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Freizeitaktivitäten für Austauschstudenten: Begrüßungspicknick

Die ohne Frage leichteste Art, nach Schweden zu kommen, ist ein Austauschstudium. Nicht nur, weil die Anmeldeprodezur oft unkompliziert ist und ein Platz leicht zu bekommen ist. Die Hochschule unterstützt bei der Wohnungssuche, das Studium ist locker und zudem wird auch noch ein Freizeitprogramm angeboten.

Das klingt nach einem halben bzw. einem ganzen Jahr Müßiggang mit Party in internationaler Gemeinschaft. Und das ist es oft auch – es kann aber auch eine Chance sein, Kurse zu machen, die in der Heimat nicht angeboten werden. Gelegenheiten wie z.B. Praktikumsangebote wahrzunehmen, die sich im Lebenslauf gut machen. Oder gleich die Fühler für eine eventuelle spätere Promotion auszustrecken.

Die Möglichkeiten, die ein Austausch bietet, sind also vielfältig.

Da fast aller europäischer Austausch im Rahmen des Erasmus-Programms abläuft, beschränke ich mich hier darauf.

Erasmus-Programm

Das Erasmus-Programm fällt in vieler Hinsicht aus dem Rahmen, weil nur wenige, die mit dessen Hilfe nach Schweden kommen, beabsichtigen, länger zu bleiben. Recht wenig dürfte Schweden als Erasmus-Ziel von anderen Ländern unterscheiden, was den allgemeinen administrativen Ablauf angeht. Dieser Abschnitt ist bewusst allgemein gehalten, denn ich kann und möchte keine Liste aller Erasmus-Kooperationen zwischen den Hochschulen im deutschsprachigen Raum mit den Hochschulen in Schweden präsentieren. Ansprechpartner an der eigenen Hochschule zu finden ist nun auch nichts, was einen halbwegs begabten Studenten überfordern dürfte.

Schweden ist bei deutschen Studenten recht beliebt. Wenn man diese Statistik anschaut, so sieht man für das akademische Jahr 2006/2007, dass Schweden auf Platz 4 der beliebtesten Ziele lag, und mit einem Anteil von 8,3% deutlich vor den anderen nordischen Ländern und sogar vor Italien. Für eine relative kleine Nation ist Schweden also überproportional beliebt. In besagtem Jahr kamen 27,6% der Austauschstudenten in Schweden aus Deutschland, weitere 4,8% aus Österreich. Wenn man dann die Schweizer dazu nehmen könnte (die leider in der Liste fehlen), landete man wohl bei ca. einem Drittel deutschsprachiger Austauschstudenten.

Die Gründe hierfür kann man an verschiedenen Stellen suchen.

Soweit ich das bisher erlebt habe, nehmen beide Stockholmer Hochschulen äußerst bereitwillig Austauschstudenten auf. Dies ist alleine schon deswegen bemerkenswert, weil sie dabei auf erhebliche Probleme in der Unterbringung stoßen und teilweise schon auf Container als Wohnraum zurückgegriffen haben. Aber auch auf ganz Schweden bezogen scheint das so zu sein, denn Schweden liegt in der genannten Aufstellung auf Platz 5 der Gastländer – und damit vor Ländern mit erheblich größerer Bevölkerung. Letztendlich gehen auch viel weniger schwedische Studenten ins Ausland als die schwedischen Hochschulen an Austauschstudenten aufnehmen.

Die Beliebtheit Schwedens hat aber auch eine ganz simple Ursache: Sprachlernfaulheit. Denn die Schweden der akademischen Welt erwarten irgendwie auch gar nicht, dass man ihre Sprache lernt. Im akademischen Umfeld ist englisch hier oft nicht nur Zweitsprache, sondern sogar Erstsprache. Auch nach über 3 Jahren in Schweden habe ich keinen einzigen Kurs gemacht, der rein auf schwedisch abgehalten wurde. Auch die Studentenwohnheimsgesellschaft SSSB, die mein Studentenzimmer unterhielt, waren grundsätzlich alle Informationen zweisprachig. In nur wenigen Ländern wird man es so leicht haben in dieser Hinsicht.

Bei deutschen Studenten kommt sicherlich auch noch dazu, dass Schweden natürlich mit gewissen sentimentalen Vorstellungen behaftet ist. Die notorische Tendenz der Deutschen, dieses Land für ein großes Bullerbü mit blonden Menschen, Elchen und grandioser Natur zu halten, in dem alles besser sein muss (weil in Deutschland ja alles so furchtbar schlecht sei), dürfte zumindest unterschwellig die Entscheidung für ein Austauschland beeinflussen.

Soweit ich es beurteilen kann, sind die schwedischen Hochschulen sehr bemüht um ihre Austauschstudenten. Dass betrifft nicht nur den umfangreichen Einsatz bei der Unterkunftssuche, sondern auch ein recht umfängliches Programm mit Bootsfahrten nach Tallinn und Trips nach Russland, an denen Austauschstudenten aus ganz Schweden teilnehmen. Die Betreuung lässt also anscheinend wenig zu wünschen übrig.

Dem Ruf als größtes Reisebüro der Welt kann Erasmus jedoch auch in Schweden nicht entfliehen, denn ein Austauschjahr ist noch lange keine Garantie für Studienleistungen. Für viele Studenten ist ein Erasmus-Austausch Urlaub, in dem man einige Alibi-Punkte sammelt, um später sagen zu können, im Ausland studiert zu haben. An der KTH gab es zur Unterstützung dieses Unterfangens einen Kurs namens „Swedish Culture and Society“, der zu guten Teilen aus Studienbesuchen bestand und eine einfache Methode war, ECTS-Punkte zu erwerben. Flankiert wurde das ganze vom Anfänger-Schwedischkurs. Während die ersten zwei der insgesamt vier Kursniveaus noch gut besucht waren, nahm die Beteiligung darüber rapide ab. Letztendlich lief es also darauf hinaus, dass kaum ein Austauschstudent in der Lage war, auch nur einfaches Schwedisch im Alltag zu nutzen. Dass ein gutes Viertel der Austauschstudenten Deutsche sind, dürfte auch nicht gerade zur sprachlichen Kompetenzentwicklung beitragen.

Daher gilt wohl der allgemeine Rat für alle Erasmus-Studenten unabhängig vom Gastland: ein Jahr Ausland auf dem Lebenslauf sieht nett aus, beeindruckt heute aber für sich genommen keinen Chef mehr.

Trotzdem ist ein Erasmus-Jahr ohne Frage eine tolle Sache, die man sich keinesfalls entgehen lassen kann. Letztendlich ist es eine wertvolle Erfahrung, die mit keiner zuhause erreichbaren Studienleistung zu vergleichen ist. Wenn man es historisch sieht, dann dürfte das Erasmus-Programm zwar nicht unbedingt zur Förderung einer besseren Lehre beitragen, aber sicherlich zur Förderung der europäischen Verständigung.

Wer sich nach diesen ganzen Ausführungen fragt, wie er denn nun per Erasmus nach Schweden kommt. Ganz einfach: erst informieren, wann man denn überhaupt im Studium ins Ausland kann, denn in den ersten Semestern geht das selten. Dann das Akademische Auslandsamt der Heimatuni fragen, denn die wissen am besten bescheid, welche Austauschverträge bestehen, d.h. zu welchen schwedischen Hochschulen man kann.

Der Rest ergibt sich.