Links: alte Karte, rechts: neue Karte

Gestern erhielt ich von meiner Hausbank SEB eine neue Maestro-Karte. Das kommt mir natürlich sehr recht, denn mit der alten hatte ich wiederholt Chipprobleme. Die Vorderseite hat sich nicht nennswert verändert, aber beim Blick auf die Rückseite fiel mir etwas auf.

Auf der alten stand:

Reward given to the finder of this card. Please send this card, cut in two pieces, to Skandinaviska Enskilda Banken AB, SE-103 83 Stockholm, Sweden.

Customer Service +46 771 365 365

Auf der neuen hingegen nur noch:

Customer Service +46 771 365 365

Nun kann man getrost davon ausgehen, dass es sich nicht um ein Bekenntnis zu neuer Schlichtheit handelt. Ich wundere mich darüber.

Zwar könnte man vermuten, dass es am Herstellerwechsel liegt: 2008 war das noch die schwedische XPonCard Group AP, heute ist es die französische Firma Oberthur Technologies. Das ist aber nur ein vermeintlicher Unterschied, denn XPonCard wurde 2008 von Oberthur aufgekauft, und man kann wohl annehmen, dass sich im Herstellungsprozess nicht so wahnsinnig viel verändert hat. Zudem habe ich eine andere neuere SEB-Maestro-Karte hier, die von Oberthur hergestellt wurde und den Hinweis enthält. Auch eine neue Visa-Karte der SEB enthält das Finderlohnangebot.

Die SEB ist also sicherlich immer noch bereit, verlorene Karten per Post entgegenzunehmen. Man muss davon ausgehen, dass jemand bei der SEB aktiv die Entscheidung getroffen hat, diesen Hinweis zu entfernen. Eine Mitteilung darüber ist mir nicht bekannt, und ich konnte auch nichts darüber auf der SEB-Homepage finden.

Nun wissen wir alle seit 2008, dass Banken bemitleidenswerte Wesen sind, die in ihrem Gewinnstreben jäh durch Risiken in ihren Geschäften und der daraus resultierenden Verantwortung für ihre Handlungen gestoppt wurden. Glücklicherweise waren die Staaten so nett, ihnen Risiken, Verantwortung und netterweise gleich auch noch jegliche Haftung für ihre Unternehmungen abzunehmen, so dass sie künftig sorgenfrei spekulieren, leihen und vor allem verleihen können. Aber natürlich habe ich volles Verständnis dafür, dass nach dieser schweren Lektion künftig die Boni der Bankmitarbeiter nicht durch etwaige Finderlöhne für verlorene Maestro-Karten auf’s Spiel gesetzt werden können.

Jedoch frage ich mich, ob es nicht allgemein sinnvoll ist, den hoffentlich wohlwollenden Finder der Karte darauf hinzuweisen, was er mit dieser machen soll. Ist es etwa besser, wenn die Karte nachher irgendwo im Hausmüll landet? Wohl kaum.
Wenn man also die anscheinend heimliche Entfernung dieses Hinweises nicht als eine Frechheit deuten soll, so ist es dennoch eine unbedachte Schnapsidee erster Güte.

Ich habe die SEB mal gefragt, wie es denn dazu gekommen ist. Ich bin gespannt.