Das Leben in Schweden ist generell etwas teurer als in Deutschland. Ein Studentenzimmer erhält man selbst an kleinen Studienstandorten kaum unter 250 € im Monat, und auch die allgemeinen Lebenshaltungskosten wie die Preise für Lebensmittel liegen etwas höher. Zudem sind Heimaturlaube naturgemäß teurer. Das alles muss finanziert werden. Diese Seite soll ein paar Wege aufzeigen und Fragen beantworten.

Studentenrabatte

Zu Beginn sollte man vielleicht etwas zum Thema Studentenrabatte sagen.

Es gibt sie – jedes Semester, wenn ich meinen Studentenausweis zugeschickt bekomme, ist eine Broschüre dabei, was ich denn nun alles zu vergünstigten Preisen kaufen könnte. Das Problem bei den meisten dieser Rabatte scheint mir zu sein, dass sie einem vorwiegend Dinge andrehen wollen, die man unter normalen Umständen gar nicht gekauft hätte. Der Einsparungseffekt kann also durchaus bezweifelt werden.
Auch vermeintlich interessante Angebote würde ich kritisch beäugen. So gibt es z.B. die Seite studentdator.se, die Studenten zum Vorzugspreis Computer verkauft. Ich habe einen natürlich nicht repräsentativen Vergleich bei den Laptops gemacht und festgestellt, dass es sich dabei um Standardmodelle handelt, die dann etwas mehr Arbeitsspeicher haben. Dasselbe Modell ohne besagte Arbeitsspeicheraufrüstung wäre für rund 100 € weniger bei anderen Anbietern zu haben – also selbst mit Aufrüstung ist der Preis bestenfalls konkurrenzfähig, aber kein einzigartiges Schnäppchen.

Abgesehen davon gibt es aber trotzdem Rabatte, die hilfreich sein können. So haben SJ, die nationale schwedische Bahngesellschaft, und Swebus Express, Betreiber von Fernbuslinien, eine Kategorie für Studenten. Billiger sind diese häufig, aber nicht immer. Im öffentlichen Nahverkehr kommt es darauf an. Der Verbund Skånetrafiken, der u.a. auch Malmö bedient, bietet nach meiner groben Schätzung rund 20% Rabatt für Studenten. Für Fahrten über den Öresund nach Dänemark zahlt der Student sogar 35% weniger. In Göteborg gibt es 25% Rabatt. Dort gibt es für die Studenten an der Technischen Hochschule Chalmers auch eine eigene Karte, die nur auf bestimmten Linien gilt. In Uppsala konnte ich hingegen nichts dergleichen finden. Die verbundüberschreitende Kooperation im Mälardalengebiet, TiM, die u.a. Uppsala, Stockholm, Västerås und Eskilstuna, Örebro, Nyköping und Norrköping umfasst, hat je nach Konstellation einen kleinen Studentenrabatt. In Stockholm sträubte man sich lange, einen Studentenrabatt einzuführen. Nun gibt es die Studentkort, die gut 30% Rabatt im Vergleich zu normalen Monatskarten gibt. Auch im Vergleich mit einer normalen Jahreskarte ist sie rund 25% billiger. Allerdings hat sie zwei Nachteile. Die Frühjahrsstudentenkarte läuft Mitte Juni aus, aber die Herbststudentenkarte fängt frühestens Ende August an – in der Zeit dazwischen gibt es nur die Sommerferienkarte, die aber nur für Schüler, nicht für Studenten zur Verfügung steht. Man muss also mit normalen Karten fahren. Außerdem wird die Studentenkarte im Gegensatz zu anderen Dauerkarten bei Verlust nicht ersetzt.

Auch Zeitungen bieten Studentenpreise an. Allerdings ist das in Deutschland so beliebte Studenten-Probeabo, bei dem man einfach ein Probeabo abschließt und es gleich wieder kündigt, hier anscheinend nicht so üblich.

