Delengkal Weblog

Sinnfragen von einer Insel vor Stockholm

Seltsam: IDGR eingestellt

Ich gehöre definitiv nicht zur Netz-Antifa, die stumpfer rechtsextremer Propaganda nicht viel weniger stumpfe linksextreme Propaganda entgegensetzt. Interessehalber informiere ich mich aber öfters zum Thema. Dazu ist oft der „Informationsdienst gegen Rechtsextremismus“, kurz IDGR, sehr gut. Nachdem heute dieser Artikel ja sehr prominent auf SPIEGEL Online war, wollte ich mich über den Macher dieser Möchtegernnachrichten aus dem Führerhauptquartier informieren. Beim IDGR war jedoch nur ein kurzer Text auf der Seite, in dem die Projektleiterin Margret Chatwin erklärte:

IDGR geht vom Netz

Liebe Besucher der IDGR-Webseiten,

nach vielen Jahren aufreibender Arbeit habe ich am heutigen Tage dieses Projekt eingestellt und die Seiten vom Netz genommen. Als ich damit begann, […], waren dazu so gut wie keine Online-Informationen verfügbar. Das hat sich seither so grundlegend geändert, dass ein solches […] Projekt nicht mehr die Notwendigkeit […] wie noch vor wenigen Jahren hat.

Ich danke allen Lesern für ihre langjährige Treue. […]

Unter anderem erwähnt sie in dem Text auch ihre Freude über Neonaziaussteiger.

Die ganze Sache kommt mir reichlich seltsam vor – ein Hackerangriff von Nazis vielleicht? Dazu ist der Text aber zu gut geschrieben – eine derartige Subtilität kann man von Nazis normalerweise nicht erwarten.
Auf der anderen Seite ist es sehr seltsam, dass sich ein solches großes Projekt 10 Tage nach den gewaltigen Stimmgewinnen der NPD in Meck-Pomm Mecklenburg-Vorpommern und Berlin so mir nichts dir nichts ersatzlos verabschiedet – insbesondere die Entfernung der Informationen mutet komisch an, denn eine derart umfängliche Faktensammlung kann auch die Wikipedia nicht bieten. Es bleibt abzuwarten, was daraus noch wird.

Harte Worte

Auch wenn heute hier schon eine Menge steht, kann ich mir natürlich nicht verkneifen, eine der kuriosesten politischen Possen des Jahres 2006 hier in Schweden kurz zu kommentieren.

Kurz die Geschichte: Anna Sjödin, die Vorsitzende von sozialdemokratischen Jugendverband SSU, war im Januar im Stockholmer Club „Crazy Horse“. Tags darauf präsentierte sie sich mit reichlich blauen Flecken im Gesicht aufeiner Pressekonferenz. Klar war nur, dass es zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Sjödin behauptete, der Sicherheitsmann Babak Jamei, der dort arbeitet, hätte sie geschlagen. Dieser wiederum sagte jedoch aus, sie hätte ihn beleidigt und wäre auf ihn losgegangen. Anzeigen wurden gestellt – der Prozess wurde aber zu Sjödins Glück nicht vor der Wahl anberaumt. Das Brisante: es sollen auch rassistische Beleidigungen gefallen sein, was natürlich der Todesstoss für Sjödin wäre. In der Zwischenzeit wurden Kameras am Eingang verschiedener Clubs angebracht – prophylaktisch, obwohl man noch gar nicht weiss, was denn passietr ist.
Nun steht sie aber vor Gericht, angeklagt der Tätlichlichkeiten gegen eine Amtsperson (Security am Eingang ist hier offiziell registriert), gewaltsamer Widerstand, eigenmächtiges Vorgehen (in Deutschland wohl Störung der öffentlichen Ordnung)
und Beleidigung vorgeworfen.

Jamei gab heute nun zum Protokoll, sie hätte ihn „Svartskalle“ (wörtlich „Schwarzschädel“) genannt und sei mächtig betrunken gewesen, als er sie hinauswerfen wollte. Sie habe ihn direkt ins Gesicht geschlagen. „Solche Einwanderer wie dich wollen wir nicht in diesem Land“, habe sie gesagt. Als er dies später Kollegen erzählte, sei ihm klar geworden, dass diese Aussagen ja gesetzeswidrig seien.

