Die Schweinegrippenimpfung – von Verschwörern, Halbwahrheiten, der unfähigen Politik und der bösen Pharmaindustrie

Neulich habe ich gelesen: eine halbe Wahrheit ist schon fast eine ganze Lüge.

Daran fühlte ich mich stark erinnert, als ich mich in den letzten Tagen mit der Schweinegrippe und der dazugehörigen Impfung auseinandergesetzt habe.
Es ist erschreckend, wie bereitwillig Fakten verzerrt und offenkundig zweifelhaftes zur reinen Lehre erklärt wird, wenn es darum geht, die große Geschichte von der bösen Pharmaindustrie zu erzählen, die einem so gut gefällt. Denn sie ist so einfach und naheliegend, dass Details nur noch stören.

Die Vorwürfe sind ein bunter Strauß von kruden Halbwahrheiten, von denen bei genauerer Betrachtung nicht mehr wahnsinnig viel übrig bleibt:

  • Mit Begeisterung wird über den vermeintlich so gefährlichen Stoff Thiomersal geschrieben. Zur Erinnerung: es handelt sich dabei um einen Wirkverstärker, um mit weniger Serum auszukommen. Gar wunderliche Dinge werden über ihn berichtet.
    • Er soll Quecksilber enthalten, erschreckenderweise angeblich der giftigste nichtradioaktive Stoff. Das stimmt sogar. Nur sollte man vielleicht nicht vergessen, dass auch Zyankali gut bekömmlich ist, wenn man es nur in entsprechend niedrigen Mengen zu sich nimmt. So enthält eine Dose Pandemrix weit weniger Quecksilber als man jede Woche durch Nahrung zu sich nimmt. In dem verlinkten Artikel ist von maximal 12,4 Mikrogramm in einer Dose die Rede, was aber nicht alles von Thiomersal stammen kann, denn davon sind in einer Dose gerade einmal 5 Mikrogramm enthalten.
    • Ebenso wird behauptet, Thiomersal wäre seit 2005 in den USA verboten oder hätte allgemein schon 2004 verboten werden sollen. Einen Beleg kann man dazu aber nirgends finden. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA schreibt nämlich

      Conducted in 1999, this review found no evidence of harm from the use of thimerosal as a vaccine preservative, other than local hypersensitivity reactions (Ball et al. 2001).

      und gibt heute eine empfohlene Maximaldosis von 0,1 Mikrogramm Ethylquecksilber pro Kilogramm Körpergewicht und Tag an, die WHO sogar 0,47 Mikrogramm. Selbst wenn man ersteren Wert zugrunde legt, würde jeder mit mehr als 50 kg Körpergewicht die erlaubte Dosis bei der Impfung nicht überschreiten. Die europäische Arzneimittelagentur EMEA findet den Stoff auch ziemlich gut.

    • Gerne wird auch kolportiert, Thiomersal löse vermehrt Autismus aus. Ein stichhaltiger Nachweis dieser Vermutung wurde nie erbracht.
  • Der andere mysteriöse Zusatz heißt Squalen. Bei dem ist kein Quecksilber erhalten, denn es handelt sich um einen Kohlenwasserstoff, der auch beim Stoffwechsel im Körper gebildet wird. Er ist also harmlos, sollte man annehmen. Das einzige, was gegen ihn ins Feld geführt werden kann, ist, dass Kriegsveteranen, die das sogenannte Golfkriegssyndrom haben, vermehrt Squalen-Antikörper im Blut haben. Das ist ein Indiz, was aber für sich alleine steht, denn bis auf unklare Einzelbefunde konnte kein Nachweis erbracht werden. Die FDA hat den Stoff nicht zugelassen. Die europäische Behörde EMEA tut dies aber. Die WHO konstatiert jedenfalls, dass bei 22 Millionen Grippeimpfungen mit Squalenzusatz in mehr als 10 Jahren keinerlei relevanten Nebenwirkungen beobachtet werden konnten. Insofern deutet das darauf hin, dass Squalen höchstens einer von mehreren Faktoren für das Golfkriegssyndrom sein kann.
  • Mit viel Verve wird über die vermeintlich so gefährlichen Nebenwirkungen geschrieben. Leider trägt auch die Presse ihren Teil dazu bei. Der bekannte Effekt tritt ein, dass eine Einzelmeldung schon als eine allgemeingültige Tatsache betrachtet wird. Die Meldungen aus Schweden sind dabei die pefekte Spielwiese, denn hier wurde schon früh mit der Impfung begonnen. Bis Ende Oktober wurden rund 200 Fälle in Zusammenhang mit registriert. 37 Patienten zeigten allergische Symptome. Das klingt nach viel, zumal auch von 5 Todesfällen in Zusammenhang mit der Impfung berichtet wurde. Keiner davon ist aber bislang eindeutig dieser zuzuordnen. Bei schätzungsweise mehreren zehntausend Impfungen bislang sind diese Meldungen am Rande der statistischen Bedeutungslosigkeit. Insofern sind die Behauptungen, es könne zu allergischen Nebenwirkungen kommen, ohne den entsprechenden Kontext grob irreführend.
  • Weitere Halbwahrheiten ranken sich um die rechtliche Haftung der Impfstoffhersteller. So wird behauptet, die Hersteller hätten eine umfassende Immunität erhalten.
    • In Deutschland sollen angeblich die Hersteller per Vertrag von der Haftung ausgenommen werden. Ich bin ja kein Jurist, aber seit wann können zivilrechtliche Verträge Gesetze außer Kraft setzen? Eventuelle strafrechtlich relevante Tatbestände wie der der groben Fahrlässigkeit oder ähnliches sind ja wohl kaum damit außer Kraft zu setzen.

