Sie sind überall: Menschen, die scheinbar mit sich selbst reden. Bei näherem Hingucken entdeckt man dann mehr oder weniger dezent angebrachte Freisprecheinrichtungen im Ohr. Während diese Erfindung in Deutschland häufig als albern empfunden wird, gehört sie zumindest in Stockholm zum Straßenbild.

Das ist aber nicht der einzige kleine Unterschied in der Telekommunikation. Diese will ich hier aufzeigen. Im Gegensatz zu anderen Teilen dieses Guides versuche ich nicht, umfassend zu beschreiben, denn bei der gewaltigen Menge von Tarifen und Anbietern wäre dies ein aussichtsloses Unterfangen.

Ich bitte zu beachten, dass sich das Preisgefüge und Angebot in diesem Bereich permanent ändert. Alle Angaben sind daher, soweit nicht anderweitig gekennzeichnet, vom Juli 2010.

Mobiles Telefonieren

Der Schwede als solcher gilt als ausgesprochen handyverrückt, was er angeblich mit seinem östlichen Nachbarn, dem Finnen, gemein haben soll. Abwegig erscheint mir das nicht. Im Gegenteil. Hier wird telefoniert und gesimst, immer und überall. Es funktioniert auch zumindest im städtischen Bereich überall – in der U-Bahn hat man permanenten Empfang, und Schweden gehörte zu den ersten Ländern, die schnelles 4G-Internet anbieten konnten.

Das wirkt sich auch auf die Preise aus: sie sind niedrig. Das möchte ich einmal so behaupten. So kosten derzeit Telefonate zu Handys in anderen Netzen nicht mehr als 7 Cent pro Minute – und das wohlgemerkt als Obergrenze bei Tarifen, die keine Grundgebühr kosten. Schon bei einigen Euro Grundgebühr im Monat sinkt der Minutenpreis erheblich. In Deutschland scheinen die Tarife mit viel Glück gerade irgendwo bei diesen 7 Cent loszugehen. Dies ist freilich nur eine Momentaufnahme, aber sie scheint mir typisch zu sein.

Hier eine kleine Liste von Mobilfunkanbietern (zunächst die vier Anbieter mit eigenem Netz, dann die Weiterverkäufer):

  • Telia: das schwedische Pendant zur Telekom.
  • Tele2 und Comviq: der größte Konkurrent, der gerne mit englisch sprechenden schwarzen Schafen Werbung macht. Ich bin selbst Kunde und recht zufrieden. Die Prepaid-Angebote werden unter der Marke „Comviq“ vertrieben.
  • 3: ein Anbieter, der vor allem auf mobiles Internet zu setzen scheint.
  • Telenor: dieser norwegische Anbieter hat 2005 das schwedische Netz von Vodafone übernommen.
  • Halebop: eine Tochterfirma von Telia, die Prepaidtarife anbietet.
  • Glocalnet: eine Tochterfirma von Telenor, die aber die komplette Produktpalette anbietet.
  • Superstar Mobile: der Name klingt billig und die Webseite sieht auch ein bisschen danach aus. Die Zielgruppe scheinen vor allem Einwanderer zu sein, denn die Webseite ist unter anderem in arabisch und serbisch verfügbar. Dementsprechend bestehen die Angebote aus Prepaidkarten mit billigen Auslandstarifen (derzeit ca. 5,5Ct/min nach Deutschland Festnetz, ca. 21 Ct/min nach Deutschland Mobil). Es wird das Netz von Telenor benutzt.
  • Parlino: ein Prepaid-Anbieter im Besitz von Tele2, der sich auf besonders billige Tarife zu anderen Mobilfunkanbietern zu konzentrieren scheint.
  • Universal Telecom: ein Anbieter einer breiteren Produktpalette, der ein Ableger einer portugiesischen Firma zu sein scheint. In Schweden wird das Netz von Telenor verwendet.
  • Djuice: ein Ableger von Telenor. Die Tarife scheinen mir auf den ersten Blick nicht sonderlich billig. Verkaufsargument ist hier anscheinend, dass man für alle Gespräche denselben Preis bezahlt.
  • Telespar: kleiner Anbieter, der nur wenige Tarife anbietet (alles Verträge). Trotz des Namens scheinen die Preise nicht sonderlich günstig zu sein. Derzeit liegen sie mit 99 Öre/min deutlich über dem, was bei der Konkurrenz so üblich ist.

