Delengkal Weblog

Sinnfragen von einer Insel vor Stockholm

Investigativ

Ich bin ja sehr begeistert, dass ich bei Fiket verlinkt wurde – bei aller Schreibbegeisterung ist es auch mal schön, nicht jeden Besucher persönlich zu kennen.

Ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Beitrag: „medlut“ könnte auch bergauf bzw. bergab heißen. Ich bleibe weiter dran.

Den größten Knüller habe ich gestern ohnehin vergessen. Wenn an einer Kreuzung zwei Linksabbieger aufeinandertreffen, dann biegen die laut deutscher Fahrschule tangential zueinander ab – für wen das Fachchinesisch sein sollte: sie fahren so aneinander vorbei, dass es nicht kracht. In der schwedischen Fahrschule ist das anscheinend nicht die Standardprozedur – laut Buch fährt man normalerweise umeinander herum oder spricht sich wohl ab. Das Bild ist da nicht so eindeutig. Tangentiales Abbiegen ist aber erlaubt. Der Hammer ist aber die Bezeichnung dafür: Stockholmssväng.

Und morgen: die Tücken, wenn man sich in Schweden ein Paket zuschicken lässt bzw. verschickt. Heute bin ich auf die fünfte Variante gestoßen, und morgen gibt es dazu die knallharten Fakten.

In diesem Sinne: Frohe Ostern, oder glad påsk, wie man hier sagt.

Verkehr in der Theorie

Polis
(Ausriss: Du&Jag i Trafiken)

Nachdem von meiner Masterarbeit der erste Entwurf (voller Fehler natürlich) fertig ist, kann ich einmal eine Sache hier erwähnen, die mich noch so beschäftigt – neben den vielen anderen.

Ich meine den vormals schon erwähnten Führerschein. Am Montag durfte ich zur Voruntersuchung antanzen. Zum obligatorischen Drogentest wurde mir eine Urinprobe genommen und Blut abgezapft – selten so viel Spaß gehabt. Beim Augentest brillierte ich wie gewohnt – allerdings musste ich peinlicherweise meine Wissenslücken im Bereich Alphabet auf Schwedisch anmerken. Da habe ich in meinen Kursen nämlich verpasst. Ich wusste daher schlichtweg nicht, wie J ausgesprochen wird: Je. Nachdem das im Vorfeld geklärt war, war das Lesen der kleinsten Zeile kein Problem. Der Blutzucker war auch normal. Die Urinprobe war, mmh, interessant – ich musste meine Taschen ausleeren und der Wasserhahn wurde abgeklebt, damit ich ja nicht bescheiße. Gesamtergebnis der Untersuchung: alles ok.

Nun habe ich schon drei Theoriestunden gehabt. Herausfordernd ist die Theorie nur in ihrer Menge, nicht wirklich inhaltlich. Gestern fand ich es ausgesprochen ermüdend, mir eine Stunde lang am Stück die Funktionsweise eines Fahrtenschreibers erklären zu lässen. Am Computer konnte ich die ersten beiden Level der Fragebögen bestehen. Das erste Level zwar erst nach drei Versuchen, dann aber mit 59 von 60 Fragen richtig. Das zweite schaffte ich dann auf Anhieb, und beim dritten scheiterte ich nur knapp. Bei der ganzen Sache beschäftigt mich eher, wie die Fahrstunden mit meinem Stundenplan kollidieren werden.

Besonders interessant ist allerdings Trafiksvenska – man lernt Wörter, die man im Schwedischkurs nie hören würde und oft auch gar nicht hören möchte. Es handelt sich um Verkehrsschwedisch, d.h. Vokabular, das den Straßenverkehr betrifft. Interessanter Zufall, dass Thomas auf Fiket gestern einige Fachvokabeln aus dem Bereich Astronomie präsentierte.

