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DNS ist in der Welt der Sportwettkämpfe nicht die Desoxyribonukleinsäure, sondern die Abkürzung für „Did not start“, also für all diejenigen, die angemeldet waren, aber nicht angetreten sind. Heute war ich zum ersten Mal überhaupt DNS. Glücklicherweise habe ich kein T-Shirt des Laufs, das ich als stetige Erinnerung schamvoll im Schrank verwahren müsste. Allerdings habe ich ein Shirt von Team Stockholm Marathon, das ich auch nicht gerade mit Stolz tragen kann.

Meine Ambitionen, den Stockholmer Marathon zu machen, haben sich in den letzten Monaten zerschlagen. Sicherlich gab es viel zu tun wegen des Umzugs, ich war krank und der Winter machte das Training schwer – doch das sind letzten Endes irgendwo nur Ausreden. Noch im Februar glaubte ich noch, es reiche, ein paarmal im Training einen Halbmarathon zu machen, und dann geht das schon irgendwie in unter 5 Stunden. Dass es schon schwer genug ist, einen Halbmarathon in einer würdigen Zeit zu absolvieren, berücksichtigt das nicht, und was das heißt, durfte ich kürzlich bei Kungsholmen Runt spüren. Momentan kämpfe ich mit einer Zehnagelentzündung, die da ihren Anfang nahm und wohl nach 10 Jahren wieder eine Operation an diesem Zeh nötig machen wird. Es war insofern sinnvoll, den Lauf heute nicht zu machen. Jedoch stand ich für einige Zeit am Straßenrand bei Slussen und schaute zu – eine seltene Angelegenheit, denn in aller Regel laufe ich bei den Läufen mit, bei denen ich anwesend bin. Dies ist auch ein Blick in den Spiegel. Je langsamer die vorbeikommenden Läufer wurden, umso mehr erkannte ich mich wieder. Das waren die etwas gemütlicheren, moppeligeren, die sich für jede Anfeuerung bedankten – aber gleichzeitig auch diejenigen, denen man bei nüchterner Betrachtung ansah, dass es eigentlich besser wäre, sie hätten sich mit einem Halbmarathon oder einem 10-km-Lauf begnügt. Mir kamen die Worte von Rick Nealis, dem Renndirektor des Marine Corps Marathon, einem der größten Marathons in den USA, in den Sinn:

This is an Olympic sport, and people lose sight of that. Its not a touchy-feely, were all going to feel good, Kumbaya.

Er hatte das zwar als Kommentar zu einem spektakulären Betrugsfall geäußert, trifft aber auch hier zu: ein Marathon ist kein lustiges Gemeinschaftserlebnis für jeden, der gerne mitmachen würde. Kein fröhlicher Samstagnachmittagsspaziergang mit Urkunde. Es ist Sport. Es gehört viel Arbeit dazu, nicht zuletzt zum eigenen Wohl. Es ist die Arbeit, die ich nicht investiert habe, und deswegen war es auch richtig, am Rand zu stehen.

Es ist gleichzeitig auch Motivation, für die Läufe im Herbst zu trainieren, und ein Aufruf zu etwas Bescheidenheit. Sicherlich werde ich noch öfters zu den langsamen des Feldes gehören, aber ich möchte wieder auf den Weg zurück, auf dem ich letzten Herbst wäre. Dieser verspricht Halbmarathonzeiten unter 2 Stunden, 10-km-Zeiten von 50 Minuten und vielleicht nächstes Jahr eine würdige Absolvierung eines Marathons.

PS: Hauptgrund war natürlich, Andreas anzufeuern, der mit 3:45 Stunden sein Ergebnis vom Vorjahr fast um 30 Minuten verbesserte. Glückwunsch!