehr niedrige“ radioaktive Spuren entdeckt worden, teilte British Airways mit. Das Risiko für Unbeteiligte sei „gering“.

PS: Scotland Yard hat übrigens auf den Maschinen nicht nachgesehen, um Bürger vom Killermaterial Po-210 zu schützen. Das war schlicht und einfach Spurensicherung.

Satire online

Als ehemaliger TITANIC-Abonnent versorge ich mich heute über das Netz mit Satire. Dazu dient mir natürlich nicht zuletzt die Homepage des Magazins.

Neuerdings hat die Seite auch gewissermassen noch einen Ableger, nämlich die SPAM-Seite von SPIEGEL Online, wofür sich der ehemalige TITANIC-Chefredakteur Martin Sonneborn verantwortlich zeigt.

In letzter Zeit beobachte ich bei mir aber eine gewisse Müdigkeit gegenüber des Humors dort. Es scheint mir, dass die Redakteure die immer gleichen und mittlerweile recht ausgelutschten Stilmittel anwenden. Besonders fällt mir auf:

  • Man versucht eine Pointe einzubauen, indem man in einer Klammer einen vorher nicht dagewesenen Bezug herzustellen versucht. Aktuelles Beispiel: in SPAM wird eine Online-Umfrage mit der Frage

    Welche Länder sollen Ihrer Meinung nach noch mehr Truppen nach Afghanistan schicken?

    gemacht. Unter den Antworten befindet sich

    Deutschland jedenfalls nicht, wir haben schon genug geleistet (20. Jahrhundert)!

    Ist das komisch? Beim ersten Mal vielleicht ja, aber nach dem 30. Mal wirkt es doch sehr bemüht. Ähnliches Beispiel vom 13.11.2006 aus der TITANIC

    Daum: Absage an Telekom

    (…) Daum betonte aber auch, daß die Telekom ihm eine Herzensangelegenheit sei. Schließlich sei er mit einem Telefon großgeworden und habe mit dem Internetanschluß der Telekom unvergeßliche Erfolge gefeiert (Kokain-Großbestellung 1999). (…)

  • In diesem Zusammenhang werden gerne ungebräuchliche Abkürzungen verwendet. Beispielsweise „i.e.“, das der Anglophile als Entsprechung zu „d.h.“ kennen dürfte. Mit derlei Kunstgriffen mag zwar eine gewisse Intellektualität entstehen, die die Macher sicherlich haben – aber für mich ist da eher die Frage, ob man sich dabei nicht zuweit von den zu parodierenden Medien entfernt, denn sowas dürfte auch in DIE ZEIT oder der FAZ selten anzutreffen sein.
  • Die immer wieder angebrachten Anspielung auf den Zigaretten- und Alkoholkonsum der Redaktion sind auch nicht gerade neu.
  • Der SPAM-Rubrik sieht man leider viel zu sehr an, von wem sie gemacht ist. Dass man die entrüstete Kritik einiger Leser an den Beiträgen in voller Länge einbringt, steht zwar in der guten Tradition „TITANIC-Leser stellen sich vor“, ist aber nicht einmal halb so amüsant, und die Kritik leider auch ziemlich berechtigt. Richtig gute Lacher waren bisher jedenfalls die Ausnahme. Kurze Stücke mit häufig mässigen Pointen dominieren das Bild. Sich über Hinterbänkler im Bundestag lustig zu machen oder vermeintliche Heimatkunde zu betreiben geht leider auch am Ziel vorbei, wenn man es mit brillianten Aktionen wie den Einsätzen als falsches Wahlkampfteam für die SPD oder die FDP vergleicht. Dass derartige Perlen der TITANIC-Vergangenheit nun recycelt werden, ist zwar gut gemeint, aber dass man einen schon ziemlich angestaubten Anti-Nazi-Werbespot wieder bringt oder ohne jeglichen aktuellen Bezug darüber berichtet, wie man einmal Eckart von Klaeden auf dem Höhepunkt der CDU-Spendenaffäre vor 7 Jahren hereinlegte, zeugt vielmehr von der Misere des ganzen Angebots.

