Erstaunlich

Es scheint mir so, als würde ich in den einschlägigen Blog-Verzeichnissen langsam etwas besser wegkommen. Konnte ich bis vor kurzem noch meine Besucher einzeln identifizieren, scheinen sich jetzt die Wellen immer mit der Veröffentlichung neuer Beiträge heranzubewegen.

Das freut mich natürlich sehr und spornt mich an. Weiterhin nutze ich diesen Beitrag für dreiste Eigenwerbung:
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Noch ne Länderliste

Heute wird ja mächtig gelistet – noch ein internationales Ranking, bei dem Schweden ganz vorne liegt: das World Economic Forum hat heute seinen Gender Gap Report 2006 vorgestellt. Der beurteilt, wie unterschiedlich die beiden Geschlechter in der Gesellschaft sind, und zwar nach vier Kategorien:

  • Wirtschaftliche Teilnahme und Möglichkeiten – Löhne, Beteiligung und Zugang zu hochqualifizierter Beschäftigung
  • Erlangung von Bildung – Zugang zu niederer und hoher Bildung
  • Politische Macht – Repräsentation in Entscheidungsstrukturen
  • Gesundheit und Überleben – Lebenserwartung und Verhältnis der Geschlechter

Die Skala ging von 0 bis 1. Die Liste:

  1. Schweden – 0,8133
  2. Norwegen – 0,7994
  3. Finnland – 0,7958
  4. Island – 0,7813
  5. Deutschland – 0,7524
  6. Philippinen – 0,7516
  7. Neuseeland – 0,7509
  8. Dänemark – 0,7462
  9. Grossbritannien – 0,7365
  10. Irland – 0,7335

Man beachte, dass der Abstand zwischen Deutschland und Island beträchtlich ist. Allzusehr freuen sollte man sich also nicht. Die Platzierung der Philippinen hat mich etwas überrascht, um ehrlich zu sein. Ebenso das schlechte Abschneiden Dänemarks. Die übliche Nähe der skandinavischen Länder zueinander ist hier nicht gegeben.
Das gute Abschneiden Deutschlands ist auch eine „Teamleistung“ – keine massiven Schwächen, aber nirgendwo auch richtig gut.

In der Kategorie der wirtschaftlichen Möglichkeiten sind wir nur auf Platz 32. Schweden ist hier auf Platz 9. Interessanterweise führt hier Tansania. Auf Platz 2 liegt Moldawien, was auch etwas überraschend wirkt. Die nächsten Plätze sind USA, die Philippinen und Ghana.

Bei der Bildung gibt es zahlreiche erste Plätze: die Philippinen, Dänemark, Grossbritannien, Irland, Australien, Jamaika, Lesotho, Luxemburg, Dominikanische Republik, Frankreich und Honduras – eine wahrhaft illustre Auswahl. Deutschland landet hier auf Platz 31, Schweden auf Platz 22.

Bei der politischen Beteiligung, wo wohl der politische Wille zur Gleichstellung und die politische Kultur am meisten einfliessen dürften, ist es kein Wunder, dass das Gesamtranking weitgehend widergespiegelt ist. Die Plätze 1 bis 4 sind identisch, auf 5 kommt Spanien, Deutschland auf 6.

Bei er Gesundheit dann Deutschland wieder im Mittelfeld auf Platz 36. Hier schneidet Schweden sogar nur auf Platz 70 ab, Island gar nur auf Platz 92. Den wiederum mehrfachen ersten Platz belegen die Philippinen, Sri Lanka, Moldawien, Kolumbien, USA, Österreich, Costa Rica, Belgien und noch eine ganze Reihe weitere, darunter auch Mauretanien, das in der Gesamtwertung nur Platz 106 belegt.

Auffällig sind für mich Moldawien und die Philippinen. Moldawien liegt insgesamt auf Platz 17 mit 0,7128 Punkten, und scheitert vor allem an politischer Beteiligung und der Bildung. Die Philippinen haben nur bei der politischen Beteiligung einen Ausreisser nach unten (Platz 16).

Die letzten sind übrigens Nepal, Pakistan, Tschad, Saudi-Arabien und der Jemen – was wiederum wenig überraschend ist.

Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeihen

SBAB.SE Besserwisser

Bitte nicht so genau auf die Überschrift achten – sie hat wenig mit dem Text zu tun.
Eigentlich suchte ich nur einen albernen Titel für einen Post über etwas Verlorenes – hier wird derzeit nämlich allerhand verloren. Kürzlich stellte man in der Regierung fest, dass die E-Mails aus der Zeit der Tsunami-Katastrophe 2004 fehlten. So kann wohl vorerst keiner mehr das dürftige Krisenmanagement damals nachvollziehen. Jetzt ist auch noch ein Video der Estonia verschwunden. Wenn die Archivare so weitermachen, freuen wir uns sicher bald über das Verschwinden von Zeugnissen über Tschernobyl, die Kuba-Krise und Stalingrad.

Verloren hat man auch den Überblick im Karolinska-Krankenhaus in Huddinge, etwas südlich von Stockholm. Dort hat man schon zum dritten Mal in diesem Jahr Leichen vertauscht und somit versehentlich den falschen Toten verbrannt. Das ist natürlich bitter und vor allem äusserst peinlich. Sollte ich in absehbarer Zeit ein Testament aufsetzen, wird es eine Klausel enthalten, dass ich nicht dorthin gebracht werden will.

Gefunden wurde hingegen etwas ganz anderes – eine Waffe, und zwar genau die, mit der Olof Palme ermordet worden sein könnte. Die Zeitung Expressen hatte einen Tipp bekommen, dass die Pistole in einem See bei Mockfjärd liegt. Den Ort muss man nicht kennen, schätze ich. Man hatte wohl schon bei den ursprünglichen Ermittlungen nach dem Palme-Mord festgestellt, dass die Zusammensetzung der Kugeln, die Palme töteten, der entsprach, die die Kugeln hatten, die 1983 bei einem Postraub abgefeuert worden waren. Die Waffe sieht auch nicht mehr so wahnsinnig gut aus und es ist daher fraglich, ob überhaupt irgendwelche Schlüsse daraus gezogen werden können. Am meisten begeistert ist Expressen ohnehin davon, dass in der Pistole noch scharfe Kugeln sind. Ich stelle mir natürlich einfach die Frage, was wahrscheinlicher ist: dass jemand erst einen Postraub durchführt, dann die Waffe bis 1986 aufbewahrt, Palme erschiesst und die Waffe anschliessend ausgerechnet in der Nähe des Postraubtatorts entsorgt, wo man sie ohnehin suchen würde, oder dass jemand nach dem Postraub die Waffe in den See geworfen hat und Palme 3 Jahre später von jemand ganz anderem mit einer sehr ähnlichen Pistole und dem selben Kugeltyp umgebracht wurde? Ich bin zwar kein Ballistiker und vielleicht kann man die zweite Variante sicher ausschliessen – aber mal ehrlich: sonderlich logisch klingt die erste Variante nicht. Aber was ist am Palme-Mord schon logisch?

Zu grossen Diskussionen führt ein Vorschlag der Göteborger Reichstagsabgeordneten, man solle doch Frauenparkplätze einführen. Zu obigem verlinkten Artikel sind fast nur negative Stimmen zu hören (wenn man mal von meinem Eintrag absieht). So wie ich die Schweden kenne, würde man das natürlich hochoffiziell einführen und Nichtbeachtung mit mindestens 200 € Strafe belegen. Die Idee, dass man die Leute einfach darauf hinweisen kann, dass es Menschen gibt, die ein erhöhtes Sicherheitsrisiko oder andere Unannehmlichkeiten in einem Parkhaus hinnehmen müssen und man ihnen daher auf gewissen Parkplätzen den Vortritt lässt, scheint wohl eher befremdlich zu sein. Naja, man muss allerdings auch anmerken, dass in Deutschland auch jedes noch so unsinnige Schild kaum angezweifelt und meist auch befolgt wird – man hatte bei uns also leichtes Spiel.

Interessiert übrigens auch, dass unser Bundespräsident angeblich gelegentlich handgreiflich wird: Danke, Stern, für diese unpassende und irritierende Überschrift.

