Auf der anderen Seite des Zauns

Ein Deutscher, der in Schweden lebt, schreibt natürlich über die Schweden, den Blick der Schweden auf Deutsche, den Blick der Deutschen auf Schweden und den Blick beider auf jeden und überhaupt und sowieso.

Es wäre auch nicht das erste Mal, dass ich mich mit diesem Thema auseinandersetze.

Dennoch gibt es noch einige weitere interessante Fundstücke, die ich hier präsentieren möchte:.

  • Besonderen Eindruck hat irgendwie dieses Buch von Sandra Eichinger (inkl. umfänglicher Leseprobe) (hier auch mit Leseprobe der ersten Seiten) auf mich gemacht – besonders ja, aber deswegen nicht unbedingt gut.
    Ich habe mir das Buch nur anhand der Onlinequellen durchgeschmökert und wenig Lust, es käuflich zu erwerben. Der Ansatz dieses Werks erscheint mir nämlich höchst suspekt. Schon der Klappentext verrät, dass das Ganze „subjektiv geprägt“ ist, was gepaart mit dem Ansinnen, „untersuchen“ zu wollen, „welchen Realitäten sich der ausgewanderte Deutsche gegenüber sieht“, schon einmal die Frage aufwirft, ob eine subjektive Untersuchung irgendein objektives Ergebnis erbringen kann. Daran ist aber noch nichts schlimmes, zumal ich hier ja auch subjektiv gefärbt über dieses Land schreibe. Wo es anmaßend und bigott wird, ist, wenn im letzten Kapital „Rückwanderung nach Deutschland“ stellvertretend für „den Deutschen“ festgestellt werden muss, warum dieser zurückwandert – trotz des Fakts, dass Deutsche die sechstgrößte schwedische Einwanderergruppe sind. Geradezu entlarvend ist dieser Satz:

    Was soll man in einem Land, mit dessen Menschen man nicht wirklich vertraut wird, und für deren Verhalten man kein Verständnis entwickeln kann, da man selbst so anders ist?

    Ja, wie unverschämt doch alle sind, anders zu sein als wir, und dann noch so anders, dass wir sie gar nicht verstehen können. Wie kann ein Land so dreist sein, sich nicht voll auf deutsche Befindlichkeiten anzupassen?

    Das Fragezeichen im Titel scheint in Wirklichkeit ein Ausrufezeichen zu sein.
    Das Buch mag in einigen Teilen gut recherchiert sein, aber es ist mitnichten eine „Untersuchung“. Da werden Einzeläußerungen mit Nebensächlichkeiten versponnen, was den Verdacht, es handele sich um mehr als nur Meinung, schon ziemlich zerstreut.
    Es ist eine Abrechnung mit einem Land, in dem man nicht klargekommen ist und dem man deswegen die Schuld am eigenen Scheitern gibt. Die Verbitterung hat offenkundig ausgereicht, ein Buch zu schreiben und es auf eigene Kosten im Selbstverlag herauszubringen.

    Der geneigte Leser kann sich das Machwerk ja einmal ansehen – weite Teile sind schließlich online – und sich eine Meinung bilden. Ich würde sie gerne in den Kommentaren lesen.

  • Zaunseitenwechsel: diesen schon etwas älteren Blogeintrag zu den Inga-Lindström-Filmen habe ich gefunden. Ein Schwede äußert seine Gedanken zu einem der Filme – sehr interessant, aber man muss leider schwedisch können.

    Hier aber ein paar Highlights:

    Die Fotografie und die Ästhetik sind die eines Reklamefilms.[…] In jedem Fall wartet man die ganze Zeit darauf, dass jemand die stilvolle Umgebung […] kommentiert. […] Unsere Heldin […] betreibt ein Käsegeschäft in Stockholm, wo sie Besuch von einem Mann […] bekommt, der erzählt, dass er Elchwurst herstellt und sich fragt, ob die Heldin nicht vielleicht interessiert ist, diese in ihr Sortiment zu nehmen. […] Sie essen in einem Fischrestaurant […] und sind sich einig, für ein paar Urlaubstage in der Nähe ein Haus zu mieten […]. Sie fahren um die Ecke, um zu dem Haus zu kommen und finden sich direkt in den Schären von Söderköping, wo es ihnen gefällt. […] Es erweist sich natürlich, dass der Elchwurstfabrikant einen Garten mit einem kleinen Elchgehege hat. Ich glaube, man sieht mich mehr als vier Elche darin […] Wenn sie den Käse exklusiv nennen, ist das eine Untertreibung. […] Lasst uns übrigens eine Sache klar machen, bevor wir das ganze deutsche Volk zu Idioten erkären: soweit ich das verstehe, ist es keine Unmöglichkeit, Käse aus Elchmilch zu machen.

