Urteilsverkündung im Arboga-Fall am Montag

Am Montag wird das Urteil im Arboga-Fall verkündet. Knapp einen Monat nach den Schlussplädoyers hat das Gericht also eine Entscheidung getroffen.

Sollte Christine S. verurteilt werden, wird sie ihre Strafe voraussichtlich in Deutschland absitzen.

In zwei Briefen hat sie sich an das Gericht gewandt.

Hier ein Auszug, wie er heute in Expressen zu lesen ist:

Hiermit schicke die DVD (Backup), die ich versprochen hatte, einzureichen. Die DVD/das Backup meiner Bilder wurde am 5. Dezember erstellt, und es findet sich auf ihr kein Foto des Hauses, in dem das Verbrechen geschehen ist, wie ich es in meiner Aussage vor dem Gericht in Västerås gesagt habe. Ich bin mir bewusst, dass es zu spät ist, „Beweismaterial“ einzureichen, und dass das Gericht sie wahrscheinlich ignorieren wird, aber es hat lange gedauert, die DVD zu finden. Es handelt sich nicht um neues Material, und ich hatte versprochen, die DVD einzureichen. Ich will nur mein Versprechen halten.

Weiterhin hat sie sich über die „mangelhafte und nachlässige“ Untersuchung des Falles beschwert. Sie verlangt die Bildung einer Untersuchungskommission.
Ihr Anwalt Per-Ingvar Ekblad wusste von den Briefen nichts. Die ungeschickte Formulierung kann man ihr aber nachsehen, denn beide Briefe wurden auf schwedisch verfasst.
Die Staatsanwaltschaft sah sich zu keiner Reaktion veranlasst, denn das Hovrätt (ca. Oberlandesgericht) ist für deren Überprüfung gar nicht zuständig.

Wenn man das ganze Verfahren anschaut, bleibt ein verstörender Gesamteindruck.
Anscheinend hat Christine S. schon vor einiger Zeit aufgehört, auf ihren Anwalt zu hören. Darauf deutet auch der Ausbruch im Gericht hin, als sie versuchte, Briefe vorzulesen, um ihre Sicht der Dinge zu belegen. Sie hat immer noch nicht begriffen, um was es eigentlich geht. Als wäre sie des Falschparkens angeklagt, glaubt sie die vermeintliche Ungerechtigkeit des Systems an den Pranger stellen zu können. Dass gewaltige Mengen Indizien gegen sie vorlegen und sie bis heute kein glaubwürdiges Alibi liefern konnte, ficht sie anscheinend nicht an. Es ist anzunehmenderweise kaum mehr als eine Masche. Erst glaubte sie, sie könne durch Kooperationsverweigerung einen Freispruch aus Mangel an Beweisen erreichen. Nun, da es für sie eng wird, stilisiert sie sich als Opfer des Systems, als Märtyrerin ohne Ziel.
Der aktuelle Versuch zeigt auch, wie entrückt von der Realität sie mittlerweile ist. Wer soll ihr ernsthaft glauben, dass es über ein Jahr gedauert hat, eine DVD zu finden? Zumal diese DVD entscheidende Fragen nicht beantwortet. Wenn ihr wirklich an einer Entlastung gelegen wäre, hätte sie beispielsweise die Freunde benennen können, die sie am Tattag angeblich abgeholt haben. Diese hätten ihr ein wasserdichtes Alibi bescheren können. So muss wohl davon ausgegangen werden, dass es sie gar nicht gibt.

Sollte Christine S. am Montag verurteilt werden, hat sie voraussichtlich mindestens 15 Jahre Zeit, darüber nachzudenken.

Es geht wieder los: Arbogamord wird neu verhandelt

Die 32-jährige Christine S., die im August wegen des Mordes an zwei kleinen Kindern sowie des versuchten Mordes an deren Mutter verurteilt wurde, ist wie erwartet in Berufung gegangen. Seit heute morgen, 9 Uhr, wird in Västerås vor dem Tingsrätt verhandelt, was laut Radio Schweden einem Oberlandesgericht gleichkommt.

Die Verhandlung soll am 22. Dezember abgeschlossen werden. Weihnachtliche Stimmung wird dabei kaum aufkommen, denn die Details sind bereits bekannt.
Neue handfeste Beweise sind nicht zu erwarten, aber es gibt neue Zeugen. Die Anklage will eine neue deutsche Zeugin verhören, die Christine S. im Sommer 2007 in Kreta getroffen haben soll. Die Angeklagte habe damals geäußert, dass sie einen skandinavischen Mann liebe, dessen Kinder der Beziehung im Weg stünden. Die Verteidigung begann daher gleich mit einem Antrag der Verteidigung, die Hauptverhandlung zu verschieben. Es gäbe drei namentlich bekannte Zeugen, die sich in Mitteleuropa befänden und bestätigen könnten, dass Christine S. zu jener Zeit gar nicht auf Kreta war.
Die Verteidigung hat außerdem eine Zeugin, die bestätigen soll, dass Christine S. gar kein ernsthaftes Verhältnis mit dem Stiefvater der ermordeten Kinder hatte haben wollen. Dies soll das Motiv entkräften, die Angeklagte sei von dem Stiefvater besessen gewesen und habe den Mord begangen, um sämtliche Hindernisse für eine Beziehung aus dem Weg zu räumen.

Man darf gespannt sein, wie die höhere Instanz den Berg von Indizien und die vollkommene Abwesenheit direkter Beweise bewerten werden.

Eines ist sicher: die wertende Berichterstattung samt Vorverteilung in der schwedischen Presse wird weitergehen. Expressen legt heute schonmal vor und spricht von der „eiskalten Taktik“ der Angeklagten, sich auf den Prozess vorzubereiten.

Nur eines ist sicher: die Angeklagte wird unabhängig vom Ausgang des Verfahrens nie wieder in der Lage sein, sich normal in Schweden zu bewegen. Sie müsste um ihr Leben fürchten, denn ihr Name und ihr Gesicht sind schon überall in den Medien gewesen.

Update (12:50 Uhr): Laut expressen.se befinden sich die drei Entlastungszeugen nicht in Mitteleuropa, sondern in Griechenland. Das Gericht legte eine Pause und wies dann den Antrag der Verteidigung ab. Der Prozess wird also wie geplant fortgesetzt.

Einige interessante Details, die mir vorher nicht bekannt waren, befinden sich ebenso in dem Artikel:

  • Die Anklage sagt, sie hätte ein Reisetagebuch von Christine S., das das Zusammentreffen mit der neuen Zeugin belegt.
  • Christine S. zog laut Anklage im Sommer 2007 nach Schweden, ohne eine Wohnung und einen Job zu haben. Das widerspricht natürlich der Behauptung der Angeklagten, der Umzug sei nicht wegen des Stiefvaters der ermordeten Kinder erfolgt.
  • Sie hatte weiterhin angegeben, im Januar in Örebro gewesen zu sein. Dies ist laut Anklage ebenso falsch, da der Kilometerstand des Mietwagens sich nur um 300 km geändert habe. Örebro liegt knapp 200 km westlich von Stockholm, Arboga jedoch nur 150 km in dieselbe Richtung.
  • Die Handydaten aus dem Fürhjahr 2008 zeigen, dass Christine S. in Arboga war.