Hier also eine kleine Liste ganz anderer Fachvokabeln:

  • väjningsplikt: Die Pflicht, Vorfahrt zu gewähren
  • tuta: hupen
  • vägren: Seitenstreifen
  • körfält: Fahrspur (hört man leider oft in den Verkehrsnachrichten)
  • bogsering: Abschleppen
  • blinker: Ein sehr ungewöhnliches schwedisches Wort, denn Wörter, die im Deutschen auf „er“ enden, enden im Schwedischen normalerweise auf „are“ – wie z.B. lärare (Lehrer), hammare (Hammer). „blinkare“ wäre also die logischere Variante gewesen. Noch ungewöhnlicher ist allerdings der Plural „blinkers“ – einen s-Plural kennt das schwedische nämlich eigentlich nicht. Laut pauker.at gibt es auch „körriktningsvisare“ (also Fahrrichtungsanzeige), aber ich vermute stark, das ist genausowenig Alltagsschwedisch wie „Fernsprecher“ alltagsdeutsch ist.
  • medlut: ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, weil es im Wörterbuch nicht drinsteht. Ich vermute aber, es heißt „in Fahrtrichtung“. motlut gibt es nämlich auch – und das heißt vermutlich „gegen die Fahrtrichtung“.
  • prestationsförmåga: Leistungsvermögen – eigentlich kein Verkehrbegriff, aber eine der Fragen im Fragebogen, über die ich zuerst stolperte. Die richtige Antwort war, dass etwas Stress das Leistungsvermögen erhöht. Kann schon sein.

Sehr beschäftigt ist der Fragebogen übrigens mit dem Einfluss auf das Fahrverhalten, wenn man mehrere Leute im Fahrzeug hat. Die seltsamste Antwort war bislang aber, dass Erwachsene sich selbst ums Anschallen zu kümmern haben. Ist der Fahrer also nicht haftbar, wenn außer ihm keiner angeschnallt ist?

Noch ein Kuriosum:

Hörselskadade

Dieses Schild ist eine sogenannte „Tilläggstavla“, also ein Schild, das zu einem anderen hinzugefügt wird. In diesem Fall geht es um eine Behinderung. Drei Punkt auf gelbem Grund? Na, klingelts? Falsch! Das Zeichen steht groteskerweise für Hörgeschädigte.

Synskadade

Dieses Zeichen wiederum steht für Sehgeschädigte.

Eine Logik kann man wohl nur darin erkennen, dass das schwedische Wort für taub, „döv“, drei Buchstaben hat, „blind“ hingegen fünf.

Ein weiteres Fundstück ist das Bild in der Einleitung. Damit teilt ein Polizist mit, man solle die Geschwindigkeit senken. Sollte es dieses Zeichen in Deutschland jemals gegeben haben, so gehe ich davon aus, dass es nach 1945 abgeschafft wurde…

Echte Helden

Kürzlich suchte ich noch vergeblich, wann er denn mal vorbeischauen würde, und wurde nicht fündig.

Nun war er da, und ich habe davon nichts bekommen: Al Gore. Zwar war es nur ein PR-Auftritt, aber da wäre ich nicht wählerisch gewesen. Allerdings hatte ich allgemein wenig Zeit: heute morgen hatte ich ein Jobinterview.

Immerhin kommt Christer Fuglesang demnächst…

Krank feiern

Gerade sind bei mir einige Daten zusammengelaufen, die mich sehr stutzig gemacht haben.

Ein Jahr hat 52 Wochen, d.h. 52 Sams- und Sonntage sind frei. Macht also effektiv 261 Arbeitstage, was 21,75 pro Monat entspricht. Weiterhin fallen Christi Himmelfahrt sowie die beiden Osterfeiertage garantiert auf einen Wochentag, also bleiben noch 258 Arbeitstage, abzüglich der maximal 10 anderen Feiertage, die auf Wochentage fallen können. Am Tag vor Midsommar wird eh nicht gearbeitet: 257. Dazu hat man im Schweden im Durchschnitt fürstliche 33 Tage Urlaub. Im Endeffekt arbeitet man also höchstens 224 Tage.

