Safari heißt Reise – in Swahili. Für uns heißt es irgendetwas exotisches mit Tropenhelm und Jeep. Zumindest war das meine ungefähre Vorstellung davon.

Aber nicht alles ist so, wie man sich vorstellt. Das fiel mir spätestens dann auf, als die Safari-Guides im ersten Abendlager ihre Laptops auspackten und im mobilen Internet surften. Selbst in der Serengeti funktionieren manche Handynetze. Afrika ist zumindest in solchen Dingen im 21. Jahrhundert angekommen, und so auch ein bisschen die Safari.

Dementsprechend war nicht viel mit Plumpsklos und altertümlichen Zelten. Unser Auto war prima, das Zelt auch, und in manchen Camps gab es sogar warmes Wasser. Das Essen war so gut und reichlich, dass man sich wundern musste, wie der Koch aus so einer kleinen Kiste sowas zaubern kann.

Und dass man ein schlechtes Gewissen haben musste, sich in einem Land, wo die normale Bevölkerung kaum über die Runden kommt, mitten in der Wildnis ein solches opulentes Mahl servieren und dann davon sogar noch etwas zurückgehen zu lassen. Das Ganze fühlte sich ohnehin schon dekadent an. Wir waren zu zweit und hatten Idi, den Koch, und John dabei, der Fahrer und Guide ist. Derart persönlich betreut zu werden ist schon in Europa außergewöhnlich. In Afrika fällt aber umso mehr auf, dass Schwarze bedienen und Weiße bedient werden. Bei manchen Gruppen hatte man sogar ein bisschen den Eindruck, das Expeditionscorps wäre gerade gelandet und baue sein Basislager auf. Dabei haben wir den wirklichen Luxus, der einem dort gegen entsprechendes Großgeld geboten wird, gar nicht gesehen: Lodges, eine Art Hotel mitten im Busch.

„Unser“ Personal

Auf der anderen Seite hätten wir ohne „unser“ Personal alt ausgesehen. Leute, die auf eigene Faust dort mit dem Jeep herumfahren, sind selten – ich kann mich nur an einen erinnern. Das verwundert auch nicht weiter, denn es braucht einiges fahrerisches Geschick. Nicht dass sie von Schlaglöchern übersät wären – das ist nicht das Problem. In der Stadt waren die Straßen teilweise schlechter als in der Wildnis. Aber das Wissen, welches Schlagloch man mit sportlicher Geschwindigkeit nehmen muss und welches im Schritttempo, erwirbt man auf europäischen Straßen nicht. Wir sahen auf dem Weg auch das Ergebnis eines bösen Unfalls, der natürlich bei ungeübten Fahrern erheblich wahrscheinlicher ist.

Vor allem aber hätten wir weder den Adlerblick noch das enzyklopädische Wissen Johns gehabt. Wer glaubt, da würde einfach jemand hinters Steuer gesetzt, der den Weg kennt, liegt weit daneben. Die Guides gehen 2 Jahre lang auf eine besondere Schule, auf der sie alles über die Tiere in Tansanias Nationalparks lernen. Um Guide zu werden, müssen sie dann auch noch alle 15 tansanianischen Nationalparks besucht haben. Das ist schon eine Menge, aber selbst dann finden sie kaum einen Job, wie John uns berichtete. Denn diese umfängliche Ausbildung und Englischkenntnisse haben offenbar immer noch zuviele. John ging daher nach Nairobi und lernte spanisch an einer Sprachschule. Und weil es danach immer noch nicht leicht war, Anstellung zu finden, lernte er im Selbststudium auch noch italienisch.

Ein beeindruckendes Pensum, aber irgendwo auch nicht verwunderlich, denn der Job ist für dortige Verhältnisse vermutlich ausgesprochen einträglich. Üblich sind 10 Dollar Trinkgeld pro Gast und Tag – sowohl für den Koch als auch den Guide. Wieviel der Lohn beträgt, wissen wir freilich nicht, aber Johns Frau ist Lehrerin, weswegen man schon annehmen kann, dass die beiden zusammen dem Mittelstand angehören.

Was John freilich nicht an der Schule lernen konnte, ist die Fähigkeit, Tiere zu erspähen. Und das kann er hervorragend. Nicht zuletzt deswegen konnten wir uns glücklich schätzen, vier von den Big Five der Tiere dort schon am ersten Tag gesehen zu haben. Da waren wir nämlich am und im Ngorongoro-Krater, einem Vulkankrater im Nordwesten Tansanias.

Erster Tag: Ngorongoro-Krater

Der Krater und das umliegende Gebiet sind kein Nationalpark, sondern eine Art Schutzgebiet: die Massai leben dort, sind aber die einzigen, die das Gebiet bewirtschaften dürfen. Daher gehört ihnen prinzipiell auch jede Kuh im Gebiet. Überfährt man eine, muss man die Massai dafür entschädigen. Für schwangere Kühe doppelt soviel, versteht sich. Deswegen sind auch männliche Kühe grundsätzlich schwanger, wenn sie überfahren werden.

Den Krater selbst ist aber beschränkt auf die Wildtiere und darf nur tagsüber besucht werden. Übernachtungen dort ziehen hohe Strafen nach sich. Ist man einmal drin, versteht man auch, wieso der Park so beliebt ist und er die höchsten Gebühren von allen Safarizielen in Tansania kostet. Er ist ein Art eigenes Ökosystem, landschaftlich sehr schön, mit einer einzigartigen Kombination von Wildtieren.

Nicht nur, dass wir dort alte Elefantenmännchen gesehen haben und Flamingos. Hier sind auch noch 17 Spitzmaulnashörner anzutreffen, bei denen die Ansiedlungsversuche in der Serengeti gescheitert sind. Wir haben drei dieser Tiere von weitem gesehen – und da das Nashorn zu den Big Five gehört, hätten wir die Liste ohne den Kraterbesuch nie voll bekommen.

Ein Highlight war freilich auch der Campingplatz: neben Strom und warmem Wasser gab es auch einen Elefanten, der da regelmäßig zum Trinken vorbeischaut und uns so recht nahe kam. Aber auch der Blick über den Krater war nicht zu verachten – und die Kühle am Abend, die mir, gerade aus Stockholm gekommen, natürlich sehr angenehm war.

Alles weitere steht fürs erste oben bei den Fotokommentaren. Und die Bilder kommen aus der Serengeti kommen zu späterer Gelegenheit.