Das schwedische Wetter ist wie ein Lichtschalter: es gibt nur an und aus, nichts dazwischen. War hier vor 4 Wochen noch Winter, hat man heute hochsommerliche Gefühle. Strahlender Sonnenschein und wolkenfreier Himmel.

Wir haben die Saison mit unseren neuen Sitzgarnitur auf dem bislang ungenutzten Balkon begonnen. Zwar ist der weder groß noch sonderlich schön, aber der Ausblick ganz in Ordnung. Mit leckerem Essen und einem Gläschen Wein lässt es sich gut aushalten.

Für unseren einzigen richtig freien Tag gestern haben wir uns für eine Radtour nach Vaxholm entschlossen. Dorthin sind es eigentlich nur ca. 15 km, aber dazwischen liegt Wasser, was den kürzesten Weg mit dem Auto ca. 60 km lang macht. Als Fahrradfahrer hat man freilich nichts von der Autobahn, so dass man den geografisch kürzesten Weg wählt: die 222 bis zum Strand nach Grisslinge, dann weiter auf der 274 Richtung Stenslätten. Das ist das nordwestliche Ende der Insel, auf der wir wohnen, gut 20 km von hier entfernt.

Ab dort fährt dann eine Autofähre nach Rindö, eine Insel, die schon zu Vaxholm gehört und die historisch bedeutend ist, weil sich dort Festungsanlagen befanden. Auch heute kann man noch eine Festung besichtigen. Die Insel ist aber auch sonst ungewöhnlich. Obwohl sie auch im Westen nur über eine Autofähre angebunden ist, wohnen rund 1000 Menschen auf ihr. Es gibt eine Buslinie, die einige Male am Tag fährt, eine Schule, einen kleinen Supermarkt und zwei Restaurants. Die Hauptstraße in der Mitte ist gut ausgebaut und verfügt sogar über weite Teile über einen Radweg. Die Westfähre verkehrt fast rund um die Uhr. Ein ziemlicher Kontrast zu vielen Schäreninseln, wo nur eine Handvoll Leute leben, Schotterpisten die Regel sind und ohne Boot fast nichts zu machen ist.

Kein Wunder also, dass man dort Ausbaupläne für eine Art Schärenstadt hat. Nebenan auf Vaxholm ist es auch schon ziemlich voll. Allerdings ist anscheinend kein Bau einer festen Straßenverbindung in Sicht.

Also fuhren wir Fähre an der Festung vorbei nach Vaxholm hinüber. Rund 33 km betrug die ganze Strecke (ein Weg, wohlgemerkt). Nach kurzem Spaziergang, Mittagessen und Eis ging es wieder zurück. Der Rückweg war freilich anstrengender, weil man schon spürt, wenn man solche Strecken nicht öfters fährt. Wir waren auch die einzigen, die auf die Idee kamen. Zwischen Grisslinge und Stenslätten begegneten wir praktisch keinen Radfahrern. Schade eigentlich, denn die Tour wäre es wert.

Nach insgesamt 8 Stunden waren wir wieder zurück. Hintern wund, Waden strapaziert – aber es hat sich gelohnt.