Die Organisation Economist Intelligence Unit hat eine interessante Studie zusammengestellt. Beurteilt wurden 167 Länder danach, wie demokratisch sie sind. Die Skala ging dabei von 1 bis 10. Insgesamt gab es 60 Indikatoren.
In den deutschen Medien hat diese interessante Beurteilung offenbar noch keinen Niederschlag gefunden. Daher hier einige Infos daraus. Eingeteilt wurden die Länder in vier Kategorien:

  • full democracies (vollwertige Demokratien, 28 Länder)
  • flawed democracies (Demokratien mit Defiziten)
  • hybrid regimes (Mischregimes)
  • authoritarian regime (Autoritäre Regimes)

Hier einige Rankingplätze:

  • Platz 1: Schweden (darüber kam ich jetzt auch darauf) räumt mit 9,88 voll ab und liegt damit auch noch knapp vor den anderen skandinavischen Ländern
  • Platz 2: Island
  • Platz 3: Die Niederlande
  • Platz 4: Norwegen
  • Platz 5: Dänemark
  • Platz 17: USA – damit auch noch eine vollwertige Demokratie
  • Platz 18: Tschechien
  • Platz 22: Griechenland
  • Platz 23: Grossbritannien – interessant, dass die Briten gegenüber den Amerikanern schlechter abschneiden, obwohl ihr Parteiensystem deutlich mehr diversifiziert ist. Anscheinend spielte die Parteienstruktur keine allzu grosse Rolle
  • Platz 27: Slowenien
  • Platz 34: Italien – und damit eine Demokratie mit Defiziten. Das Land wurde kürzlich auch von The Economist als „der kranke Mann Europas bezeichnet“.
  • Platz 38: Ungarn – mit einem Score von 7,53 auch nur eine Demokratie mit Defiziten
  • Platz 110: Armenien mit einer Score von 4,33 – den gleichen Wert haben auch Usbekistan, Kenia und Singapur. Es gilt damit als Mischregime. In der Gruppe der Mischregime landeten übrigens auch Russland (wenig überraschend), Georgien (schon etwas mehr überraschend) und die Türkei (sehr überraschend). Vor allem letzteres lässt ein bisschen Zweifel an der Beurteilung der Situation. Die Türkei ist eine klare Demokratie, wenn auch mit erheblichen Defiziten.
  • Platz 129: Aserbaidschan – damit schon klar im Bereich autoritärer Regimes
  • Platz 167: die rote Laterne kriegt Nordkorea – ich beschäftige mich ja seit einiger Zeit mit dem Land und habe ja auch schon darüber geschrieben. Ich bin sicher, dass die Pyongyang Chronicles die ganze Analyse als von den „Faschisten“ in den USA gefälscht abtun würden. Die berichten nämlich heute über die Wahlen am 1. Dezember und dass Nordkorea ja die einzige wirkliche Demokratie sei. Ob die die Studie gelesen haben?

Deutschland konnte ich leider nicht finden.

Es ist gerade kurz nach 13 Uhr und die Abendsonne scheint herein – ja, die Abendsonne. Eine schnelle Messung ergab, dass der Schatten meines 22 cm-Lineals ungefähr einen Meter lang ist. Dies ergibt einen Sonnenstand von ca. 13 Grad – und viel höher steigt sie im Moment auch nicht mehr.

Zu guter Letzt eine Erklärung des Bildes oben – es ist einfach eine Demonstration davon, wie unsere deutsche Sprache auf andere Sprachen wirkt. Im Englischen finden sich so schöne Worte wie „Angst“ und „Blitzkrieg“. Die Schweden haben den „Besserwisser“ übernommen. Es handelt sich übrigens um eine Anzeige eines Kreditgebers für Wohnungskäufer usw.

Pissed off

Wie schlecht gute Abende enden können. Heute (bzw. jetzt schon gestern) besuchte ich zusammen mit Michael, einem Studenten aus Wien, der seit kurzem hier wohnt, zwei Filme des Stockholm Filmfestival. Zum Einen „Wal-Mart: The High Cost of Low Price„, eine kritische Dokumentation über Wal-Marts Geschäftsverhalten. Zum Anderen „Clerks II„, die passable Fortsetzung des legendären Film „Clerks“.

