Genau vor 2 Jahren kam ich in Schweden an, aber erst in den letzten Tagen wurde mir bewusst, wieviel nützliches Wissen sich mit der Zeit angesammelt hat. So konnte ich einer deutschen Studentin, die sich anschickt, mit einem Haustier nach Stockholm zu kommen, zumindest eine Vorstellung davon geben, auf was sie sich einlässt.

Daher folgen nun in einigen Folgen die geballten Weisheiten darüber, wie man sich als Deutscher in diesem Land im Allgemeinen und in dessen Hauptstadt im Speziellen zurechtfindet.

Dieser Guide erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit. Er ist vielmehr eine Ansammlung nützlicher Informationen. Ich beabsichtige nicht, irgendeinen existierenden Guide zu übertreffen. Daher wird es wenige Details oder gar Tipps zur schwedischen Sprache geben. Auch werde ich nicht versuchen, die Schweden zu charakterisieren. Hingegen wird es vor allem darum gehen, eine Wohnung zu finden (oder vielmehr das schwedische System hierzu zu verstehen), der Bürokratie Herr zu werden und sich mit anderen nützlichen Dingen auszustatten.

Der Guide wird sich in erster Line natürlich an Deutsche richten, enthält aber auch einiges, was für Österreicher, Schweizer und so manchen anderen interessant sein dürfte.
Anmerkungen und Verbesserungen sind in jedem Falle ausdrücklich erwünscht.

Hier schonmal ein vorläufiger Plan:

  1. Die schwedische Sprache
  2. Der Wohnungssuche erster Teil: Studentbostad
  3. Der Wohnungssuche zweiter Teil: Hyresrätt
  4. Der Wohnungssuche dritter Teil: Bostadsrätt
  5. Der Wohnungssuche vierter Teil: Andra Hand
  6. Der Wohnungssuche fünfter Teil: ein eigenes Haus und Sonstiges auf dem Wohnungsmarkt
  7. Die Bürokratie: Anmelden, Ummelden oder über die Frage, ob und wie man offiziell auswandert
  8. Die Bürokratie: Personnummer oder die Eleganz, keinen Datenschutz zu haben und es trotzdem irgendwie gut zu finden
  9. Die Bürokratie: Legitimation oder die Macht des Ausweises
  10. Die Bürokratie: der Wohlfahrtsstaat oder wie einfach ein System mit leichten Schwächen funktioniert
  11. Die Bürokratie: das Auto oder die Frage, mit welchem Nummernschild man am liebsten fährt
  12. Wovon man lebt: Alkoholisches
  13. Wovon man lebt: Brot
  14. Wovon man lebt: Wurst

Wer also beabsichtigt, für längere Zeit nach Schweden zu gehen, wird hier hoffentlich das eine oder andere nützliche finden.

Vielleicht kann dies auch etwas dazu beitragen, mit typischen Vorstellungen über dieses Land aufzuräumen. Denn nicht alle Frauen in diesem Land sind blonde Göttinnen, und wer hier schon einmal den Sommer genossen hat, muss sich auch bewusst sein, dass dazu ein dunkler Winter mit zeitweise sehr kalten Temperaturen und oft mehreren Monaten Dauerschnee überstanden werden muss. Der Sozialstaat mag zwar mit exzellenter Kinderversorgung aufwarten, hat aber nicht unerhebliche Schwächen in der Gesundheitsversorgung. Für den bürgerlich-konservativ geprägten Deutschen mag Schweden auch befremdlich anmuten – hier ist es schon eine Niederlage für die Sozialdemokraten, wenn sie so wie in der letzten Wahl mit nur 10 Prozentpunkten Vorsprung gewinnen. Die allgemeine sozialdemokratische Grundeinstellung schlägt sich in allen Bereichen nieder: die Lohnschere ist bei weitem nicht so weit offen wie anderswo, bedeutet aber auch, dass bei hohen Steuern und Lebenshaltungskosten weniger zurückbleibt für andere Dinge. Dies ist nur eines von vielen Beispielen.

Wenn das alles nicht abschreckend wirken sollte, dem sage ich Varmt välkommen und hoffe, dass die nächsten Beitrage einigermaßen informativ sein werden.