Nachdem das Goethe-Institut letztes Jahr eine Serie von Public-Viewings in seinen Räumen in der Stockholmer Innenstadt abhielt, hatte ich gehofft, dieses Jahr würde es wieder so etwas geben. Tut es, und zwar etwas anderes als erwartet. Nachdem die deutsche Botschaft letztes Jahr schon engagiert involviert war, ließ man es dieses Mal richtig krachen und veranstaltete ein Fest auf dem Botschaftsgelände.

Rustikales Essen war angekündigt – aber hallo!

Man musste sich voranmelden, wodurch einige leider nicht mehr mitkommen konnten. Die Warteschlange war wegen der Identitätskontrolle und anschließendem Sicherheitscheck auch recht lang, aber es ging zügig.
Das Fest konnte sich mehr als sehen lassen. Man hatte ein Zelt und Festbänke aufgebaut. Wer keinen Platz mehr bekam, konnte sich auf die Wiese setzen. Die Leinwand war nicht irgendeine weiße Fläche, die mit dem Beamer bestrahlt wurde, sondern eine selbstleuchtende, wie sie bei Großveranstaltungen eingesetzt wird.
Das kostenlose (!) kulinarische Angebot bestand aus Würsten, Kartoffelsalat, Salat und echten Laugenbrezeln (wow!). Dazu gab es Bier und nichtalkoholische Getränke. Bei der Auswahl und den Preisen konnte man auch mehr als nur darüber hinwegsehen, dass aus nicht ganz ersichtlichen Gründen die Warteschlange kaum in Bewegung geriet.
Dass das alles nichts kostete und dass es sogar Bier gab, ist wohl etwas den rechtlichen Umständen geschuldet. Auf dem Botschaftsgelände gilt schließlich kein schwedisches Recht, so dass man Alkohol auch einfach so im Freien ausschenken kann, und weil die Botschaft keine Steuern bezahlt, wäre ein Verkauf wohl schwierig abzurechnen gewesen. Einen Dank ans Auswärtige Amt an dieser Stelle.

Ein Blick auf die Botschaft

Ich war kürzlich zwar schon einmal in der neuen alten Botschaft, aber jetzt konnte ich mir das Gebäude auch mal von allen Seiten anschauen. Zur Erklärung: seit ca. 2007, als ich meinen ersten Pass in Schweden beantragte, saß die Botschaft in einem behelfsmäßigen Übergangsbau in der Artillerigatan, weil das eigentliche Gebäude renoviert wurde. Letzteres war schon seit 1960 der Botschaft gewesen, schön gelegen in der Diplomatstaden (Diplomatenstadt), in der Skarpögatan, nicht weit von den Botschaften Finnlands, Japans, Großbritanniens, Norwegen, der Vereinigten Staaten und der Türkei entfernt. Das Gebäude ist nicht gerade schön, wie man es eben in der damaligen Zeit baute. Es ist aber zeitgeschichtlich interessant, da sich dort im Jahr 1975 die tragische Geiselnahme von Stockholm durch die RAF ereignete. Wer einen Vergleich mit den Bildern oben machen will, kann sich die Originalbilder von damals anschauen: in diesem Video sieht man ab 1:31 Minuten die Explosion, und ab 2:55 sieht man einen Brand in den Fenstern, die in dem etwas verunglücktem Panoramabild wohl die ganz rechts oben sind – das Gebäude des schwedischen Fernsehens ist nämlich in direkter Nähe, weswegen es nicht schwer gewesen sein dürfte, von dort aus mitzufilmen.
Im Herbst 2010 zog man zurück in die erneuerten Räume. Eine offenkundige Änderung ist, dass man nun durch eine vergleichsweise aufwändige Sicherheitsschleuse aufs Gelände musste. Nach der Begrüßung kommt man natürlich nicht mehr auf die Idee, einen Blick in den Garten zu werfen.

