Interviews neu gedeutet – heute: Margot Käßmann

Das sagte Margot Käßmann vor einem Jahr gegenüber Achim Achilles (aka. Läufergott):

Achim-Achilles.de: Worauf verzichten Sie gerade?
Käßmann: Ich verzichte auf Alkohol.

Achim-Achilles.de: Fällt Ihnen das schwer?
Käßmann: Ja, ich merke auf einmal, wie sehr ein Glas Wein am Abend zur Gewohnheit werden kann. Aber ich will das Fasten auch nicht zum Gesetz machen. Die alten Mönche hatten da wunderbare Ausnahmen, etwa den Sonntag und Zeiten „auf Reisen“.

Das liest man heute über sie. Ausnahmen „auf Reisen“ sollten wohl an heutige Promillegrenzen angepasst werden.

Gedanken zum Tage

  • Kristina Axén Olin, bislang Finansborgarråd (Finanzbürgermeisterin) der Stadt Stockholm und damit als prima inter pares die Bürgermeisterin der Stadt, ist am Mittwoch zurückgetreten. Schon Anfang 2007 hatte sie eingestanden, dass es nach dem Wahlsieg 2006 „zuviele Kopfschmerztabletten und zuviel Alkohol“ gewesen seien, auch wenn sie bestritt, Alkoholikerin zu sein. Sie nahm eine Auszeit im November 2007, kam nun aber zum Schluss, dass es für sie und ihre Familie am besten sei zurückzutreten. Das ist freilich ein herber Schlag für die konservative Stadtregierung, denn dort wechseln die Bürgermeister fast genauso häufig wie die Minister der nationalen Regierung, und Axén Olin war recht beliebt. Als Nachfolger ist Sten Nordin im Gespräch, der zwar kompetent und solide ist, aber als Volkstribun anscheinend nicht taugt. Als Außenseiterin gilt übrigens die Frau von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, Filippa Reinfeldt. Ziemliches Manko dabei: sie müsste nach Stockholm umziehen, denn bisher wohnt Familie Reinfeldt im reichen Vorort Täby.
  • Aus dem Grund verpasste Axén Olin auch den Staatsbesuch des Großherzogs von Luxemburg. Ich arbeitete am Mittwoch und wunderte mich schon die ganze Zeit, ob nun Staatsbesuch aus Luxemburg oder den Niederlanden da sei, denn die Flaggen ähneln sich doch ziemlich. Ich lag mit meinem Tipp aber richtig: hell ist Luxemburg, dunkel ist Niederlande.
  • Wenn man schonmal bei Politischem ist: ich frage mich, wie es denn um meine Parteiliebe zur SPD noch bestellt ist, wenn ich über einen solchen Titel herzlich lachen kann. Noch schlimmer ist allerdings, dass der Gute in einigen Punkten sehr recht hat.
  • An selbigem Mittwoch musste ich mich auch unerwarteten Herausforderungen stellen: eine neue Linie und der erste Arbeitstag seit langem im Berufsverkehr. Ging aber einigermaßen gut.
  • Zum aktuellen Mörderwatch:
    • Der Mörder der kleinen Engla ist schon mehrfach vorbestraft, u.a. wegen mehreren Vergewaltigungsversuchen anderen derartigen Delikten. Jetzt ist natürlich auch einigermaßen klar, wieso die Polizei ihn eine Woche lang verhört hat, obwohl sie anfangs ja nicht mehr hatte als ein Foto, das beweist, dass er kurz nach ihr über dieselbe Straße gefahren ist. Die örtliche Polizei hat sich übrigens selbst angezeigt, da man den Mann bei früheren DNA-Untersuchungen außen vor gelassen hatte, so dass man ihm schon früher den Mord an der 31-jährigen Pernilla hätte nachweisen können und er schon länger hinter Gittern säße.
    • Die tragischen Kindermorde in Arboga sind wegen der Engla-Tragödie etwas aus dem Blickfeld geraten. Sie sind noch nicht aufgeklärt, aber die verdächtigte 31-jährige Deutsche wurde nun an Schweden ausgeliefert. Anscheinend gab es entsprechende DNA-Indizien, aber viel mehr ist nicht bekannt. Sie hatte bei ihrer Ausreise einen Hammer bei sich, der im Flughafen konfisziert wurde. Ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt, steht aber ebenfalls noch nicht fest. Die Polizei hält sich bislang bedeckt, was ihre Aussagen angeht. Zuletzt hatte es geheißen, sie habe die Aussage verweigert. Bei der ersten Vorverhandlung war die Beweislage aber anscheinend noch so dünn, dass der Verteidiger die Freilassung forderte.
    • Von deutschen Medien weit weniger bemerkt wurde ein 64-jähriger Schwede in Stuttgart ermordet. Der Mörder wurde schon gefasst.

