Sonnenfinsternis: schade

Ich lasse mir nach Möglichkeit keine Mondfinsternis und schon gar keine Sonnenfinsternis entgehen. Sogar einen Venus- und Merkurdurchgang habe ich schon gesehen. Morgen wird es aber leider nichts werden – just wenn die Sonne sich im höchsten Norden total verfinstert, bin ich total dabei, einen Bus für den Linienverkehr klar zu machen. Schade.

Sovmorgon…

heißt soviel wie „Schlafmorgen“ und könnte mit „Ausschlafen“ übersetzt wird. Genau das habe ich derzeit nicht.

Morgen darf ich zum vierten Mal in Folge um 4:50 Uhr antreten. Zwar ist es schon hell, und es ist schön leer – dafür hat man am Wochenende eine Garantie, dass man Betrunkene an Bord hat, die nicht mehr aufwachen wollen.

German Service

Früher war ich immer sehr beschämt, wenn ich auf Auslandsreisen sofort als Deutscher erkannt wurde. Heute muss ich aber selbst feststellen, dass ich irgendwie einen Sinn dafür habe, Deutsche zu erkennen.

Mir ist es in den letzten Wochen mehrfach passiert, dass Deutsche beim Einsteigen kaum mehr als zwei Worte gesagt haben und ich sofort wusste, woher sie kommen. Bei der Intonation, die Deutsche im Englischen haben, ist das öfters auch nicht so schwer.

Ich glaube aber irgendwie, ich sollte meine Strategie ändern. Oft sind die Reaktionen verduzt bis reserviert, zum Einen aus der doch offenkundigen Frage heraus, ob ich denn nun ein sehr germanophiler Schwede bin (angesichts des badischen Dialekts wäre das aber leicht auszuschließen), und zum Anderen aus der Peinlichkeit heraus, gleich als Deutscher erkannt worden zu sein, obwohl man sich doch so schön bemüht hat. Mein Überschwang, Deutschen in meiner Muttersprache bei Fragen zum Nahverkehr helfen zu können, bleibt so wohl auf der Strecke.

Vielleicht – und das ist ein bisschen meine Befürchtung – kommt das Verhalten der Passagiere schlichtweg daher, dass sich hartnäckig die Annahme hält, jeder könne doch mindestens so ein bisschen deutsch.

Analogzeitalter wohl definitiv vorbei

Ich habe es gewagt und nach drei Jahren endlich die vier Filme zum Entwickeln gebracht, die ich sehr sporadisch mit meiner guten alten Revue ML vollgeknipst habe.

Natürlich war das im Ausland immer teurer als in Deutschland, aber dass ich für die vier Filme inkl. Foto-CD einmal rund 100 € Entwicklungskosten würde zahlen müssen, hätte ich nicht gedacht. Nach dem Urlaub steht eine passable Digitalkamera auf der Einkaufsliste – Kaufvorschläge für eine passable Spiegelreflexkamera im Hobbybereich werden gerne angenommen.

Prideveckan

Die Regenbogenflaggen stehen bereit

Flaggen genießen in Schweden einen besonderen Status. Nicht nur, dass jedes Ferienhaus einen blau-gelben Wimpel hat und sogar die Warnschilder vor engen Kurven diese Farbenkombination haben. Es sind 16 Flaggentage bestimmt, an denen in jedem Jahr die Flagge zu hissen ist. Dazu gehören neben gewissen allgemeinen Feiertagen natürlich die Geburts- und Namenstage des Königs, der Königin und der Kronprinzessin. An Wahltagen ist auch Flaggtag, und weil es so schön ist, ist der 9. Mai – seines Zeichens Europatag – auch ein Flaggtag, an dem aber möglichst die Europaflagge gehisst werden soll. Weil sich das so keiner merken kann, steht in schwedischen Kalendern üblicherweise am entsprechenden Tag eine kleine schwedische Flagge (was auch sonst). Geflaggt werden darf übrigens nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Wem das alles befremdlich oder gar theoretisch erscheinen mag – Deutschland hat schließlich auch Flaggtage – dem sei versichert, dass die Beflaggung hier erheblich präsenter ist als in Deutschland.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass an den Flaggtagen alle Busse beflaggt sind (nicht nur hier in Stockholm, sondern anscheinend auch anderswo). Am 9. Mai mit Europaflagge, ansonsten natürlich schwedisch.

