Polis
(Ausriss: Du&Jag i Trafiken)

Nachdem von meiner Masterarbeit der erste Entwurf (voller Fehler natürlich) fertig ist, kann ich einmal eine Sache hier erwähnen, die mich noch so beschäftigt – neben den vielen anderen.

Ich meine den vormals schon erwähnten Führerschein. Am Montag durfte ich zur Voruntersuchung antanzen. Zum obligatorischen Drogentest wurde mir eine Urinprobe genommen und Blut abgezapft – selten so viel Spaß gehabt. Beim Augentest brillierte ich wie gewohnt – allerdings musste ich peinlicherweise meine Wissenslücken im Bereich Alphabet auf Schwedisch anmerken. Da habe ich in meinen Kursen nämlich verpasst. Ich wusste daher schlichtweg nicht, wie J ausgesprochen wird: Je. Nachdem das im Vorfeld geklärt war, war das Lesen der kleinsten Zeile kein Problem. Der Blutzucker war auch normal. Die Urinprobe war, mmh, interessant – ich musste meine Taschen ausleeren und der Wasserhahn wurde abgeklebt, damit ich ja nicht bescheiße. Gesamtergebnis der Untersuchung: alles ok.

Nun habe ich schon drei Theoriestunden gehabt. Herausfordernd ist die Theorie nur in ihrer Menge, nicht wirklich inhaltlich. Gestern fand ich es ausgesprochen ermüdend, mir eine Stunde lang am Stück die Funktionsweise eines Fahrtenschreibers erklären zu lässen. Am Computer konnte ich die ersten beiden Level der Fragebögen bestehen. Das erste Level zwar erst nach drei Versuchen, dann aber mit 59 von 60 Fragen richtig. Das zweite schaffte ich dann auf Anhieb, und beim dritten scheiterte ich nur knapp. Bei der ganzen Sache beschäftigt mich eher, wie die Fahrstunden mit meinem Stundenplan kollidieren werden.

Besonders interessant ist allerdings Trafiksvenska – man lernt Wörter, die man im Schwedischkurs nie hören würde und oft auch gar nicht hören möchte. Es handelt sich um Verkehrsschwedisch, d.h. Vokabular, das den Straßenverkehr betrifft. Interessanter Zufall, dass Thomas auf Fiket gestern einige Fachvokabeln aus dem Bereich Astronomie präsentierte.

Hier also eine kleine Liste ganz anderer Fachvokabeln:

  • väjningsplikt: Die Pflicht, Vorfahrt zu gewähren
  • tuta: hupen
  • vägren: Seitenstreifen
  • körfält: Fahrspur (hört man leider oft in den Verkehrsnachrichten)
  • bogsering: Abschleppen
  • blinker: Ein sehr ungewöhnliches schwedisches Wort, denn Wörter, die im Deutschen auf „er“ enden, enden im Schwedischen normalerweise auf „are“ – wie z.B. lärare (Lehrer), hammare (Hammer). „blinkare“ wäre also die logischere Variante gewesen. Noch ungewöhnlicher ist allerdings der Plural „blinkers“ – einen s-Plural kennt das schwedische nämlich eigentlich nicht. Laut pauker.at gibt es auch „körriktningsvisare“ (also Fahrrichtungsanzeige), aber ich vermute stark, das ist genausowenig Alltagsschwedisch wie „Fernsprecher“ alltagsdeutsch ist.
  • medlut: ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, weil es im Wörterbuch nicht drinsteht. Ich vermute aber, es heißt „in Fahrtrichtung“. motlut gibt es nämlich auch – und das heißt vermutlich „gegen die Fahrtrichtung“.
  • prestationsförmåga: Leistungsvermögen – eigentlich kein Verkehrbegriff, aber eine der Fragen im Fragebogen, über die ich zuerst stolperte. Die richtige Antwort war, dass etwas Stress das Leistungsvermögen erhöht. Kann schon sein.

Sehr beschäftigt ist der Fragebogen übrigens mit dem Einfluss auf das Fahrverhalten, wenn man mehrere Leute im Fahrzeug hat. Die seltsamste Antwort war bislang aber, dass Erwachsene sich selbst ums Anschallen zu kümmern haben. Ist der Fahrer also nicht haftbar, wenn außer ihm keiner angeschnallt ist?

Noch ein Kuriosum:

Hörselskadade

Dieses Schild ist eine sogenannte „Tilläggstavla“, also ein Schild, das zu einem anderen hinzugefügt wird. In diesem Fall geht es um eine Behinderung. Drei Punkt auf gelbem Grund? Na, klingelts? Falsch! Das Zeichen steht groteskerweise für Hörgeschädigte.

Synskadade

Dieses Zeichen wiederum steht für Sehgeschädigte.

Eine Logik kann man wohl nur darin erkennen, dass das schwedische Wort für taub, „döv“, drei Buchstaben hat, „blind“ hingegen fünf.

Ein weiteres Fundstück ist das Bild in der Einleitung. Damit teilt ein Polizist mit, man solle die Geschwindigkeit senken. Sollte es dieses Zeichen in Deutschland jemals gegeben haben, so gehe ich davon aus, dass es nach 1945 abgeschafft wurde…