Ich kann schlecht Reporter spielen, aber möchte über die gestrigen Ereignissen einige Dinge anfügen, die in deutschen Medien vielleicht bislang gar nicht oder nur verkürzt zu finden sind.

Hier eine Übersetzung der Bekennermail, die bei der Nachrichtenagentur TT einging (arabische Teile sind kursiv):

Im Namen des barmherzigen Gottes. Gebet und Frieden dem Prophen Mohammed, Friede sei mit ihm.

Im Namen des barmherzigen Gottes:
Sehr kurz und umfassend an Schweden und das schwedische Volk. Dank Lars Vilks und seinen Malereien des Propheten Mohammed, Friede sei mit ihm, und euren Soldaten in Afghanistan und euer Schweigen über all dies sollen eure Kinder, Töchter, Brüder, Schwestern genauso sterben wie unsere Brüder und Schwestern und Kinder sterben.

Nun hat der islamische Staat erfüllt, was sie [sic!] euch versprochen haben . Es gibt uns nun hier in Europa und in Schweden, wir sind eine Wirklichkeit, keine Erfindung, mehr will ich dazu nicht sagen.

Unsere Aktionen werden für sich selbst sprechen. Solange ihr euren Krieg gegen den Islam und die Erniedrigung des Propheten, Friede sei mit ihm, und eure dumme Unterstützung für das Schwein Vilks nicht beendet.

Und zu allen Muslimen in Schweden sage ich: hört auf zu kriechen und euch zu erniedrigen für ein erniedrigendes Leben weit entfernt des Islam. Helft euren Brüdern und Schwestern und fürchtet niemanden und nichts, nur Gott, den ihr anbetet.

Und an meine Familie: versucht mir zu vergeben. Ich konnte nicht sitzen bleiben und zuschauen wenn alles Unrecht gegen den Islam und den Propheten Mohammed, Friede sei mit ihm gescheht, wenn das Schwein tat, was er tat. Vergebt mir meine Lügen. Ich fuhr nie in den Nahen Osten, um zu arbeiten und Geld zu verdienen, ich fuhr dorthin für den Dschihad. Ich hoffe, ihr könnt mich irgendwann verstehen. Ich hätte euch oder jemand anderem das alles niemals erzählen können. Meine liebe Frau und Kinder, ich liebe euch. Ich liebe dich, meine Frau. Meine Liebe für dich war nie eine Lüge. Vergib mir, wenn ich dir etwas nicht erzählt habe. Küsse die Kinder von mir. Sag ihnen, dass Papa sie liebt, sie immer lieben wird.

Zum Schluss grüße ich alle Mudschahidin, vergesst mich nicht in euren Gebeten. Betet für mich. Betet für mich, weil die Musline hier in Schweden so erniedrigt sind, dass sie für Nicht-Muslime in ihren Moscheen beten. Und zum Schluss an alle Mudschahidin in Europa und Schweden: jetzt wird es Zeit, zuzuschlagen, wartet nicht länger. Tut es mit was auch immer ihr habt, auch wenn es ein Messer ist, und ich weiß, dass ihr mehr habt als ein Messer. Fürchtet niemandem, fürchtet kein Gefängnis, fürchtet nicht den Tod.

Ich sage mein Wort und ich bete zu Gott, mir zu vergeben und euch zu vergeben. Brüder. Die Treuen.

Die Übersetzung ist natürlich ohne Gewähr. Ich weiß zur Stunde, zu der viele Dinge noch nicht aufgeklärt sind – eingeschlossen die Echtheit dieses Textes – nicht so recht, was ich davon halten soll.

Neben dem ganzen Fanatismus spricht eine große Traurigkeit aus diesen Zeilen.

Das Auto, in dem die Bombe war, gehörte einem 28-jährigen Mann, der im småländischen Tranås lebt und heute Geburtstag gehabt hätte. Er sei in Bagdad geboren, lebe sei seit 1992 in Schweden und habe zeitweise in England gelebt, wo er ein Studium zum Sporttherapeut machte.

Laut Expressen gehörte er vielleicht zu den Männern, die regelmäßig in der Fußgängerzone in der Drottninggatan stehen und dort Schilder mit Werbung für Restaurants hochhalten. Sollte das stimmen, dann wundert mich nicht, dass so jemand langsam aber sicher dem Wahnsinn verfällt. Seine Tage als menschliches Werbeschild zu verbringen ist einer der deprimierendsten Jobs, die ich mir vorstellen kann. Schlüssig scheint mir aber der Zusammenhang nicht zu sein. Wenn er wirklich in Tranås lebt, dann wird er wohl nicht in Stockholm gearbeitet haben. Das macht geographisch keinen Sinn.

Das ist aber alles im Moment spekulativ. Ich begrüße es jedenfalls, dass die schwedische Regierung besonnen reagiert, und hoffe inständig, dass sie nicht in innenpolitischen Aktionismus verfällt. Das Ganze sollte zu keinem Wind auf den Segeln der Islamophoben und Überwachungsfanatiker werden.

Alles weitere wird man abwarten müssen.