      Laut Innenministerium kommen §84 Arzneimittelgesetz und das Infektionsschutzgesetz zum tragen.

      In §84 Arzneimittelgesetz heißt es:

      Wird infolge der Anwendung eines zum Gebrauch bei Menschen bestimmten Arzneimittels […] ein Mensch getötet oder […] nicht unerheblich verletzt, so ist der pharmazeutische Unternehmer, der das Arzneimittel […] in den Verkehr gebracht hat, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstandenen Schaden zu ersetzen. Die Ersatzpflicht besteht nur, wenn
      1.
      das Arzneimittel bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen hat, die über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft vertretbares Maß hinausgehen oder
      2.
      der Schaden infolge einer nicht den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft entsprechenden Kennzeichnung, Fachinformation oder Gebrauchsinformation eingetreten ist.

      Ich glaube nicht, dass man sich dieser Pflicht schon einmal vorsorglich per Vertrag entledigen kann. Dass man einen Arzt, der sich an die gelten Vorschriften gehalten hat, für Nebenwirkungen wird belangen können, ist wohl eher im Reich der juristischen Märchen angesiedelt.

    • Eine weitere Tatsachenverzerrung ist, dass behauptet wird, der Staat übernehme die Haftung. Auch dies stimmt nicht. Dies zielt auf das Infektionsschutzgesetz, wo in §60 festgelegt ist, dass der Bund für die Versorgung von Impfgeschädigten aufkommt, wenn er die Impfung empfohlen oder angeordnet hat. Der Bund übernimmt dabei das Restrisiko, das der Patient bei jeder anderen Impfung selbst tragen müsste. Das ist nur recht und billig, denn wenn der Staat seine Bürger zu einer Impfung drängt, dann sollte dieser nicht so behandelt werden, als habe er sich der Sache vollkommen freiwillig unterzogen. Es handelt sich also um keine Entschädigung, denn die Haftung des Herstellers ist davon nicht berührt.
    • In den USA gibt es in der Tat eine Immunität, und zwar zum ersten Mal in dieser Form. Prompt wird behauptet, die Politik wäre nicht viel mehr als eine Marionette der Pharmaindustrie. Selbst wenn es so wäre: dass es gute Gründe für diese Immunität gibt, wird dabei natürlich gerne übersehen. 1976 gab es eine Grippewelle samt dazugehöriger Impfung. Dieser folgte eine Klagewelle, die viel Geld kostete. Da so ein Prozess in den USA gerne mal zweistellige Millionenbeträge an Schadensersatz kostet, wäre es für die Impfstoffhersteller wirtschaftlich äußerst riskant, an die USA zu liefern – ein 1 Milliarden-Dollar-Markt kann so zu einem Verlustgeschäft schrumpfen. Kurzum: ohne die Immunität wäre kein Hersteller bereit, den Stoff überhaupt zu liefern. Die Immunität ist übrigens kein Willkürakt, sondern basiert auf einem Gesetz, das 2006 gegen Bioterrorismus erlassen wurde.
  • Besonders gemütlich in diesen Wintertagen wird die Verschwörung aber erst, wenn es um die böse Pharmalobby geht, die der Politik eingeredet hat, dass diese Impfung so nötig ist.

