Bundesliga-Experten sagen nicht nur, dass der Ball rund ist und das Spiel 90 Minuten dauert, sondern sie postulieren auch, dass 40 Punkte fĂŒr den Klassenerhalt reichen.
Diese Weisheit wird so oft kolportiert, dass ich mich schon öfters gefragt habe, ob das eine fundamentale mathematische Gewissheit ist oder eine simple Faustregel. Sprich: reichen die 40 Punkte immer oder einfach nur ĂŒblicherweise.
Rechnerisch ist das nicht so leicht zu bewerkstelligen – ein Mathematiker in dem Bereich kann das sicherlich ohne Probleme, aber ich jedenfalls nicht. Zudem kann man bei solchen Dingen schnell in falschen logischen SchlĂŒssen landen. Aber man kann es immer mit etwas simplem Ausprobieren angehen.
Da ich heute ausnahmsweise etwas Zeit habe, dachte ich mir, ich lasse das einfach von einem simplen Programm machen.
Wie simpel es sein darf, ist dabei schwer zu beurteilen. SchlieĂlich ist die Bundesliga nicht die Ziehung der Lottozahlen – bestimmte SpielausgĂ€nge sind wahrscheinlicher als andere. So wird eine Mannschaft, die eine halbe Saison nur verloren hat, nicht plötzlich anfangen, jedes Spiel zu gewinnen. Heimspiele werden eher gewonnen als AuswĂ€rtsspiele.
Dennoch wollte ich es erst einmal mit dem simpelstmöglichen Modell versuchen. Dieses sieht so aus:
- Das TorverhÀltnis wird nicht beachtet. Schon alleine mit den drei SpielausgÀngen Gewonnen-Unentschieden-Verloren ist die Zahl der möglichen SaisonverlÀufe enorm. Eine Bundesligasaison hat 306 Spiele. Mit nur drei SpielausgÀngen landet man schon bei 3306 Möglichkeiten. Das entspricht ca. 10146
- Bei Punktgleichheit bestimmt der Zufall die Platzierung.
- Heimsieg, AuswÀrtssieg und Unentschieden sind gleich wahrscheinlich.
Ich lieĂ eine Million Saisons generieren mit einem recht guten Zufallsgenerator (fĂŒr Programmierer: der libc-Zufallsgenerator stieĂ schon nach 8192 Saisons an seine Grenzen). Das dĂŒrfte auch in der NĂ€he dessen sein, was bei meiner technischen Lösung (PHP mit einer MySQL-Datenbank) ĂŒberhaupt noch Sinn macht, denn alleine die Aufzeichnung der EndstĂ€nde frisst so fast 1 Gigabyte Speicher. Zudem verĂ€nderten sich die Zahlen zum Schluss nur noch minimal – es mĂŒsste also eine ausreichende Stichprobe sein.
Das Ergebnis: in 80,7 % der FĂ€lle reichten 40 Punkte fĂŒr den Klassenerhalt. In diesem Szenario hat eine solche Leistung also eine sehr gute Chance – jedoch ist es keine Garantie, denn in knapp 20% der FĂ€lle war mehr erforderlich. Es konnten sogar zwei FĂ€lle gefunden werden, in denen 46 Punkte benötigt wurden. Diese zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass die ganze Liga sehr ausgeglichen war und eben nur drei Mannschaften deutlich schlechter aussahen.
Umgekehrt reichten im Schnitt 59,1 Punkte fĂŒr die Meisterschaft aus. Ab 50,3 Punkte gab es einen UEFA-Cup-Platz, wobei aber bis zu 60 Punkte benötigt werden können.
WĂ€hrend die Durchschnitte und Wahrscheinlichkeiten eine Aussagekraft haben, sind die anderen Angaben nicht absolut. So mag es sein, dass unter den unzĂ€hligen SaisonverlĂ€ufen auch einer ist, der mehr als 46 Punkte fĂŒr den Klassenerhalt benötigt. Es ist sogar relativ einfach, so einen zu konstruieren: wenn jeder Verein der Liga jeweils 17 Spiele gewinnt und 17 verliert, dann haben alle Vereine der Liga 51 Punkte. Hier wĂ€ren also nicht einmal 51 Punkte eine Garantie fĂŒr den Nichtabstieg. Freilich ein rein theoretisches Beispiel.
Um etwas realistischere Werte zu bekommen, habe ich das Verfahren so abgeÀndert, dass 50% aller Spiele mit Heimsiegen enden, 25% mit AuswÀrtssiegen und 25% mit Unentschieden. Das ist nicht abwegig, denn laut Wikipedia waren in der Saison 07/08 ganze 46,7% aller Spiele Heimsiege, wÀhrend jeweils rund ein Viertel der Spiele auf AuswÀrtssiege und Unentschieden entfielen.