Viele deutsche Studenten lassen sich über eine Bescheinigung vom Sozialamt von der GEZ-Gebühr befreien. In Schweden gibt es ein ziemlich ähnliches Gebührensystem wie in Deutschland, in dem aber nur Fernseher meldepflichtig sind, keine Radios. Die schwedische Entsprechung zur GEZ heißt trotzdem Radiotjänst und wird zum Thema Studenten sehr deutlich: wer 18 ist und einen Fernseher hat, zahlt die volle Gebühr von derzeit 173 kr pro Monat, egal ob Student oder nicht.

Steuerlich werden Studenten nicht generell bevorzugt, aber es gibt eine Ausnahme. Für Sommer- und Nebenjobs, bei denen der Lohn unter 18200 kr (Stand 2009) bleibt, kann mit Hilfe eines einfachen Formulars erreicht werden, dass der Lohn unversteuert ausgezahlt wird. Auch darüber kann eine reduzierte Steuer angesetzt werden. Soweit ich das aber verstehe, zahlt der Sommerjobber trotzdem voll Steuern – lediglich der Steuerausgleich wird vorgezogen, so dass man nicht auf die Bearbeitung der Steuererklärung im Jahr darauf warten muss.

Die Möglichkeiten zum günstigeren Leben sind also vielleicht etwas geringer als in Deutschland, aber durchaus vorhanden. Nicht vergessen bei dem ganzen sollte man, dass Studentenwohnheime auch eine gewisse Form des Rabatts sind, denn diese Wohnform findet sich auf dem freien Markt nur sehr eingeschränkt.

Fast alle genannten Rabatte erfordern den Besitz einer Studentkortet, einer Mecenat-Kort (diese beiden erhält man in der Regel von der Uni zugeschickt) oder einer CSN-Kort (eher für andere Ausbildungen). Das sind die drei gängigen Typen von Studentenausweisen in Schweden, von denen eigentlich jeder Student mindestens einen hat und die auch gemeinhin problemlos anerkannt werden. In manchen Fällen sind auch internationale Studentenausweise (ISIC) zugelassen, aber z.B. bei der Stockholmer Nahverkehrskarte ausdrücklich nicht.

Staatliche Fördermittel aus Deutschland

Nun aber zu weiteren Möglichkeiten, sich das Leben in Schweden zu finanzieren.
Für Deutsche liegt hier natürlich erst einmal das BAföG nahe. Dieses kann theoretisch auch für eine Ausbildung gezahlt werden, die komplett im Ausland stattfindet. Jedoch muss hierbei der ständige Wohnsitz im Inland verbleiben. Dieser ist im Sinne des Gesetzes dann im Inland, wenn die Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland nur vorübergehender Natur ist, d.h. man zumindest beabsichtigt, nach dem Ende der Ausbildung nicht im Ausland zu verbleiben. Ob man sich damit ein 5jährige Vollzeitausbildung in Schweden unterstützen lassen kann, ist da natürlich Interpretationssache, denn wer schon von Anfang erkennen lässt, dass er gar nicht vor hat, zurückzukommen, wäre auch nicht mehr förderungswürdig im Sinne dieses Gesetzes. Jedoch räumt das Gesetz auch ein, dass man während des Aufenthalts seine Meinung ändert. Das Ganze ist also mehr eine Frage, wie die Behörden diese Maßgaben praktisch umsetzen. Ein Nachteil des BAföG ist auch die aufwändige Antragstellung und die Gefahr, bei fehlerhaften Angaben bestraft zu werden. Bei vollem Fördersatz wäre ein Leben in Schweden gerade so möglich, aber den erhalten natürlich längst nicht alle. Hat man vor dem Studium schon einige Zeit in Schweden gelebt, dürfte diese Möglichkeit ohnehin kaum noch bestehen.

Eine weitere Förderungsmöglichkeit aus Deutschland ist das Kindergeld, das bei Erfüllung aller Voraussetzungen noch bis zum 25. Lebensjahr gezahlt werden kann. Jedoch wird es in der Regel natürlich an die Eltern gezahlt, nicht an den Studenten direkt.

