Delengkal Weblog

Sinnfragen von einer Insel vor Stockholm

Bullshit


GMX 31.8.2006

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Das investigative Nachrichtenportal GMX glänzt heute mit einem Höhepunkt des deutschen Internetjournalismus. Nicht nur dass dieser Promimüll jeden Tag dort prominent platziert wird. Offenbar sind Sceintologypromikinderexkremente mittlerweile auch schon so wichtig, dass man darüber berichten muss. Oje…

Marketing – How not to do it


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Auf diese prächtige Anzeige bin ich heute morgen gestossen. Viele Menschen besitzen Waagen ja nur, um sich selbst der Illusion hinzugeben, man achte auf seine Gesundheit.

Wieso man dann in der Werbung aber ausgerechnet eine Waage abbildet, die stolze 135 kg anzeigt, wird wohl das Geheimnis der entsprechenden Werbeagentur bleiben.

Kampagne von Dagens Nyheter (1)


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Originally uploaded by HansBaer.

Die Sicht der Welt auf Schweden – oder zumindest so wie sie von Dagens Nyheter, einer schwedischen Tageszeitung, angenommen wird.

Es handelt sich dabei übrigens um den Stureplan, einem Platz, der in Stockholm der Inbegriff von Luxus ist. Eisbären sieht man dort allerdings nur sporadisch.

Wahlkampf

Stockholm im Chaos – überschwemmte Strassen, überfüllte Busse, lange Staus. Sogar Nebenstrassen füllen sich mit Autos von Leuten, die offenbar den Weg zur nächsten Bushaltestelle scheuten. Viele werden heute morgen Zeit gehabt haben, über die Richtigkeit der „Gedrängesteuer“ („Trängselskatt“) genannten City-Maut nachzudenken. Denn in weniger als einem Monat werden sie darüber abstimmen müseen.

Der Sommer geht, der Wahlkampf kommt. Am 17. September wird gewählt, und zwar alles auf einmal vom Reichstag bis hinunter zum Stadtrat. Dementsprechend sind hier alle aktiv. Die Stadt ist zugepflastert mit Werbung, und man kann schön sehen, wie in einem Land Wahlkampf gemacht wird, das eigentlich keine gravierenden Probleme hat. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Wirtschaft läuft gut, das Bildungssystem gehört zu den besten und die soziale Absicherung ist besser als sie in Deutschland jemals war.

Dementsprechend dünn fallen die Plakate aus.

Die Hauptoppositionspartei Moderaterna glänzt mit dem tollen Slogan „Schweden braucht eine neue Arbeiterpartei“. Eine konservative Partei biedert sich also als Arbeiterpartei an, was eine interessante Variante ist, die wohl so nur im sozialdemokratisch geprägten Schweden funktionieren kann – New Labour lässt grüssen. Ihr Hauptpunkt – wie auch der aller anderen Partei – ist, dass man in Schweden die Menschen mit unmenschlichen Dingen wie Steuern quält. Deswegen versprechen sie saftige Steuersenkungen. Vermögenssteuern sollen wegfallen und die Steuern auf Wohnungen wohl eingefroren werden. Das Gesundheitssystem ist auch ein dickes Thema – die Kosten für Zahnbehandlungen, die weitgehend nicht von der staatlichen Versicherung abgedeckt werden, sollen gedeckelt werden.

Welche Versprechungen denn auch umgesetzt würden, sei dahingestellt. Neu ist an der Sache vor allem, dass sich die bürgerlichen Parteien zusammengerauft haben – ein seltenes Ereignis.

Die Moderaterna halten sich aber sonst in ihrer Werbung recht zurück. Ihr Spitzenkandidat Fredrik Reinfeldt lächelt krawattenlos so sympathisch von den Plakaten herab, dass man ihn am liebsten als Nachbarn hätte. Ich kann mich nur noch an ein weiteres Plakat erinnern, in dem mehr Polizeikräfte und ein sichereres Östermalm versprochen werden. Nicht, dass es dort unsicher wäre, aber reiche Leute wohnen da, und die Stadtzeitungen Metro und City führen einem ja täglich vor, in welch vermeintlich gefährlichen Stadt man doch lebt.

