Da eine Preiserhöhung anstand, kauften wir schon vorab im Netz den New York City Pass und holten ihn dann am Times Square ab. Der kostete zu dem Zeitpunkt 175 Dollar für die 7-Tages-Version. Mittlerweile liegt er bei 200 Dollar, wobei es jedoch ab und zu auch Sparangebote gibt (im Moment z.B. nur 170 Dollar). Es gibt natürlich auch kleinere Versionen für einen, zwei oder drei Tage.

Mit dem Pass gilt an sieben Kalendertagen ab der ersten Benutzung. Man hat Eintritt zu ein paar Dutzend Attraktionen, darunter praktisch alle wichtigen. Die Frage ist aber: lohnt es sich? Die Antwort ist ein klares Jein.

Wir rechneten die Eintrittspreise mit und kamen am Schluss nur auf 170 Dollar, wobei aber eventuelle Studentenrabatte nicht eingerechnet sind. Wir haben allerdings durch Thanksgiving und einen anderweitig verplanten Tag viele Möglichkeiten verpasst, den Pass einzusetzen. Draufgelegt haben wir aber nur vermeintlich, denn bei einigen Attraktionen gibt es eine separate Kasse für den Pass, was die Wartezeiten erheblich verkürzt. Das lohnt sich also schon einmal. Auf der anderen Seite sei aber auch gesagt, dass wir einige Attraktionen besuchten, die wir ansonsten nicht besucht hätten. Ich würde den Pass jedenfalls jederzeit wieder kaufen.

Die Attraktionen, die wir besucht haben (inkl. diejenigen, die nicht im Pass enthalten sind):