Kürzlich habe ich mich bei Fiket zu der Krankheitskultur Schwedens geäußert. Einen wichtigen Aspekt habe ich dabei aber ausgenommen: das Krankfeiern.

Der erste Krankheitstag ist zwar unbezahlt, aber dafür muss man keinerlei Beweise vorlegen, dass man auch wirklich krank ist. Es ist also nicht allzu verwunderlich, dass hierdurch das Krankfeiern eine Art Volkssport geworden ist. Man mag mir Zynismus vorwerfen, aber es ist doch schon bezeichnend, wenn Christine mir berichtet, dass am Flughafen der Krankenstand jedes Mal zum Wochenende erstaunlich nach oben schnellt. Und das ist keineswegs die einzige Äußerung in der Richtung.

Nun lese ich diese Meldung: der Durchschnittsschwede ist 25 Tage im Jahr krank – und damit sind nur Arbeitstage gemeint, an denen jemand frei macht. Das bedeutet, dass im Schnitt nicht einmal 9 Tage vergehen, bis ein Krankheitstag anfällt. Jede zweite Woche ist der handelsübliche Arbeitnehmer also wegen Krankheit einmal nicht da. Dieser Zustand wird scheinbar als normal erachtet. Ich kenne die deutschen Statistiken nicht, aber so gravierend kann es in Deutschland kaum sein.

Der Abschuss ist aber: Raucher sind sogar noch 8 Tage mehr krank, also 33 Tage insgesamt. Damit kommen sie auf einen Krankentag je 6,8 Arbeitstage. Angesichts dieser Zahlen bin ich doch sehr verwundert, dass der schwedische Arbeitsmarkt in so gutem Zustand ist…

BaFöG auf Schwedisch

Heute versucht die U-Bahn-Zeitung Metro, ihre Leser zu schockieren. Dies ist für sich genommen nichts neues, denn das versucht sie 6mal pro Woche – am Sonntag erscheint sie nämlich nicht.

Heute treibt sie aber schon eine etwas mächtige Sau durchs Dorf: die zentrale Studienkreditvergabestelle CSN gab nämlich bekannt, dass viele Studenten ihre Studienkredite nicht zurückbezahlen.

Das System hier im Lande ähnelt dem BaFöG insofern, als dass es einen Teil gibt, den man zurückzahlen muss (Studielån), und einen Teil, den man geschenkt kriegt (Studiestöd). Dann hört es aber mit den Gemeinsamkeiten schon auf, denn die Unterstützung ist nicht an das Vermögen der Eltern gekoppelt, sondern wird generell an jeden ausbezahlt, der die grundlegenden Voraussetzungen erfüllt. Die wiederum sind eine bestimmte Mindestwohndauer in Schweden, aber vor allem der Erwerb einer gewissen Punktzahl pro Semester. Nach spätestens 6 Jahren wird der Geldhahn zugedreht.

Studielån hat zwar den grösseren Anteil, aber dafür bekommt man als kinderloser Student über 650 € im Monat – mit Kind natürlich noch mehr. Davon kann man gerade so leben, und mit einem Nebenjob sogar ganz gut.

Die Effekte dieses Systems sind allgemein bekannt: bessere Studienchancen für Kinder aus einkommensschwachen Familien, und, zumindest nach meiner eigenen Beobachtung, kaum Bummelstudententum.

Die Grosszügigkeit des Staates ist aber auch Gegenstand eben jener heutigen Meldung. Die vermeintlich lächerlich geringe Zahl von 27991 ehemaligen Studenten zahlt nämlich den Studielån nicht zurück. Der Grund dafür ist einfach, dass sich die Schuldner im Ausland befinden. Von 19000 hat CSN nicht einmal die Adresse.
Natürlich forscht man den Zechprellern hinterher, offenbar aber mit wenig Erfolg: stolze 3,3 Milliarden Kronen (353 Mio. €) fehlen noch in der Kasse, und das wäre selbst in Deutschland nicht einfach unter den Teppich zu kehren.