Die Folkpartiet – zwar Volkspartei, aber wohl eher liberal unterwegs – gibt sich ganz progressiv und verkündet „Die Nachrichten von morgen“. In deren Vision sollen Einwanderer Sprachtests ablegen und man auf einen Doktor nicht mehr warten müssen. Ausserdem sollen Noten in der Schule schon vor der 9. Klasse eingeführt werden. Man merkt, welche brennenden Probleme dieses Land hat: keine.

Plakatetechnisch am schlechtesten kommen die Kristdemokraterna weg. Ihre Plakate sehen irgendwie aus wie die für die Bürgermeisterwahl in Sprockhövel: keine Slogans, Fotos der lokalen Kandidaten und mässiges Design. Das Logo der Partei macht auch nicht wirklich viel her.

Deutlich mehr Punkte macht die Centerpartiet mit schönen grünen Plakaten. Auch der unbedarfte Beobachte dürfte schnell erkennen, dass es sich bei dieser Partei um das schwedische Äquivalent der ÖDP handelt – konservativ, aber grün. Anscheinend bringt ihnen die ganzen Geschichte was. Vor einem Jahr galt die Partei als fast abgeschrieben. Sie sitzt nicht im Stockholmer Stadtrat und drohte auch landesweit an der 4%-Hürde zu scheitern. Danach sieht es nach aktuellen Umfragen (6,1 %) nicht mehr aus.

Die Vänsterpartiet (Linkspartei) hingegen bekommt wohl im Moment mächtig kalte Füsse. Ihre Umfragewerte (4 %) sind schlecht, ihre Plakate auch: „Rättvisa kommer från vänster“ (Gerechtigkeit kommt von links) ist ihr Slogan, und ihre Plakate sind nach dem Schema „Och 5 arbetslösa är fler än 4 direktörer.“ aufgebaut. („Und 5 Arbeitslose sind mehr als 4 Direktoren“). Das Gleiche gibt es beispielsweise noch für die Paarungen Obdachlose-Hausbesitzer und Feministinnen-Sexisten. Was der Quatsch soll, ist mir ein Rätsel. Vielleicht eine Abstimmung
mit den Füssen nach dem Motto „Wir sind das Volk“. Keine Ahnung.

Die Grünen werben nur in Bussen, und da mit so aufregenden Themen wie dass der Lohn doch nicht vom Geschlecht abhängen sollte. Programm Fehlanzeige.
Die Sozialdemokraten sind auch recht dezent unterwegs. Kein Göran Persson lächelt uns auf Plakaten an. Stattdessen sind die Plakate rot (wenig überraschend) und verkünden „Ja!“, und das zu bestimmten Theman. „Nein“ wäre auch eine schlechte Wahlbotschaft.
Das befürchtete Nein zur City-Maut spielt bemerkenswerterweise nur auf den Plakaten der Befürworter eine Rolle. Die „Allianz“, wie sich der Zusammenschluss der bürgerlichen Parteien nennt, hat wohl verstanden, dass es ökonomisch der blanke Irrsinn wäre, ein 450 Millionen-Euro-Projekt nachträglich abzuschiessen. Das Geld sieht man erst recht nie wieder, wenn man die Angelegenheit abschaffen würde.

Untergegangen nicht nur wegen des Regens ist jemand ganz anderes: die Feministische Initiative, die vor zwei Jahren durch ihre WASG-artige Gründungsgeschichte für Furore sorgte, scheint vollkommen unterzugehen. Und soweit ich das beurteilen kann, ist das auch wirklich nicht tragisch.

Verstrahlt

Über Kondome und dergleichen brauche ich mir künftig wohl keine Gedanken mehr zu machen, denn seit ich gestern mehrere Stunden mit Gamma-Strahlungsquellen verbracht habe. Meine Spermien sind mittlerweile wohl so tot wie die Pflanze in dem Zimmer hier.
Im Ernst: heute ist mein dritter Tag bei meiner Masterarbeit. Ich habe ein eigenes Büro mit Namensschild und ein schnurloses Telefon – da kann man beim besten Willen nicht meckern, auch wenn der Monitor manchmal flackert und der Computer Krach macht wie Sau.