Ich habe bewusst Tarifaussagen etwas außen vor gelassen. Der Tarifdschungel erlaubt es hier nicht, zu verallgemeinern. Zwei besonders gerne angebotene Tarifoptionen seien dennoch hervorgehoben. Zum Ersten sind dies die ganzen Tarife, die erlauben, im eigenen Mobilfunknetz mehr oder weniger gratis zu telefonieren (teilweise fällt eine Gebühr für den Aufbau des Gesprächs an). Dies soll natürlich dazu führen, dass sich Leute für den Anbieter entscheiden, den auch diejenigen haben, mit denen sie am häufigsten telefonieren. Ich verwende einen solchen Tarif. Zum Zweiten sind es Tarife, die besonders billige Tarife ins Ausland versprechen. Das ist natürlich als Einwanderer auch in Betracht zu ziehen. Allerdings sollte man sich zunächst überlegen, ob es hohe Priorität hat, mobil ins Ausland telefonieren zu können. Telefonate über das Internet sind in aller Regel nnämlich och deutlich billiger.

Einige weitere Dinge, die man beachten sollte:

  • Schweden ist ein großes Land mit niedriger Bevölkerungsdichte. So gut die Abdeckung in Städten ist, so schnell kann sie auf dem Land zu Ende sein. In kleinen Weilern mit wenigen Einwohnern fernab größerer Orte ist es für die kleineren Anbieter vielleicht nicht mehr rentabel, einen Mast aufzustellen. Das kann übrigens schon in etwas dünner besiedelten Teilen Süd- und Mittelschwedens der Fall sein, ist also keineswegs ein auf den hohen Norden beschränktes Problem. Dementsprechend ist „täckning“ (Netzabdeckung) in der Werbung nicht selten ein Verkaufsargument. Wohnt man auf dem Land, sollte man sich erkundigen, was dort am besten funktioniert. Gemeinhin sagt man Telia nach, die beste Netzabdeckung zu haben. Diese Untersuchung legt das aber nur für die Telefonie nahe, nicht für mobiles Internet. Insgesamt scheinen die Unterschiede nicht allzu groß zu sein.
  • Prepaidkarten sind im Allgemeinen anonym. Man muss also nicht viele Papiere ausfüllen, um an eine solche zu kommen. Vor allem aber bedarf es keiner Personnummer, was für Neuangekommene sehr angenehm ist. Daher ist es eine Überlegung wert, sich für einen Anbieter zu entscheiden, der auch Prepaid anbietet, und dann nach einiger Zeit auf einen passenden Vertrag zu wechseln.
  • Viele Prepaidkarten haben Sondertarife für Ausland bzw. netzinterne Telefonate nur zeitlich befristet. Soll heißen: wenn man eine Aufladung mit dem Sondertarif für Auslandstelefonate kauft, dann hat man diesen Tarif nur für einen bestimmten Zeitraum (z.B. 30 Tage). Sollte danach ein Restguthaben vorhanden sein, kann dies nur zu den Konditionen des teureren Standardtarifs tun. Wenn einem das mehrfach passiert, sollte man in Betracht ziehen, einen entsprechenden Vertrag abzuschließen.
  • Im Gegensatz zu Deutschland sind die Kosten beim Neukauf eines Handys nicht irgendwo in den Gebühren versteckt. Der Markt ist in Schweden viel transparenter. Zwar erhält man für den Abschluss eines Vertrages schon einen Bonus, aber erst jenseits einer Monatsgebühr von 20€ und einer längeren Vertragslaufzeit erreicht dieser eine nennenswerte Höhe. Bei den Vertragslaufzeiten kann man meist zwischen 0 Monaten, 12 Monaten, 18 Monaten und 24 Monaten wählen – je länger, desto höher natürlich dieser Bonus. Außerdem kann man sich für eine erhöhte Monatsgebühr entscheiden, die man zeitlich begrenzt bis zur vollständigen Abzahlung des Telefons drauflegt. Hierdurch wird der Vertragsabschluss mit Handykauf, was er eigentlich auch in Deutschland ist: eine Ratenzahlung. Ich finde das deutlich besser, denn in Deutschland zahlen alle den gleichen Tarif und finanzieren über höhere Gesprächsgebühren diese subventionierten Handys für Neukunden mit. Durch die bessere Trennung in Schweden kann man anhand des eigenen Telefonierverhaltens abschätzen, ob sich ein Vertragsabschluss lohnt. Oft legt man nämlich letzten Endes drauf (wie bei jedem Ratenkauf). Ein seriöser Händler wird einem daher ggf. auch empfehlen, das Handy sofort bei Kauf komplett zu bezahlen, was zwar für den Moment teuer erscheinen mag, aber auf lange Sicht das deutlich günstigere ist. Dies ist mir bei der Handygeschäftkette „The Phone House“ schon passiert – bislang habe ich mit denen gute Erfahrungen gemacht. Nebenbei bemerkt haben sie auch eine prima Preisübersicht auf ihrer Seite, die es erlaubt, Handypreise von allen Anbietern miteinander zu vergleichen.
  • Schwedische Handys haben im Allgemeinen kein deutsches Wörterbuch installiert – zumindest bei Sony Ericsson scheint das ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. In der Regel sind nur englisch und die skandinavischen Sprachen installiert. Bei Nokia soll es angeblich gehen. SMS auf deutsch einzugeben ist also ggf. relativ aufwändig. Mit der Durchsetzung von Smartphones auf dem Markt sollte sich diese Problematik aber langsam auflösen.