Das Groteske kommt aber erst noch – wenn die Schuldner sich erst wieder mit 68 Jahren nach Schweden begeben, kann CSN nichts mehr machen. Dann wird nämlich das Geld abgeschrieben und ist für immer weg.

SM-Gold

Immer wieder amüsiere ich mich ein bisschen, wenn in den Nachrichten von „SM-Guld“ die Rede ist. „Guld“ ist Gold, aber was ist SM?
Hat da jemand besonders gut gepeitscht oder die schicksten Lederklamotten getragen?
Das Kürzel „SM“ steht für die schwedische Meisterschaft – und Gold wird in olympischer Manier in Schweden für alles verwendet, wenn es sich nur um den ersten Platz handelt. Entsprechend werden für die Plätze 2 und 3 die Worte Silver und Brons verwendet.

Wie ich auf das Thema kam: die Eishockey-Damen des AIK Solna holten gestern SM-Guld – grattis!

Königin Madeleine

Madeleine - sxc.hu

Mangels anderer Themen (Tschechen an die Wand gespielt, Berliner Erklärung unterzeichnet,…) heute ein annähernd sinnfreier Beitrag: Wenn der Bundespräsident mal in der Welt rumjettet, wer ist dann eigentlich Staatsoberhaupt? Staatswissenschaftlich Vorgebildete werden es aus dem Stegreif wissen. Für alle anderen nochmal zur Erinnerung: es ist nicht Angie, Norbert Lammert, Sigmar Gabriel oder Kurt Beck – nein, ist es ein der deutschen wie auch der Weltöffentlichkeit recht unbekannter Posten, nämlich der des Bundesratspräsidenten, der dann die in Vertretung die Rolle des Staatsoberhauptes übernimmt. Es könnt ja ein Krieg ausbrechen oder so – man weiß nie.
Den kennt übrigens schon deswegen keiner, weil er jährlich wechselt und vollkommen unspannenderweise ein Ministerpräsident ist. Momentan (und noch bis Oktober) ist es Harald Ringstorff, seines Zeichens Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns. Na dann kann der Krieg ja kommen.
Was aber, wenn man keinen Präsidenten, sondern einen König hat, und der mal in Urlaub oder auf einen Staatsbesuch fahren will. Für sowas hat man eine Thronfolge erfunden. Wenn also Queen Elizabeth samt Sohn Charles wegfährt, ist William der Chef im Vereinigten Königreich und regiert, was das Zeug hält.

Hier in Schweden ist also meist Kronprinzessin Victoria an der Reihe, wenn ihr Vater unterwegs ist. Nächste Woche tritt aber eine besondere Ausnahmesituation ein: ihre Eltern fahren ungeachtet des heutigen Erdbebens nach Japan – es wäre offen gesagt auch etwas unsinnig, wegen eines Erdbebens eine Reise in eine Region abzusagen, in der die Erde dauernd bebt.
Folglich wäre Victoria am Drücker – doch die ist gerade in der Türkei. Dann wäre Carl Philip an der Reihe – doch der lebt derzeit in den USA. Und die nächste ist: Madeleine. Hauptberuflich ist sie Torte (siehe oben) oder steiler Zahn, wie man das in den 70er Jahren nannte. Heute würde man wohl Schnecke sagen. Ich glaube, in den USA war sie auch einmal.

Wie dem auch sei: nächste Woche ist sie Königin in Vertretung und wird in diesem Land, wo der/die König/in so gut wie gar nichts zu melden hat, sicher nicht gerade allzuviele exorbitant wichtige Entscheidungen treffen müssen. Na dann frohes Regieren!