Ort meiner Tätigkeit ist FOI, ein staatliches Forschungsinstitut für Verteidigung, das hauptsächlich im Auftrag des schwedischen Verteidigungsministeriums arbeitet. Die NATO hat aber noch nicht versucht, mich als Spion anzuwerben. Viel zu erzählen hätte ich eh nicht, denn meine Aufgabe ist eher, daran mitzuhelfen, dass man einen nuklearen Unfall o.ä. noch schneller bemerkt als damals bei Tschernobyl und ein internationales Atomteststoppabkommen nicht unbemerkt gebrochen werden kann.

Und für diesen Beitrag zum Weltfrieden kann man durchaus Einschränkungen in der Zeugungsfähigkeit hinnehmen.

Apropos Kinder: Gestern abend fiel mir beim Joggen ein Plakat auf, das mit „Gesucht“ überschrieben war, und zwar auf deutsch. Irritiert blieb ich stehen und musste lesen, dass „Eine Zukunft für weisse Kinder“ gesucht werde, die ja von der „Europäischen Bananenrepublik“ und dem bösen Rest der Menschheit gefährdet sei – Werbung für „National Alliance“ gemacht. Kurzum, es war ein Nazi-Plakat – und zwar eines von den Leuten, die sich irgendwo im Umfeld zwischen amerikanischen Nazis nach dem Schlage der NSDAPAO und Ku-Klux-Klan-Sympathisanten bewegen. Traurig, so etwas überhaupt finden zu müssen. Mindestens genauso traurig (wie auch grotesk) ist allerdings, dass es ausgerechnet auf deutsch abgefasst ist und in der Hauptstadt eines der tolerantesten Länder der Welt aufgehängt wurden. Nazis gibt es leider überall. Ich durfte ja auch schon Werbung der Nationaldemokraten, die nicht von ungefähr so heissen wie die NPD, in meinem Briefkasten vorfinden. Da ist mir selbst die Werbung der Zeugen Jehovas oder dieser obskuren sektenähnlichen LaRoche-Bewegung lieber.

PS: Ich habe das Plakat natürlich abgerissen.

Gedanken zum Tage

In 9 Stunden geht mein Flieger – Zeit, ein Resümee über 2 Wochen Deutschland abzugeben.

  • Jürgen Klinsmann – so muss es beginnen – ist nicht mehr Bundestrainer. Vorher gehasst, nachher geliebt, hat er einfach seinen Hut genommen und in der Gepäckablage der First Class Richtung Los Angeles verstaut. Recht hat er, sagen viele; schade, sagen alle; war ja sowieso klar, sagen auch ziemlich viele – und bei der letzten Aussage wird einem bewusst, dass 4 Wochen Euphorie den deutschen Grundpessimismus mächtig beschädigen, aber niemals vernichten können.
  • Mein Germany-T-Shirt ist weg. Sachdienliche Hinweise nehme ich gerne entgegen.
  • Baden ist nach wie vor schön, aber auch verdammt heiß. In Stockholm sind gerade angenehme 22°C – ein Grund, sich auf den Rückflug zu freuen.
  • Allzuviele andere Gründe gibt es aber nicht. Meine zwei Wochen beim SWR lassen mich wehmütig werden. Und das, obwohl ich die meiste Zeit damit verbrachte habe, irgendwelche Mails umzukopieren.
  • Auf der anderen Seite: wäre ich noch in Karlsruhe, wäre ich nicht minder wehmütig.
  • Nach einem Jahr Schwedisierung sehe ich auch die negativen Nebeneffekte
  • Synchronisierte Filme beispielsweise sind mir ein Graus. Waren sie schon immer, aber dass ich peinlich berührt nach 10 Minuten nicht mehr zuschauen will, ist mir früher nie passiert. Ich überlege, eine Lobbyorganisation dagegen zu gründen. Nicht gegen das Peinlich-Berührt-Sein, sondern gegen das Synchronisieren von Filmen.
  • Das bargeldlose Bezahlen ist in Deutschland in einem bescheidenen Zustand. In zahlreichen Kneipen kann man nach wie vor nicht mit Karte bezahlen. Das Problem ist zwar nicht allzu häufig, aber stellt sich in Schweden auch erst gar nicht.
  • Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Zahl der Leute, die man in 2 Wochen Heimaturlaub treffen kann, mit der Länge des Aufenthalts nicht zwangsläufig zunimmt.