So brilliant das TITANIC-Magazin oft ist – SPAM sollte ein getrenntes Angebot sein und statt drei mässigen Beiträgen lieber zwei gute veröffentlichen. Die tagesaktuellen Comics sind auf alle Fälle mal ein Ansatz.
Die neue Seite des TITANIC-Magazins ist in vieler Hinsicht auch besser als die alte. Aber auch könnte man Qualität durch Quantität ersetzen. Die exzellente Rubrik „Vom Fachmann für Kenner“ ist etwas, was ich mir täglich wünschen würde.

Es lohnt sich in dem Fall auch mal ein Blick über den Teich. Dort produziert The Onion eine tagesaktuelle Satire-Zeitung mit garantiert erfundenen Meldungen. Das ist in vieler Hinsicht besser als Satire auf die Internet-Nachrichtenseiten als SPAM.

Kansas Outlaws Practice Of Evolution

The Onion

Kansas Outlaws Practice Of Evolution

TOPEKA, KS—Any living being that undergoes genetic modification favoring survival could face jail time under the new law.

Da lache ich mich zwar nicht tot, aber die Nachrichtensatire ist treffend und erweckt auf den ersten Blick den Anschein richtiger Nachrichten. The Onion bezeichnet sich ja auch als „America’s finest news source“. Dorthin muss SPAM mit seinem erfundenen Bundespräsident Bob Schneider erst noch kommen.

Polit-Ticker (5): Ganz kurz

Zurück aus Åland geht es mit dem Tagesgeschäft weiter.

Daher nur eine wahnsinnig spektakuläre Meldung heute: die Verantwortlichen für den grossen Spionageskandal im Wahlkampf werden nun angeklagt – insgesamt stehen 6 Leute auf der Liste. Der Prozess soll im Januar beginnen.

Sehr interessieren würde mich aber auch, was mit dem Folkpartiet-Stadtrat passiert ist, der in einem Pornokino festgenommen wurde.

Åland sehen und sterben

Eine neue Öllåda (Bierpalette) steht in meinem Zimmer – ja, ich bin gerade aus Åland zurück.


Mariehamn am frühen Montagmorgen – da geht einiges

Kurz die harten Fakten: Alkohol in Schweden ist teuer wegen exorbitanter Steuern. Schweden betrachten Alkohol meist rein ökonomisch. Da es teuer ist, muss es sich auch lohnen – konkret heißt das, dass so lange getrunken wird, bis nichts mehr hineingeht, da ja sonst das Geld verschwendet wäre. So sieht man jedes Wochenende Leute in die U-Bahn kotzen, die ein oder zwei Getränke zu spät aufgehört haben.
Die Åland-Inseln sind schwedischsprachig, gehören aber zu Finnland. Geographisch liegen sie ungefähr auf halbem Weg zwischen Helsinki und Stockholm. Wegen dieser besonderen Rolle gelten für die Inseln (26.500 Einwohner) auch besondere Regeln. Sie haben weitgehende Autonomie, was sich vor allem daran zeigt, dass sie eigene Autokennzeichen haben. Auf der Fahrt von und nach Åland darf zudem steuerfrei eingekauft werden. Letzteres machen sich Fährlinien zunutze, die die Strecke von Stockholm nach Mariehamn (Hauptstadt der Inseln) bedienen. Da man in nur wenigen Stunden dort hinfahren kann, gibt es Rundfahrten, die „Kryssning“ genannt werden. Man steigt in Stockholm am späten Nachmittag ein, fährt über Nacht nach Åland, und nach zweistündigem Aufenthalt fährt man direkt wieder zurück. Sinn und Zweck der Veranstaltung ist nicht etwa, zu den Inseln zu fahren. Nein, vielmehr ist es der steuerfrei Einkauf von Spirituosen und Kosmetika. Kurzum ist es ein Saufdampfer. Niemand will nach Åland, alle wollen trinken, feiern, einkaufen. die Fährlinie Viking Line setzt hierzu auch noch Ryanair-artige Methoden ein. Die Fahrt selbst ist in der Regel kostenfrei. Meist muss man nur das Buffet an Bord bezahlen, was aber keinen stört, da man sich dort für 24 € exzellent den Bauch vollschlagen kann. Um die Kundschaft auch bald wieder zu einer Reise zu bringen, gibt es beim Einkauf an Bord gleich wieder Gutscheine, die 3 Monate gelten und zu einer neuerlichen Buchung einer kostenlosen Kabine berechtigen. Das führt dazu, dass eine Fähre mit einer Kapazität von gut 800 Passagieren täglich zu guten Teilen besetzt nach Åland fährt, und zwar mit lauter Leuten, die eigentlich gar nicht nach Åland möchten. Dementsprechend ist das Schiff voll mit Menschen, die eigentlich nur saufen (andere Bezeichnungen wären hier unpassend) wollen und durch dieses Konsumverhalten das Überleben der Fährgesellschaft sichern. Derartige Extreme hatten wir zwar nicht vor, aber da wir im September schon so eine Fahrt gemacht hatten, musste der Gutschein natürlich noch weg, bevor er verfällt. Also wurde daraus eine Fahrt von Christine und mir nach Åland.