PS: Das Bild oben ist nicht willkürlich ausgewählt. Wenn man „Madeleine“ bei sxc.hu eingibt, kommt das als einziger Treffer.

Rock The Boat

Alphaville an Bord
Zum Wochenende gibt es einen Wohlfühlbeitrag mit vielen Bildern und wenig Text.

Die letzten beiden Tage waren wir (d.h. ich und noch ein paar andere) auf dem Saufdampfer nach Åland und wieder zurück. Das ist natürlich nicht das erste Mal, dass wir bei sowas mitmachen. Dieses Mal wurde es nämlich hochkulturell: die 80er-Jahre-Megaband Alphaville spielte an Bord. Und nun zu unserem Reporter Thilo:

Schwer zu verstehen und nix zu sehen – Thilo live vor Ort

Alphaville an Bord

Riesenkracher aus dem Sommer 1984 – Sounds Like A Melody

Marian Gold

Der Sänger von Alphaville, Marian Gold – Stimme noch genauso wie früher, das Gewicht laut direktem Fotovergleich nicht ganz

Der erste Hit und nach Steffens Meinung auch der beste: Big in Japan

Stimmungsmäßig trotzdem ganz weit vorne: Forever Young

Der Band gelang es u.a. durch extreme Lautstärke, zu kaschieren, dass sie nur drei Lieder hat, die jeder kennt. Die Hits kamen dafür umso besser.
Bitter hingegen der Morgen danach. Der Sponsor, ein mir nicht bekannter Stockholmer Radiosender für Musik aus den 80ern und 70ern – Studio 107,5 – veranstaltete einen Karaoke-Wettbewerb. Das Elend ließ nicht lange auf sich warten.

Nebel in den Schären

Mindestens genauso trübe wie die meisten Gesangsbeiträge – das Wetter auf der Rückfahrt

Gewonnen hat übrigens eine Dame, die singen konnte und dies eindrucksvoll gezeigt hat, indem sie das Duett „Up Where Belong“ (ursprünglich von Joe Cocker und Jennifer Warnes) alleine gesungen hat.

Da fehlte eigentlich nur noch ein Abschlussstatement, konkret an Steffen gerichtet:

PS: Nächste Woche Freitag, der 30.3. ab 22 Uhr „The Hello Everybody Show“ mit Thilo und mir. Wie immer in Stockholm auf 95,3 MHz oder im Internet auf www.thsradio.se.

King of the Road

Buss Stockholm - sxc.hu

Kennt hier jemand jemanden, der jemanden kennt, der Bewerbungsgespräche mag? Ich nicht.

Heute morgen hatte ich eines, und zwar auf schwedisch, was die Angelegenheit nicht leichter macht. Unter meinen vielen Bewerbungen befand sich ja auch eine an Busslink, einer der Betreiber von Buslinien in Stockholm. Die allgemeine Urlaubszeit hier in Juli und August bringt nämlich mit sich, dass so ziemlich alle in Urlaub sind und damit massig Stellen frei sind, die unbedingt mit Sommervertretungen besetzt werden müssen. Die Not ist so groß, dass man halbwegs qualifiziert wirkenden Menschen (z.B. mir) den Busführerschein bezahlt, damit diese dann im Sommer einen roten Bus (manche sind auch blau) durch Stockholm fährt.

Es lief erstaunlich gut – ich konnte ihm in flüssigem Schwedisch meine halbe Lebensgeschichte erzählen, und seine Hauptsorge war nur, dass ich meinen deutschen EU-Führerschein gegen sein schwedisches Pendant austauschen müsse, bevor ich anmelden kann. Den Job hätte ich jedenfalls.

Mein persönliches Hindernis war, dass ich mich ja zum Löcherbohren in der Antarktis freiwillig gemeldet habe und der Vorkurs hierzu im Sommer sein würde.

Insofern harre ich der Dinge und habe auf alle Fälle schonmal das Verfahren zum Führerscheinumtausch in die Wege geleitet.