Mein Gefühl sagt mir, dass das Heimweh etwas stärker sein wird in meinem zweiten Jahr in Stockholm. Fast alle, die ich kenne, sind schon in die Heimat zurückgekehrt – und allzuviele Bekanntschaften habe ich in Schweden noch nicht. Aber das kann ja kommen.

Heute wird auf alle Fälle gepackt:

  • Weizenbiergläser (in Schweden kaum erhältlich)
  • Akkuhaarschneider (billiger hier)
  • Deutschlandfahne (muss wieder mit)
  • Maultaschen

Damit sollte die erste Zeit in Stockholm weniger schwer sein.

Fabian Seitz Radiostar

Vor einer Viertelstunde war besagtes Radioninterview, das, obwohl live, erstaunlich gut lief. Letztendlich hat es mir doch ein bisschen noch den gestrigen Tag versüßt, denn im Gegensatz zu den anderen 82 Millionen Deutschen wollte bei mir gestern keine so richtige Feierlaune aufkommen.

Um wirklich authentische Eindrücke zu erhalten, wagte ich mich in die Höhle des Löwen und schritt mit deutlich sichtbarem Germany-T-Shirt sowie deutlich weniger sichtbaren Deutschland-Socken durch Södermalm, um mir irgendwo einen guten Platz zu sichern. Die Stadt war schon merklich leerer als am Dienstag – Midsommar zeigt seine Wirkung und alle sind in Urlaub. Außer ein paar beiläufigen Blicken habe ich auf dem Hinweg nichts kassiert, keine Pöbeleien oder Zurufe – erstaunlich. Im Snaps, einer Kneipe mit Biergarten, saßen dann sogar einige Deutsche mit bemalten Backen. Noch mehr erstaunt hat mich allerdings eine vollbusige Verkäuferin, die in einem Klamottengeschäft arbeitete und ein Germany-Top trug. Insbesondere deswegen, weil sie ja eigentlich was verkaufen will. Ich war also zumindest nicht komplett alleine. Nachdem im Snaps alle interessanten Plätze belegt waren und im Big Ben Pub, wo ich am Dienstag Schwedens Spiel anschaute, das obere Stockwerk schon voll und das untere noch nicht belegt war, ging ich in die Bar daneben.

Das Spiel fand ich furchtbar – nicht weil Deutschland schlecht gespielt hätte (im Gegenteil), nein, sondern weil die Schweden derart schlecht gespielt hatten. Zusätzlich vermiest wurde mir die Sache, dass ich mir erlaubte, bei den beiden Toren ein bisschen zu klatschen, worauf ein Barmann mir sagte, ich solle ruhig sein, weil das sonst hier Ärger verursachen könnte. Nach Randalemachern sah mir das Publikum (zu guten Teilen Frauen mittleren Alters, Schwangere und junge Mütter mit Kinderwagen) zwar nicht aus, aber der Kommentar reichte mir in jedem Fall, um zu zahlen und weiterzuziehen. Im Big Ben hatte es sich mittlerweile etwas gefüllt, die Stimmung war aber ungefähr auf Beerdigungsniveau, was angesichts dieser demütigen Vorstellung der schwedischen Kicker auf dem Platz kein Wunder war. Bei denen klappte auch wirklich gar nichts: erst hatte man sich von den Deutschen eiskalt überrumpeln lassen und schaffte es seither nicht mehr, auch nur eine gescheite Torchance herauszuspielen. Dass Lehmann einmal den Ball ins Aus befördern musste war auch schon alles. Besonders bitter wurde es, als ich vom Klo zurückkam und gerade Lucic gelb-rot für ein bisschen Trikotzupfen kassierte. Ich war zwar bei dieser Entscheidung sehr irritiert, aber mir wurde später erzählt, ZDF-Experte Urs Meier hätte das für korrekt befunden. Und einem schweizer Weltklasseschiedsrichter kann man keine Inkompetenz oder gar mangelnde Neutralität vorwerfen – letzteres würde in der Schweiz vermutlich den Tatbestand der Verleumdung erfüllen. Der Elfmeter war natürlich dann die endgültige Katastrophe – der Ball dürfte meinen Schätzungen zufolge am Dienstag auf dem Mond aufschlagen. Direkt neben dem von Beckham.

