Auf dem Weg zum Gewerkschaftstreffen: Die Brücke zwischen Liljeholmen und Hornstull geht hoch, um einem Segelboot Platz zu machen.

Der zweite Streik ist freilich bei weitem nicht mehr so spannend wie der erste. Im Gegenteil – man merkt, dass die Stimmung zu kippen droht. In den Zeitungen liest man nur noch negatives, und selbst die Gewerkschaft hat gemerkt, dass man einen weiteren vollständigen Streik in Stockholm nicht riskieren kann. So werden dieses Mal nur die Innenstadtbusse bestreikt, während die äußeren, zu großen Teilen nicht durch Schienenverkehr angebundenen Orte verschont bleiben.

Beim gestrigen Informationstreffen teilte man uns zwar mit, dass man die Maßnahmen unternehme, um die Arbeitgeber finanziell am meisten zu schädigen, aber auch, um die Allgemeinheit für sich zu haben – letzteres dürfte dabei den Ausschlag geben. Man hat stattdessen den Streik auf andere Landesteile ausgeweitet. Nun wird auch Västerbotten bestreikt, und ab Dienstag wird Skåne folgen. Ab nächste Woche Freitag werden dann die Flygbussarna bestreikt, also die Busse zu den schwedischen Flughäfen, wobei aber gecharterte Busse und die Busse nach Skavsta ausgenommen sind.

In der Versammlung kam auch das schöne Argument auf, die Arbeitgeber würden nur Theater machen wegen der 13 Stunden Rahmenzeit. In Hornsberg, wo ich arbeite, gäbe es ohnehin kaum Dienste, die in die Nähe dieses Limits kommen. Das ist natürlich schon sehr hanebüchen, denn wir sind ja nicht die einzige Busgarage im Land, und gerade im ländlichen Raum, wo die Busse dünner gesät sind und man nicht so flexibel ist wie in der Innenstadt, spielen diese 13 Stunden sehr wohl eine Rolle. Recht haben sie meiner Ansicht aber damit, dass das Angebot der Arbeitgeber, die 13 Stunden Rahmenzeit „im reinen Stadtverkehr“ zu gewähren, nicht wirklich etwas taugt, weil man dann erst einmal feststellen muss, was denn überhaupt „reiner Stadtverkehr“ sein soll.

Ich glaube mittlerweile, dass ich diesen Monatslohn vorerst abschreiben kann, denn bis ich das Streikgeld von der Gewerkschaft erhalte, wird noch einige Zeit vergehen. Zwar bin ich gerne solidarisch, aber ich werde auch nicht mehr jeden Tag Streikwache machen, denn ich habe festgestellt, dass die wenigsten Teilzeitbusfahrer überhaupt in diesem Bereich aktiv sind. Wegen meiner oben beschriebenen kritischen Haltung der ganzen Veranstaltung gegenüber und angesichts dessen, dass ich den Job ohnehin nur als Nebenjob mache, muss ich bestimmt nicht derjenige sein, der als erster mit der roten Fahne voranmarschiert.

Eine Sache noch zum Schluss: die folgende Plakatwerbung erinnerte mich sehr stark an eine Geschichte, die 9Live in letzter Zeit schon mehrfach gebracht hat.

Das für seine ungeheure Seriösität bekannte Fernsehprogramm versprach Zuschauern nämlich wiederholt, dass sie einen Extrapreis erhielten, wenn sie denn an einem bestimmten Tag Geburtstag haben.
Dieser Tag wiederum war der 31. Juni – ein Tag, den man im seit 1582 gültigen gregorianischen Kalender sowie auch in seinem zuvor schon gut 1600 Jahre lang gültigen julianischen Vorgänger vergeblich sucht.
Bei 9Live versprach man Besserung. Der 31. Juni wird nun in Rente geschickt. Vielleicht kommt ja ab sofort der 30. Februar, der 31. April, der 31. September oder der 31. November zum Einsatz. Vielleicht aber auch der 32. Juli, wie oben zu sehen.

Im obigen Plakat geht es aber um etwas seriöseres: Spenden für eine Krebsstiftung – und ich finde, bei solchen altruistischen Dingen sind sogar nichtexistente Kalendertage zulässig.