PS: Soviel grün wie oben im Bild würde ich jedenfalls selten sehen – meine Anstellung läuft wahrscheinlich auf die Innenstadtlinien hinaus.

Den Stöhner besiegt

Running - sxc.hu

Der gestrige Beitrag entstand früh morgens, um jegliche Minderung meiner Konzentration beim Höhepunkt des Tages zu vermeiden. Es stand nämlich der erste Lauf des Jahres an: Två sjöar runt – also „um zwei Seen herum“, was die Strecke schon recht gut beschreibt.
Da wollte ich natürlich mit nichts geringerem als dem Sieg nach hause gehen.

OK, genug geflunkert – der Beitrag entstand morgens, weil wir gestern abend mein neues Käsefondueset ausprobieren wollten. Und von Sieg kann keine Rede sein, schon gar nicht bei meiner derzeitigen Fitness.

Ich hatte mich für die kürze der beiden wählbaren Strecken entschieden, die 5,7 km umfasste, was mich auch so schon genügend auslastete.

Das Wetter war mässig und es nieselte bis kurz vor dem Start. Die Teilnehmerzahl war aber nicht deswegen so klein – es ist einfach der erste Lauf der Saison, an dem traditionell nicht so viele teilnehmen. In meiner Klasse „Männer kurz“ starteten daher auch nur 143 Teilnehmer, bei den gleichzeitig startenden Frauen gar nur 47. Normalerweise ist das ein Indiz dafür, dass nur Leute teilnehmen, die es auch wirklich ernst meinen, was mich naturgemäss auf die hinteren Plätze befördert. Glücklicherweise ist die Rentnerquote erfreulich hoch, so dass ich doch noch ein halbwegs passables Ergebnis erreichen konnte.

Nach dem Start ging es kurz etwas hoch, und dann irgendwie nur noch bergab, was schlecht ist, weil ich als Physiker weiss, dass das gleichzeitig bedeutet, dass es am Ende wieder nach oben geht. Die ersten 2 km gingen erfreulich schnell, bevor ich dann erstmal etwas langsamer machen musste. Irgendwann bei Kilometer 3 vernahm ich ein Stöhnen hinter mir. Es war rhythmisch und klang, als hätte der Verursacher in Kürze einen Herzinfarkt oder Orgasmus, möglicherweise sogar beides.

Was dem die Krone aufsetzte, war allerdings, dass der Verursacher, ein Mann mittleren Alters im neongelben Shirt, mich kurz danach überholte. Ich liess ihn davonziehen, auch wenn es schon einer Schmach gleichkam. Damit aber nicht genug – auf Kilometer 4 zu musste er, immer noch laut schnaubend, eine Gehpause einlegen, wodurch ich ihn wieder überholen konnte. Das nahm er wiederum zum Anlass, wieder loszulaufen und erneut an mir vorbeizuziehen.

Er wollte offenbar Krieg – und den konnte er haben. Nicht viel später ging er wieder, und dieses Mal war ich schneller. Beim Schlussanstieg stürmte ich einer Gazelle gleich nach oben. Ich wollte mir ja nicht die Blösse geben, gegen einen kollapsaffinen Frührentner den Kürzeren gezogen zu haben. Zwar wurde ich auf der Zielgerade noch von jemandem überholt, aber neongelb sollte ich erst nach der Ziellinie wieder erblicken.

Mein überragendes Endergebnis: 33:11 Minuten und damit der 101. Platz – zum Einen weit unter meinen Möglichkeiten, zum Anderen aber nicht so katastrophal wie erst befürchtet. Der Stöhner kam als 102. ins Ziel mit 33:23 Minuten – aus Respekt vor meinem Gegner verschweige ich seinen Namen.

Der nächste Lauf wird dann wohl irgendwann im April oder Anfang Mai sein – dann kommt aber wohl die typische Distanz hier in Schweden, die „mil“ – also 10 km.