Heute versucht die U-Bahn-Zeitung Metro, ihre Leser zu schockieren. Dies ist für sich genommen nichts neues, denn das versucht sie 6mal pro Woche – am Sonntag erscheint sie nämlich nicht.

Heute treibt sie aber schon eine etwas mächtige Sau durchs Dorf: die zentrale Studienkreditvergabestelle CSN gab nämlich bekannt, dass viele Studenten ihre Studienkredite nicht zurückbezahlen.

Das System hier im Lande ähnelt dem BaFöG insofern, als dass es einen Teil gibt, den man zurückzahlen muss (Studielån), und einen Teil, den man geschenkt kriegt (Studiestöd). Dann hört es aber mit den Gemeinsamkeiten schon auf, denn die Unterstützung ist nicht an das Vermögen der Eltern gekoppelt, sondern wird generell an jeden ausbezahlt, der die grundlegenden Voraussetzungen erfüllt. Die wiederum sind eine bestimmte Mindestwohndauer in Schweden, aber vor allem der Erwerb einer gewissen Punktzahl pro Semester. Nach spätestens 6 Jahren wird der Geldhahn zugedreht.

Studielån hat zwar den grösseren Anteil, aber dafür bekommt man als kinderloser Student über 650 € im Monat – mit Kind natürlich noch mehr. Davon kann man gerade so leben, und mit einem Nebenjob sogar ganz gut.

Die Effekte dieses Systems sind allgemein bekannt: bessere Studienchancen für Kinder aus einkommensschwachen Familien, und, zumindest nach meiner eigenen Beobachtung, kaum Bummelstudententum.

Die Grosszügigkeit des Staates ist aber auch Gegenstand eben jener heutigen Meldung. Die vermeintlich lächerlich geringe Zahl von 27991 ehemaligen Studenten zahlt nämlich den Studielån nicht zurück. Der Grund dafür ist einfach, dass sich die Schuldner im Ausland befinden. Von 19000 hat CSN nicht einmal die Adresse.
Natürlich forscht man den Zechprellern hinterher, offenbar aber mit wenig Erfolg: stolze 3,3 Milliarden Kronen (353 Mio. €) fehlen noch in der Kasse, und das wäre selbst in Deutschland nicht einfach unter den Teppich zu kehren.

Das Groteske kommt aber erst noch – wenn die Schuldner sich erst wieder mit 68 Jahren nach Schweden begeben, kann CSN nichts mehr machen. Dann wird nämlich das Geld abgeschrieben und ist für immer weg.