    Leider lassen sich auch seriöse Medien davon etwas anstecken:

    Es möge sich nach diesem Beitrag jeder einmal fragen, was er in folgender Situation tun wird:

    Sie sind Geschäftsführer einer Firma. Ein potentieller Kunde bestellt bei ihnen eine Million Teile seines Produkts. Sie müssen einige Entwicklungsarbeit und Lizenzgebühren hineinstecken, um überhaupt das Produkt zur Verfügung stellen zu können. Darüber hinaus müssen sie ihre Maschinen monatelang auf Hochtouren laufen lassen, um die Menge bereitzustellen. Welche Vertragskonditionen verlangen sie:
    A. Ich produziere erst einmal und der Kunde kann dann nach Verfügbarkeit bestellen.
    B. Ich verlange eine verbindliche Zusage über eine bestimmte Menge.

    Man braucht kein Betriebswirt zu sein, um zu wissen, dass nur ein Narr Variante A wählen wird.

    Plusminus bekleckert sich in dem Beitrag wahrhaftig nicht mit Ruhm. Auch die Aussagen dieses Arzt und Apothekers nach dem Muster „Es kann passieren, dass…“ haben ungefähr soviel Aussagekraft wie „Man kann beim Spazierengehen von einem Meteoriten erschlagen werden“.

    Es ist in der Tat anzunehmen, dass die Pharmalobby kräftig für den Impfstoff geworben hat. Die Darstellung einer regelrechten Erpressung halte ich jedoch nur für bedingt glaubhaft – immerhin gab es drei Impfstoffe zur Auswahl. Man hätte also auch zur Konkurrenz gehen können.

    Auch wird gerne außer Acht gelassen, dass eine Entscheidung, die von einer Lobbygruppe befördert wird, nicht automatisch falsch sein muss.

  • Das interessante an dieser ganzen Sache ist, dass sich bevorzugt diejenigen, die sich noch nie mit Zivilschutz auseinandergesetzt haben, plötzlich zu Experten in diesem Bereich berufen fühlen. So ist letzten Endes die zentrale Kritik die, dass diese ganze Impfung eigentlich vollkommen unnötig ist. Einige Gedanken dazu:
    • Vor knapp 10 Jahren durfte ich als Feuerwehrmann den Orkan Lothar live miterleben – und damit auch, wie beträchtliche Teile des zivilen Lebens von umstürzenden Bäumen empfindlich gestört wurden. Fließendes Wasser, Strom und Telefon sind keine Geschenke des Himmels, nur weil sie immer funktionieren. Sie müssen von Menschen funktionsfähig gehalten werden. Und diese sollten möglichst gesund sein.
    • Wiederholt durfte ich das Argument lesen, an anderen Krankheiten wie der normalen Grippe stürben doch viel mehr Menschen, so dass die Verwendung von Ressourcen in diesem Fall unangebracht ist. Jedoch ist die normale Grippe jährlich wiederkehrend und deren Effekte bewegen sich in einem vorhersehbaren Rahmen und können abgefedert werden. Es ist ja nicht so, dass wegen der Schweinegrippe weniger Menschen an der normalen Grippe erkranken würden. Der allgemeine Krankenstand kann sich durch die Schweinegruppe durchaus erheblich erhöhen.
    • Zudem entbehrt dieses Argument nicht einer gewissen Zynik. Nichts gegen eine Krankheit zu tun kann wohl schwerlich damit gerechtfertigt werden, dass eine andere Krankheit ja viel schlimmer sei. Es wird hierdurch auch unterstellt, das Geld wäre woanders automatisch besser angelegt, d.h. es würden an anderer Stelle erheblich mehr Menschen gerettet.
    • Das sei doch alles gar keine Pandemie, liest man immer wieder. Unter Pandemie scheinen sich die Leute wohl eine Krankheit vorzustellen, bei der die Menschen sterben wie die Fliegen. Dies stimmt nicht, denn auch eine mildere Krankheit kann sich weltweit ausbreiten und erheblichen Schaden anrichten.
    • Die Menschen scheinen von ihrer Regierung geradezu hellseherische Fähigkeiten zu erwarten. Die hätte natürlich schon im Juni wissen müssen, dass die Grippe nicht nur mild verlaufen würden. Dann hätte man einen Impfstoff ja gar nicht erst kaufen brauchen. Umgekehrt stelle man sich einmal vor, die Regierung hätte nichts getan und die Epidemie forderte tausende Tote. Dann wäre natürlich die Regierung schuld gewesen. Sowas kann man wohl eine Lose-Lose-Situation nennen.
    • Praktisch zu jeder häufig auftretenden Infektionskrankheit gibt es entweder eine Impfung oder eine Therapie. Bei der Schweinegrippe gibt es letzteres nicht – sollen wir dann auch auf ersteres verzichten?

