Delengkal Weblog

Sinnfragen von einer Insel vor Stockholm

Der lange Arm des Gesetzes

Oder so ähnlich jedenfalls.

Zunächst einmal etwas Erfreuliches: die Trängselskatt, also die City-Maut hier in Stockholm, kommt im Sommer wieder, so dass Busse wohl künftig nicht mehr verspätet sein werden. Ich freue mich natürlich doppelt, weil mein Auto ein deutsches Kennzeichen hat und daher nicht zahlen muss. Die kleine politische Komponente bei dem ganzen besteht auch darin, dass die Steuer von den Konservativen fast genauso wieder eingeführt wird, wie sie im letzten Frühjahr getestet worden war. Dabei waren sie doch strikt dagegen gewesen.

Auch erfreulich ist, dass Bewegung in die Rauchverbotsdebatte kommt. Viele Ansätze sind erfrischend radikal. Ich hoffe auf bald rauchfreie Kneipen.

Nun etwas weniger erfreuliches, zumindest für die Betroffenen. Genauer gesagt ist es eher lächerlich. Fredrik Reinfeldt, seines Zeichens Regierungschef hier im Lande, hatte angeblich mal ein Kindermädchen angestellt, dessen Asylantrag abgelehnt worden war. Steuern hat er dafür aber nicht gezahlt. Die Meldung ist derart skandalös, dass beide grossen schwedischen Tageszeitungen (DN und SvD) es nicht einmal für nötig gehalten haben, sie abzudrucken. Die Sache ist wahrscheinlich eine Luftnummer, auch wenn Metro daran festhält und jetzt sogar über eine Anzeige gegen Reinfeldt berichtet.

Das kann man alleine schon daran erkennen, dass die mutmassliche illegale Beschäftigungsdauer unglaubliche 6 Wochen betragen haben soll.

Kult

Wohl eines der besten, aber mit Sicherheit das kultigste Biere aus dem schönsten Land in Deutschlands Gau’n (i.e. Baden) ist das „Tannenzäpfle“ – das hat nun auch der Spiegel festgestellt.

Dort beklagt man fast schon, dass das Bier so erfolgreich ist. Wie groß der Erfolg ist, war mir allerdings auch nicht bewusst, bis ich diesen Absatz las:

Denn längst ist Rothaus über den Schwarzwald hinaus bekannt, vor allem in Deutschlands Großstädten hat das Bier Kult-Status. Gab es in Berlin vor 15 Jahren gerade einmal zwei Bars, die Rothaus ausgeschenkt haben, so sind es heute mehr als 100. Ähnlich ist es in Hamburg, Frankfurt oder München. In Köln ist Rothaus bei Pils sogar zur Nummer zwei nach Bitburger aufgestiegen.

Dies ließ natürlich die Hoffnung keimen, dass auch der schwedische Monopolist Systembolaget den Trend erkannt und Zäpfle in sein reichhaltiges Sortiment aufgenommen hat.

Leider ergab eine Suche zwar, dass es dort exotische Marken wie „Aecht Schlenkerla Rauchbier“ aus Bamberg oder „Einbecker Mai-Ur-Bock“ gibt, aber zur Aufnahme badischer Braukunst hat es leider noch nicht gereicht.

Was noch nicht ist, kann ja aber noch werden – vielleicht hat ja Systembolaget irgendwo einen Wunschbriefkasten auf seiner Seite.

PS. Das teuerste Getränk im Systembolagetsortiment ist übrigens Bowmore Bourbon Cask 1964. Von dem kostet die 0,7l-Flasche stolze 14694 kr (rund 1600 €). Auch bei Bier kann es teuer werden Die 3-Liter-Flasche Leffe Blonde kostet schlappe 251 kr (ca. 27,50 €). Wenn man so einen Unsinn importieren kann, dann wird man doch auch Tannenzäpfle importieren können, oder?

Schmutzige Geschäfte…

bei der Jungen Union. Ein ganz wilder Junger oder junger Wilder hat Ebay-Konten von SPD-Politikern gekapert (Passwörter waren bestimmt „Münte“ oder „Willy“) und allerlei Geschäfte abgeschlossen. Allerdings hat er nicht Paparatzis Golf, Dildos oder alkoholische Getränke in grossen Mengen bestellt, um den politischen Gegner zu kompromittieren. Nein, er hat Briefmarken bestellt (!?!?!?).

Ich bin schockiert und beginne, den Glauben an das Schlechte im Politiker zu verlieren – ich empfehle dem Guten eine Studienreise nach Bayern (Fürth ist sicher sehr schön), damit er mal lernt, was eine richtige Schmutzkampagne ist.