Sjödin hingegen bestreitet all dies. Laut ihr sei der Abend toll gewesen, bis Jamei angefangen hätte, mit einer Freundin von ihr zu streiten. Jamei habe Sjödin „Hure“ und „Fotze“ genannt. Als sie ihre Tasche holen wollte, habe er sie mit einem Knüppel niedergeschlagen.

Es bleibt abzuwarten, was die anderen Zeugen zu sagen haben.

Das Interesse an dem Prozess ist jedenfalls gewaltig – der Saal war heute voll besetzt. Es könnte zu einem Highlight des Herbsts werden, wenn es nichts Neues vom Spionskandal der Folkparti gibt und die neue Regierung keine Fehler macht. Apropos Folkparti: dort tut sich auch wieder etwas. Der Pressechef gab mittlerweile bekannt, dass man ihn mit einem Job ködern wollte, damit er seinen Mund hält.

In eigener Sache

Auch wenn ich kein eigenes Bild für den Header gefunden habe, das auch in das Layout passt, dachte ich mir, es wird Zeit, die Seite etwas bunter zu machen. Mein eigentliches Motiv war allerdings, Kommentare gleich hier auf der Seite anzuzeigen – ich kriege davon ja nicht allzuviele. Das ist mir bislang nicht gelungen, aber wenigstens das neue Layout ist online.

Zum Kotzen

Nein, nicht meine liebe Erkältung, die nun anscheinend ihren letzten Zügen liegt, belastet meinen Magen.

Vielmehr ist es die politisch bescheidenste Meldung seit der Wahlniederlage hier. Das Rauchverbot in Deutschland ist massiv am kippen. Ich will hier kein Plädoyer beginnen – die Argumente sind hinlänglich bekannt. Es stimmt mich einfach traurig, dass man selbst bei so kleinen, aber sinnvollen Dingen vor Lobbyisten einknickt und nicht mehr in der Lage ist, eine anständige Lösung hinzubekommen.

So war es mit der vollkommen absurden Klage gegen das Tabakwerbeverbot, so ist es nun mit dem Rauchverbot. Dass man bei einer Gesundheitsreform vielleicht mehr Druck bekommt, ist ja noch nachzuvollziehen. Aber eine derartige Kapitulation vor der Tabaklobby, die wohl die einzige Interessentin an einer Nichteinführung eines solchen Verbotes sein kann, ist ein Armutszeugnis für die deutsche Politik.

Offenkundig muss man erst in Brüssel ein solches Verbot beschließen. Und dann ist eine Klage aus Berlin wohl auch schon sicher…

Media Markt (4)


Media Markt Sverige 4

Originally uploaded by HansBaer.

Das vorletzte Bild der Serie – eben hatte ich auch eine schöne Diskussion in der Kantine über diese Kette und ihre höchst fragwürdigen Methoden.

Der Text ist dieses Mal weniger originell: „Danke Schweden ‚for the music‘. Jetzt geben wir euch Stockholms grösste Unterhaltung.“ Gemeint ist wohl das Unterhaltungsangebot.
Ebenso interessant: dieser Artikel im Spiegel über die Zukunft Deutschlands als Autoproduzent.
Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis man in Deutschland begreift, dass man weg von der Autoproduktion muss.

Reiche Irre

Tag 7 meiner großartigen Erkältung, mittlerweile mit einem exzellenten Husten. Ich hoffe, das ist bald durchgestanden. Meine Sendung am Freitag hat es mir jedenfalls ziemlich versaut.

Mein Thema des Tages ist vollkommen spontan: Scharlatanerie.

Naja, ganz konkret habe ich vor einer Weile einmal die Doku „Freie Energie – Der Wettlaufzum Nullpunkt“ gesehen. Was wie eine Dokumentation über Kühlsysteme klingt, stellt sich schon bei oberflächlicher Betrachtung als purer Unsinn heraus. Die Macher sind der Ansicht, dass ja die ganzen Atome im Raum Energie hätten und überall Energie rumwabert – dazu packen sie die schon seit Einstein widerlegte Theorie aus, dass es einen Äther gebe. Witzigerweise benutzen sie als Unterstützer ausgerechnet Einstein. Man muss die tolle Energie also nur anzapfen. An einer stelle wird behauptet, dass es nämlich in 10 hoch 108 Joule pro Kubikzentimeter gäbe. Bei diesem irrsinnig hohen Wert braucht man erst gar nicht zu rechnen. Das ist derart viel, dass man damit in einem oder wenigen Kubikzentimetern mehr Energie vereinigt hätte als im ganzen Universum. Der Film ist doppelt grotesk, weil dort lauter Amateurerfinder ihre vermeintlichen Perpetuum Mobiles vorführen und sich darüber empören, dass keiner die tollen Maschinen kaufen wil.