    Ich musste einige Male lachen beim Lesen.

  • Kurz über den Zaun gesprungen: angeblich scheint es in Schweden weit verbreitet zu sein, dass die Deutschen „allgemein, immer und überall“ von den „dummen Schweden“ sprechen. Wie dieses Blog darlegt, basiert das aber nur auf einer Satire aus dem Jahr 1864. Mir ist dies bislang aber noch nie untergekommen.
  • Und nochmal drüber: Linda Karlsson lebt seit 2001 in Deutschland und bloggt auf schwedisch über ihr leben dort. Inga Lindström hat sie auch schon in einem Beitrag behandelt. Auf alle Fälle einen Blick wert.

25 Gedanken zu „Auf der anderen Seite des Zauns“

  1. Der Tipp mit dem Weblog von Linda Karlsson war schon mal super. Ich hab mich schon prächtig amüsiert.

    Die Leseprobe werde ich mir später noch antun und dann berichten. 😉

    // Jasmin

  2. Ich habe mir Teile dieses Machwerk einmal durchgelesen. Ja ich finde das Wort durchaus passend.
    Wenn Sie schreibt “ wenn man feststellt, daß das Schweden das man meint, aus zahlreichen Urlauben zu kennen, doch ein gänzlich anderes Gesicht zeigt als erwartet.“ kann ich nur verwundert den Kopf schütteln. Anscheinend hat Sie zu viele Auswandererdokus gesehen und hielt Inga Lindström Filme für Realität .
    Ich will ihr gar nicht absprechen, daß Sie und Andere diese Erfahrungen z.B im schwedischen Arbeitsalltag gemacht haben. Aber die Verallgemeinerung stört mich doch gewaltig.
    Jeder Einwanderer hat es überall auf der Welt schwer. Und sogar Deutsche im eigenen Land. (Die Sachsen z.B. müssen in vielen Teilen Deutschlands ihren Dialekt verbergen um nicht abgelehnt zu werden.)
    Ich weiss nicht welches Ziel Frau Eichinger mit diesem Buch verfolgt. Im Vorwort zu schreiben „Dieses Buch ist eindeutig subjektiv, aber es zeigt offen und schonungslos wie Schweden von deutschen Einwanderern gesehen und aufgefasst wird“ ist ein Widerspruch in sich.
    Ich habe durchaus Interesse an kritischen Lebensberichten von Deutschen in Schweden, für dieses Buch kann ich es aber nicht aufbringen.
    Danke trotzdem Fabian, daß du uns dieses Fundstück näher gebracht hast.

  3. Ich komme mit ihrem blogg nicht klar. Da scheint es keine chronologische Struktur der Beiträge zu geben wie hier – mehr als ein Teil vom April sehe ich nicht.

  4. Ach du meine Güte, die Dame fällt ja nun wirklich unter die Rubrik frustriert und naiv. Wen wunderts, dass man sich, wenn man in ein främdes Land kommt, umstellen muss. Ein anderes System und eine andere Gesellschaft kennen lernen muss. Ja, die Schweden sind zurückhaltend und auf Einladungen muss man lange warten, aber sind wir deutschen zuhause anders? Bevor ich nach S gegangen bin hatte ich einen ganz bestimmt nicht multikulturellen Freundeskreis. Die angebliche Überlegenheit des dt. Gesundheitssystems wage ich auch zu bezweifeln, habe in D, UK und S als Arzt gearbeitet und bin in S hängen geblieben weil ich da gute Medizin machen kann, ohne gegängelt zu werden. Und wenn die Dame ihre Kenntnisse über Ultraschall und Blinddarmentzündung nicht aus der Bildzeitung hätte, wüsste sie auch dass man hin und wieder einen entzündeten Blinddarm im US sehen KANN, aber dass das eher die Ausnahme ist. Und auch CT und MRT helfen hier nicht weiter. Und ja, es sterben auch in D Kinder und Erwachsene daran, weil die Blinddarmentzündung nun mal ein Chamäleon ist und sich auf viele Arten präsentieren kann. Um nur auf eines ihrer Kritikpunkte einzugehen.
    Viele der Schilderungen stimmen ja, einfach weil es im Norden anders ist, nur den durchweg negativen Ton hätte sich die Autorin sparen sollen. Dass nicht alles gut und schön in Inga Lindström Land ist, sollte auch Otto-Normalautor klar sein. Ists ja in den USA auch nicht. Und auch nicht in D.
    Gruesse von Martin, der auf Heimaturlaub ist und sich in D gerade ganz komisch und ausländisch vorkommt. 😉