Weniger toll, was danach kam – erst quatscht uns ein Deutscher blöd im McDonald’s mit Referenz auf den „schwäbischen Dialekt“ an. Auf sowas reagiere ich mächtig allergisch, insbesondere wenn es in einem derart abfälligen Ton daher kommt. Danach sind wir weiter in einen überfüllten Irish Pub in Södermalm, aus dem wir gleich wieder raus sind. Beim Rausgehen greift mir ein offensichtlich Alkoholisierter an den Hintern. Ich berichtete das dem Türsteher, der das mit einem lakonischen „Good for you“ quittierte. Naja, ich kann ja auch verstehen, dass er nicht so enthusiastisch zulangte wie Babak Jamei Anfang des Jahres. Allerdings habe ich auch keinen Zweifel daran, dass er umso beherzter eingegriffen hätte, wenn ich dem Idioten im Pub sein Getränk ins Gesicht geschüttet oder einfach einen Schwinger verpasst hätte. An manchen Tagen sollte ich vielleicht doch agressiver sein, auch wenn ich dafür selbst was einstecken müsste. Auch schön dann in der U-Bahn: wegen irgendwelcher Störungen um Gamla Stan herum kamen die U-Bahnen in seltsamen Abfolgen. Nach rund 30 Minuten hatte ich endlich eine U-Bahn. In der Zwischenzeit durfte ich beobachten, wie jemand auf den Boden gefallene Chips aufhob und aß – widerlich. Mir geht das dauernde Herumgespucke in der U-Bahn schon auf die Nerven, aber sowas ist dann doch noch eine Nummer ekliger irgendwie.

Versöhnliches Ende: ich konnte das letzte Stück mit dem Bus fahren.

Zu den Filmen: der Stil des Wal-Mart-Films lag mir zwar nicht ganz so, aber die Fakten sind klar und haben sich abgeschwächter Form in Deutschland gezeigt. Wal-Mart ist ein Unternehmen, dem Mitarbeiter, Umfeld und teilweise sogar die Kunden vollkommen egal sind, solange es Profite einbringt. Die im Film gezogenen Schlüsse muss man dennoch kritisch bewerten. Dass Wal-Mart Mitarbeiter im eigenen Laden überwacht, um die gewerkschaftliche Aktivitäten zu unterbinden, ist schon höchst fragwürdig. Aber Wal-Mart vorzuwerfen, dass sie diese Kameras wiederum nicht auf ihren Parkplätzen haben, ist grotesk. Konkret ging es um zahlreiche Verbrechen, die auf den Parkplätzen von Wal-Mart verübt worden sind. Die Liste enthielt aber auch zahlreiche Punkte, die eben nicht direkt mit einem Einkauf bei Wal-Mart in Verbindung gebracht werden können – Morde und Vergewaltigungen können an vielen öffentlichen Plätzen passieren. Die Installation solcher Kameras und das Einstellen von Wachleuten in diesem Kontext ist zwar wünschenswert, aber keineswegs verpflichtend. Andere Märkte in den USA haben solche Einrichtungen sicher auch nicht – und darüber beschwert sich auch keiner. Die Fixierung auf Wal-Mart stellt die Firma auch als einziges großes Evil Empire dar. Ich habe große Zweifel, dass die Konkurrenz wie Kmart deutlich bessere Geschäftsgebahren hat. Was bei der ganzen Sache nur angedeutet wird: das Versagen liegt hier auch in den Gesetzen und vor allem deren Kontrolle. Wenn ein Mitarbeiter regelmäßig unbezahlte Überstunden schiebt und das nie auffällt, ist das auch ein Versagen der Behörden.

„Clerks II“ ist eigentlich ein würdiger Nachfolger. Der Humor ist gewohnt ordinär und flach, die Dialoge glänzen aber oft. Der Ausgang ist leider sehr offensichtlich – viel mehr als beim ersten Film, soweit ich mich erinnere. Dafür wird einem das Ganze mit abwegigen Diskussionen über die Transformers sowie mit einer absurden Tiersex-Show versüßt. An den Szenen wie dem kollektiven Tanz zu „ABC“ von den Jackson Five und den Gastauftritten von Jason Lee sowie Ben Affleck merkt man auch, dass es zum guten Teil darum ging, einfach eine Menge Spaß zusammen zu haben. Und den hatte ich auf alle Fälle.