Der Rückweg war seltsam – einer zeigte mir Daumen hoch, was mich zum Grinsen verleitete. Ein prollig wirkender Schwede schaute mich etwas komisch an, worauf ich ihm prophylaktisch ein „I’m sorry“ entgegenwarf, was er wohl aus seiner jahrelangen Hooliganerfahrung politisch recht unkorrekt mit „eins, zwei, drei, Nazipolizei!“ beantwortete. Zwei Mädels und ein Betrunkener saßen an einem Tisch vor einem Imbissstand. Ein Mädchen sagte einfach nur „Springa!“ („lauft!“), der Betrunkene kam her und umarmte mich. Naja, heute wollen wir mal nicht so sein. In der U-Bahn begegnete mir noch ein Karlsruher Student, der aber strategisch klug Undercover im KTH-Pullover unterwegs war.

Mein Presseecho:

  • Expressen (Boulevardzeitung) : „Avgå! Mats Olsson: Sparka Lagerbäck!“ („Tritt ab!“ Mats Olsson: Feuert Lagerbäck!“). Besagter Mats Olsson schreibt in seinem Bericht: „Bei dem 2:0 gegen Deutschland sagen die Zahlen kaum mehr aus, als dass die Deutschen gewonnen haben. Sie sagen aber nichts darüber, welche Erniedrigung wir erlitten haben und wie wir überrollt wurden. (…) Die ersten 15 Minuten waren das schlechteste Auftreten einer schwedischen Nationalmannschaft, das ich jemals gesehen habe. (…) Andreas Isaksson spielte als Torhüter auf Weltniveau. Aber was half das schon? (…) Der Schiedsrichter machte ein Kreuz, als er das Spielfeld verließ, und es ist möglich, dass Carlos Simon aus Brasilien ahnte, dass er sich an höchster Stelle dafür verwantworten werden müsse, dass er uns eine extrem harte Strafe gegeben hat. Dagegen hatte er nichts zu tun mit Lukas Podolskis zwei Toren. Viele von euch sind sauer, dass er grinste, als er Teddy Lucic rot zeigte. Ich persönlich bin eher sauer, dass Podolski zu ihm lief und ihm zur Beglückwünschung auf die Schulter klopfte. Oder zum Dank. Oder zu was auch immer. (…) Die Zukunft der Nationalmannschaft – und des schwedischen Fußballs – sieht düster aus. (…) Am 7. Oktober spielen wir in Råsunda gegen Spanien. Spanien! Bis dahin will ich einen anderen Nationaltrainer haben.
  • Aftonbladet (auch Boulevard) ist weniger meinungsmachend. Sie schreibt „En epok är slut“ („Eine Epoche ist zu Ende“), betreibt Lebenshilfe mit „9 råd som hjälper dig ur krisen“ („9 Ratschläge, die dir aus der Krise helfen“). Der Schiedsrichter war aber in jedem Fall ein Arsch, meinen sie mit „Hånad av Domaren – Landslagets attack efter utvisningen: ‚Man ville se tyskarna vidare'“ („Vom Schiedsrichter verhöhnt – die Nationalmannschaft nach dem Platzverweis: ‚Man wollte die Deutschen weiter sehen'“) und schreiben als Bildunterschrift zur roten Karte „De tyska spelarna skriker på domaren som sedan tar upp först det gula, sedan det röda kortet. Och han gör det med ett leende på läpparna. Lucic utvisad.“ („Die deutschen Spieler rufen zum Schiedsrichter, der dann erst die gelbe, dann die rote Karte herauszieht. Und er tut das mit ein Lächeln auf den Lippen. Lucic des Platzes verwiesen.“). Der Betroffene sagte laut dem Blatt: „…der Schiedsrichter lächelte einfach. Er glaubte wohl, der Platzverweis wäre sonnenklar. Ich glaubte nicht, dass die zweite gelbe Karte kommen würde. Das passierte im Eifer des Gefechts (sehr frei übersetzt) und wir hielten uns aneinander fest. Das kam mir zuerst wie ein Scherz vor.“ Ganz unabhängig vom Spiel fand ich diesen Artikel interessant. Das Prostitutionsgeschäft scheint von der WM nicht sonderlich profitiert zu haben – sicherlich nicht wegen des vermeintlichen schwedischen Boykotts, sondern vielmehr, weil das Problem allerorten angesprochen wurde. Insofern auch ein Erfolg der Proteste.
  • Svenska Dagbladet (seriös) titelt „Sverige helt chanslöst“ („Schweden vollkommen chancenlos“). „Die erste Halbzeit war der reinste Alptraum für die Schweden, die vollkommen ausgespielt wurden. Ohne einen inspirierten Andreas Isaksson hätte der Rückstand doppelt so hoch ausfallen können. (…) ‚Ich kritisiere üblicherweise keine Schiedsrichter, aber dieses Mal bin ich der Meinung, dass er den Spielverlauf beeinflusste. Ich finde, dass Teddys Verwarnungen zu diskutieren sind. Außerdem war Ljungberg genau der gleichen Sache ausgesetzt, als Teddy seine zweite Karte bekam‘, sagte Lagerbäck. (…) Die schwedische WM-Party ist vorbei.
  • Dagens Nyheter (seriös) schreibt „Mardrömmen i München“ („Der Alptraum von München“). Im Artikel dazu steht: „Innerhalb von zwölf Minuten hatte die Heimmannschaft den Traum von einem neuen Bronzesommer [Anm.: hier wendet man das Medaillenschema auch gerne auf Plätze im Allgemeinen an.] zerschlagen. (…) Schwedens Courage erholte sich wenigstens ein bisschen gegen Ende der ersten Halbzeit. (…) Andreas Isaksson zeigte im ganzen Spiel Weltklasse und war Schwedens zweifellos bester Spieler. (…) Einer von wenigen schwedischen Lichtblicken in München.