  5. Hallo zusammen!
    Ich habe das Buch von Sandra Eichinger zwar nicht gelesen, aber ich denke es geht grundsätzlich um Heimweh. Die Heimat ist für Leute wie sie eine Art Index und alle andere Kulturen fallen durch. Ich treffe in Deutschland immer wieder Schweden, die sich über Deutschland beschweren. Das nervt mich schon ab und zu. Bei mir ist es so, dass ich einfach eine andere Perspektive gewonnen habe: Es gibt Dinge, die mir in Schweden besser gefallen, aber auch umgekehrt. Das perfekte Land auf der Erde gibt es nicht.

    @Fabian: Für mich ist es sehr interessant zu hören, wie es Deutschen in Schweden geht. Ich werde auf jeden Fall öfters hier vorbeischauen! 🙂
    @Mark: Der Blog ist eigentlich schon chronologisch aufgebaut (einfach die Pfeile rechts und links verwenden). Vielleicht hast du aber eine ältere IE-Version, die die Struktur nicht so ganz anzeigen kann? Danke trotzdem fürs Vorbeischauen! 🙂

    LG aus München

  6. Hallo Linda,
    ich habs nochmal versucht. Es wäre sinnvoll, die Navigationspfeile nicht als Mouse-Rollover-Effekt einzublenden, sondern konstant anzuzeigen. Denn, wenn ich die Maus nicht in diesen weißen, leeren Bereich bewege, komme ich nicht so schnell drauf, dass da was sein könnte.
    Der Blog sieht zwar positiv kreativ aus, aber hier wird die Navigation mehr ein Opfer denn Nutznießer dieser Kreativität.

    Ich finde es spannend, Schweden über Deutschland schreiben zu sehen. Das zeigt einem doch eine andere Perspektive auf. Ist zwar auf Schwedisch, aber hey…

  7. Scheinbar hast Du Dich mit dem Eichinger Buch nur oberflächlich auseinandergesetzt. Ich habe bei google books auch intensiv hineingelesen und finde diese Schrift hochinteressant. Vielleicht unterstellt man Eichinger bewußt eine negative Einstellung zu Schweden. Dieses Buch ist kritisch aber keinesfalls negativ. Vielmehr hat Eichinger es im Gegensatz zu anderen Schwedenautoren vermocht, die Realität zu beschreiben und die Hintergründe zu beleuchten die zur Ursache führten, nämlich die gezielte sozialistische Gleichschaltung Schwedens seit den 30er Jahren. Das Eichingers Buch hier und anderswo niedergemacht wird, zeigt nur, das das „Bullerby-Syndrom“ welches sie beschreibt, auch wirklich existiert, nämlich ein auf falschen Tatsachen basierendes Bild der Deutschen von Schweden. Ich bewundere Frau Eichinger für ihren Mut und kann jedem der nach Schweden auswandern will, nur raten, sich nicht von dem Bild Schwedens in der Öffentlichkeit blenden zu lassen sondern sich vorher mit den kritischen Stimmen zu beschäftigen.

    Micke

  8. @Micke: Dann hättest du dich vielleicht nicht so oberflächlich mit dem Beitrag auseinandersetzen sollen. Ich kritisiere nicht, dass sie Schweden und die Realitäten in diesem Land kritisiert. Wenn man sich hier in das Blog etwas einliest, dann wird einem auffallen, dass ich wirklich nicht vorhabe, dieses Land als ein einziges großes Bullerbü darzustellen. Im Gegenteil habe ich sogar schon über das Bullerbü-Syndrom hier geschrieben.

    Von mir aus kann Frau Eichinger so viel auf dieses Land eindreschen, wie sie will. Ob das fair ist oder nicht, ob richtig oder nicht, bleibt im Einzelfall zu beurteilen. Ich bestreite ja auch nicht, dass sie gut recherchiert hat.