Mobiles Internet

Daran direkt anschließend ist heute zwangsläufig das Thema mobiles Internet. Wie oben schon erwähnt gibt es das, und zwar ziemlich schnell.

Über die Tarife für Smartphones kann ich mir kein wirkliches Bild machen. Dazu sind die Verhältnisse zu komplex. Aber über das reine mobile Internet möchte ich einige Worte verlieren. Auch hier gibt es natürlich von allerlei Anbietern, die im Prepaidbereich ab ca. 3€ pro Tag eine Flatrate anbieten. Preislich gibt sich das nicht viel – ich würde tendenziell sogar sagen, dass deutsche Anbieter etwas billiger sind. Allerdings gibt es auch ausgesprochen großzügige schwedische Angebote, wie zum Beispiel die Prepaidkarte von 3, die für rund 3€ einen Tag Surfen erlaubt, und zwar mit bis zu 7MBit/s. Erst wenn der Verbrauch 20 GB überschritten hat, wird die Geschwindigkeit heruntergeregelt.

Ein großer Unterschied scheint auch zu sein, dass mobiles Internet hier auch wirklich Internet ist. Skype und andere Internettelefonielösungen sind anscheinend frei zugänglich.

Festnetz

Bei dem hohen Stellenwert der Mobiltelefonie gerät das Festnetz natürlich etwas ins Hintertreffen. Das Etikett „teuer“, das dem Anrufen von Handynummern in Deutschland noch ein bisschen anhaftet, fällt bei den Verhältnissen in Schweden nahezu weg. Selbst manche Firmen verwenden ausschließlich Mobiltelefone.
Das wird auch dadurch noch verstärkt, dass es möglich ist, einen Telefonanschluss ausschließlich für das Internet zu verwenden. Daher gehen viele Angebote in die Richtung, Internet und Festnetztelefonie in einem Paket anzubieten, wodurch die Grundgebühr für das Telefon massiv reduziert oder ganz erlassen wird.