Der Link: http://video.google.com/videoplay?docid=-8943205214784769158

Noch kurioser wird es bei diesen Videos:

http://video.google.com/videoplay?docid=-8876945364600278217

http://video.google.com/videoplay?docid=5230352501705525326

Ein Laienprediger nimmt dabei Bibelzitate und setzt sie ein, wie er gerade lustig ist. Sonstige Fakten sind dünn. In jedem Fall sind natürlich die Illuminaten an allem schuld. War ja auch klar. Wer auf den Quatsch hereinfällt, hat es nicht besser verdient.

Zuletzt ein wirklich guter Film: http://video.google.com/videoplay?docid=3288261061829859642

Ist exzellent – was will man von Arte auch anderes erwarten.

Nachtrag zu den Media Markt-Geschichten: Das erste Motiv ist überschrieben mit „Danke Schweden für eure schönen Naturfilme. Jetzt zeigen wir euch die beste Technik.“ Auch hier muss man den Hintergrund kennen. Das Filmplakat ist von dem Film „Hon dansade en sommar“ („Sie tanzte einen Sommer“), wo die Hauptdarstellerin Ulla Jacobsson mit entblößten Brüsten zu sehen ist, was in den 1950er Jahren natürlich für einigen Aufruhr sorgte.

In eigener Sache

Weil in letzter Zeit der Kommentarspam massiv zugenommen hat, habe ich einen Authentifizierungscode eingebaut, der abgetippt werden muss, bevor man den Kommentar abschickt.

Ich entschuldige mich für den zusätzlichen Aufwand, aber ich würde gerne auch mal wieder Kommentare moderieren, die auch wirklich Kommentare sind.

Media Markt (3)




Media Markt Sverige 3

Originally uploaded by HansBaer.

Dieses Plakat ist purer Zynismus – wie alle Media Markt-Kampagnen will man offenbar auch provozieren.

Der Text lautet „Danke Schweden für eure preiswerten Schilder! Nun geben wir eurch die niedrigsten Preise“

Um das zu verstehen, muss man den Hintergrund kennen.

Das abgebildete Schild findet sich, ähnlich wie in Deutschland Schilder für Wildwechsel, auf vielen schwedischen Strassen. Es erfüllt einen wichtigen Zweck, denn die Überlebenschancen bei einer Kollision mit einem Elch sind vergleichsweise gering. Das Tier ist gross, so dass man ihm die Beine wegfährt und der gewaltige Körper auf das Auto fällt.
Leider ist das Schild wohl auch das, das am meisten gestohlen wird. Deutsche sind in Schweden dafür bekannt, dass sie besonders häufig hinter diesen Diebstählen stecken.

Ob das stimmt, ist natürlich kaum festzustellen.
Allerdings hat die schwedische Strassenbehörde vor längerem begonnen, die Schilder auch zu verkaufen, um die Zahl der Diebstähle zu reduzieren. Und nicht wenige der Käufer sind anscheinend Deutsche.

Media Markt (2)




Media Markt 2 (Drottningholm)

Originally uploaded by HansBaer.

Eines muss man dem Media Markt lassen: die Kampagne ist mal wieder gut.

Dieses Motiv überschreibt Schloss Drottningholm, dem Wohnsitz der königlichen Familie, mit „Danke Schweden, dass ihr unserer Olympiahostess ein so schönes Heim gegeben habt. Nun wird Stockholm das Heim für superniedrige Preise“.
Mehr in den nächsten Tagen.

Derweil ist Schweden von ganz anderen Dingen eingenommen. In Göteborg ist zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen ein Auto explodiert. Gestern war es eine Handgranate – was es heute war, weiss man noch nicht.

Die neue Regierung fängt schon an, sich zu zanken, bevor sie überhaupt zustande gekommen ist. Während die Zentrumspartei und die Volkspartei, welche schon im Wahlkampf teilweise Gleichstellungsthemen aufgriffen, Frauen und Männer zu gleichen Teilen in der Regierung haben wollen, sind hingegen die Christdemokraten, denen wohl der Abstand zwischen Frau und Herd allgemein zu gross geworden ist, und die Moderaten dagegen. Das wird noch lustig.