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Originally uploaded by HansBaer.

Vor lauter aufregender Vorgänge gestern habe ich natürlich kein weiteres Bild posten können. Nun, hier ist es – das vierte und letzte der Kampagne. Es gehört definitiv zu meinen Favoriten.

Der Skandal gestern wurde gegen Abend von einem viel wichtigeren hinweggefegt. Der schwedische Nationaltrainer Lars Lagerbäck hat todesmutig unmittelbar vor dem EU-Qualifikationsspiel gegen Angstgegner Liechtenstein drei Superstars, nämlich Zlatan Ibrahimovic, Olof Mellberg und Christian Wilhelmsson nach Hause geschickt, weil sie anscheinend für etwas Unruhe in der Mannschaft sorgen. Die ersteren beiden haben mittlerweile verlauten lassen, dass sie zwar die Entscheidung für unbegründet halten, sie aber akzeptieren. Sie wissen wohl selbst nur zu gut, dass sie ansonsten Nationalmannschaft bis auf weiteres abschreiben könnten.

Die Spionagegeschichte plätschert nun vor sich hin. Mittlerweile hat Göran Persson sich entrüstet gezeigt. Der Chef der Folkpartiet, Lars Leijonberg, präsentiert sich als reuiger Sünder. Es sollen nun noch mehr Leute verhört werden. Kommentatoren sprechen davon, dass der Wahlkampf jetzt schmutzig geworden sei. Warum das angeblich so sein soll, ist mir allerdings schleierhaft. Bislang sind die Parteien in ihrer Werbung kaum auf Konfrontation und Diffamierungen aus. Das kennt man aus anderen Ländern durchaus ganz anders.

Die Folkpartiet tut dennoch alles, um Stimmen zu verlieren. Direkt hinter der Schlagzeile findet sich heute beim Svenska Dagbladet ein Bericht über ein Vorkommnis, das am Wochenende in Solna (direkt nördlich von Stockholm) passiert sein soll. Ein Pornokino habe die Polizei verständigt, weil ein Mann, der mutmasslich eine Pistole in der Tasche hatte, dort etwas Theater veranstaltete. Es stellte sich heraus, dass er betrunken war, und er wurde prompt von der Polizei zur Ausnüchterung einkassiert. Das Pikante ist, dass es ein Stadtrat der Folkpartiet war. Im Interview mit Svenska Dagbladet erklärte er, er sei noch nie in so einem Laden gewesen. Er sei „bei der falschen Gelegenheit am falschen Ort gelandet“ – was das nun heissen soll, möge man sich bitte selbst zusammenreimen. Ich glaube jedenfalls, dass das in der Tasche keine Pistole war…