Grau – so sieht dieser Sonntag aus. Der graueste Tag seit mindestens 4 Wochen. Das Gras kann der Regen jedoch nicht mehr retten. Das ist in weiten Teilen der Region schon lange braun.

Ich nutze die verbleibende Zeit, bis ich los muss, um noch einmal zu versuchen, meinen Computer neu zu installieren. Und, das macht es so umwälzend, ich werde damit auf Linux umsteigen. Mit diesem Schritt habe ich mich schon länger getragen, immer mal wieder.

Vor 9 Jahren versuchte ich es zuletzte. Aus heutiger Sicht ist das die Steinzeit. Der Computer war neu, und alles ging scheinbar glatt. Bis Datenverluste auftauchten und es offenbar wurde, dass der Festplattencontroller noch zu neu war.

Dieses Mal gab ich der Sache mehr Zeit. Mein Motherboard, ein ASUS M2N-SLI Deluxe, ist schon etwas älter, und es waren in erster Linie die kleinen Krankheiten, die bei Dauerbenutzung von Windows XP auftauchten, die mich veranlassten, hier den Schnitt zu versuchen. Zunächst habe ich das System auf meinem alten Laptop installiert, um etwas vorzufühlen und zu testen. Die Ergebnisse waren recht ermutigend.

Eine Sache ist es jedoch gar nicht. Es ist wiederum die Hardware. Schon beim Laptop zeigte sich beim Update auf Ubuntu 10.04, dass der Grafikchipsatz des immerhin 6 Jahre alten Geräts nicht richtig unterstützt wird. Erst nach mühsamer Suche und dem Setzen einer Kerneloption funktionierte es wieder. Es wird dabei anscheinend auf einen älteren Modus zurückgegriffen. Diese Fallbacklösung ist aber auch nicht hundertprozentig. Gelegentlich schmiert der X-Server ab und dann hilft nur noch ein Neustart. Videos angucken scheint jedenfalls nicht wirklich zu funktionieren. Zumindest nehme ich an, dass es einen Zusammenhang gibt.

Die logische Alternative für meinen Hauptcomputer wäre Windows 7 gewesen. Da scheue ich ehrlich gesagt ein bisschen die Investition, denn mein Windows XP konnte ich über eine Studentenlizenz erhalten. Eine Möglichkeit, die mir mittlerweile nicht mehr offen steht. Also sollte es auch Ubuntu werden.

Das wäre wohl auch kein Problem gewesen. Wenn da nicht, man ahnt es schon, die Hardware wäre. Seit mittlerweile gut 5 Jahren oder so leiste ich mir den Luxus eines RAID1. Das ist schlicht, dass ich zwei identische Festplatten eingebaut habe. Das Motherboard spiegelt jede Schreibeoperation auf beide Festplatten, so dass ich im Falle eines Schadens auf einer Platte eine identische Kopie zur Verfügung habe. Auch Windows XP tat sich damit etwas schwer, aber nach dem Nachladen eines Treibers per Diskette (!) funktionierte es immer. Das ist das Schöne an Windows: es funktioniert nie richtig toll, aber immer doch irgendwie.

Bei Ubuntu wollte es aber gar nicht. Partitionen auf der Festplatte anlegen ging noch, aber beim Erstellen des Dateisystems war mit einer Fehlermeldung die Angelegenheit beendet. Nach längerem Herumtesten stellte sich heraus, dass es vermutlich an diesem Hardware-RAID liegt. Anzunehmenderweise kommt Linux zwar mit dem zuständigen Chipsatz nVidia nForce 750 SLI MSC klar, aber nur solange man dort keinen RAID einstellt.

Darum habe ich nun auf eine weitere Fallbacklösung gesetzt: ein Software-RAID, d.h. anstatt des Motherboards übernimmt eben Linux selbst das doppelte Schreiben auf die beiden Platten. Aber auch damit gehen Probleme einher. Eine exakte Spiegelung der beiden Platten, die auch noch bootfähig ist, scheint nicht möglich. Zumindest habe ich keine Lust, noch mehrfach die Installationsprozedur zu durchlaufen, bis es endlich geht.

Nun also die Minimallösung: nur die benutzerbezogenen Daten sind gespiegelt. Das ist nicht weiter schlimm, denn dank der (im Gegensatz zu Windows) durchdachten Verzeichnisstruktur unter Linux werden sich dort dann auch wirklich alle wichtigen Daten befinden. Zudem würde ich im Falle eines Festplattenschadens ohnehin eine Generalüberholung des Systems durchführen. Der RAID1 dient für mich in allererster Linie zur verbesserten Datensicherheit. Einen Vorteil hat diese Lösung auch. Bei der reinen Festplattenspiegelung hat man nur 50% der Kapazität zur Verfügung. Jetzt habe ich sogar etwas mehr, weil die „Randbereiche“ der beiden Platten für unterschiedliche Aufgaben verwedet werden können.

So sitze ich nun hier, führe vielleicht zum 15. Mal die komplette Installation durch. Der Sonntag ist immr noch grau. Vielleicht wird er später dann doch noch Ubuntu*.

* Dies ist mein Betrag für den Wettbewerb „Wortspiel des Jahres“.