In dicken Lettern prangte es heute morgen auf der Zeitung:

Mer i plånboken om inte räntan stiger

Zu deutsch:

Mehr im Geldbeutel wenn die Zinsen nicht steigen

Es ist nicht die erste derartige Schlagzeile, die ich lesen darf. Jedes Mal, wenn sich an den Steuern, den Löhnen und vor allem an den Kreditzinsen etwas ändert, wird davon geschrieben, dass man nun mehr oder weniger im Geldbeutel. Dieses Mal geht es um Steuern, die leicht gesenkt werden sollen.

Das Paar, das heute porträtiert wird, kommt zwar aus Indien, ist aber in dieser Hinsicht voll schwedisiert, denn es verkündet erfreut:

”Vi kan spendera mera nu”

also:

”Wir können jetzt mehr ausgeben”

Vielleicht bin nur ich es, aber mir scheint, dass es in diesem Punkt einen grundlegenden Unterschied zwischen schwedischer und deutscher Sichtweise gibt. Während ein Deutscher (nach meinem Empfinden) nur einen Kredit aufnimmt, wenn er gar nicht anders kann, und ihn dann straff organisiert innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes zurückbezahlt, empfindet ein Schwede die Schuldenlast offenbar nicht als solche. Er hat anscheinend keine sonderliche Ambitionen, sie schnell wieder loszuwerden, und nichtmal ein Problem damit, nur die Zinsen zu bedienen.

Anders kann ich mir diese Form der Selbsttäuschung kaum erklären. Es ist eigentlich unnötig zu erklären, dass man nicht mehr im Geldbeutel hat, wenn man Schulden in (Kronen-)Millionenhöhe vor sich herschiebt, sondern allenfalls mehr Luft hat, die Schulden zurückzubezahlen. Aber lieber lässt man das Damoklesschwert von beweglichen Zinsen über sich hängen als dass man aktiv Vorsorge trifft. Kein Wunder, dass jede Leitzinsänderug, die Reichsbankschef Stefan Ingves verkündet, mit Argusaugen beobachtet wird.

So laufen hunderttausende hochverschuldete Schweden durch die Welt und glauben tatsächlich, sie hätten bald mehr Geld im Geldbeutel – und realisieren nicht, dass die Zinsen derzeit immer noch ziemlich niedrig sind.