An dieser Stelle sind auch Kabelnetzbetreiber zu erwähnen, die dann Fernsehen, Internet und Telefon, teilweise sogar dazu auch mobiles Internet, im Paket aus einer Hand anbieten. Der größte Anbieter in dem Bereich ist ComHem, aber auch Tele2 ist vertreten.

Die Grundgebühr für einen Festnetzanschluss in so einem Paket ist also im Idealfall kaum nennenswert, womit auch der Hauptgrund für die Anschaffung gegeben wäre: es kostet nicht viel, auch wenn man es nicht nutzt. Für Einwanderer sind eventuell besondere Auslandstarife interessant. Durch die Wahl bestimmter Zusatzpakete (im Bereich von 1,50 € bis 2,00 € pro Monat) lassen sich so Preise von 2 Ct/min nach Deutschland erreichen. Allerdings muss man hier auch festhalten, dass man das für das gleiche oder sogar weniger Geld im Internet kriegt. Alleine wegen Auslandsgesprächen einen Festnetzanschluss einzurichten ist also eine zwiespältige Sache.

ISDN scheint es in Schweden kaum zu geben, was laut Wikipedia an der Preisgestaltung von Telia liegt, die es lange Jahre sehr teuer machte, einen solchen Anschluss zu beantragen. Heute scheint es ISDN nur noch für Groß- und Firmenkunden zu geben. ISDN-Telefone aus Deutschland mitzunehmen ist daher vermutlich nicht sinnvoll.

Eine weitere technische Sache ist das Steckerformat. Schwedische Telefondosen (Telefonjack) sehen nämlich so aus:

Der Anschluss eines analogen deutschen Telefons ist also nur mittels Adapter möglich. Moderne Geräte haben oft diesen ISDN-artigen rechteckigen Anschluss, für das sich Kabel oder Adapter finden lassen sollten. Wenn man Internet über die Telefondose hat, wird der Router je nachdem auch direkt an die Telefondose angeschlossen. Der Router selbst hat dann auch einen solchen ISDN-artigen Anschluss.

Werbeanrufe

Wie auch in Deutschland gibt es in Schweden eine blühende Telemarketingindustrie, die die Menschen mit Anrufen traktiert, weil sie nur unser Bestes will, nämlich unser Geld.

Doch es gibt (aus schwedischer Sicht) erfreuliche Unterschiede im Detail. Einer dieser Automatenanrufe, die einem erzählen wollen, man habe etwas gewonnen, ist mir hier jedenfalls noch nie passiert.

Auch erfreulich ist, dass unverlangte Werbeanrufe und -SMS auf Mobiltelefone verboten sind. Dort hat man also Ruhe. Genau die vermisst man beim Festnetzanschluss. Kaum nachdem der Anschluss eingerichtet, trudelten mehrfach in der Woche solche Anrufe ein. Dass die Leute am anderen Ende äußerst aggressiv Marketing betreiben, versteht sich fast von selbst. Es gibt jedoch ein „Wundermittel“ dagegen: NIX-Telefon. Es handelt sich dabei um eine Liste ähnlich der Robinsonliste in Deutschland. Wer sich darauf einträgt, wird von Werbung verschont, weil sich die entsprechenden Anbieter dazu verpflichtet haben. Während das in Deutschland nur leidlich funktioniert, erreicht das NIX-Register praktisch vollständige Abdeckung. Seit dem Eintrag dort haben wir kaum noch solche Anrufe erhalten. Lediglich einmal versuchte ein Anbieter es so zu drehen, dass sie mir ein paar DVDs „schenken“, die ich nur bezahlen müsse, wenn ich sie behalten wolle. Das ist jetzt aber auch schon mehr als 2 Jahre her. Seither kam nichts mehr.