Eine Sonntagskryssning unterscheidet sich auf jeden Fall beträchtlich von dem, was wir kannten. Anscheinend fahren junge Leute vorwiegend auf das Wochenende zu, was dazu führte, dass wir weit unter dem Altersdurchschnitt lagen. Es gab nur eine handvoll Passagiere unter dreißig.

Senioren sieht man in Deutschland vergleichsweise wenig Alkohol trinken – zumindest in meiner Erinnerung. Auf der Cinderella hingegen – so heißt das Schiff – trinken Senioren sogar Cocktails.

Nach dem Buffet begaben wir uns in den „Fun Club“, um der großen Weihnachtsshow beizuwohnen. Wir setzen uns an einen Tisch, auf dem zwei halbleere Gläser standen und eine Zigarettenschachtel lag. Weiterhin deutete aber nichts darauf hin, dass dort jemand saß. Christine brachte 10 Minuten später die Gläser zurück. Kurz darauf kamen diejenigen zurück, die vorher dort gesessen waren. Wir hatten aus deutscher Sicht heraus angenommen, dass die Plätze unbesetzt waren. Ein Schwede würde aber nie einen halbvollen Drink stehen lassen (lohnt sich sonst ja nicht). Nach einem etwas unfreundlichen Anfang übernahm Christine den entstandenen Schaden. Bei einer weiteren Diskussion wurde den beiden aber auch klar, dass es uns nicht darum gegangen war, sie zu verarschen. Damit war die Sache bereinigt und später spendierten sie uns sogar noch einen Drink.


Panorama vom Schiff aus

Unangenehmer war hingegen ein Mann mittleren Alters, der schon um 19 Uhr sturzbetrunken war und mit fragwürdigem Charme Christine Avancen machte, indem er Komplimente über ihre schönen Augen zum Besten gab. Zum Glück können wir in solchen Fällen darauf zurückgreifen, so zu tun, als ob wir kein Schwedisch verstünden. In seinem Zustand war er leider auch noch in der Lage, ein paar Fetzen auf englisch zu lallen. Ich solle ihm bescheid geben, wenn wir ein Bier trinken wollten. Er würde es dann bezahlen. Ein echter Gentleman…
Natürlich haben wir das nicht in Anspruch genommen und später waren wir ihn auch los.
Später in der Disco trafen wir auf einen ähnlichen (aber deutlich jüngeren) Helden, der Christine unbedingt ein Bier zahlen wollte. Dumm nur, dass seine Freundin in Sichtweite stand und dementsprechend wenig begeistert war. Manchmal kann man doch auch froh sein, ein Mann zu sein – sowas dürfte einem selten passieren. Christine war natürlich dadurch unverschuldet im Eifersuchtszielgebiet gelandet. Was sich zum Glück aber dann auch gleich geklärt hat.
Nach etwas Zeit in der Disco hatten wir beide gut einen sitzen und ließen es dabei bewenden.