Der ist, wie das Gebäude selbst, recht gelungen und eignet sich durch sein Gefälle geradezu perfekt für eine Vorführung. Schön, dass er zu dieser Gelegenheit zu einer unerwarteten Verwendung kommt, denn wie Botschafter Rücker offen bekannte, war er zunächst etwas skeptisch. Er gab aber auch zu, dass er nun sehr begeistert war. Es ist wohl davon auszugehen, dass der Garten der Botschaft im Allgemeinen eher zu dekorativen Zwecken dient und ansonsten kaum genutzt wird. Ich hoffe, es wird vielleicht zum Finale noch einmal so ein Fest geben. Bis dahin hat anscheinend das Goethe-Institut vor, die Spiele in seinen Räumlichkeiten zu zeigen.

Das ewige Dilemma beim Frauenfußball

Ach ja, das Spiel. Alles, was derzeit über die Fußball-WM so geschrieben wird, spricht irgendwo für sich. Die mediale Aufmerksamkeit hat zum Glück gewaltig zugenommen, und das muss man positiv sehen. Jedoch bleibt bei all dem immer noch ein Unterton, dass Frauen auch Fußball spielen können – als wäre das irgendwo eine unerwartete Feststellung, die man noch einmal mitteilen müsste. Auch ich, der sich für das Thema ein bisschen mehr interessiert, gebe gerne zu, dass Frauenfußball in Teilen immer noch eigenwillig ist. Es fallen immer noch zuviel Tore, was dem Spiel Fußball seine Spannung nimmt, denn gerade die wenigen Toren machen es so interessiert. So wird es auch bei dieser WM sicher den einen oder anderen haushohen Sieg geben, weil manchmal eben doch Kreisliga auf Bundesliga trifft. Echte Gleichstellung wird sich aber nicht erst mit gleicher Leistungsdichte ergeben, sondern ist erst dann erreicht, wenn die „normale“ Fußball-WM „FIFA Men’s World Cup“ heißt und die Frauen-WM nicht mehr die Quoten-Exoten-Veranstaltung mit bedingter Relevanz darstellt.

Am Eröffnungsspiel war jedenfalls wenig auszusetzen. Man sah keine gnadenlos unterlegene Mannschaft, die sich der deutschen Übermacht innerhalb kürzester Zeit beugen musste, sondern ein passables Gruppenspiel mit spannenden Momenten. Das ist für mich das wirklich beruhigende an diesem Turnier: dass nicht schon von vorneherein klar ist, wer gewinnt.

PS: Wer sich wundert, was das für ein Schiff ist, dass da scheinbar im Feld liegt: Es handelt sich um die „Crystal Serenity“, ein nicht ganz unschickes Kreuzfahrtschiff. Von diesen Schiffen wimmelt es in Stockholm im Sommer nur so. Hinzu kommen gelegentliche Besuche von Marineschiffen aus aller Welt, und die überdimensionierten Yachten von Leuten, die tragischerweise an einem Geldüberfluss leiden. Tragisch bzw. traurig finde ich daran aber eher, dass die ganzen Symbole der Dekadenz, ob nun Kreuzfahrtschiff oder Privatyacht, mit ganz wenigen Ausnahmen – erstaunlicherweise fast nur Italiener – alle in Billigflaggenländern registriert sind. So ist die „Vive La Vie“, die derzeit an dem Kai liegt, an dem ich täglich vorbeikomme, auf den Kaimaninseln gemeldet. Die Crystal Serenity jedoch liegt im Trend mit den allermeisten Schiffen, die in Stockholm fest machen: sie ist auf den Bahamas registriert und führt wohl stolz die dortige Hauptstadt Nassau als ihren Heimathafen.
Mit selbiger Flagge habe ich vergangenes Jahr ein Schiff des SPD-Reiseservice gesehen. Wenn ich ganz ehrlich sein soll, finde ich das schon etwas schäbig, dass selbst Reiseveranstalter mit politischer Ankopplung diesen Steuerentzug noch unterstützen.

PPS: eine Mitteilung an die ARD: Untertitel für Hörgeschädigte bei Fußballspielen sind die größte Schnapsidee seit langem, v.a. wenn man einen orthographisch und grammatikalisch eher mittelmäßig begabten Autor daran setzt. Die meisten Texte waren ohne Relevanz oder kamen viel zu spät. Das kann man sich echt sparen.