Delengkal Weblog

Sinnfragen von einer Insel vor Stockholm

Ausgewählt

Meine Lieblingsschuhe sind fürchterlich ausgelatscht und haben einen kleinen bösen Nebeneffekt: sie laden sich statisch auf, und jedes Mal, wenn ich an den Metallgriff einer Tür fasse, kriege ich einen kleinen elektrischen Schlag. Ich weiß also ziemlich genau, wie Angela Merkel sich fühlen muss, wenn sie dieser Tage durch das Konrad-Adenauer-Haus läuft. Überall Fallen, und wenn man vorankommen will, darf man nicht zurückschrecken.

Metro Bundestagswahl 2005
Die kostenlose U-Bahn-Zeitung Metro mit einem prächtigen Bild von Angela Merkel
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Kvalet av valet

Vor ein paar Jahren durfte ich den Kirchenrat meiner Gemeinde oder irgendsoetwas wählen – es gab sechs Plätze zu vergeben, und genau sechs Kandidaten. Den knallharten Wahlkampf kann man sich ansatzweise vorstellen. Und das TV-Duell erst – spektakulär.

Hier sind morgen Kirchenwahlen, und es geht ganz anders zu. Parteien treten an, Wahlkampf in der Fußgängerzone. Nicht, dass die Kirche mehr zu melden hätte als in Deutschland, aber es ist ein Stimmungsbarometer. Zudem sind die Wahlen für den schwedischen Reichstag ziemlich genau ein Jahr entfernt.
Bei allem Interesse für die Politik hier interessiert mich die andere große Wahl morgen freilich deutlich mehr.
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(Halb-)Marathon Superstar

Ich sollte dieses Blog in „Albano Watch“ umbenennen. Genügend Stoff zu berichten gäbe es allemal – obwohl oder gerade weil hier ein Haufen Müll rumliegt, treiben sich höchst seltsame Gestalten herum. Gestern gab es folgende Szenerie zu beobachten:

Ein männliches Model zeigte sich in Bademeisterpose auf dem mondänen Schotterhaufen vor der Bahnstrecke – gelegentlich zog er sich sogar um. Schade, dass es keine Frau war. Einen Schnappschuss konnte ich mir dennoch nicht verkneifen. Ich gab allerdings vor, die vorbeifliegenden Heißluftballons zu fotografieren.

Derweil trieb sich weiter vorne ein Mann mit dem Aussehen einer Vogelscheuche herum und sammelte herumliegenden Müll ein. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war er aber kein Mitarbeiter der Parkplatzfirma, die mich mit einem Ticket beglückte, sondern ein Obdachloser. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die werden aus der Innenstadt mittels einer Taktik vertrieben, die auch im Hamburger Hauptbahnhof für erhebliche Veränderungen gesorgt hat: an einigen Geschäften in der Nähe von T-Centralen (Hauptbahnhof für alle Bahnen) wird die Straße mit recht lauter Musik beschallt. Der Effekt ist einfach, dass unerwünschte Menschen auf Dauer davon genervt sind und weiterziehen.

Und nun zu etwas völlig anderem: Samstag.
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Life goes on

Deutsche Gründlichkeit ist etwas Schönes, eben weil es sie nur in Deutschland gibt und woanders folglich in dieser Form nicht existiert. So ist auch mit meinem Strafzettel, den ich letzte Woche bekommen habe. Bei der Wohnungsverwaltung erklärte man mir auf Anfrage lapidar, dass es natürlich schade sei, dass mich der Hausmeister falsch informiert habe. Man könne auf dieser Müllhalde hier nicht kostenlos parken. Dass das außer mir und ein paar Bauarbeitern auch niemand will und somit eine marktwirtschaftliche Schieflage in Bezug auf Angebot und Nachfrage besteht, scheint noch niemandem aufgefallen zu sein.
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Ohne Titel

Bei der Kamera, die ich mir vor 2 Jahren bei Ebay ersteigert habe, waren Filme dabei – weit jenseits des Haltbarkeitsdatums, aber für ein paar anfängliche Versuche vielleicht noch brauchbar. Es handelt sich um ein Gerät der Marke Revue, noch in der DDR gebaut, eine Spiegelreflexkamera ohne jegliche modernen Erleichterungen wie einen Auto-Fokus oder elektrisch verstellbare Brennweite.
So lief ich herum und schoss Fotos von meiner Umgebung. Viele misslangen. Eines zeigt unseren Garten, von unserer Gartenlaube aus aufgenommen. Hinten links steht der Apfelbaum, rechts sitzt meine Oma.