Den Eintrag macht man, indem man die Nummer 020-27 70 00 (kostenlos) anruft und die dortigen Fragen beantwortet. Etwas später muss man erneut dort anrufen, um die Sperre zu bestätigen.

Eine Art von Anrufen unterbindet NIX leider nicht: Werbung von Firmen, bei denen man bereits Kunde ist. Bei den beiden Telekommunikationsunternehmen, bei denen ich meinen Festnetzanschluss schon hatte, gab es davon nicht zu knapp. Das Muster ist meist folgendes: zunächst wird gefragt, ob man denn Kunde ist. Dann kommt vielleicht eine Nachfrage, ob man denn zufrieden sei. Anschließend versuchen sie einem ziemlich aggressiv irgendein Angebot der jeweiligen Firma anzudrehen. Vielleicht kann man auch darum bitten, künftig von diesem Quatsch verschont zu bleiben. Ich habe es meist mit einem Gespräch versucht, das dann aber schnell in einer Sackgasse landete. In Deutschland wie in Schweden gilt da das gleiche Prinzip: man sollte sich nichts am Telefon andrehen lassen.

Telefonvorwahlen

Wie eben schon angedeutet, sind Nummern, die mit 020 beginnen, kostenlos. Natürlich hat Schweden wie jedes andere Land auch einen eigenen Rufnummernplan. Die regionalen Vorwahlen sind hier zu sehen.

Wie man dort sieht, sind die anderen mit 02 beginnenden Nummern an den Bereich nördlich von Stockholm vergeben. Die Vorwahl 010 ist für Firmen reserviert und wurde früher für Mobiltelefone verwendet. Noch früher war es die Vorwahl Stockholms.

Die Vorwahl 07x ist vorgesehen für Mobiltelefonie (070, 072, 073, 076, 0722, 0736) und einige spezielle Dienste. Unter letzteren wären die Shared-Cost-Dienste hervorzuheben, die ähnlich den 0180-Nummern in Deutschland die Kosten zwischen Anrufer und Angerufenem teilen und sich daher gut für Kundendienstnummern eignen.

Die Vorwahl 0800 ist international für kostenlose Telefondienste vorgesehen. In Schweden ist sie daher reserviert. Sie wird aber nicht verwendet, wohl auch weil 08 so stark mit Stockholm identifiziert wird, dass Noll-Åtta ein Inbegriff der Region ist.

099 wird gerne beim Fernseh-TED eingesetzt.

Call-By-Call, also der Wechsel zu einem anderen Tarif mit Hilfe einer Vorwahl, ist übrigens eine deutsche Eigenheit und in Schweden daher unbekannt.

Der Umgang mit Telefonnummern

Ein kleiner Einschub ist hier vielleicht angebracht. Der Umgang mit Telefonnummern, insbesondere Handynummern, unterscheidet sich erheblich zwischen den beiden Ländern.

In Deutschland verliert das Telefonbuch langsam aber sicher seinen Sinn, weil immer mehr Leute nicht mehr darin verzeichnet sind. Handys sind sowieso selten darin, und auch viele neue Telefonanschlüsse werden erst gar nicht mehr eingetragen.

In Schweden gibt es die Gelben Seiten, herausgegeben von der Firma Eniro, als Telefonbuch für alles. Die werden jedoch immer dicker, denn im Gegensatz zu den auf Privatsphäre bedachten Deutschen sind die Schweden ausgesprochen freigiebig mit ihren Daten. Ganz im Sinne des Öffentlichkeitsprinzip kann man in einschlägigen Portalen (wie eben eniro.se) zu vielen Telefonnummern den Namen, die Adresse, den Geburtstag und den Familienstand erfahren. Handynummern sind dort genauso verzeichnet.