Stadtplan von Mariehamn – nun ja, sagen wir mal, übersichtlich…

Nun wollte ich nicht zweimal nach Åland gefahren sein, ohne die Inseln auch zu betreten. Also ging ich zwanzig Minuten vor der Abfahrt von Bord und fotografierte das reichlich verschlafene Mariehamn. Beim Verlassen des Schiffs kamen mir ganze drei Passagiere entgegen. Die Frau am Check-In schien sogar überrascht, dass es noch jemanden gibt, der das Schiff verlassen hat und nun zurück will. Jedenfalls bin ich jetzt einmal dort gewesen. Die allermeisten Passagiere gehen natürlich nicht von Bord, sondern schlafen ihren Rausch aus.


Mariehamn – I was here

Nicht wenige starten Tag aber gleich mit etwas Konteralkohol, oder haben erst gar nicht aufgehört zu trinken. So auch ein Herr, den wir Mr. Absturz tauften. Der war schon kurz nach 12 Uhr derart betrunken, dass er sich überall festhalten musste. Wir hätten zu gerne gesehen, wie er später das Schiff verlässt. Sonderlich schnell kann das nämlich nicht gegangen sein.

Auch sehr drollig ein Ehepaar (zumindest ist das anzunehmen) im reichlich fortgeschrittenen Alter, das sich im „Admiral Hornblower’s Pub“ die Kante gab. Er schaute griesgrämig drein, sie guckte belämmert und hatte ihre Gehhilfe neben sich stehen. Ich hatte zunächst vermutet, dass es da wohl schon erhebliche Artikulationsschwierigkeiten geben müsste, aber beim Vorbeigehen durften wir einen Teil ihrer Konversation belauschen:

Sie: nuschel…lall…nuschel…
Er: „Håll käften!“ („Halt’s Maul!“)

Das muss Liebe sein.

Ja, das war sie, die Fahrt nach Åland. Beim Bingo konnten wir leider nicht abräumen, aber lustig war’s.

PS: Das habe ich im Tax-Free-Shop gesehen:


Da stellt sich die Frage, was sich der Marketingmensch wohl gedacht haben mag, als er einen Frauenrasierer „Vibrance“ nannte…

Diversity Challenge

So, nun habe ich gerade meinen Beitrag zur Diversity Challenge abgeschickt. Vielleicht klappt es ja und ich darf irgendwo als Trainee anfangen oder etwas in der Art.

Eine Challenge der anderen Art wird die gefährliche Reise mit der Cinderella nach Åland – die begehe ich in einer Stunde. Es wird die Fahrt vom September in klein. Wir hatten nämlich noch einen Gutschein übrig, den wir nicht verfallen lassen wollten. Abgesehen davon ist es auch eine gute Gelegenheit, Bier zu kaufen und lecker zu essen. Morgen dann wieder von gewohntem Terrain 🙂

Schönes Web 2.0

Da gibt es Dinge wie das hier:

Worthy Breast Man
85% Breast Worthy!
You like a good breast, and you might be my kind of breast man. For playing and scoring SO well, I’ll give you a little tease. Here is a good cleavage shot. Thanks for playing!

My test tracked 1 variable How you compared to other people your age and gender:

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You scored higher than 85% on Breast Worthy

Link: The Want To See My Breasts? Test written by AspiringDiva on OkCupid Free Online Dating, home of the The Dating Persona Test

Die Idee ist ja ganz nett, Tests zu machen und damit den perfekten Partner zu finden (der Brüste-Test ist lediglich der populärste heute – es gibt auch andere). Leider ist das alles sehr USA-zentriert, und es sieht nicht so aus, als würde sich der Europäer-Anteil erhöhen.

Erstaunlich

Es scheint mir so, als würde ich in den einschlägigen Blog-Verzeichnissen langsam etwas besser wegkommen. Konnte ich bis vor kurzem noch meine Besucher einzeln identifizieren, scheinen sich jetzt die Wellen immer mit der Veröffentlichung neuer Beiträge heranzubewegen.