Dehydriert und verschenkt

Und wieder eine Folge aus der Reihe „Pannenreiche Possen und Peinlichkeiten“:
Gestern kam ich nach dem Training zurück in mein Zimmer, um zu duschen und mich fertig machen, zum Allhuset zu gehen. Ich hatte mich mit Michael aus Wien verabredet, der erst seit einer Woche in Stockholm ist und zu dem ich über eine Bekannte Kontakt bekommen habe, damit er auch gleich hier jemand kennenlernt. Also war ich in Eile. Ich öffnete den Wasserhahn und es kam – so gut wie nichts. Kaltes Wasser ging gar nicht, und das warme Wasser war nur ein Rinnsal, das zudem auch nicht sonderlich gut roch. Das Wasser war also ausgefallen. Ich ging zum Testen in die Küche, wo mich schon meine englische Mitbewohnerin erwartete und mir einen riesigen Schwall an Informationen präsentiert, die ich vielleicht zu 30% mitbekam. Wenn ich es richtig verstand, sei das Problem schon bekannt und halb Lappis habe kein Wasser. Im Waschraum ginge das Wasser aber. Zum Glück fiel mir ein, dass es ja auch bei der Sauna Duschen gibt – und die sind in der Nähe des Waschraums. In der Tat funktionierten sie, so dass ich sogar noch einigermassen rechtzeitig ankam. Derzeit funktioniert in dieser Stadt irgendwie nicht allzuviel.

Etwas Panne ist auch der diesjährige Geschenktipp von Svenska Dagbladet: ein Hörbuch. Zumindest behauptet Handelns utredningsinstitut, dass das dieses Jahr das meistgekaufte Geschenk werden wird. Hörbücher sind aus deutscher Sicht seit Dieter Bohlens Weisheiten im Wesentlichen durch, schätze ich.

Hier die Knüller der vergangenen zwei Jahrzehnte:

  • 2005: Ein Pokerset – dieser Geschenktipp geht wohl auf die hohe Beliebtheit von Poker in diesem Land zurück
  • 2003: Eine Mütze – wie originell
  • 2001: Werkzeug – Heinz Becker lässt grüssen. Wer freut sich nicht über neue Schleifscheiben oder eine Laubsäge unterm Baum?
  • 1999: Ein Buch – vom Verlegenheitsgeschenk zum Trendgeschenk
  • 1997: Das elektronische Haustier – über den Verbleib zahlreicher Tamagotchis breiten die Besitzer heute wohl lieber den Mantel des Schweigens
  • 1995: eine CD – riesige CD-Regale luden zum Kauf der Silberscheiben ein. Plattenbosse liessen ihre Kloschüsseln vergolden. Heute sitzen sie auf diesen und träumen von den seligen Tagen, als Geld noch vom Himmel fiel.
  • 1994: ein Mobiltelefon – die Schweden als eine Nation der „early adopters“. Damals im Angebot gab es schon die gigantische Möglichkeit, mehrere Nummern zu speichern und SMS zu schreiben (maximal 160 Zeichen natürlich). Unvergessen der Werbespot, in der eine hübsche junge Frau in einem Café voller Geschäftsmänner Platz nahm und die ganze Bande in helles Staunen versetzte mit der Tatsache, dass ihr Telefon sogar mehrere verschiedene Klingeltöne hatte. Die Gesprächsminute kostete ungefähr soviel wie ein Kleinwagen, Auslandsgespräche waren schon zum Preis eines Einfamilienhauses zu machen. Alternativ liessen sich die Geräte auch als Briefbeschwerer, Backstein oder Hantel verwenden.
  • 1991: ein CD-Spieler – brauchte man natürlich, um 4 Jahre später die geschenkte Take That-CD anhören zu können. Ansonsten hatte man meist nur eine CD, nämlich die, die man gleich zum Test mitgekauft hatte. In den frühen Tagen der CD-Spieler soll das angeblich „Night Shift“ von The Commodores gewesen sein. Exzellenter Titel übrigens, aber der eigentliche Grund dafür war, dass der Song eigentlich richtig laut gehört werden muss, was auf Vinyl nicht ganz so glasklar ging. 1991 war das eher, sagen wir mal, die neue CD von den New Kids on the Block.
  • 1990: ein Wok – 18 Monate nach dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens hatt man wohl schon erkannt, dass man über Menschenrechtsverletzungen und Korruption beruhigt hinwegsehen kann, solange China eine tolle Goldgrube für die westliche Wirtschaft wird, bei uns alles billiger wird, und vor allem solange die Chinesen so tolles leckeres Essen machen, das man dann in vermeintlich authentischer Exotik in einem China-Restaurant konsumieren kann. Alternativ konnte man sich natürlich in den Asia-Wochen bei ALDI ordentlich mit Material eindecken und eben dann mit diesem Wok sich selbst an dem Essen versuchen. Die Ergebnisse dieser Versuche bleiben hier unerwähnt, aber es ist anzunehmen, dass 99% der damals verschenkten Woks ein kurzes Leben hatten und schon bald in einem Kellerregal verschwanden.