Während die unverblümte Frage nach der Handynummer in Deutschland fast schon eine Frage nach sexuellen Vorlieben ist, ist das in Schweden ganz ungezwungen eine quasi öffentliche Angelegenheit.

Das muss man nicht gut finden, aber es sollte einem gegenwärtig sein.

Internet

Bevor ich zu den vorher schon erwähnten Internettelefonieangeboten komme, sollte ich vielleicht noch ein paar Worte zu Internetzugängen verlieren, denn ohne die geht es ja kaum.

Allgemein gibt es drei Wege hierfür: DSL, Kabel und mobiles Internet. Letzteres wurde weiter oben schon erwähnt.

DSL ist in Schweden nicht ganz so dominant wie in Deutschland, denn die Ballungsräume sind gut mit Fernsehkabel ausgestattet, so dass man dort auch eine Alternative hat. Bei den Zugängen über das Kabel hat man keine freie Betreiberwahl, sondern muss den jeweiligen Netzbetreiber nehmen. In aller Regel ist das, wie oben schon angemerkt, Comhem. Je nach Lage bietet diese Firma Zugänge bis zu 100 MBit/s. Ich selbst hatte zwei Jahre lang einen Zugang über diese Firma, anfangs im Paket Medium (10 MBit/s), später dann Large (24 MBit/s). Hierfür wird die normale Fernseh-/Radiodose durch eine spezielle Dose ersetzt, die einen dritten Anschluss hat. An dieses wird ein Modem angebracht, welches dann Anschlüsse für das Internet und Telefon anbietet. In unserem Fall war das Modem kein Router – dies bedeutet, man konnte beim gleichzeitigen Anschließen von mehreren Netzwerkgeräten in Probleme kommen. Mittlerweile werden anscheinend aber auch kombinierte Modems ausgeliefert, die auch den Router beinhalten, oft sogar mit WLAN. Für Computer ohne WLAN sollte man also bedenken, dass man ggf. eine Lösung finden muss, vom Modem zum Computer eine Verbindung herzustellen. Zusätzlich bietet Comhem auch mobiles Internet (über das Telenor-Netz) an, so dass man von der Firma das vermeintliche Rundum-Sorglos-Paket bekommen kann. Bei den Paketen läuft es im Allgemeinen so, dass die Grundgebühr des jeweils billigsten Paketteils (in aller Regel wohl das Festnetztelefon) erlassen wird.

Ich kann über Comhem in Sachen Internet nicht so viel Schlechtes sagen. Gelegentlich fiel es für ein paar Minuten aus, in einzelnen Fällen aber auch mehrere Stunden. Teilweise musste man dann das Modem neu starten. Wenn es aber lief, dann ohne Probleme mit der Maximalgeschwindigkeit 24 MBit/s, wenn auch mit einer etwas längeren Latenzzeit. Der Grund, von Comhem Abschied zu nehmen, war denn auch mehr der wiederholte Ärger mit der Hotline und die fragwürdige Preisgestaltung im TV-Bereich.

Daher wollten wir einem anderen Anbieter eine Chance geben und wechselten zum Anbieter Bredbandsbolaget, der zu Telenor gehört. Dieser bietet uns DSL-Internet bis zu 24 MBit/s samt Festnetztelefon für einen minimal billigeren Preis. Lediglich das Fernsehen blieb so bei Comhem. Die reale Geschwindigkeit beträgt um die 16 MBit/s, was aber bei DSL kaum anders zu machen ist, wenn man nicht beim Verteiler um die Ecke wohnt. Ausfälle hatten wir bislang keinen, und Hotline-Ärger auch nicht. Nervig war lediglich, dass die Verbindung erst einmal eingerichtet werden musste, was fünf Wochen dauerte, weil offenbar ein Techniker vor Ort sein musste, um die Lichter am Router zu beobachten.

Neben den entsprechenden Ablegern der großen Telefonanbieter gibt es auch kleinere wie Bahnhof, die ausschließlich in diesem Bereich arbeiten. Größere Preisvergleiche gibt es z.B. hier.