    Es geht vielmehr darum, dass sie eine Streitschrift als Untersuchung deklariert – das tun viele Meinungsbuchautoren auch, was wohl hingenommen werden muss. Dass sie dann aber am Ende den Anspruch erhebt, für „den Deutschen“ zu sprechen, ist in diesem Zusammenhang kaum akzeptabel. Sie maßt sich an, dass sie repräsentativ für „den Deutschen“ ist, und weil sie hier keinen Fuß fassen konnte, es „dem Deutschen“ hier auch nicht gefallen kann. Nur weil ihr etwas nicht gelungen ist, kann es den anderen auch nicht gelingen. Das riecht danach, dass sie sich selbst die Absolution erteilt, um sich eigenen Fehler nicht zu stellen – und diese Absolution auf selbst bezahlten Buchseiten sehen möchte. Richtig dreist wird es an dem von mir zitierten Punkt: sie wirft einem Land vor, dass es so anders ist, und begibt sich damit in die Niederungen, die diese ganzen „Auswanderer“ aus diversen Auswanderersendungen durchschreiten. Nach dem Motto „Hier ist alles scheiße – also ich gehe ich woanders hin, aber da hat dann gefälligst alles toll zu sein“. Wenn Frau Eichinger nicht damit leben kann, dass die Dinge in einem anderen Land anders sind und die Menschen anders denken, dann ist das ihre Sache. Vielleicht hätte sie mit der Sichtweise erst gar nicht weggehen sollen. Dass sie es aber so hinstellt, dass es allen so gehen muss wie ihr, ist schlichtweg Anmaßung.

  9. @ Micke
    Du schreibst auf jeder Webseite den gleichen Kommentar, egal ob er passt oder nicht.
    Wie Fabian schon sagt geht um die Verallgemeinerung, ich lasse mich weder von Frau Eichinger noch von Dir oder irgendwem mit den restlichen Menschen der gleichen Staatsangehörigkeit in einen Sack stopfen. Und wenn Du diesen und auch meinen Beitrag nicht nur oberflächlich gelesen hättest, dann wäre uns dieser Kommentar erspart geblieben.

    Tschuldigung, das musste jetzt mal raus.

  10. Hey Micke, du solltest hier wirklich mal regelmäßig vorbeilesen. Ich tue es schon länger und finde, dass hier frei von irgendwelchen Idealen geschrieben und berichtet wird. Und was mich noch so sehr an diesem Blog erfreut, ist, dass man den Beiträgen anmerkt, dass sie von einem Menschen geschrieben wurden, der eine hohe Bildung hat (keine „erkaufte“) und oft genug objektiv und kritisch schreiben kann. Tjenna…

  11. Hej!
    Ich werde das Buch sicher nicht lesen, aber die Argumentation hier, warum man das nicht machen sollte, überzeugt mich noch nicht so ganz.
    Ehrlich gesagt, scheint mir der Satz „Was soll man in einem Land, mit dessen Menschen man nicht wirklich vertraut wird, und für deren Verhalten man kein Verständnis entwickeln kann, da man selbst so anders ist?“ nicht besonders anmaßend oder arrogant zu sein, sondern der klingt ziemlich einsichtig. Es geht in dem Zitat nicht darum, dass sich Schweden anpassen soll, vielmehr liegt die Verantwortung bei der Einwanderin.

  12. @Tilmann: Leider sind die Seiten aus dem Rückwanderungskapitel nicht mehr online verfügbar. Freilich halte ich von der in dem zitierten Satz ausgedrückten Einstellung nicht allzuviel. Wenn jemand die Andersartigkeit eines Landes als Argument verwendet, dort nicht leben zu können, dann kann eine Auswanderung auch kaum erfolgreich sein. Wie weiter oben schon erwähnt, ist das aber Frau Eichingers Sache. Anmaßend ist, dass sie es auf „den Deutschen“ verallgemeinert und es damit so hinstellt, es müsste allen so gehen, weil ihr es so ging. Man kann an dem Fakt, dass sie es 8 Jahre hier ausgehalten hat, viel herumdeuteln. Ihre eigene Interpretation von dem insgesamt für Deutsche unerträglichen Land vermag ich jedenfalls nicht zu teilen.

    Kleiner Nachtrag: irgendwie werde ich aus dem Buch nicht ganz schlau. Anscheinend lebt sie noch in Schweden, oder zumindest suggerieren das einige Textstellen.

    Nochmal Nachtrag: ich argumentiere hier nicht dagegen, dass man dieses Buch kaufen und lesen soll. Wenn das der Zweck der Sache wäre, hätte ich das Buch hier schlicht unerwähnt gelassen. Es erscheinen mir lediglich einige Dinge darin fragwürdig, und darauf wollte ich hier eingehen.