Umso überraschender ist es, dass heute nur zwei Fahrgäste danach gefragt, wieso die Busse in Stockholm nun mit Regenbogenflaggen fahren. Der Grund dafür ist das Pridefestival – zwar sind es prinzipiell verschiedene Veranstaltungen, aber man könnte es als schwedische Variante des Christopher Street Day beschreiben. Pride gibt es seit 1998 in Stockholm, und es gibt neben der Parade am letzten Tag (daher auch der Vergleich zum CSD) zahlreiche Veranstaltungen, die über eine ganze Woche verteilt werden.

In diesem Jahr ist die Veranstaltung noch eine Nummer größer, denn es ist gleichzeitig auch Europride, also die europäische Pridewoche, die jedes Jahr ihren Standort wechselt und nun zum zweiten Mal in Stockholm gastiert.

Das zieht allerlei Firmen als Sponsoren ein: Kanal 5 färbt sein Logo im Regenbogen, und in der Einkaufspassage Galeria gibt es neben allerlei Dekoration auch einen pinkfarbenen Informationsschalter. SL hat sich dafür entscheiden, alle Busse die ganze Woche über mit Regenbogenflaggen auszurüsten. Sicherlich keine schlechte Werbemaßnahme, auch wenn man die Frage stellen kann, ob es sich lohnt, hunderte von Flaggen für eine mit einiger Wahrscheinlichkeit einmalige Aktion anzuschaffen. Ein Vorstandsmitglied von SL, wohl nicht vollkommen zufällig auch der Vertreter der Christdemokraten in diesem Gremium, äußerte sich jedenfalls kritisch. Als formalen Grund führt er an, solche Entscheidungen seien eigentlich Sache des Geschäftsführers und nicht des Vorstandes. Außerdem hätten Västerås und Uppsala die Regenbogenflaggen abgelehnt, weil es Praxis sei, eben nur an Flaggentagen die Busse so auszurüsten.

Letzteres Argument hinkt aber etwas – in Västerås können die Reaktionen nämlich nur reserviert sein, denn was im gut 100 km entfernten Stockholm so passiert, dürfte die Menschen nicht unbedingt tangieren.

Ich finde die Idee mit den Flaggen sympathisch – und vielleicht kommen dann noch mehr Leute zu der Veranstaltung. Allerdings stehe ich diesem Hype um die Pridewoche im Allgemeinen recht kritisch gegenüber. Diese Art von Veranstaltung wird nämlich gern von Entschiedungsträgern wie Firmen dazu genutzt, zu zeigen, wie fürchterlich tolerant sie doch sind. Gerade aber diese Klientel nimmt nur zu gerne jede Gelegenheit zur PR wahr, wenn es nach draußen gut aussieht. Über die wirklichen Intentionen und Zustände im Unternehmen erfährt dabei nichts.

Panoramen (24): Zehn Quadratmeter

So groß kann klein wohnen aussehen – meine 10 Quadratmeter kurz nach Ankunft in Schweden. Links am Rand sieht man den Eingang zum „Bad“, für das „Nasszelle“ ein erheblich treffenderes Wort war. Mittlerweile wohnt anscheinend niemand mehr dort. Das ist auch ganz gut so, denke ich.

Streik vorbei

  • Gestern abend um 22 Uhr hatte es sich ausgestreikt: ein neuer Tarifvertrag ist unterzeichnet. Der Inhalt: es blieb bei den 10,4 % Lohnerhöhung in den nächsten drei Jahren, aber dafür wurden die anderen Forderungen weitgehend erfüllt. So ist die Rahmenzeit nun nur noch bei 13 Stunden, sofern die darin gefahrenen Linien kürzer als 50 km sind. Die Forderungen nach mindestens 11 Stunden Ruhezeit wurde jedoch ohne Einschränkungen umgesetzt.
  • So rollt der Verkehr ab heute wieder, und ich darf ab 14:41 Uhr die Linien 77, 62 und 4 fahren. Seltsamerweise habe ich heute und morgen zum ersten Mal den außergewöhnlichen Fall, zwei identische Dienste in Folge zu haben – d.h., morgen geht es ebenfalls um 14:41 Uhr los und ich darf dasselbe Programm abspulen.
  • Mein gestriger Eintrag über das Unglück in Kista muss es wohl in die automatische Verlinkung bei Dagens Nyheter oder Svenska Dagbladet geschafft haben. Jedenfalls hatte ich gestern 6mal so viele Zugriffe wie sonst und auch zwei recht verwirrende Kommentare auf Schwedisch.