Staatliche Fördermittel aus Schweden

Natürlich gibt es auch ein schwedisches Pendant zum BAföG. Dieses wird meist CSN genannt, nach der Behörde, die es vergibt.
Als EU-Bürger, liechtensteinischer oder schweizer Bürger ist man nur förderungswürdig, wenn man eine der folgenden Bedingungen erfüllt:

  • Man hat eine permanente Aufenthaltsgenehmigung bzw. permanentes Aufenthaltsrecht (für EU-Bürger). Dieses erhält man jedoch erst nach 5 Jahren in Schweden.
  • Man bildet sich innerhalb seines eigenen Berufs weiter.
  • Man hat mindestens zwei Jahre lang in Schweden gewohnt und gearbeitet.
  • In bestimmten Fällen kann man auch gefördert werden, wenn man nahe Angehörige in Schweden hat, die hier arbeiten. Auch wenn man seit mindestens zwei Jahren als Lebenspartner oder Ehepartner eines EU-Bürgers in Schweden lebt, kann eine Förderung möglich sein.

Dies schränkt die Möglichkeiten für alle diejenigen, die erst mit der Aufnahme des Studiums nach Schweden kommen, natürlich erheblich ein.
Für alle, die gefördert werden können, sei ein bisschen das System erklärt.

Die Studienförderung übernimmt in der Altersgruppe 16 bis 20 die Rolle des Kindergeldes. Man bezeichnet dies als „studiestöd“ (Studienunterstützung). Ab 20 gibt es dann die für weiterführende Studien vorgesehenen Mittel.

Der Umfang der Fördermittel bestimmt sich vor allem daraus, ob man Vollzeit- oder Teilzeitstudent ist. Auch werden die Mittel nicht pauschal vergeben, sondern nur für die Wochen, in denen auch studiert wird. Daher sind Sommerjobs auch so populär, denn im Sommer erhält man kein Geld von CSN. Die Förderung wird maximal über 240 Vollzeitstudienwochen gewährt, was ungefähr 6 Jahren Vollzeitstudium entspricht. Bei einem Zweitstudium kann es jedoch entsprechend erweitert werden.

Die Förderung besteht aus zwei Teilen, die unter dem Begriff studiemedel (Studienmittel) zusammengefasst werden:

  • Studiebidrag (Studienbeitrag): diese Förderung muss nicht zurückgezahlt werden. Bei Vollzeitstudium beträgt sie derzeit 2684 kr (Stand 2009) pro Monat.
  • Studielån (Studienkredit): hier muss natürlich nachher zurückbezahlt werden, und zwar im Gegensatz zum BAföG auch mit Zinsen. Diese sind allerdings in der Regel deutlich niedriger als die marktüblicher Kredite. Die Zinsen betrugen hier 2,1% im Jahr 2008 – unter normalen Bedingungen fast geschenkt, in der Krise aber natürlich nicht mehr so. Die günstigen Konditionen fördern auch eine besondere Art der Zweckentfremdung. So finanzieren manche Leute ihre Wohnungen mit Hilfe der Studienförderung, während sie in Wirklichkeit von ihren Eltern unterstützt werden. Solange der Wert der Wohnung steigt, ist das ein ausgesprochen gutes Geschäft. Der Studielån beträgt derzeit maximal 5136 kr im Monat.

Für Studenten mit Kindern und Leute über 25 gibt es bei Bedarf noch die Möglichkeit, mehr zu erhalten.
Man kann die beiden Teile nicht getrennt betrachten. Wer beispielsweise nur eine 50%ige Förderung haben möchte, kann nicht den vollen Studiebidrag nehmen und nur weniger Kredit nehmen, sondern erhält beides nur anteilig.