Na dann fröhliches Schenken…

Bleifuss

Ich habe zwar nicht vor, mein Blog zu einem Magazin über Anna Sjödin zu machen – zumal sie ja von meiner Partei ist – aber diese Meldung ist mir gerade untergekommen:

Am vergangenen Donnerstag um 13:30 Uhr wurde die Juso-Vorsitzende Anna Sjödin von der Polizei angehalten. Wie die Zeitung Västerbottens-Kuriren schreibt, zeigte eine Lasermessung, dass Sjödin 105 Stundenkilometer auf einer Strasse nahe Enånger gefahren war, auf der nur 70 Stundenkilometer erlaubt sind. […]

Die Polizei nahm Anna Sjödin vor Ort den Führerschein ab und meldete das Vorkommnis der Verwaltung des Läns (Anm. ähnlich eines Bundeslands). Sie erhielt auch eine Strafe über 3600 Kronen (ungefähr 400 €). Nun muss die Verwaltung des Läns darüber entscheiden, wie lange Sjödins Führerschein einbehalten wird.

Die Frau zieht momentan den Ärger regelrecht an – in dem Fall aber eindeutig selbst verschuldet.

The roof is on fire…

Es brennt – heute morgen heute ich irritiert dem Radio zu, als über den Brand in einem Studentenwohnheim in Stockholm berichtet wurde. Keine Sorge, es ist nicht meins, sondern das am Roslagstull. Da war ich nur einmal an einem denkwürdigen Abend, aber das ist eine andere Geschichte…
Jedenfalls wurden drei Bewohner verletzt und jemand wegen Brandstiftung festgenommen. Wilde Dinge passieren in Wohnheimen. Christine hat mir von einem Pressebericht erzählt, wo jemand angeblich im Lappis (also hier) über Monate festgehalten worden sein muss. Schwer vorzustellen, aber man weiß ja nie.

Einen Brand gibt es auch in Nacka, wo man ein Haus nun kontrolliert abbrennen lässt.

Morgen schreit die taz wahrscheinlich wieder Alarm wie im Sommer schon beim Störfall in Forsmark. Dieses Mal gab es einen Brand im Reaktor Ringhals, der zur Reaktorabschaltung führte. Ein Transformator war durchgebrannt. Ein Sprecher von Ringhals gab auch zu, dass es eine „große Explosion“ gegeben habe. Naja, alles halb so wild.

Vagnbrist

Eigentlich hätte dieser Artikel schon vor Stunden erscheinen sollen. Zu der Zeit saß ich in Kista und wollte mich auf das Großereignis des Dezembers in ganz Schweden einstimmen. Das wurde aber leider nichts, weil Flickr das Bild nicht hochladen wollte. Auch beim Flickr-Betreiber Yahoo leistet man sich wohl ab und zu mal Aussetzer.

Nicht dass technische Probleme etwas vollkommen Unbekanntes wäre dieser Tage. Die Stadt leidet seit Tagen unter massiver „Vagnbrist“ – übersetzt „Wagenmangel“. Das Scheechaos vor kurzem hat derart viele Wagen beschädigt, dass man auf manchen Linien die üblichen Taktzeiten nicht einhalten kann. Erstaunlich ist allerdings, dass diese Phänomen erst seit dem Wochenende so richtig zu Tage tritt, obwohl schon am 3. November die Meldung herausgegeben wurde.