Wenn man diese Verteilung berĂŒcksichtigt, sollte die Simulation also etwas realistischer werden. Allerdings lĂ€sst sie nach wie vor auĂer Acht, dass nicht jede Mannschaft eine gleich groĂe Chance hat, einen AuswĂ€rtssieg zu erringen.
Wahrscheinlichkeit, mindestens Platz 15 zu erreichen in AbhÀngigkeit von der Punktzahl.
Dennoch sind die Ergebnisse interessant. Zum Einen steigen die jeweiligen Punktzahlen fĂŒr die PlĂ€tze um einen Punkt an – was kein Wunder ist, weil Unentschieden erheblich seltener werden. Das betrifft auch die 40 Punkte. Sie reichen hier gerade einmal zu einer gut 50%igen Chance auf Klassenerhalt.
Dies widerspricht wiederum den Erfahrungen aus der RealitĂ€t, die eher weniger als 40 Punkte nahelegen. Um solche Korrekturen anzubringen, braucht man also vermutlich mehr Details ĂŒber Details und die Dynamik einer Bundesligasaison.
Der Schluss lautet also, dass 40 Punkte keineswegs eine Versicherung sind, aber in jedem Falle eine gute Chance geben.
Wie groĂ diese ist, ist freilich schwer zu bestimmen. Bis die Bundesliga 1 Million Saisons gespielt haben wird, kann man sich darĂŒber Gedanken machen.

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Naja,
die Regel will ja auch nur besagen, dass im real existierenden deutschen Profi Fussball noch niemand mit 40 Punkten abgestiegen ist (3-Punkte Regel, 18 Mannschaften). Am nĂ€chsten dran gekommen ist meiner Meinung nach 2005 Eintracht Trier, als die Mannschaft mit 39 Punkten aus der Zweiten Liga abgestiegen ist. Eigentlich hatte der KSC fĂŒnf Minuten vor Ende der Partie einen weiteren Treffer im Spiel gegen Cottbus erziehlt, dem der Schiri Drees jedoch fĂ€lschlicherweise die Anerkennung versagte. So stieg Trier (und nicht Cottbus) ab, im Folgejahr stieg Cottbus wieder in die Bundesliga auf und Trier stieg nochmals ab. Das war bitter, Eintracht Trier hat sich bis heute nicht erholt (zur Zeit abstiegsgefĂ€hrdet in der Regionalliga).
Mit blau-schwarz-weissen GrĂŒssen
Raffe
Nach etwas nachtrĂ€glicher Ăberlegung bin ich auch zum Schluss gekommen, dass die Fragestellung so nicht ganz richtig ist, weil man ja leicht FĂ€lle konstruieren kann, bei denen man 51 Punkte zum Klassenerhalt braucht. Es kommt also am Ende darauf an, wie wahrscheinlich FĂ€lle ĂŒber den 40 Punkten sind. Vielleicht hĂ€tte ich bei der Analyse auch lieber Platz 16 betrachten sollen, denn selbst wenn der 15. Platz 40 Punkte hat, heiĂt das ja nicht, dass er diese gebraucht hat – der 16. kann ja nur 38 Punkte gehabt haben. Letzlich zeigt die Analyse nur, dass die Wahrscheinlichkeit des Klassenerhalts irgendwo um die 39 Punkte so massiv ansteigt, dass ein Abstieg kaum noch vorkommen wird. Ich denke, der tiefergehende Grund dafĂŒr, dass in der RealitĂ€t eher weniger gebraucht werden, ist, dass das Feld relativ ungleichmĂ€Ăig ist. Meine Simulation geht ja davon aus, dass jede Mannschaft mit gleichen Chancen startet, und das ist definitiv nicht der Fall.
Von der in der FuĂballwelt beliebten Dramatisierung der letzten Spieltage halte ich allerdings nicht so viel. Wenn eine Mannschaft am letzten Spieltag noch eine realistische Chance hat, den Klassenerhalt zu schaffen, dann ist das zwar schön, aber man sollte dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass ein Abstiegsplatz das Ergebnis einer schlechten Saison ist und nicht eines einzigen Spiels. Auch den Schiri anzuprangern ist da leicht, aber im Laufe der 306 Spiele werden so viele Fehler durch die Schiris gemacht, dass man das Endergebnis unmöglich auf einen schieben kann.
Bei deinem Beispiel besteht auch das Problem, dass es sich auf die 2. Liga bezieht. Eintracht Trier erreichte einen 15. Platz, der in der 1. Liga fĂŒr den Klassenerhalt reichen wĂŒrde. Als Beispiel wĂŒrde ich da eher die Saison 2003/2004 heranziehen:
http://de.wikipedia.org/wiki/2._Fu%C3%9Fball-Bundesliga_2003/04
Da lagen Platz 15 und 16 bei 39 Punkten. Um also nicht aufs TorverhÀltnis angewiesen zu sein, musste man da also wirklich 40 Punkte haben.