Nach alledem komme ich für mich zum Schluss, dass gegen die Impfung an sich und die Impfaktion als gesamtes wenig einzuwenden ist. Die Argumente dagegen werden aus der Warte gemacht, dass diese Krankheit nicht ernstzunehmen ist. Wie bei der Finanzkrise wissen es nachher alle besser.

Übrigens: ich habe mich heute geimpft. Dazu aber ein anderes Mal – bis dahin weiß ich auch, ob es Nebenwirkungen gab.

12 Gedanken zu „Die Schweinegrippenimpfung – von Verschwörern, Halbwahrheiten, der unfähigen Politik und der bösen Pharmaindustrie“

  1. Rage ist vielleicht etwas übertrieben. Das ist mehr eine Zusammenfassung der unsinnigsten Behauptungen, die mir in den letzten Tagen entgegengeworfen wurden und die ich daher auch mit viel Verve versucht habe zu widerlegen. Ich hatte nicht vor, hier einen Kampf gegen Windmühlen zu beginnen, aber einen Beitrag zu etwas mehr Ausgewogenheit zu leisten war mir wichtig.

  2. Guten Tag,

    ich habe mir Ihren Beitrag durchgelesen und möchte eigentlich nicht all zu viel dazu sagen. Nur eine Sendung, die am 20.10. auf arte lief, möchte ich Ihnen ans Herz legen. Sie ist interessant und aufschlussreich:

    http://video.google.de/videosearch?sourceid=navclient&hl=de&rlz=1T4RNWN_deDE218DE220&q=profiteure+der+angst&um=1&ie=UTF-8&ei=0uXxSoHmD8uksAakkrijDw&sa=X&oi=video_result_group&ct=title&resnum=4&ved=0CBQQqwQwAw#

    Nur zu einer Ihrer Ausführungen würde ich gern noch meine Meinung kundtun. Ich zitiere:

    „A. Ich produziere erst einmal und der Kunde kann dann nach Verfügbarkeit bestellen.
    B. Ich verlange eine verbindliche Zusage über eine bestimmte Menge.

    Man braucht kein Betriebswirt zu sein, um zu wissen, dass nur ein Narr Variante A wählen wird.“

    Man muss auch kein Betriebswirt sein, um zu wissen, bevor ich als Kunde auf Teufel komm raus ein Produkt ordere, mache ich eine kleine Marktanalyse. Denn der „Endverbraucher“ entscheidet am Ende Gott sei dank noch selbst, ob er dieses Produkt erwerben möchte und tut dies nicht, weil ich als Kunde sage, es tut Dir gut. Nein, er hinterfragt und entscheidet dann. Und das ist auch gut so.

  3. Das setzt aber voraus, dass man das Produkt auch dann noch rechtzeitig bekäme, wenn die Marktanalyse den genauen Bedarf ermittelt hat. Dies wäre wohl erst jetzt im späten Herbst der Fall gewesen.
    Wäre man nach Umfragen unter den potenziellen „Endverbrauchern“ gegangen, dann hätte man im April/Mai rund 50% der Bevölkerung versorgen müssen.

    Angenommen, die Grippe hätte sich ähnlich entwickelt wie in der Ukraine, dann wären die Hersteller nun gar nicht in der Lage, diese Lieferungen so schnell zu leisten – es sei denn, sie hätten im Vorfeld vollkommen auf eigene Kosten und eigenes Risiko produziert. Schlimmstenfalls hätten sie erst gar keine Impfstoffe entwickelt.

    Der „Endverbraucher“ macht es sich in diesem Fall sehr leicht. Braucht er (für sein Empfinden) keinen Impfstoff und er wird trotzdem gekauft und angeboten, dann ist das Steuerverschwendung. Braucht er den Impfstoff und es ist keiner da, dann ist das ein Versagen der Regierung. In beiden Fällen ist der Staat der Verlierer.