Das freut mich natürlich sehr und spornt mich an. Weiterhin nutze ich diesen Beitrag für dreiste Eigenwerbung:
Studentradio Top 20 mit meiner Wenigkeit ab 21 Uhr auf www.thsradio.se (auf lyssna live klicken) oder 95,3 MHz – Viel Spaß!

Noch ne Länderliste

Heute wird ja mächtig gelistet – noch ein internationales Ranking, bei dem Schweden ganz vorne liegt: das World Economic Forum hat heute seinen Gender Gap Report 2006 vorgestellt. Der beurteilt, wie unterschiedlich die beiden Geschlechter in der Gesellschaft sind, und zwar nach vier Kategorien:

  • Wirtschaftliche Teilnahme und Möglichkeiten – Löhne, Beteiligung und Zugang zu hochqualifizierter Beschäftigung
  • Erlangung von Bildung – Zugang zu niederer und hoher Bildung
  • Politische Macht – Repräsentation in Entscheidungsstrukturen
  • Gesundheit und Überleben – Lebenserwartung und Verhältnis der Geschlechter

Die Skala ging von 0 bis 1. Die Liste:

  1. Schweden – 0,8133
  2. Norwegen – 0,7994
  3. Finnland – 0,7958
  4. Island – 0,7813
  5. Deutschland – 0,7524
  6. Philippinen – 0,7516
  7. Neuseeland – 0,7509
  8. Dänemark – 0,7462
  9. Grossbritannien – 0,7365
  10. Irland – 0,7335

Man beachte, dass der Abstand zwischen Deutschland und Island beträchtlich ist. Allzusehr freuen sollte man sich also nicht. Die Platzierung der Philippinen hat mich etwas überrascht, um ehrlich zu sein. Ebenso das schlechte Abschneiden Dänemarks. Die übliche Nähe der skandinavischen Länder zueinander ist hier nicht gegeben.
Das gute Abschneiden Deutschlands ist auch eine „Teamleistung“ – keine massiven Schwächen, aber nirgendwo auch richtig gut.

In der Kategorie der wirtschaftlichen Möglichkeiten sind wir nur auf Platz 32. Schweden ist hier auf Platz 9. Interessanterweise führt hier Tansania. Auf Platz 2 liegt Moldawien, was auch etwas überraschend wirkt. Die nächsten Plätze sind USA, die Philippinen und Ghana.

Bei der Bildung gibt es zahlreiche erste Plätze: die Philippinen, Dänemark, Grossbritannien, Irland, Australien, Jamaika, Lesotho, Luxemburg, Dominikanische Republik, Frankreich und Honduras – eine wahrhaft illustre Auswahl. Deutschland landet hier auf Platz 31, Schweden auf Platz 22.

Bei der politischen Beteiligung, wo wohl der politische Wille zur Gleichstellung und die politische Kultur am meisten einfliessen dürften, ist es kein Wunder, dass das Gesamtranking weitgehend widergespiegelt ist. Die Plätze 1 bis 4 sind identisch, auf 5 kommt Spanien, Deutschland auf 6.

Bei er Gesundheit dann Deutschland wieder im Mittelfeld auf Platz 36. Hier schneidet Schweden sogar nur auf Platz 70 ab, Island gar nur auf Platz 92. Den wiederum mehrfachen ersten Platz belegen die Philippinen, Sri Lanka, Moldawien, Kolumbien, USA, Österreich, Costa Rica, Belgien und noch eine ganze Reihe weitere, darunter auch Mauretanien, das in der Gesamtwertung nur Platz 106 belegt.

Auffällig sind für mich Moldawien und die Philippinen. Moldawien liegt insgesamt auf Platz 17 mit 0,7128 Punkten, und scheitert vor allem an politischer Beteiligung und der Bildung. Die Philippinen haben nur bei der politischen Beteiligung einen Ausreisser nach unten (Platz 16).

