Die Regenbogenflaggen stehen bereit
Flaggen genieĂen in Schweden einen besonderen Status. Nicht nur, dass jedes Ferienhaus einen blau-gelben Wimpel hat und sogar die Warnschilder vor engen Kurven diese Farbenkombination haben. Es sind 16 Flaggentage bestimmt, an denen in jedem Jahr die Flagge zu hissen ist. Dazu gehören neben gewissen allgemeinen Feiertagen natĂŒrlich die Geburts- und Namenstage des Königs, der Königin und der Kronprinzessin. An Wahltagen ist auch Flaggtag, und weil es so schön ist, ist der 9. Mai – seines Zeichens Europatag – auch ein Flaggtag, an dem aber möglichst die Europaflagge gehisst werden soll. Weil sich das so keiner merken kann, steht in schwedischen Kalendern ĂŒblicherweise am entsprechenden Tag eine kleine schwedische Flagge (was auch sonst). Geflaggt werden darf ĂŒbrigens nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Wem das alles befremdlich oder gar theoretisch erscheinen mag – Deutschland hat schlieĂlich auch Flaggtage – dem sei versichert, dass die Beflaggung hier erheblich prĂ€senter ist als in Deutschland.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass an den Flaggtagen alle Busse beflaggt sind (nicht nur hier in Stockholm, sondern anscheinend auch anderswo). Am 9. Mai mit Europaflagge, ansonsten natĂŒrlich schwedisch.
Umso ĂŒberraschender ist es, dass heute nur zwei FahrgĂ€ste danach gefragt, wieso die Busse in Stockholm nun mit Regenbogenflaggen fahren. Der Grund dafĂŒr ist das Pridefestival – zwar sind es prinzipiell verschiedene Veranstaltungen, aber man könnte es als schwedische Variante des Christopher Street Day beschreiben. Pride gibt es seit 1998 in Stockholm, und es gibt neben der Parade am letzten Tag (daher auch der Vergleich zum CSD) zahlreiche Veranstaltungen, die ĂŒber eine ganze Woche verteilt werden.
In diesem Jahr ist die Veranstaltung noch eine Nummer gröĂer, denn es ist gleichzeitig auch Europride, also die europĂ€ische Pridewoche, die jedes Jahr ihren Standort wechselt und nun zum zweiten Mal in Stockholm gastiert.
Das zieht allerlei Firmen als Sponsoren ein: Kanal 5 fĂ€rbt sein Logo im Regenbogen, und in der Einkaufspassage Galeria gibt es neben allerlei Dekoration auch einen pinkfarbenen Informationsschalter. SL hat sich dafĂŒr entscheiden, alle Busse die ganze Woche ĂŒber mit Regenbogenflaggen auszurĂŒsten. Sicherlich keine schlechte WerbemaĂnahme, auch wenn man die Frage stellen kann, ob es sich lohnt, hunderte von Flaggen fĂŒr eine mit einiger Wahrscheinlichkeit einmalige Aktion anzuschaffen. Ein Vorstandsmitglied von SL, wohl nicht vollkommen zufĂ€llig auch der Vertreter der Christdemokraten in diesem Gremium, Ă€uĂerte sich jedenfalls kritisch. Als formalen Grund fĂŒhrt er an, solche Entscheidungen seien eigentlich Sache des GeschĂ€ftsfĂŒhrers und nicht des Vorstandes. AuĂerdem hĂ€tten VĂ€sterĂ„s und Uppsala die Regenbogenflaggen abgelehnt, weil es Praxis sei, eben nur an Flaggentagen die Busse so auszurĂŒsten.
Letzteres Argument hinkt aber etwas – in VĂ€sterĂ„s können die Reaktionen nĂ€mlich nur reserviert sein, denn was im gut 100 km entfernten Stockholm so passiert, dĂŒrfte die Menschen nicht unbedingt tangieren.
Ich finde die Idee mit den Flaggen sympathisch – und vielleicht kommen dann noch mehr Leute zu der Veranstaltung. Allerdings stehe ich diesem Hype um die Pridewoche im Allgemeinen recht kritisch gegenĂŒber. Diese Art von Veranstaltung wird nĂ€mlich gern von EntschiedungstrĂ€gern wie Firmen dazu genutzt, zu zeigen, wie fĂŒrchterlich tolerant sie doch sind. Gerade aber diese Klientel nimmt nur zu gerne jede Gelegenheit zur PR wahr, wenn es nach drauĂen gut aussieht. Ăber die wirklichen Intentionen und ZustĂ€nde im Unternehmen erfĂ€hrt dabei nichts.
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