Lebensqualität (bzw. mal wieder ne Liste…)

In meinen letzten Listen hat ja Schweden immer ordentlich abgeräumt. Heute erschien nun eine Liste, bei der das nicht so ist.

Der aktuelle „Anholt City Brands Index (CBI)“ ist erschienen, für den 15225 Menschen befragt wurden.
Sie sollten 60 Städte nach den Gesichtspunkten

  • Bekanntheit und Bedeutung
  • Lebensqualität
  • Potenzial
  • Lifestyle
  • Bevölkerung
  • Infrastruktur

beurteilen.

Der Bericht ist teuer, aber dank einer Menge Pressemeldungen konnte ich das Gesamtranking teilweise rekonstruieren:

1. Sydney
2. London
3. Paris
4. Rom
5. New York City 5th
6. Washington, D.C.
7. San Francisco
8. Melbourne
9. Barcelona
11. Amsterdam
12. Madrid
15. Los Angeles
17. Berlin
20. Kopenhagen
21. München
23. Boston
24. Las Vegas
25. Seattle
26. Stockholm
27. Chicago
28. Atlanta
31. Philadelphia
38. Dallas
39. New Orleans

Die Aussagekraft des ganzen kann man aber gerne in Frage stellen. Bei der Lebensqualität spielte offenbar das Klima eine Rolle. Dort landen London und Stockholm auf den Rängen 53 und 54 – anscheinend schnitt London ansonsten derart überragend ab, dass es trotzdem noch für den zweiten Platz reichte. Auch bei der Bekanntheit hat Stockholm natürlich schlechte Karten gegen New York. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Berlin klar vor München liegt. Das überragende Abschneiden der australischen Städte ist übrigens anscheinend Steve Irwin zu verdanken, der dem Land wohl nochmal einen Popularitätsschub gab.

Die Stockholmer dürfte das schlechte Abschneiden gegenüber Kopenhagen ärgern – der Autor der Studie, Simon Anholt, führt das auf die kleine Meerjungfrau zurück. Offenbar braucht man also ein besonders markantes Wahrzeichen in der Stadt, um gut wegzukommen.

Schlechte Politiker

Normalerweise bin ich ja in vielen Dingen recht amerika-freundlich, aber bei der Frage

War Ihrer Meinung nach George W. Bush der bisher schlechteste Präsident der USA?

musste ich nicht lange überlegen – Ja. Und rund 80% sehen das genauso.

Laut der Liste hier liegt er aber im Mittelfeld. Und wenn ich mir die Liste anschaue, hat Bush da auch ziemlich gute Konkurrenz:

  • Warren G. Harding (1921-1923) – hielt sich selbst für unfähig
  • James Buchanan (1857-1861) – Mitschuld am Bürgerkrieg
  • Franklin Pierce (1853-1857) – Alkoholiker (und letztendlich daran gestorben)

Allerdings muss man zynischerweise anmerken, dass alle drei Eigenschaften zumindest teilweise auf Bush zutreffen…

Winter

Christine sitzt gerade am Flughafen und wartet auf ihren Flug nach Hannover – die Maschine steht aber noch in Stuttgart. Die dortige Flughafenhomepage verkündet derzeit

Im Moment ist unsere Homepage aufgrund zu vieler Zugriffe überlastet.
Wegen der starken Schneefälle kommt es zu Behinderungen im Flugverkehr. Passagiere, die am heutigen Mittwochmorgen einen Flug antreten wollen, werden gebeten, sich vorab bei ihrer Airline über mögliche Verspätungen zu informieren. Aktuelle Ankunfts- und
Abflugzeiten sind auch abrufbar über Videotext von SWR 3 ab Tafel 570.

Wird wohl ein langer Tag werden…

Top-Hits

Mittlerweile steht fest, welche Singles sich am besten verkauft haben. Interessant ist, dass ich vom Erstplatzierten noch nie etwas gehört habe.

Viel Zeit dazu hatte ich allerdings auch nicht – es handelt sich um Frans Jeppsson-Wall, und der ist erst 7 Jahre alt. Er ist dafür aber schon recht polyglott unterwegs, denn das Lied ist in Schwedisch, Englisch und – man lese und staune – Deutsch.

Kleine Textkostprobe:

I love you, Ich liebe dich, Zlatan Ibrahimovic

Bei soviel herzerweichender Sympathie für Zlatan werden wohl auch die Schweden schwach und kaufen.

PS: Vorwitzige Zeitgenossen werden jetzt unken, dass die Single nur so weit vorne landen konnte, weil keiner mehr CDs kauft. Das mag stimmen, aber bei den legalen Downloads lag Frans auch ganz vorne.

Bananen-Blues

7 Tage und kein Post – ist er etwa krank? Vor der Kanalküste in Seenot geraten? Von Kyrill auf die Schären geweht worden?