Die Vergabe der Studienförderung ist an Einkommensgrenzen gebunden. Nimmt man beispielsweise 23 Wochen Studienunterstützung auf Vollzeit im Halbjahr, so liegt die aktuelle Grenze für dieses Halbjahr bei 45475 kr. Dies soll natürlich verhindern, dass man sich die Studienförderung als Zubrot nimmt, ohne wirklich zu studieren. Läuft man aber auch so Gefahr, die Grenze zu erreichen, ist CSN sehr flexibel. Man kann dann einfach anrufen und darum bitten, die nächsten Zahlungen entsprechend zu reduzieren oder ganz einzustellen.

Über die Grenze zu kommen ist nämlich nicht erstrebenswert. Alles Geld, was man zuviel erhalten hat, muss man mit einem marktüblichen Zins zurückzahlen, der natürlich viel höher liegt als der normale Zinssatz. Kann man die Rückzahlung nicht auf einmal leisten, kann sie auf Antrag aufgeteilt werden.

Die Rückzahlung nach dem Studium wird von CSN festgelegt, wobei man maximal 25 Jahre bezahlen und bis zum 60. Lebensjahr fertig sein soll. Ob man ein Einkommen hat oder nicht, spielt erst einmal keine Rolle. Wie man an der langen Rückzahlungszeit von 25 Jahren sieht, kommt hier wieder das etwas andere Verhältnis der Schweden zu Schulden ins Spiel. Während es beim BAföG sogar einen Bonus gibt, wenn man schnell zurückzahlt, kann man sich beim CSN ziemlich viel Zeit lassen.

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass die Mittel von CSN im Gegensatz zum BAföG vollkommen unabhängig davon sind, was nahe Angehörige an Einkommen haben.
Sehr erfreulich an CSN ist auch die im Vergleich zum BAföG geradezu kinderleichte Beantragung. Ein zweiseitiges Formular genügt. Es müssen auch nicht viele Dokumente eingeschickt werden.

Studienkredite

Jenseits dieser staatlichen Förderungsmöglichkeiten gibt es natürlich auch noch Möglichkeiten, Studienkredite bei Banken aufzunehmen. Ich habe vor einiger Zeit gehört, dass die KfW solche Kredite auch für Auslandsstudien anbiete. Laut deren Homepage ist dem aber nicht so.

Schwedische Banken bieten auch Kredite. Als Beispiele habe ich mal bei der SEB geschaut, die diese Utbildningslån nennt, und bei der Nordea, die sie Studentlån nennt. So hat die SEB diesen Kredit im Angebot, bei dem man 200.000 kr aufnehmen kann. Bei der Nordea gehen anscheinend nur 20.000 kr.
Die Details solcher Kredite muss man natürlich dann einholen, wenn eine entsprechende Entscheidung ansteht. Jedoch sieht mir keines dieser Angebote so aus, als ob man damit mehr als einen Bachelor voll finanzieren könnte. Zudem muss man das Geld danach sofort zurückbezahlen, was natürlich erfordert, dass man gleich über ein Einkommen verfügt. Ich habe also meine Zweifel, dass dies einen vollwertigen Ersatz für staatliche Mittel darstellen kann – soll es vermutlich auch nicht.

Stipendien

Etwas weniger bekannt ist, dass es auch Stipendien gibt, mit denen man einen Teil seines Studiums finanzieren kann.

Nur muss man eines bekommen, und dazu kann ich nicht viel sagen, da ich mich nie um eines bemüht habe.

Es gibt jedoch einige Übersichtsseiten im Netz:

  • Lycknis: Portal, das neben billigen Studienbüchern auch eine Stipendiendatenbank anbietet – aber nur, wenn man sich einen Account zulegt.
  • Finansportalen: diese Seite enthält eine Liste von Organisationen, die Stipendien vergeben.
  • Kulturnät Sverige: ebenso eine Liste
  • Noch eine Liste
  • Svensk Stipendieförmedling: hierbei handelt es sich offenkundig um ein kommerzielles Angebot. Hauptgeschäftszweig scheint der Verkauf einer Liste zu sein, die Informationen zu rund 1600 Angeboten enthält. Derzeit kostet die Liste 268 kr inkl. Porto. Die Liste ist anscheinend auch in Bibliotheken erhältlich, wobei dies dann nicht unbedingt die aktuelle Ausgabe sein dürfte. Ich habe die aktuelle Ausgabe einmal durchgesehen. Leider ist nicht alles selbsterklärend – so steht hinter jedem Stipendienangebot ein Zahlencode der Art „6/1,5“ – ich konnte keine Legende in dem Buch finden, der das erklärt.
  • Stipendier.se: eine Vermittlungsagentur, die passende Stipendienstifter heraussuchen will.

Inwieweit man hiermit ein Studium finanzieren kann, ist natürlich fraglich. Die allermeisten Stipendienangebot beschränken sich naturgemäß auf einen bestimmten Fachbereich. Jedoch fallen für einen ausländischen Studenten zwei Typen von Stiftungen von vorneherein weg. Das sind zum ersten (fast) alle Stiftungen, die sich der Freundschaft zu einem bestimmten Land verschrieben haben. Die schwedisch-japanische Vereinigung wird einen deutschen Studenten natürlich nicht fördern. Auch eine deutsch-schwedische Organisation wird bevorzugt Studien fördern, die wiederum etwas mit Deutschland zu tun haben. Zum zweiten gibt es zahlreiche Stiftungen, die ausdrücklich nur schwedische Staatsbürger fördern oder nur Studenten, die aus einer bestimmten Region Schwedens kommen. Dies alles macht die Menge in Frage kommender Stiftungen kleiner als bei schwedischen Studenten.

Einen Versuch ist es wert, denke ich.

Krankenversicherung

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf das Thema Krankenversicherung eingehen, da dieses doch viele Studenten umtreibt, die nach Schweden kommen. Es ist leider auch kein einfaches Thema.

Prinzipiell ist jeder bei der Försäkringskassan versichert, der in Schweden lebt oder arbeitet – also jeder, der eine Personnummer hat. Jedoch sieht das EU-Aufenthaltsrecht vor, dass nur der in einem anderen EU-Land leben kann, der entweder dort Arbeit hat oder sich selbst versorgen kann – letzteres nur unter der Bedingung, dass er sich auch selbst krankenversichert. Der Zweck des ganzen ist natürlich, dass dem Gastland keine unnötigen Kosten entstehen. Daher muss ein Student bei der Anmeldung beim Migrationsverket auch nachweisen, dass er eine Krankenversicherung hat. Dieser Logik folgend muss sich jeder Student, der in Schweden keiner Beschäftigung nachgeht, selbst versichern.

Die Försäkringskassan legt in dieser Sache ein etwas merkwürdiges Verhalten an den Tag. Sie setzt die beschriebene Situation so um, dass sie Studenten ohne Beschäftigung in Schweden einfach nicht als wohnhaft in Schweden betrachtet. Eine seltsame Begründung, aber allem Anschein nach rechtens.

Mir selbst ging es so, dass mir dies in einem etwas obskuren Brief mitgeteilt wurde. Es seien deswegen „keine weiteren Maßnahmen“ getroffen worden, hieß es da, was wohl die amtsschwedische Formulierung dafür ist, dass man mich nicht registriert hatte – dies fiel aber erst zwei Jahre später beim vergeblichen Versuch der Bestellung einer europäischen Krankenversicherungskarte auf, denn zum Arzt konnte ich erstaunlicherweise ohne Probleme. Bis heute habe ich keine Rechnung für die Behandlungen jener Zeit erhalten.

Für Erasmus-Studenten ist das alles kein Problem, denn diese melden sich in aller Regel nicht aus dem Heimatland ab und sind daher noch zuhause versichert.