Die Gartenlaube gibt es so nicht mehr – seit heute nacht gibt es auch meine Oma nicht mehr.
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Wählt mich! (bzw. schlagt mich vor)

Aufmerksame Beobachter werden nicht nur das komplett geänderte Design der Seite bemerkt haben, sondern auch das Symbol der BOBs (Best of the Blogs), dem Weblog Award der Deutschen Welle. Ab sofort können Vorschläge eingereicht werden. Also zögert nicht und schlagt meine Seite vor, am besten mehrfach und in allen Kategorien 🙂 . Ein Gewinn ist freilich mehr als unwahrscheinlich, aber einen Versuch ist es wert.

Es geht los

Es ist soweit, in 90 Minuten beginnt meine erste Vorlesung.

Nachdem ich nun gestern abend beim SSU, dem Stockholms Socialdemokratiska Ungdomsdistrikt, war und die ersten organisatorischen Dinge hier auf dem Flur geregelt habe, ist die vorlesungsfreie Zeit vorbei.

Der SSU war recht spannend, da ich über zwei Stunden lang normalem Schwedisch lauschen konnte, was im Normalfall nicht immer so leicht möglich ist. Im Radio wird schließlich keine Umgangssprache gesprochen. Immerhin schaffte ich es, rund 10 bis 20 Prozent zu verstehen. Da ist also noch viel Luft nach oben. Jedenfalls wurde ich sehr herzlich aufgenommen und werde nächste Woche wohl wieder hingehen.

Hier auf dem Flur habe ich mal ein paar Schilder zur Aufteilung der Schränke aufgehängt. Langsam sieht man auch die Abgründe hier. Der nervige Moldawier hier ist mit seiner Frau/Freundin/was auch immer eingezogen. Das ist unverständlich, weil die Räume nicht gerade spottbillig sind und es für zwei Personen sicher passenderes gäbe. Es entsteht auch nicht gerade der Eindruck, als wäre sie sonderlich glücklich hier: sie meidet Kontakt und ist im Allgemeinen sehr selten zu sehen. Auch zwei Chinesinnen bewohnen ein Zimmer zusammen. Der Mietvertrag besagt, dass der Raum nur vom Mieter bewohnt werden darf – ich glaube nicht, dass da eine zweite Person vorgesehen ist.
Der Moldawier hat auch aus anderen Gründen meinen Unmut auf sich gezogen. Gestern verkündete er doch einigen Mitbewohnern, die sich über die Möglichkeiten, einen Sprachkurs zu belegen, unterhielten, dass man doch gar nicht Schwedisch lernen müsse – wozu denn, schließlich könne hier jeder Englisch. Ich wies ihn deutlich darauf hin, dass der schwedische Staat ihm seine Ausbildung schenke und dass es dann wohl eine Frage des Respekts sei, sich etwas mit diesem Land zu beschäftigen.

Mit dem Beginn der Vorlesungszeit heute ist es Zeit, die Rubrik „Die ersten Wochen in Stockholm“ zu schließen. Ich habe mich eingelebt hier – nun gilt es die Herausforderungen des neuen Alltags zu meistern.

Breaking News: Alarm, Alarm!

Stockholm, 16:30 Uhr – Der Student Union Day am Nymble Student House, bei dem sich alle Studentengruppen der Königlich Techinischen Hochschule (KTH) Stockholm, vorstellen, sollte eine überraschende Wendung nehmen. Jäh wurden die anwesenden Studenten bei ihren Tätigkeiten unterbrochen, als der Feueralarm ausgelöst wurde. Graue Wolken standen am Himmel, die Feuerwehr rückte zügig an. „Ich bin froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein“, sagte der Schweizer Student Ronney M., als sich die Evakuierten auf der anderen Straßenseite besorgt zusammenfanden. Durch die schnelle und gefasste Reaktion der Anwesenden kam niemand zu Schaden.