Die letzten sind übrigens Nepal, Pakistan, Tschad, Saudi-Arabien und der Jemen – was wiederum wenig überraschend ist.

Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeihen

SBAB.SE Besserwisser

Bitte nicht so genau auf die Überschrift achten – sie hat wenig mit dem Text zu tun.
Eigentlich suchte ich nur einen albernen Titel für einen Post über etwas Verlorenes – hier wird derzeit nämlich allerhand verloren. Kürzlich stellte man in der Regierung fest, dass die E-Mails aus der Zeit der Tsunami-Katastrophe 2004 fehlten. So kann wohl vorerst keiner mehr das dürftige Krisenmanagement damals nachvollziehen. Jetzt ist auch noch ein Video der Estonia verschwunden. Wenn die Archivare so weitermachen, freuen wir uns sicher bald über das Verschwinden von Zeugnissen über Tschernobyl, die Kuba-Krise und Stalingrad.

Verloren hat man auch den Überblick im Karolinska-Krankenhaus in Huddinge, etwas südlich von Stockholm. Dort hat man schon zum dritten Mal in diesem Jahr Leichen vertauscht und somit versehentlich den falschen Toten verbrannt. Das ist natürlich bitter und vor allem äusserst peinlich. Sollte ich in absehbarer Zeit ein Testament aufsetzen, wird es eine Klausel enthalten, dass ich nicht dorthin gebracht werden will.

Gefunden wurde hingegen etwas ganz anderes – eine Waffe, und zwar genau die, mit der Olof Palme ermordet worden sein könnte. Die Zeitung Expressen hatte einen Tipp bekommen, dass die Pistole in einem See bei Mockfjärd liegt. Den Ort muss man nicht kennen, schätze ich. Man hatte wohl schon bei den ursprünglichen Ermittlungen nach dem Palme-Mord festgestellt, dass die Zusammensetzung der Kugeln, die Palme töteten, der entsprach, die die Kugeln hatten, die 1983 bei einem Postraub abgefeuert worden waren. Die Waffe sieht auch nicht mehr so wahnsinnig gut aus und es ist daher fraglich, ob überhaupt irgendwelche Schlüsse daraus gezogen werden können. Am meisten begeistert ist Expressen ohnehin davon, dass in der Pistole noch scharfe Kugeln sind. Ich stelle mir natürlich einfach die Frage, was wahrscheinlicher ist: dass jemand erst einen Postraub durchführt, dann die Waffe bis 1986 aufbewahrt, Palme erschiesst und die Waffe anschliessend ausgerechnet in der Nähe des Postraubtatorts entsorgt, wo man sie ohnehin suchen würde, oder dass jemand nach dem Postraub die Waffe in den See geworfen hat und Palme 3 Jahre später von jemand ganz anderem mit einer sehr ähnlichen Pistole und dem selben Kugeltyp umgebracht wurde? Ich bin zwar kein Ballistiker und vielleicht kann man die zweite Variante sicher ausschliessen – aber mal ehrlich: sonderlich logisch klingt die erste Variante nicht. Aber was ist am Palme-Mord schon logisch?

Zu grossen Diskussionen führt ein Vorschlag der Göteborger Reichstagsabgeordneten, man solle doch Frauenparkplätze einführen. Zu obigem verlinkten Artikel sind fast nur negative Stimmen zu hören (wenn man mal von meinem Eintrag absieht). So wie ich die Schweden kenne, würde man das natürlich hochoffiziell einführen und Nichtbeachtung mit mindestens 200 € Strafe belegen. Die Idee, dass man die Leute einfach darauf hinweisen kann, dass es Menschen gibt, die ein erhöhtes Sicherheitsrisiko oder andere Unannehmlichkeiten in einem Parkhaus hinnehmen müssen und man ihnen daher auf gewissen Parkplätzen den Vortritt lässt, scheint wohl eher befremdlich zu sein. Naja, man muss allerdings auch anmerken, dass in Deutschland auch jedes noch so unsinnige Schild kaum angezweifelt und meist auch befolgt wird – man hatte bei uns also leichtes Spiel.