    Die Zahl der bestellten Impfdosen kann man sicherlich debattieren, aber zu der Entscheidung, schon in einer frühen Phase zu ordern, sehe ich keine wirklich Alternative.

    Danke für das Video – werde ich mir ansehen.

  4. Die 50% potentielle Endverbraucher (wir gehen jetzt mal von einer representativen Umfrage aus) kamen zu diesem Zeitpunkt (April/Mai 09) meiner Meinung nach durch das Hochpuschen des Themas durch die Medien zustande. Ich war zum Zeitpunkt des Ausbruchs der SG gerade im tiefsten Afrika unterwegs, in einem der ärmsten Länder der Welt. Da man in diesen Ländern sehr viel Armut, Elend und auch Krankheit sieht (z.B. grasierte gerade Typhus in diesem Land), kann das einem nur suspekt vorkommen und in dem Moment, in dem man die Berichte dort im TV verfolgt, kaum zu einer anderen Auffassung kommen, als dass (wieder einmal) ein Hochpuschen stattfindet. Schließlich sterben um einen rundherum gerade Menschen an Typhus, zu dem Zeitpunkt mehr als an der SG, und keinen interessiert das wirklich. Nun, ich will das nicht weiter ausführen, denn gegen diese Krankheit gibt es längst Medikamente. Vorausgesetzt, man kann sie bezahlen.

    Ich bin weder Arzt noch gehöre ich zum medizinischen Personal. Aber ich hätte eine Frage, an diejenigen, die eine fachkompetente Auskunft geben können. Und diese Frage ist erst gemeint. Warum breitet sich die SG eigentlich nicht in Afrika aus? Die hygenischen Bedingungen dort sind haarsträubend, die Bevölkerung ist größtenteils ungebildet und kennt nicht einmal die simpelsten Voraussetzungen, möglichst gesund und hygienisch zu leben, geschweige denn, wie man eine Ansteckungsgefahr so gering wie möglich hält. Die Städte wären eine ideale Spielwiese für das Virus: Überbevölkerung, Dreck, katastrophale hygienische Bedingungen. Ist es das Klima, das eine Weiterverbreitung beungünstig bzw. verhindert? Wäre möglich. Dagegen spricht aber eher, dass der Ausbruchsort der SG mit den meisten Todesfällen Mexiko war. Ein Land, das ebenfalls größtenteils tropisches Klima hat.

  5. Ist das nicht ein Widerspruch? Man soll den Endverbraucher fragen, ob er denn will, aber wenn man ihn fragt, dann muss man davon ausgehen, dass er die Lage nicht richtig einschätzt? Man muss die Zahl an irgendetwas festmachen. Ich habe gelesen, dass NRW eine Option auf die ganze Bevölkerung hat. Daraus könnte man annehmen, dass soviel bestellt wird, dass es im Falle eines Falles noch logistisch möglich ist, die ganze Bevölkerung zu impfen – das ist aber spekulativ, denn ich weiß nicht, wie die Pandemiepläne aussehen.

    So hart es sein mag: wenn es um sowas geht, ist sich jeder selbst der nächste. In einer besseren Welt würden wir unsere überschüssigen Lebensmittel an die Hungernden in der Welt geben und würden erst die „schlimmsten“ Krankheiten bekämpfen anstatt diejenigen, die uns am ehesten betreffen. In so einer Welt leben wir aber leider nicht. Solange es uns nicht betrifft, sind wir im allgemeinen doch sehr gleichgültig.

    Das Klima hat in der Tat wohl etwas mit der langsamen Ausbreitung in Afrika zu tun. Außerhalb des Körpers mögen es die Viren anscheinend eher kühl und trocken. Ich nehme an, es hat auch etwas mit dem niedrigen Entwicklungsgrad zu tun. Die geringe Mobilität behindert die Verbreitung.
    http://en.wikipedia.org/wiki/2009_flu_pandemic_by_country#Africa
    Diese Karte legt auch nahe, dass besonders die etwas besser entwickelten Länder betroffen sind. Vielleicht funktioniert auch nur die Weitergabe der Informationen dort besser.