Nun aber zum eigentlichen Hauptthema. Nur noch einen Monat bis zum Lucia-Fest. Kurz der Sachverhalt: in weiße Wänder gekleidete Kinder tragen bei diesem Lichterfest Kerzen und singen Lieder. Ein Mädchen darf dabei die Lucia mit der Lichterkrone sein. In Stockholm gibt es hierzu auch einen großen Umzug – und eines der lokalen U-Bahn-Blätter lässt dazu die offizielle Lucia wählen, die dann auch nach Sizilien fahren darf. Hier kann man die Kandidatinnen begutachten. Auch dieses Mal überrascht mich, dass wenige Blondinen dabei sind. Schon letztes Mal war die Lucia Stockholms eine Brünette. Klischees sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

St. Maaartin

Diese Stadt ist immer wieder für Überraschungen gut. Gestern regnete es in Strömen – das ist natürlich weniger ungewöhnlich. Aber wer hätte schon gedacht, dass die deutsche Gemeinde in Stockholm eine einen Sankt-Martins-Umzug macht. Dazu gab es einen Basar und Flohmarkt sowie einen Waffelstand. Der Pfarrer trug ein spezielles Gewand und nach kurzer Einführung in der Kirche drehten wir eine kure Runde in der Altstadt – bei dem Wetter musste sie auch kurz sein. Aus den Fenstern schauten einige Stockholmer offenbar verwundert darüber, was eine Horde Kinder mit Laternen da macht. Bei dem Wetter eine durchaus berechtigte Frage. Genau aus diesem Grund gibt es leider auch keine Fotos.

Abschluss des gestrigen Abend war dann ein Kinobesuch – wir schauten „World Trade Center„. Ich bin immer noch nicht so recht sicher, was ich davon halten soll. Er ist sehr gut gemacht und die Art der Aufarbeitung sicher passend – schon alleine, weil die Terroristen und die Flugzeuge nicht zu sehen sind. Das Genre des 9/11-Films muss sich aber erst noch herausbilden. Bis in die 60er Jahre hinein bekam ja auch nur wegen akuten Realismusmangels eigentlich untragbare Filme über den Zweiten Weltkrieg vorgesetzt. Beim 9/11-Film besteht diese Gefahr zwar nicht, aber wie man die Ereignisse in einen größeren Zusammenhang setzt, ohne pietätlos oder wertend zu werden, bleibt unbeantwortet. „World Trade Center“ beschränkt sich nämlich konsequent auf die persönliche Komponente durch die Darstellung der unmittelbar Betroffenen. Einen Zweck erfüllt der Film allemal, wie ich auch in den ersten Berichten zum Film gelesen hatte: die Amerikaner werden sehr deutlich darauf hingewiesen, dass sie es geschafft haben, die Sympathie, die ihnen in diesen schlimmen Tagen entgegenkam, innerhalb von 2 Jahren zu verspielen – vielleicht für immer.

The Ultimate Nobel Experience Reloaded (8)

Da ich seit gestern Besuch von Thilo Jahn, einem Kollegen von DASDING, habe, fallen die Beiträge nun etwas knapper aus.

Mittwoch war ich doch noch in Gävle, und ich kann sagen: Gävle stinkt! Wieso und alle weiteren brandheissen Details gibt es in Kürze.

Heute dafür aber wieder eine Folge meiner beliebten Serie zum Nobelpreis. Das Foto zeigt den Saal in der Schwedischen Akademie, wo alljährlich der Preisträger des Literaturpreises verkündet wird. Aufgenommen bei der Bekanntgabe 2005.

Es gibt aber auch topaktuelle Neuigkeiten zum Thema:

[NOBELLOTTERIET] Du har tyvärr inte vunnit!!

Hej Fabian Seitz
Nobellotteriet beklagar!!

Lottdragningen är utförd och Du är en av de som inte haft turen på sin sida
Försök gärna igen nästa år!

Med vänliga hälsningar
Övermarskalkarna på SSCO

Das Ganze übersetzt:

Betreff: [NOBELLOTTERIE] Du hast leider nicht gewonnen!!

Hallo Fabian Seitz
Die Nobellotterie bedauert!!

Die Losziehung ist beendet und Du bist einer von denen, die nicht das Glück auf ihrer Seite gehabt haben.
Versuche es gerne nächstes Jahr wieder!

Mit freundlichen Grüssen,

Övermarskalkarna bei SSCO

Das war mir zwar auch klar, weil sonst eine Gewinnermail schon lange eingetrudelt wäre, aber bei einer Gewinnchance von unter 10 % kann man natürlich auch nicht erwarten, zweimal in Folge zu gewinnen.