Also war insgesamt der Schiri ein Arsch – aber das kann man ja immer sagen.

Wie dem auch sei – meine Eltern kommen heute abend, meine Deutschlandflagge hängt am Fenster und ich sage nur

54, 74, 90, 2006, ja, so stimmen wir alle ein. Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein werden wir Weltmeister sein!“

Der SPIEGEL war mal wieder schneller

aber diesen köstlichen Artikel sollte man sich nicht entgehen lassen: die Antwort der schwedischen Boulevardzeitung Expressen auf die Sprüche der BILD-Zeitung. Sprachlich ist der Artikel in jedem Fall allem überlegen, was in großen Buchstaben das Haus Springer verlässt. Gut geschrieben ist er, und ich konnte nur zwei grammatikalische Fehler entdecken.

Ich selbst komme bei der ganzen Schweden-Deutschland-Geschichte auch noch groß raus. Ich darf nämlich bis zu 3 Interviews geben:

  • Morgen früh zwischen 9 und 12 bei DASDING
  • Morgen abend dann eventuell für Fritz
  • Am Sonntagmorgen dann ziemlich sicher um ca. 8:45 Uhr bei Fritz

Ich muss also früh raus, da Interviews bei Fritz immer live sind. Ich bin schon leicht nervös und gehe deswegen mal mein Hochdeutsch üben 🙂

Konsequent sind sie ja…

nur wie die Redakteure bei der Stockholmer U-Bahn-Zeitung Stockholm City in ihrer WM-Beilage auf die Schreibweise gekommen sind, ist mir schleierhaft.

Auf alberne Obstwitze verzichte ich jetzt mal.

Ein Kollege bei DASDING hat angefragt, ob ich nicht ein paar böse schwedische Fußballsprüche kenne. Leider ist bei meiner Recherche nichts herausgekommen. Die Schweden sind zuversichtlich, aber schlagen werden wir sie trotzdem 🙂

Am Wochenende wird meine Superstarkarriere einen ungeahnten Schub erhalten. Weil ich eventuell sogar gleich zweimal von Fritz, dem Jugendsender des RBB, interviewt werden werde – und zwar live. Ich befürchte Schlimmes…