  • Das Museum of Modern Art (MoMA) hatte ich 2004 leider auslassen müssen, weil das Museum umgebaut wurde und erst einige Wochen später wiedereröffnet wurde. Für Kunstinteressierte lohnt es sich, für den Rest vielleicht auch wegen der reichlich vorhandenen Werke von großen Meistern. Mit dem New York City Pass konnte man direkt zum Informationsschalter gehen und die Eintrittskarten abholen. Das erleichterte den stressigen Auftakt in der überfüllten Eingangshalle etwas.
  • Das Guggenheim-Museum ist eigentlich ebenso ein Muss, schon wegen seiner ungewöhnlichen Architektur. Zu sehen gab es eine Ausstellung des gerne provozierenden Künstlers Maurizio Cattelan. Die Aufhängung der Ausstellungsstücke in der Mitte der Spirale war spaßig (siehe Fotos im ersten Teil). Mit dem New York City Pass kommt man auch hier schneller an Karten.
  • Madame Tussauds war eher eine spontane Idee, weil es stark regnete. Ich fand das Original in London schwer enttäuschend für den gesalzenen Preis. Daher hätte ich den Ableger in New York sicherlich nicht besucht und auch weniger Spaß daran gehabt, wenn es nicht schon in dem Pass mit drin gewesen wäre. 36 Dollar Eintritt sind jedenfalls nicht gerade wenig. Die Ausstellung erschien mir größer als in London, aber der dortige Besuch ist auch schon acht Jahre her.
  • Die dreistündige Rundfahrt der Circle Line Cruise, die ich schon erwähnt habe, war auch im Pass enthalten.
  • Das Empire State Building hatte ich schon erwähnt. Wir blickten bei Nacht auf die Stadt, was zwar schön ist und die richtige Stimmung erzeugt, aber auch viele Details der Aussicht im Verborgenen lässt. Im Pass war nur die Plattform im 86. Stock enthalten. Die kleinere Plattform im 102. Stock kostete extra, und wir zahlten dafür. Allerdings hat man nicht viel verpasst, denn dort oben hat man keine wirklich bessere Aussicht.
  • Die Aussichtsplattform des Rockefeller Centers, genannt Top of the Rock besuchten wir am Tag darauf bei schönstem Wetter. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Die Aussicht u.a. auf den Central Park ist toll, und man hat auch keine Gitter im Blickfeld, höchstens Glasscheiben. Zudem ist das Empire State Building nun einmal das markanteste Gebäude der Skyline, und man sieht es natürlich nicht, wenn man auf ihm steht. Die Karten werden mit festen Zeitangaben verkauft, was ein echter Vorteil ist, weil man so nicht ewig herumsteht. Insofern ist es wärmstens zu empfehlen. Nebenbei kann man im Winter beim Besuch auch gleich noch die berühmte Eislauffläche sehen (und benutzen), wenn man dies möchte.
  • Das American Museum of Natural History war zunächst ein mächtiges Ärgernis für uns. Es hat einen Eingang direkt von der U-Bahn. Dort ging die Schlange ewig nicht voran, weil die Angestellten alles andere zu tun hatten als Karten zu verkaufen. Als wir endlich an der Reihe waren, erfuhren wir, dass man mit New York City Pass zum Haupteingang muss. Daher: mit dem NYC Pass unbedingt zum Haupteingang gehen. Am Tag vor Thanksgiving war auch dieser geschlossen, wohl wegen der Thanksgiving Day Parade, die direkt vor dem Museum beginnt. Durch viele Schulklassen war der einzige verbliebene Eingang so stark überfüllt, dass wir entnervt aufgaben. Von einem Besuch direkt vor Thanksgiving ist also dringend abzuraten. Ein paar Tage später war es erheblich ruhiger. Das Planetarium und das IMAX-Kino buchten wir extra. Letzteres würde ich nicht empfehlen, da es sich nur um einen normalen Kinosaal handelt, bei dem eine größere Leinwand eingebaut wurde, wodurch das IMAX-Format nicht richtig zur Geltung kommt. Ansonsten freilich ein tolles Museum, für das wir viel zu wenig Zeit hatten.
  • Natürlich wollten wir uns auch ein Broadway-Musical ansehen. Ein teurer Spaß, aber natürlich einen Besuch wert. Wir schauten uns Wicked an, das schon seit einigen Jahren erfolgreich im Gershwin Theater läuft. Mir hat es Spaß gemacht, aber ich würde es nur denen uneingeschränkt empfehlen, die auch den Film „Der Zauberer von Oz“ sehr genau kennen. In den USA ist dieser Film fast schon Folklore und dies automatisch gegeben. Als Europäer mit nur flüchtiger Kenntnis der Materie konnte ich einige Anspielungen verstehen, aber sicherlich sind mir viele entgangen.
  • Obwohl man die Freiheitsstatue auch von der Staten Island Ferry gut sehen kann, wollten wir doch direkt zu ihr hinfahren und in dem Rahmen auch die ehemalige Einwandereraufnahmestelle Ellis Island, das heute ein Museum ist, besuchen. Leider ist die Statue wie auch bei meinem letzten Besuch geschlossen, derzeit wegen längerer Sanierungsmaßnahmen. Wir machten eine Führung eines Park Rangers mit, der uns etwas über die Geschichte der Statue erzählte. Für Ellis Island hatten wir leider nicht mehr so viel Zeit. Man kann an beiden Attraktionen durchaus einen ganzen Tag verbringen. Übrigens: hat man den New York City Pass, muss man sich die Tickets für das Boot im Buchladen im Castle Clinton abholen. Auf die Art kann man langes unnötiges Warten vor den Schaltern umgehen – sofern man das weiß.
