Schweden, abends um 9

Das Telefon klingelt.

Ich: Hallo.
Sie: Hallo. Ich rufe von Comhem an. [Anm.: mein Kabelfernsehanbieter] Du bist doch Fabian, oder?
Ich: Ja, der bin ich.
Sie: Ich rufe an, weil ich gerne mit dir darüber sprechen würde, wie wir deine Monatskosten mit Internet und Telefonie senken können. Du hast bislang nur TV small [Anm. kleinstmögliches TV-Paket dieses Anbieters] gebucht, oder?

Diesen Gesprächsverlauf hatte ich schon erahnt. Es gibt in Schweden ein Register namens NIX-Telefon, in das man sich eintragen kann und dann nicht mehr mit Werbeanrufen belästigt wird. Ausnahme: Firmen, bei denen man schon Kunde ist, dürfen trotzdem anrufen als vermeintlichen Kundenservice. In Wirklichkeit dienen diese Anrufe aber nur dazu, dem Kunden noch mehr der eigenen Produkte anzudrehen. Nach zahlreichen dieser Gespräche habe ich beschlossen, ab sofort konfrontativ mit Kündigung zu drohen.

Ich: Ja, habe ich. Hör mir zu, ich sage das nur einmal. Wenn ich noch einmal so einen Anruf erhalte, kündige ich sofort.
Sie: Du bist aber nicht nett zu mir. Ich mache hier nur meinen Job.
Ich: Das hat auch nichts mit dir zu tun. Ich bezahle jeden Monat dafür und will keine solchen Anrufe bekommen.
Sie: Stehst du vielleicht nicht im NIX-Register? Den Eintrag muss man jährlich erneuern.
Ich: Das habe ich. Ich stehe im NIX-Register. Tschüss.
Aufgelegt.

Dass ich meinen Eintrag erneuert habe, stimmt nicht, aber ich konnte da keinen Rückzieher machen. Dass man eine jährliche Erneuerung machen muss, ist zudem glatt gelogen, wie ein Anruf bei NIX kurz darauf ergibt. Ich vermute, das ist eine Schutzbehauptung, um solche renitenten Kunden wie mich in die Defensive zu treiben, die sich abends um 9 am Telefon nicht irgendwelchen Mist aufschwatzen lassen wollen, weil sie eine eventuelle Kaufentscheidung auf Basis von Informationen treffen wollen.

Ich habe das Comhem auch gleich noch per Mail mitgeteilt.

Wahrscheinlich haben sie mich sowieso als Kunden verloren. Wir zahlen für den Empfang des ZDF jeden Monat rund 6 € – alles andere ist sowieso in unserer Miete enthalten. Angesichts der Dicke unserer Internetleitung und den umfänglichen Livestream- und Mediathekangeboten bietet es sich eher an, einen alten Computer an den Fernseher anzuschließen und die Geschäftsbeziehung mit Comhem zu beenden. Einen entsprechenden Adapter habe ich mir gerade gekauft.

6 Gedanken zu „Schweden, abends um 9“

  1. Man braucht den Eintrag im Nix-Register nur alle drei Jahre zu erneuern.
    Er schützt nur gegen Anrufe von irmen, mit denen man keinen Vertrag hat oder hatte.
    Im Falle, daß man Kunde von Comhem ist, würde der Nix-Eintrag also nicht vor einem Anruf von Comhem schützen.

    Viele Rufnummern von Werbern sind bekannt. Es gibt sogar weblisten darüber. Ich selbst wohne auf dem Lande. Da sind dann schon alle 08er-Rufnummern suspekt. In einem solchen Falle hebe ich ab und lege gleich wieder auf.

  2. Als ich noch nicht auf der Nix-Liste stand, habe ich regelmässig Werbeanrufe bekommen. Seitdem ich auf der Liste stehe, bekomme ich praktisch keine mehr. In jedem Fall finde ich, dass man mit den AnruferInnen höflich umgehen sollte.

  3. Nur zur Verdeutlichung: die Anzahl der Werbeanrufe von Firmen, bei denen ich nicht Kunde, ist seit dem Eintrag ins Nix-Register bei annähernd Null. Es ist nicht so, dass das mein Problem darstellt. Die Dame am Telefon hat das nur vorgeschoben, um mich in die Defensive zu bringen, denn ihr Anruf fiel gar nicht in den Bereich, für den das Register zuständig ist.

    Zur Höflichkeit: wenn damit angedeutet werden sollte, ich wäre unhöflich gewesen, so muss ich dem entgegnen, dass zwei andere Leute im Raum mitgehört haben und die nichts auszusetzen hatten. Ich habe es bislang immer freundlich versucht, aber nachdem ich schon eine Reihe solcher Telefonate geführt habe, muss ich davon ausgehen, dass mein bisheriges Vorgehen Zeitverschwedung war. Zum einen sind das wahrscheinlich gar keine Mitarbeiter von der jeweiligen Firma, sondern Mitarbeiter von Call-Center-Firmen. Die haben Erfolgsquoten zu erfüllen und werden nach spätestens zwei Minuten unverschämt, weil sie einem unbedingt etwas andrehen wollen (bzw. müssen). So ein Gespräch endete bei mir damit, dass ich entnervt auflegte. Zum anderen muss ich bei einer allzu freundlichen Ablehnung davon ausgehen, dass ich immer wieder solche Anrufe erhalte. Das einzig effektive Druckmittel ist da die Kündigung, denn die wollen ihre Umsätze ja steigern und nicht senken. Dass die Dame am Telefon aus meiner entschiedenen Absage an jegliche Verkaufsversuche gleich einen persönlichen Angriff auf sie gesehen hat, ist da eher überraschend und unprofessionell.

    Die Mail an Comhem zeigte insofern Wirkung, als dass man mich nun auf eine Sperrliste getan hat und ich künftig nur noch bei Sonderaktionen mit Anrufen rechnen muss. Man wird sehen.

    In der Zwischenzeit hat schon wieder einer angerufen. Vermutlich war der von Bredbandsbolaget – denen werde ich die frohe Botschaft bei Gelegenheit auch verkünden.

  4. Es ist doch schon ein Widerspruch in sich. Eine Firma investiert Geld darin, dir etwas zu verkaufen, womit du Geld sparst?
    Meine Antwort auf die Frage „Willst du sparen?“ ist „Nein.“

    1. Es ist nicht ganz so abwegig. Ich habe derzeit ja nur das Fernsehen bei denen, und solche Kombiangebot mit Telefonie und Internet sind dann oft etwas billiger. De facto ist der Markt aber so umkämpft, dass sich die Angebote im Preis nicht mehr stark unterscheiden. Ich bin von Comhem wegen verschiedenen Ärgernissen in Sachen Kundenservice, Preispolitik und Zuverlässigkeit. Das war zwar zu guten Teilen schon länger her, aber ich dachte mir, dass es nicht sein kann, dass ich lammfroh immer wieder meinen Vertrag verlängere, ohne der Konkurrenz auch mal eine Chance zu geben.

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