Interessiert übrigens auch, dass unser Bundespräsident angeblich gelegentlich handgreiflich wird: Danke, Stern, für diese unpassende und irritierende Überschrift.

Die Organisation Economist Intelligence Unit hat eine interessante Studie zusammengestellt. Beurteilt wurden 167 Länder danach, wie demokratisch sie sind. Die Skala ging dabei von 1 bis 10. Insgesamt gab es 60 Indikatoren.
In den deutschen Medien hat diese interessante Beurteilung offenbar noch keinen Niederschlag gefunden. Daher hier einige Infos daraus. Eingeteilt wurden die Länder in vier Kategorien:

  • full democracies (vollwertige Demokratien, 28 Länder)
  • flawed democracies (Demokratien mit Defiziten)
  • hybrid regimes (Mischregimes)
  • authoritarian regime (Autoritäre Regimes)

Hier einige Rankingplätze:

  • Platz 1: Schweden (darüber kam ich jetzt auch darauf) räumt mit 9,88 voll ab und liegt damit auch noch knapp vor den anderen skandinavischen Ländern
  • Platz 2: Island
  • Platz 3: Die Niederlande
  • Platz 4: Norwegen
  • Platz 5: Dänemark
  • Platz 17: USA – damit auch noch eine vollwertige Demokratie
  • Platz 18: Tschechien
  • Platz 22: Griechenland
  • Platz 23: Grossbritannien – interessant, dass die Briten gegenüber den Amerikanern schlechter abschneiden, obwohl ihr Parteiensystem deutlich mehr diversifiziert ist. Anscheinend spielte die Parteienstruktur keine allzu grosse Rolle
  • Platz 27: Slowenien
  • Platz 34: Italien – und damit eine Demokratie mit Defiziten. Das Land wurde kürzlich auch von The Economist als „der kranke Mann Europas bezeichnet“.
  • Platz 38: Ungarn – mit einem Score von 7,53 auch nur eine Demokratie mit Defiziten
  • Platz 110: Armenien mit einer Score von 4,33 – den gleichen Wert haben auch Usbekistan, Kenia und Singapur. Es gilt damit als Mischregime. In der Gruppe der Mischregime landeten übrigens auch Russland (wenig überraschend), Georgien (schon etwas mehr überraschend) und die Türkei (sehr überraschend). Vor allem letzteres lässt ein bisschen Zweifel an der Beurteilung der Situation. Die Türkei ist eine klare Demokratie, wenn auch mit erheblichen Defiziten.
  • Platz 129: Aserbaidschan – damit schon klar im Bereich autoritärer Regimes
  • Platz 167: die rote Laterne kriegt Nordkorea – ich beschäftige mich ja seit einiger Zeit mit dem Land und habe ja auch schon darüber geschrieben. Ich bin sicher, dass die Pyongyang Chronicles die ganze Analyse als von den „Faschisten“ in den USA gefälscht abtun würden. Die berichten nämlich heute über die Wahlen am 1. Dezember und dass Nordkorea ja die einzige wirkliche Demokratie sei. Ob die die Studie gelesen haben?

Deutschland konnte ich leider nicht finden.

Es ist gerade kurz nach 13 Uhr und die Abendsonne scheint herein – ja, die Abendsonne. Eine schnelle Messung ergab, dass der Schatten meines 22 cm-Lineals ungefähr einen Meter lang ist. Dies ergibt einen Sonnenstand von ca. 13 Grad – und viel höher steigt sie im Moment auch nicht mehr.

Zu guter Letzt eine Erklärung des Bildes oben – es ist einfach eine Demonstration davon, wie unsere deutsche Sprache auf andere Sprachen wirkt. Im Englischen finden sich so schöne Worte wie „Angst“ und „Blitzkrieg“. Die Schweden haben den „Besserwisser“ übernommen. Es handelt sich übrigens um eine Anzeige eines Kreditgebers für Wohnungskäufer usw.