Schon gehört? Derzeit fährt ein Zug mit Castorbehältern durchs Wendland.

Die Frage ist rhetorisch. Natürlich weiß man davon. Es ist schließlich überall in den Medien. Ich frage mich, wieso eigentlich. Was macht den Transport so besonders, dass man sogar per Live-Ticker über jeden Meter, den dieser Zug zurücklegt, berichten muss? Na gut, die Proteste fielen dieses Mal ungewöhnlich groß aus, was auch nicht wirklich verwunderlich ist. Aber: diese Castor-Transporte kommen wie Olympia immer wieder – nur dort ist wenigstens der Ausgang unklar.

Castor-Transporte funktionieren aber wie G8-Proteste: die Polizei kommt, die Gegner kommen. Es kommt zu Zusammenstößen. Die Polizei sagt (per Pressekonferenz), die Demonstranten sind schuld. Die Demonstranten sagen (per Pressekonferenz), die Polizei ist schuld. Das Event läuft bis zum Ende durch mit Verletzten, Verhaftungen und einigen Prozessen. Der Zug kommt ans Ziel, der Gipfel findet statt. Am Ende gehen alle nach Hause.

Um beim nächsten Mal wiederzukommen.

Ich bin offen gestanden genervt davon, dass dieses sinnlose Protest-Schmierentheater immer wieder gespielt wird. Das vor allem deswegen, weil an dem Ganzen nichts konstruktives ist. Welchen Sinn hat es, diesen Zug aufzuhalten? Haben die Leute, die dies tun wollen, etwa einen besseren Plan? Es geht hier nur darum, gegen etwas zu sein, aber nicht für irgendetwas. Selbst wenn man morgen alle Kernkraftwerke abschalten würde, so säßen wir immer noch auf dem Abfall. Wo gibt es denn nach deren Ansicht eine angemessene Lagerungsmöglichkeit? Würde man den Müll mit einer Rakete in die Sonne schießen – nebenbei bemerkt die einzige wirklich dauerhafte Lösung für das Zeug – dann würden sie sich an ihr festketten. Der Plan, die Nutzung der Kernkraft durch das Aufhalten von Transporten zu stoppen, ist so oft fehlgeschlagen, dass wohl niemand ernsthaft daran glauben kann.

Darum geht es aber vielen anscheinend gar nicht. Protestieren um des Protestierens Willen – das ist wohl eher das, was sich bei Gorleben abgespielt hat. Ich kaufe zumindest bestimmten Leuten nicht ab, dass es hier wirklich um eine bessere Welt gehen soll.

Ich halte deswegen auch den so gerne gezogenen Vergleich mit Stuttgart 21 für verfehlt. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt wird aus der Mitte der Gesellschaft heraus demonstriert gegen ein Projekt, das weite Teile der Bevölkerung für falsch oder zumindest für finanziell überzogen halten, und gegen eine politische Klasse, die versucht hat, es selbstherrlich durchzudrücken. Der Protest dort bietet aber eine Alternative, ein Gegenkonzept. Dies ist eine ganz eigene Qualität, die durch die Gleichsetzung mit allem, wogegen viele demonstrieren, verwässert wird.

Mich würde nicht wundern, wenn diejenigen, die sich mit soviel Begeisterung vor diesen Transport werfen, zuhause kein Problem damit haben, Atomstrom zu nutzen. Die großen Stromanbieter machen wohl gerne etwas mehr Geld locker für den Castor – zumal der Polizeieinsatz wahrscheinlich vom Steuerzahler getragen wird. Weniger gefallen dürfte ihnen aber, wenn die Kunden zur Konkurrenz gehen. Oder vielleicht sogar Parteien wählen, die nicht im Hinterzimmer auf Basis von maßgeschneiderten Gutachten eine Laufzeitverlängerung aushandeln.

Damit wäre mehr getan als auf Kosten der Allgemeinheit diesen Zirkus zu veranstalten.