    Ich habe nicht vor, das zu einer regelmäßigen Rubrik zu machen, weil mir diese übertriebene Präsentation jedes Mordes zuwider ist. Trotzdem hielt ich es in dem Fall auch einmal für nötig.

Korrektur: Die Deutsche wurde noch nicht nach Schweden ausgeliefert. Dies soll aber im Mai geschehen. Die überlebende Mutter der beiden ermordeten Kinder soll angeblich gesagt haben, dass die Deutsche den Mord begangen habe. Eine Bestätigung der Polizei steht aber noch aus.

Gedanken zum Tage

Was soll man an einem 1. April schreiben – natürlich eine kleine Auswahl von Aprilscherzen:

  • Den Reigen eröffnete The Local mit einem Bericht darüber, dass nach Meinung des Gleichstellungsombudsmanns der schwedischen Regierung es ja nicht hinzunehmen sei, dass in der schwedischen Nationalmannschaft für die EM 2008 nur Männer spielten. Dies sei natürlich gegen das Gleichstellungsgesetz. Eine nette Parodie auf den schwedischen Gleichstellungsfimmel. Dies erinnert mich natürlich daran, dass ich seit kurzem bei dem Wikipedia-Artikel zu „Bara Bröst“ mitarbeite.
  • DN legte mit der Meldung nach, Stockholms einziger Skihang solle überdacht werden, um künftig die Schneesicherheit auch in so lausigen Wintern wie dem letzten zu garantieren. Apropos Winter: der ist nun definitiv vorbei, nachdem ich unter der dicken Jacke massiv geschwitzt habe. Ein paar Schneereste vom überraschenden doch noch stattfindenden Wintereinbruch an Ostern, aber das wars auch schon. Die Tage sind lang, die Sonne scheint und die Welt ist schön. Deswegen schalte ich jetzt auch die Frühlingsversion des Layouts frei, die aus meiner Sicht leider weniger gelungen ist als die Winterversion.
  • Die Seite Aprilskämt.se (ungewöhnlicherweise für schwedische Seiten mit Ümläüt) sammelt die Aprilscherze fleißig. Die Top 3:
    1. die Polizei in Kalmar hat nun rote Uniformen, die den Bürger weniger provozieren sollen und bei einem eventuellen Machtwechsel 2010 bei einer roten Regierung auch Gefallen finden dürften.
    2. Der schwedische TÜV begutachtet ab sofort nicht nur die Autos, sondern auch deren Fahrer, da zunehmende Fettleibigkeit auch in Schweden ein Problem ist.
    3. Schwedische Fahrschüler führen jetzt auch Übungen unter Alkoholeinfluss aus.
  • Auch Google lässt sich nicht lumpen. So präsentiert das australische Google gDay™, eine Funktion, die es erlaubt, schon die Webseiten von morgen zu durchsuchen. Große Ziele hat Virgle, eine Kombination aus Virgin und Google, für die Zukunft: es soll zum Mars geflogen werden, und geeignete Pioniere werden gleich auf der Webseite gesucht. Den extrem informativen Fragebogen kann man sofort ausfüllen. Google Maps soll außerdem noch eine Röntgenversion erhalten, mit der man auch in Gebäude hineinsehen kann.

Beim Lesen von The Local ist mir außerdem noch aufgefallen, dass diese gern kolportierte Klischees über die gemeine Schwedin in Nachtclubs unterstützen – zumindest hat man den Eindruck, wenn man diese blond angehauchte Bilderserie anschaut.