Ein wichtiger Punkt sollte in Sachen DSL noch erwähnt werden: ein deutsches DSL-Modem ist in Schweden wahrscheinlich nicht nutzbar, zumindest nicht ohne entsprechende Umstellung. In Deutschland verwendet man den DSL-Standard in der Variante „Annex B“. Dieser verwendet ein relativ enges Frequenzband für die Datenübertragung. Andere Länder, darunter auch Schweden, verwenden doch in erster Linie die Variante „Annex A“, die einen anderen, breiteren Frequenzbereich verwendet. Ein DSL-Modem beim Umzug nach Schweden mitzunehmen kann sich also als nutzlos erweisen. Das Problem wird sich oft gar nicht stellen: bei unserem Anbieter kam gleich ein Router mit.

Internettelefonie

Nachdem nun die ganze Infrastruktur steht, kommt die Krönung des Ganzen: die Internettelefonie. Während sie für den Durchschnittsschweden vielleicht nur von bedingtem Interesse ist, bietet diese Art des Telefonierens für den Einwanderer eine interessante Möglichkeit, in die alte Heimat zu telefonieren, ohne teure Auslandstarife zahlen zu müssen, denn den Transport über die Grenze übernimmt ohne Zusatzkosten das Internet.

Ich will mich hier auf zwei Anbieter beschränken, die ich etwas besser kenne.

Der eine ist Skype. Dieser bietet über den Computer auch Chat und Videotelefonie an. Der Basisdienst, d.h. Chats und Telefongespräche zwischen zwei Skype-Benutzern kostet nichts. Für Gespräche ins richtige Telefonnetz muss man sein Guthaben aufladen und kann dieses abtelefonieren. Ein Gespräch ins deutsche Festnetz kostet dabei 2 Ct/min. Für knapp 6 €/Monat kann man eine Deutschland-Flatrate (Festnetz) erhalten.

Der zweite ist Sipgate. Dieser verwendet das standardisierte SIP-Verfahren, für das man alle möglichen Computerprogramme verwenden kann – Sipgate bietet selbst eines auf der Homepage an. Die Preise können sich auch sehen lassen: 1,79 Ct/Min ins deutsche Festnetz. Ab 8,90 €/Monat gibt es eine Europaflatrate in die Länder der EU und in die Schweiz – man kann also auch ins schwedische Festnetz kostenlos telefonieren.

Man kann damit also Freunde und Verwandte anrufen. Aber angerufen werden zu können ist natürlich noch interessanter, insbesondere über eine deutsche Telefonnummer, so dass der Anrufer nur die günstigen Inlandstarife zahlen muss.

Technisch ist das kein Problem – aber leider rechtlich. Die Regelungen in Deutschland erlauben es nicht, eine normale deutsche Festnetznummer zu erhalten, wenn man nicht in Deutschland lebt. Genaugenommen darf man sogar nur eine Festnetznummer haben, wenn man im entsprechenden Ortsnetzbereich lebt. Bislang ist lediglich mit der Vorwahl 032 eine Ausnahme vorgesehen, welche aber keinen vollwertigen Ersatz darstellt. Konkret: wer in Schweden lebt, darf eigentlich keine deutsche Ortsnetzrufnummer haben.

Dies lässt sich aber umgehen, sofern man in der Lage ist, eine deutsche Adresse vorzuweisen und dies auch belegen kann. Woher die Verbindung zum Anbieter hergestellt wird, kümmert diesen wenig, aber bei der Anmeldung muss er die Korrektheit der Adressdaten überprüfen. Sipgate akzeptiert für die Überprüfung z.B. eine Kopie des Personalausweises oder einer Stromrechnung. Auch war zumindest früher auch eine Schufa-Abfrage möglich, aber ob dies noch gilt, ist mir nicht bekannt. Wer hierzu keine Möglichkeit hat, kann vielleicht Freunde oder Verwandte in Deutschland bitten, eine solche Nummer einzurichten. Ins Telefonbuch werden diese Nummern auch nicht eingetragen, so dass sich für diese keine weiteren Unannehmlichkeiten ergeben.