Nichts von alledem. Meine üblichen Themen haben mich in den letzten Tagen nicht inspirieren können, etwas hier zu schreiben. Dass Mona Sahlin beispielsweise neue Parteichefin der Sozialdemokraten wird, hat mich weder überrascht, und meine Meinung (wird eh nie Regierungschefin) hatte ich dazu schon kund getan. Auch dass die Regierung Reinfeldt ordentlich an Zustimmung verloren hat, ist auch kaum mehr als eine halbinteressante Zwischenstandsmeldung. Nicht mal zur eventuellen Freilassung von Mohnhaupt und Klar habe ich eine fundierte Meinung. Die Winterlethargie ist eingekehrt.

Zugegebenermassen war ein Beitrag schon fast fertig, als der Browser abstürzte. Die Unbillen, die man als Blogger auf sich nehmen muss, sind schon gigantisch.

Media Markt-Kampagne

„Hat Media Markt die grösste Auswahl? Ist der Ball und der Knödel rund?“ – Media Markt-Werbung war auch schonmal weniger klischeehaft und dämlich

Apropos Unbillen – das Wetter wird langsam winterlich. Ich sitze gerade in Kista und friere mir ein bisschen den Hintern ab. Draussen hat es lauschige -8 Grad, letzte Nacht sogar mal -10. Das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Grund zum Beschweren habe ich eigentlich aber nicht, denn Stockholm ist momentan schön weiss.

Auch sonst ist es mit der Lethargie nicht so weit her. Ich mache schön meinen Relativitätstheoriekurs und schreibe meine Masterarbeit, letzteres aber deutlich weniger erfolgreich bislang, weil sich das Schreiben doch recht zäh gestaltet.

„Kulturell“ geht dafür einiges. Letzte Woche Mittwoch hatte ich Thilo von DASDING, der jetzt auch ein Semester in Stockholm verbringt, angekündigt, wir würden zur grossen Austauschstudentenparty ins Allhuset auf dem Uni-Gelände gehen. Letztendlich war er der einzige, der drin war. Alle anderen haben nach einer Stunde Wartezeit im strömenden Regen aufgegeben. Donnerstag dann haben wir uns MacBeth auf Schwedisch gegönnt. Nicht, dass wir viel verständen hätten, aber schlecht wars nicht.

Derzeit bin ich am munteren Planen für zukünftige Unternehmungen. Ein ursprünglich geplanter Trip ins winterliche Kiruna (derzeit so lauschige -25 Grad) kommt wohl nicht mehr zustande, dafür werden wir die 80er-Pop-Grössen von Alphaville auf einer Fahrt nach Åland im März begutachten. Im Mai geht es dann gleich wieder nach Deutschland.

Was im Sommer passieren wird, ist hingegen vollkommen offen. Ich schreibe schon Bewerbungen und strecke meine Fühler aus. Vom wissenschaftlichen Redakteur bis zum Busfahrer ist jedenfalls alles drin.

Und warum heisst dieser Artikel „Bananen-Blues“ – nun, die gelbe krumme Frucht ist derzeit mein Hauptnahrungsmittel. Auf diese Art bin ich schon rund 3,5 kg losgeworden, wonach ich aber leider immer noch stark im übergewichtigen Bereich liege. Trotzdem bin ich eisern und werde morgen auch wieder trainieren. New York, ich komme 🙂

Ungeahnte Probleme

Auch wenn mich das Rauchverbot in den letzten Monaten sehr beschäftigt hat, so kann ich nicht verhehlen, dass es dazu auch schöne Glossen gibt. Wobei ich mir nicht sicher bin, welche Ansicht der Autor wirklich vertritt.
Sehr amüsant übrigens auch, dass auch Messen der Tabakindustrie mittlerweile von Rauchverboten beeinflusst werden.

Auch mit anderen Drogen ist nicht zu spassen: Kristina Axén Olin, Stockholms Bürgermeisterin (eigentlich nur Finanzbürgermeisterin, aber das Amt Bürgermeister hat die Stadt nicht), hat in einem Interview zugegeben, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter an Weihnachten 2005 in eine ziemliche Lebenskrise gestürzt war und es dann im letztjährigen Wahlkampf „zuviel Kopfwehtabletten und zuviel Alkohol“ geworden seien. Sie sei sogar bei den Anonymen Alkoholikern gewesen. Nun wird wild diskutiert, welche Sitten im Rathaus denn so vorherrschen. In meiner Zeit dort war das Leben auch sehr exzessiv. Es gab Kuchen und ich bekam fast einen Wasserschock – zum Glück ging es glimpflicher aus als in diesem tragischen Fall.