Feueralarm

Wie sich nach einer gründlichen Untersuchung der Feuerwehr herausstellte, kann Brandstiftung ausgeschlossen werden. Es war lediglich ein Fehlalarm.

Das ist nicht meldenswert? Na, das werden die Kollegen vom Spiegel aber anders sehen.

Partyhopping für Anfänger

Letzte Wochenenden haben etwas Absolutes – man fühlt sich genötigt, unbedingt noch einmal das Beste daraus zu machen, um keinesfalls etwas zu verpassen. Dies gilt insbesondere für die freien Tage vor Semesterbeginn, die nun zu Ende gehen. Drei Tage, drei Events – bei den Maschinenbauern spricht man von der größtmöglichen Packungsdichte.

Freitag, 19:30 Uhr – seit drei Tagen verkünden meine Zettel die Events einer Art O-Phase in unserem kuschligen Container. Im Laufe der Woche war ich auf die freitägliche Semestereröffnungsparty im Lappis, dem größten Studentenwohnheim Stockholms, hingewiesen worden. Kurz darauf wurde dies auch nochmals mit einer Rundmail bekräftigt, gepaart mit der vollmundigen Ankündigung, „The great Johan & Cewineye“ würden live spielen. Man musste annehmen, es müsse sich um ein Fest gigantischen Ausmaßes handeln. Selbst wenn der Johan doch nicht ganz so great sein sollte, so würde es doch zumindest akzeptabel sein. Ich begann, Werbung zu machen, und jeden Masterstudenten, der mir über den Weg lief, darauf anzusprechen: „Treffpunkt Station Universitetet, 20 Uhr, unbedingt kommen“. Mein alter Organisationsdrang schien sich wieder zu regen. Mit einigem Erfolg: schon beim Container hatte die Gruppe rund zehn Mitglieder, und sie wuchs beständig. Vor besagter U-Bahn-Station kam ich mir schon ein bisschen wie der Leiter einer Neckermann-Reisegruppe vor, denn ich war der einzige, dem der Weg zu Lappis bekannt war. Als wir an einer Wiese mit Kühen vorbeikamen, bemerkte Nicole, sie habe die Wiederkäuer noch nie aus solcher Nähe gesehen – offenbar hatte ich das urbane Potenzial ihrer Heimat New Jersey etwas unterschätzt. In mir wuchsen insgesamt große Zweifel, ob ich nicht etwas zu enthusiastisch an die Sache herangegangen war. Was, wenn da gar keine Party ist? Mein von Ruben verliehener Spitzname „Lord of the Container“ wäre unmittelbar gefährdet, von der Peinlichkeit gar nicht zu sprechen.
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In ganz eigener Sache

Nach eineinhalb Monaten kann ich beruhigt davon sprechen, dass die Bloggerei die Homepage beträchtlich belebt hat. Nicht nur der bisherige Besucherrekord wurde gebrochen, sondern die täglichen Besucherzahlen sind beträchtlich gestiegen.

Bereits in der ersten Woche nach dem Wechsel wurde ich darauf hingewiesen, dass das Design schon woanders gesehen worden wäre. Mir selbst gefiel es auch nicht so sehr, weil es sehr starr war und der Banner oben viel Platz wegnahm. Daher diese neue Fassung. Minimalistischer, zeitloser und trotzdem übersichtlich.

Neben kleinen Gimmicks wie dem Countdown-Kalender gibt es nun auch ein paar Änderungen in Richtung Internationalisierung. Ein paar entscheidende Links sind jetzt auch auf Englisch. Leider habe ich keine brauchbare allgemeingültige Lösung gefunden. Sobald ich so etwas habe, wird die Seite konsequent multilingual. Bis dahin wird sie vorwiegend deutsch bleiben.