  • Am gleichen Tag besuchten wir auch das neue 9/11 Memorial. Man braucht auch hierfür Tickets. Sie kosten zwar nichts, aber die Besucheranzahl ist begrenzt. Man kann sie online bestellen und ausdrucken. Da schon Wochen vorher die Thanksgiving-Woche ausgebucht war, würde ich auch dazu raten. Die Gedenkstätte ist angemessen, denke ich, soweit man dies überhaupt erreichen kann. Wenn man New York vor 2001 nie besucht hat, hat man natürlich keine richtige Vorstellung davon, wie groß diese Türme waren. Die Pools mit den 2983 Namen können nur einen vagen Eindruck des unglaublichen Verlustes geben. Beeindruckt hat mich auch die Verwandlung des Platzes. Als ich 2004 dort war, gab es nur ein großes Loch an der Stelle, wo jetzt die Gedenkstätte ist und der neue Turm One World Trade Center entsteht – über die Würde des letzteren Projekts kann man geteilter Ansicht sein. Im September 2012 wird auch das direkt angeschlossene 9/11-Museum öffnen, um die Terroranschläge auch anderweitig zu dokumentieren.
  • Die menschliche Dimension dieser Tragödie wird einem aber viel mehr bewusst in St. Paul’s Chapel, einer Kirche, die schon von George Washington am Tag seiner Amtseinführung besucht wurde. Sie blieb wie durch ein Wunder vom Einsturz der Türme praktisch unbeschädigt und wurde in den Folgemonaten zur Ruhezone für die an den Rettungs- und Räumungsarbeiten beteiligten Leute. Die Ausstellung dort bringt das Besuchern nahe, auch durch die zahlreichen Sympathiebekundungen aus aller Welt, die dort ausgestellt sind. Ich war schon 2004 einmal dort, und die Ausstellung ist immer noch ein wichtiger Bestandteil der Kirche. Allerdings hat man mittlerweile die alten Kirchenbänke in der Mitte entfernt, um Besuchern und Kirchgängern zugleich gerecht zu werden. Ich empfehle den Besuch dieser Gedenkstätte. Der Eintritt ist frei.
  • Gleich nebenan geht es auf andere Art ernst zu. Leider wurden ja die Camps von „Occupy Wall Street“ kurz vor unserem Besuch zwangsweise geräumt – ich hätte mir gerne das bunte Treiben im Zuccotti Park angesehen. Stattdessen ist der Platz jetzt von Polizeiabsperrungen und Sicherheitskräften umgeben. Zwar kann man den Platz noch betreten, aber ich nehme an, dass er jeden Abend geräumt wird.
  • Trotz der derzeit stattfindenden Sanierung ist das Hauptquartier der Vereinten Nationen weiterhin für Besucher geöffnet. Es kostet an sich keinen Eintritt, aber ohne Führung wird man nicht mehr als das Foyer mit einer Ausstellung sowie das Untergeschoss mit einigen Souvenirläden begutachten können. Wichtiger Hinweis: es gibt eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen am Eingang, und Getränke müssen vorher weggeworfen werden. Zudem muss man größere Taschen abgeben. Die Tickets für richtige Führungen und Audiotouren kann man direkt im Internet erwerben, was auch die Terminplanung erleichtert. Die Tickets sind nicht gerade geschenkt und auch nicht im New York City Pass enthalten. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Politiknerd bin, aber für mich ist es trotzdem eines der Highlights von New York. Wenn man durch das Gebäude geht, kommt es einem fast wie selbstverständlich vor, dass es eine Organisation gibt, an der alle Länder der Welt zusammenkommen. Die Diplomatenwelt wirkt plötzlich sehr real, spätestens wenn man den Saal der Hauptversammlung tritt, die jeder aus dem Fernsehen kennt. Ich kann nur empfehlen, diese Tour mitzumachen, sobald man kann, denn die erwähnte Sanierung ist nicht etwa regulär, sondern wurde durch politische Schwierigkeiten jahrelang verzögert Das Gebäude sieht daher innen praktisch noch genauso aus wie 1952 beim Einzug. So manches ist verschlissen, aber es hat auch Charme. Nach der Sanierung wird vieles sicher nicht mehr wie vorher sein, inklusive der bekannten Säle. Leider gibt es keine Garantie, dass man die Säle auch sehen kann – in den Saal des Weltsicherheitsrates durften wir z.B. nicht hinein, weil dort gerade getagt wurde. Für Postkartenschreiber gibt es auch noch etwas besonderes: das Gelände ist völkerrechtlich kein Teil der Vereinigten Staaten, weswegen das Hauptquartier einen eigenen Postdienst hat, der damit zu den exklusivsten der Welt gehören dürfte. Man kann sich sogar Briefmarken mit dem eigenen Bild drucken lassen.

Ein paar kleinere Attraktionen finden sich in den Bildergalerien zu dieser Serie – in der nächsten Folge ist darunter ein Bild von einem Haus, das vielen, die in den 80ern und 90ern groß wurden, eigentlich bekannt sein müsste. Errät jemand, wer darin „gewohnt“ hat?