(Leider) schwabenfrei: Kerguelen (B.navez, CC-BY-SA 3.0 Unported)

Am 21. Februar schnellten plötzlich die Besucherzahlen meiner kleinen Seite hier nach oben. SWR2 brachte an jenem Fasnachtsdienstag erneut eine „Reportage“ aus dem Jahr 2010, die sehr echt daher kam, aber zu praktisch 100% gefälscht war. Die Geschichte war sehr schön aufgemacht: Hunderte von Schwaben sollen auf der subantarktischen Insel Kerguelen seit vielen Jahren eine Kolonie unterhalten und dort Maultaschen aus dem dortigen Kerguelenkohl machen. Ein schönes, mit viel Liebe gemachtes Stück – aber eben kompletter Unsinn.

Die neuerliche Ausstrahlung animierte viele Hörer, nach der Geschichte im Internet zu suchen, und so landeten sie bei mir. Zweck der Übung ist freilich, genau das hervorzurufen: das Gehörte zu hinterfragen und kritisch zu bleiben. Bedauerlich fand ich dabei nur, dass diejenigen, die nicht so neugierig und kritisch sind, natürlich nicht erreichbar sind. Denn für jeden Unfug gibt es jemanden, der ihn glaubt. Das ist bei der Mondlandungslüge so, bei den 9/11 Truthern und neuerdings sogar bei der Manta-Verschwörung:

So fühlte sich z.B. hier jemand dazu veranlasst, auf der Wikipedia den Artikel zu Kerguelen zu „verbessern“. Die Deutsche Apothekerzeitung brachte gar einen richtigstellenden Artikel, dass der Kohl keine Heilpflanze sei. Wahrscheinlich ist der Versuch der Richtigstellung in vielen Fällen schon vergebens. Leider.

Interessant ist aber, dass eine Woche später, also vorigen Dienstag noch einmal eine Insel im Fokus von SWR2 Wissen stand: St. Helena, bekannt als letzter und unfreiwilliger Wohnsitz von Napoleon Bonaparte. Eine Insel mit freundlicherem Klima als Kerguelen, aber ungefähr genauso schwabenarm. Ich kann die Reportage nur empfehlen. Im Gegensatz zu Radio Neuschwabenland gibt es Saint FM nämlich wirklich, und man kann es sogar online anhören (bitte nicht alle auf einmal, denn die Netzanbindung der Bewohner von St. Helena ist sehr dünn ausgelegt).

Leider geht die Reihe morgen nicht mit einer weiteren Inseln weiter, sondern mit einem Beitrag zur EU-Freizügigkeit und den Effekten in Ostdeutschland. Schade, denn es gäbe noch viele solcher einsamer Inseln….