Ich hatte es zuvor verschwiegen, aber ich glaube, eine Woche nur mit Fotos hat dem sonst doch sehr textlastigen Blog nicht geschadet.

Das Reiseziel war Schottland, genauer gesagt den hohen Norden dort.

  • Es fühlte sich seltsam an, aber es war höchste Zeit: in der Tat war es die erste Reise seit 3 Jahren, die ich nicht innerhalb Skandinaviens (inkl. Finnland), dem Baltikum oder als Heimatbesuch in Deutschland unternommen habe.
  • Zudem war es die erste Campingreise seit langem. Mein sündhaft teures Zelt, das ich im Frühjahr 2002 erworben hatte, war nur einmal im Einsatz gewesen, und zwar im Sommer 2002. Trotz der allgemeinen Wettererwartungen in Schottland konnten wir viermal zelten. Zwar hatte ich in John o’Groats den Eindruck, uns fliegt das Zelt gleich weg, was den Schlaf erheblich störte, aber dank moderner Einrichtungen wie selbstaufblasbaren Isomatten, kompakten Schlafsäcken und eben dem superleichten Zelt erreichte man einen bemerkenswert hohen Schlafkomfort. Es ist auch kaum zu überbieten, morgens aufzuwachen und aufs offene Meer und die Highlands blicken zu können.
  • Apropos Wetter: das Wetter auf der Fahrt zum Flughafen in Skavsta war so mies, wie ich es in Schweden in meiner Erinnerung noch nie erlebt habe. Wir waren pitschnass, als wir eincheckten. IN Schottland hatten wir zwar auch ein paar mal Regen, aber an die Extreme vom Anreisetag reichte das bei weitem nicht heran. Gestern abend nach der Rückkehr war es ähnlich schlimm.
  • Wir hatten ein Mietauto für die Fahrt gebucht. Der versprochene Ford Fiesta war aber gerade nicht verfügbar, so dass wir einen Ford Mondeo erhielten. Da kann man sich natürlich nicht beschweren. Dass man rechts sitzt und links fährt, hängt freilich nicht vom Autotyp ab. Mir machte vor allem das fehlende Gefühl für die Breite des Autos zu schaffen, das sich erst nach zwei Tagen richtig einstellte.
    Man gewöhnt sich daran, und so habe ich es geschafft, rund 1100 Meilen (ca. 1750 km) unfallfrei zu fahren. Man muss den Briten auch das Kompliment machen, den Kreisverkehr zu einer Wissenschaft gemacht zu haben. Ich konnte innerhalb der Woche nicht herausfinden, wie man sich ganz korrekt verhält, was aber auch daran liegt, dass sich sonst wohl auch keiner korrekt verhält. Die Komplexität der Kreisverkehre übersteigt die der zweispurigen Kreisverkehre in Schweden bei weitem – und in Deutschland kann freilich nichts mithalten. Bemerkenswert ist auch, dass der schottische Straßenverkehr vollkommen jeder Einbindung ins metrische System trotzt. Als Längeneinheiten dienen ausschließlich Yards und Meilen.
  • In den Highlands ist das aber alles egal, denn dort gibt es auf weiten Teilen des Straßennetzes nur eine Spur. Das heißt, man muss bei Gegenverkehr abbremsen und sich an einem speziell verbreiterten „Passing Place“ passieren. Notfalls muss man zurücksetzen. Das Ganze bremst die Reisegeschwindigkeit auf vielleicht 50 km/h herunter. Der Spritverbrauch steigt, und da man nicht weiß, ob der nächste Weiler eine Tankstelle hat, muss man vorplanen. Leider kann man die Landschaft bei dieser Fahrweise nicht viel mehr genießen, weil man dauernd aufpassen muss, keinen Frontalcrash zu verursachen.
  • Trotzdem haben wir insgesamt 572 Fotos gemacht. Dazu habe ich mir eine Canon EOS-450D gekauft, weil ich bei einem Sonderangebot nicht warten wollte, und die Entwicklungskosten für analoge Fotografie mittlerweile exorbitant sind. Eine Auswahl der Fotos kommt bald.
  • Wir haben fast vollständig auf Sightseeing in klassischer Weise verzichtet – unsere Ausgaben für Museen und dergleichen lagen annähernd bei Null. Wir waren ja wegen der Landschaft gekommen, und man muss sich auch nicht jedem Touristenquatsch hingeben. Wenn es nicht Loch Ness wäre, hätten wir uns sicher die Runde um diesen See geschenkt, denn auf der einen Seite wimmelt es nur so von Touristen – dabei weiß ja jeder, dass man Nessie nicht zu Gesicht bekommen wird.
  • Das Essen ist sehr fettig – schon das schottische Frühstück hat irrsinnig viele Kalorien. Ich wollte es mir aber nicht nehmen lassen, Black Pudding, Bohnen, Ei und Wurst zum Frühstück zu essen. Haggis konnte ich mir leider nur in fritierter Form genehmigen. Zum Ausgleich gab es die übrigen Tage fast nur Brot und irgendwelches fertigessen, das wir mit unserem Campingkocher zubereitet haben.

Insgesamt eine tolle Woche, die Lust darauf macht, auch Irland einmal zu umfahren. Nächstes Jahr sind allerdings schon einige andere Reisen in der näheren Auswahl.