  6. Wie kann der Endverbraucher die Lage „richtig“ einschätzen, wenn er mit Falschinformationen gefüttert wird? Die Anzahl der SG-Toten in Mexiko wurde z.B. später dramatisch nach unten korrigiert, genauso wie jetzt die Zahl der Toten und Erkrankten in der Ukraine. Der Endverbraucher kann sich erst einigermaßen eine Meinung bilden, wenn er mehr Informationen zur Verfügung hat. Diese Informationen so wahrheitsgemäß wie möglich zu bieten, ist Aufgabe des Kunden. Dieser ist er jedoch nicht nachgekommen und wundert sich nun, warum die Zahl der willigen Endverbraucher nun stark gesunken ist.

    Ja, das habe ich auch schon oft gehört, dass das Klima für diese Sorte Viren eine große Rolle spielt. Deshalb frage ich mich eben auch, warum Mexiko? Dort ist das Klima alles andere als kühl und trocken. Trotzdem verbreitete sich das Virus dort mit angeblich rasanter Geschwindigkeit.

    „Ich nehme an, es hat auch etwas mit dem niedrigen Entwicklungsgrad zu tun. Die geringe Mobilität behindert die Verbreitung.“
    Die geringere Mobilität behindert die Verbreitung? Die Mobilität mag sicher anders sein, als in hiesigen Gefilden. Aber gering ist sie gewiss nicht. Und wenn man dort mobil unterwegs ist und z.B. ein öffentliches Verkehrsmittel benutzt, dann sitzt man nicht zu zweit in einem Fahrzeug, sondern so eingepfercht, wie in einer Sardinenbüchse. Und wenn es die Mobilität nicht wäre, dann aber ganz gewiss die hygienischen Bedingungen, die ihren Beitrag dazu leisten würden.

  7. Der Staat kann über die Erhebung der Zahlen in anderen Ländern nicht bestimmen – ich denke nicht, dass er da schlauer ist als der sich informierende Bürger. Trotzdem muss er an der Bevölkerung statt Entscheidungen über die Anschaffungsmenge treffen. Über die Fälle im Inland besteht aus meiner Sicht kein Informationsdefizit.

    Zu Mexiko: das Land dürfte wie weite Teile Asiens auch der perfekte Startpunkt für so eine Pandemie sein. Es handelt sich ja anzunehmenderweise um eine Zoonose, und die treten besonders dort auf, wo Menschen nahe bei Tieren leben. In Zentralamerika dürfte die Mobilität weitaus größer sein. Zudem gibt es viele Touristen.

    Mit Mobilität waren auch (oder gerade) Flugreisen gemeint. Das Fehlen von solchen dürfte die Ausbreitungsgeschwindigkeit deutlich geringer machen.
    http://www.youtube.com/watch?v=1XBwjQsOEeg

  8. Das Video kenne ich. Das fand ich echt gut 🙂

    Das Fehlen einer Mobilität durch Flugreisen dürfte eine Ausbreitungsgeschwindigkeit deutlich verringern. Da stimme ich Ihnen zu. Von einem Ort zu einem entfernteren und dann weiter. Aber innerhalb eines Landes dürfte sich diese dann nicht gravierend verringern. Wenn es einmal da ist, das Virus, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass es sich gerade in Ländern der Dritten Welt rasant ausbreiten kann. Da poche ich immer wieder auf die hygienischen Bedingungen und die nicht vorhandenen Präventationsmaßnahmen. Einen Afrikaner interessiert nämlich eine schwach verlaufende Schweingrippe recht wenig, wenn seine Leute an Malaria, Gelbfieber, Typhus usw. sterben. Er wird sich also nicht öfter die Hände waschen, nicht auf Begrüßungszeremonien verzichten, keinen Mundschutz tragen, weil er gar nicht einsehen würde, warum. Dies ist aus meiner Sicht ein Nährboden für solche Viren und auch andere Krankheitserreger. Wenn das Virus einmal angekommen ist, müsste es sich ebenso schnell ausbreiten.

    Sicherlich wird es dort keine Registrierung wie in unseren Ländern geben. Ein Grund dafür ist sicher der milde Verlauf (wie gesagt, gibt dort andere Krankheiten, die tatsächlich töten), denn schwere Viruserkrankungen werden dort ebenso, zumindest einigermaßen, registriert (Lassa, Gelbfieber, Ebola).

  9. Natürlich sollte der Staat an der Bevölkerung statt Entscheidungen über die Anschaffungsmenge treffen. Nur in einem gesundem Maße. Und das ist ja wohl weitestgehen schief gelaufen. Wie gesagt, meine Meinung.

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