Das wichtigste Ereignis des ganzen Jahres steht an, zumindest aus schwedischer Sicht: der Eurovision Song Contest. Viele halten den ESC hierzulande für einen enorm wichtigen Wettbewerb und gehen blind davon aus, dass das überall sonst auch so sei. Mir ist es schon mehrfach untergekommen, dass jemand „Ein bisschen Frieden“ kannte – ein Titel, der zwar den ESC zum ersten und bisher (d.h. für immer) einzigen Mal für Deutschland (damals nur BRD) gewonnen hat, aber in Deutschland nur mäßig bekannt ist.


ESC 1982: Nicole – Ein bisschen Frieden

Man ist auch jedes Jahr überzeugt, das beste Lied der Welt ins Rennen geschickt zu haben. Dementsprechend groß war die Enttäuschung im letzten Jahr, dass „The Ark“ mit ihrem guten, aber sicher nicht besten Lied „The worrying kind“ nur einen 18. Platz erreichten.


ESC 2007: The Ark – The Worrying Kind

Im Jahr zuvor hatte Carola Häggkvist einen 5. Platz mit „Invincible“ erreicht und damit ihren Status einer Nationalheldin bestätigt, den sie qua ESC-Gewinn im Jahr 1991 schon innehatte.


ESC 1991: Carola – Fångad av en stormvind

Man könnte glauben, dass dies Charlotte Perrelli, die unter ihrem weniger spektakulären Mädchennamen Charlotte Nilsson den Sieg im Jahr 1999 nach Schweden holte, auch helfen würde. Allerdings weit gefehlt. Nicht nur wurde Carola Häggkvist mit ihrem Duo „Johnson & Häggkvist“ schon in der Vorrunde abgesägt, was ihr das Herz gebrochen haben soll, da das schwedische Volk offenkundig nicht mehr zu ihr stand. Im Finale wurde Charlotte Perrelli auch eigentlich gar nicht gewählt. Sie kam im Televote nur auf Platz 2 – allerdings durften dort auch die 11 Jurys des schwedischen Rundfunks mitstimmen, und diese Punkte gaben den Ausschlag. Charlotte Perrelli durfte fahren, Sanna Nielsen nicht.


ESC 2006: Carola – Invincible

Perrellis Titel „Hero“ ist auch gar nicht mal so schlecht, aber die Frau sieht derart künstlich aus, dass sie von Stefan Niggermeier mit wenig schmeichelhaften Attributen belegt wird. Irgendwie will dieses überschminkte doch recht grobschlächtige Gesicht nicht zu dem schlanken Körper passen.


ESC 2008: Charlotte Perrelli – Hero

Bei diesem Youtube-Video beschäftigt sich ein beträchtlicher Teil der Kommentare nur mit ihrem Gesicht.

1999 sah das alles irgendwie noch besser aus.


ESC 1999: Charlotte Nilsson – Take me to your heaven

Dass die ganze Sache auch zu guten Teil ein massives Schminkdesaster ist, zeigt diese Vorstellung von Perrelli:

Ich war ohnehin Fan von Amy Diamond, und so ist mir das Abschneiden von Charlotte auch recht gleichgültig. Es wäre enttäuschend, wenn man mit dem Zurückholen von früheren ESC-Gewinnern gewinnen würde.

Wie hatten uns irgendwie ein bisschen diebisch verstohlen darauf gefreut, sie im Halbfinale scheitern zu sehen. Das ist nun nicht passiert, aber dieser Wettbewerb ist so unkalkulierbar, dass es am Ende sogar die lettischen Piraten oder der idiotische Song der Spanier sein könnten, die den Sieg nach Hause tragen. Ich liege ja notorisch falsch.

Die einzig echte Überraschung wäre wohl, wenn tatsächlich einmal Portugal gewinnen würde…