Es stellt aber Studenten, die auf länger Zeit hier sind, vor zwei Probleme. Zum ersten ist der Kontakt mit der Försäkringskassan für einen Neuankömmling sowieso schon schwer genug, weil die Behörde anscheinend ein eher gemütliches Arbeitstempo pflegt und Anträge schonmal monatelang herumliegen. Zum zweiten sitzt man als Student zwischen allen Stühlen. In Deutschland hat er sich vielleicht schon abgemeldet, und in Schweden weigert sich die Försäkringskassan, die Versicherung zu übernehmen.

Eine Patentlösung für dieses Problem kann ich leider nicht bieten.

Für viele Studenten wird es wohl am einfachsten sein, auch wegen des BAföG in Deutschland gemeldet zu bleiben und sich dort über die Familie zu versichern. Sobald man dann einen Sommerjob und Nebenjob hat, sollte auch die Möglichkeit bestehen, sich bei der Försäkringskassan anzumelden. Wenn man dies möchte, denn wegen der bekannten Schwächen des schwedischen Gesundheitssystems mit seinen teilweise enormen Wartezeiten ist es gar nicht mal schlecht, dass man sich bei Bedarf auch in Deutschland als normaler Kassenpatient behandeln lassen kann, ohne sich nachher mit der Försäkringskassa lange beraten zu müssen.

Eventuell besteht aber auch die Möglichkeit, in Deutschland versichert zu bleiben, auch wenn man nicht mehr dort lebt. Darüber habe ich leider keine genaueren Informationen, aber ich nehme stark an, dass es unbezahlbar teuer ist.

Das, was gerne als „Auslandskrankenversicherung“ bezeichnet wird, ist in der Realität in der Regel eine Reisekrankenversicherung. Die Reisen sind hierbei meist auf weniger als 2 Monate beschränkt. Ohne sich des Versicherungsbetrugs schuldig zu machen, wird man diese Angebote also nicht nutzen können.

Zu der Zeit, als ich nach Schweden kam, hatte die KTH ein Abkommen mit einer Versicherung, die eine recht günstige (ca. 130€) Krankenversicherung für ein Jahr anbot und die man auch verlängern konnte. Es handelte sich dabei um die Gesellschaft Gefvert, die eine solche Versicherung auch heute noch anbietet, wenn auch mittlerweile zum doppelten Preis. Da ich die Leistungen dieser Versicherung wie oben erwähnt nie in Anspruch nehmen musste, kann ich über die Qualität und Seriösität nichts sagen. Laut Beschreibung deckt sie jedoch auch Behandlungen in ganz Europa (außer Schweiz) ab, so dass man sich zumindest nachträglich die Kosten von eventuellen Behandlungen während des Heimaturlaubs erstatten lassen kann.

Ob es noch andere Versicherungen dieser Art gibt, weiß ich nicht.

Sonstige soziale Absicherung

Wegen des genannten EU-Aufenthaltsrechts sollte man sich auch bei sonstigen sozialen Absicherungen bewusst sein, dass die Försäkringskassan die zentrale Institution für alle Sozialleistungen ist. Ohne Anmeldung dort gibt es z.B. kein Kinder- und Krankengeld – darauf besteht auch nicht unbedingt Anspruch, wie oben erläutert wurde. Das europäische Sozialrecht ist aber ziemlich komplex, weswegen sich im Falle eines Falles schon noch Lösungen auftun können. Abhalten sollte das jedenfalls niemanden, ein Studium in Schweden aufzunehmen.

Als Student kann man theoretisch auch Mitglied in der Arbeitslosenversicherung (A-Kassa) sein. Um aber dort einzutreten muss man schonmal regulär in Schweden gearbeitet haben. Zudem kostet die Mitgliedschaft gut und gerne 40 € im Monat – in Anbetracht der Tatsache, dass es meist dann gar keinen Lohn gibt, den die Arbeitslosenversicherung ersetzen könnte, macht das aus meiner Sicht wenig Sinn.

Update 23.7.2009: Der Abschnitt zur Krankenversicherung war anscheinend nicht so ganz durchsichtig. Ich habe ihn daher umgeschrieben.