Skype bietet die Reservierung von echten Telefonnummern in zahlreichen Ländern an. Ob oben beschriebene Methode dort funktioniert, ist mir nicht bekannt. Will man diese Problematik allgemein umgehen, kann man natürlich auch eine schwedische Nummer bekommen, bei der keinerlei solche behördlichen Einschränkungen existieren – Freunde und Verwandte mit Europaflatrate können dann immer noch ohne Zusatzkosten anrufen. Der Haken bei Skype ist aber ohnehin der Preis. 50€ (de facto fast 60 € wegen der Mehrwertsteuer) für ein Jahr ist eine Menge Holz.

Sipgate ist da erheblich billiger: dort kostet eine Telefonnummer nämlich gar nichts. Bei Angabe einer ausländischen Adresse kann man sich immerhin noch eine 0180-Nummer sichern. Bei einer deutschen Adresse kann in 98% der Ortsnetze eine „echte“ Telefonnummer reserviert werden. So können Anrufer zu Inlandspreisen anrufen, egal von wo aus man ins Internet geht.

Die Krönung bei der ganzen Sache ist aber, wenn man sich ein entsprechendes IP-Telefon zulegt. Dieses kann man dann einfach ins Internet einstöpseln, und schon ist es in der Handhabung wie ein normales Telefon. Wenn man Pech hat, muss man beim Router noch einige Ports freischalten, aber bei neueren Modellen geht das oft ohne Probleme. Für Skype gibt es solche Geräte. Für Sipgate kann man eines der zahlreichen SIP-tauglichen Modelle auf dem Markt verwenden.

Mit anderen Worten: Anrufe nach Deutschland sind nicht nur billiger. Man kann mit Hilfe eines IP-Telefons sogar die Handhabung eines normalen Telefons erreichen. Hat man dann sogar noch eine deutsche Nummer zur Verfügung, kann man sogar angerufen werden, als befände man sich in Deutschland.

Zusammenfassung

Wie in Deutschland sind die vielen Angebote kaum überschaubar. Bei der Vielfalt der Bedürfnisse möchte ich es bei ein paar Ratschlägen v.a. für die erste Zeit belassen:

  • Keine Verpflichtungen eingehen: bevor man das eigene Telefonverhalten in Schweden überschaut, sollte man keinen Vertrag abschließen. Eine Prepaidkarte ist zudem ohne Formalien erhältlich, was die Anschaffung erleichtert. Ein Handy bringt man entweder aus Deutschland mit oder kauft es hier billig z.B. bei Clas Ohlson. Nach einiger Zeit kann man dann immer noch schauen, wie es weitergehen soll.
  • Beim Handykauf genau abwägen: nicht immer ist die Subventionierung eines Handys über einen Vertragsabschluss die billigere Alternative.
  • Schnelles Internet besorgen: bei den angesprochenen Internettelefoniemöglichkeiten ist es ein wichtiger Draht in die alte Heimat.
  • Festnetztelefon gut überlegen: wie angedeutet gibt es wenige Gründe für ein Festnetztelefon. Wenn es Teil des Pakets ist, kann man es nehmen, aber extra dafür zu bezahlen lohnt sich kaum. Besorgt man sich eines, sollte man sich schnellstmöglich auf das Register von NIX eintragen.

Wie immer bin ich für Verbesserungsvorschläge zu diesem Guide offen – bei diesem Teil besonders, denn einen Anspruch auf Vollständigkeit kann ich nicht erheben.

Update 23. September 2010: Kleinere Korrekturen und Umformulieren. Einfügen der technischen Anmerkungen zu DSL.