  13. Hej igen!
    Kannst Du vielleicht nochmal für mich begründen, was Dich an dem Satz stört?
    In dem Satz kommt jedenfalls nicht raus, dass sie für alle Deutschen spricht. Der Satz an sich wirkt für mich eher so wie eine persönliche Einsicht. Aber ich habe den Kontext nicht gelesen.
    Ich wollte Deine Beweggründe überhaupt nicht kommentieren, mich interessiert das Buch eigentlich nicht. Naja.
    Dieses Buch über die schwedische Gesellschaft ist lesenswert: http://www.svd.se/kulturnoje/litteratur/storst-av-allt-ar-oberoendet_33436.svd

  14. Der Satz ist nicht als Beleg dafür gedacht, dass sie für alle Deutschen spricht. Das tut sie, soweit ich das erinnere, in den Sätzen vor dem zitierten – vielleicht hätte ich ein längeres Zitat auswählen sollen, um das deutlicher zu machen. Ich hätte gerne noch etwas mehr zitiert, aber Copy&Paste geht bei Google Books nicht, und alles abzutippen oder über OCR einzulesen war mir etwas zu umständlich. Wie gesagt ist der entsprechende Abschnitt nicht mehr online verfügbar, so dass ich auch selbst nicht mehr kontrollieren kann, wie es genau ist. Ich habe den Satz ausgewählt, weil er mir bezeichnend erschien, aber weniger als resignierend und erkennend, sondern vor allem als anklagend und in dem weiteren Kontext des Kapitels auch als zwingende Folge der Schwächen dieses Landes.

    Zu den Beweggründen: du hattest im ersten Satz gesagt, dass dies eine Argumentation dafür sei, das Buch nicht zu lesen. Da wollte ich noch klarstellen, dass das nicht meine Absicht war.

  15. Das Buch der Eichinger ist ein schleimiger Erguß. Solche Dinge habe ich mir durch meine Auswanderung nach Schweden eineinhalb Jahrzehnte erspart. Nun weiss ich, warum es in Schweden kein passenderes Wort für Besserwisser gibt als eben dieses.

    Natürlich fände ich es schön, wenn es mehr Auswahl in den Geschäften gibt, so wie in Deutschland. Aber Schweden ist eben ein wenig bevölkertes Land. Da bin ich schon froh, daß die Gurken nicht mehr gedrittelt werden oder Paprika einzeln in Folie einpackt im Regal liegen.

    Unkundiges Personal in Fachgeschäften kenne ich aus Deutschland zuhauf. Das ist kein Einzelfall, und Spezialisten findet man immer – man muß nur danach suchen.

    Und ich finde es gut, daß jedes Land anders ist. Woher sollte die Anziehung auch sonst kommen. Ich reise leider wenig, aber wenn ich reise, dann sauge ich die Unterschiede in mich auf, erlebe sie richtig. Das tut gut!

  16. Ich habs mir inzwischen gekauft, weil ich den kritischen Umgang mit Schweden vermisse. Und ich lese auch auf Deiner Seite nicht oberflächlich. Mir ist beim Lesen auch aufgefallen, das sie auch Positives zu Schweden schreibt, lies mal im Kapitel Arbeitsleben oder Hilfsbereitschaft.

    „Und natürlich ist es phantastisch, solche Arbeitsbedingungen vorzufinden.“

    „Die Hilfsbereitschaft der Schweden ist ungeschlagen“

    Auf Seite 135 im Kapitel „Persönliche Freiheit“ stehen ausschliesslich positive Dinge über Schweden.

    Ich bin es noch nicht ganz durch Hansbaer, aber wenn Du unter dem selben Namen noch in anderen Foren schreibst, so hat Frau Eichinger Deine subjektive Meinung wohl gut in den Kram gepasst mit ihrem „schleimigen Erguß“ wie ihn mein Vorschreiber bezeichnet. Ein Hansbaer wird nämlich auf Seite 59 zum Thema Schule zitiert.

    Was mir an dem Buch nicht gefällt, ist der Titel und die Aufmachung, ich halte ihn für irreführend denn der Untertitel trifft das Kernthema besser. Ansonsten finde ich das Buch nicht so subjektiv. Nur anhand der postings zu dem Buch lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, wie viele Leute hier nur Urlaub machen und zu Hause Inga Lindström gucken. Ich halte das Urteilsvermögen vieler aufgrund des Bullerbü-Syndroms für stark getrübt. Man lernt Schweden nur oberflächlich kennen, wenn man nur 3 oder vier Jahre hier wohnt.

    Das Buch zieht keineswegs Schweden in den Dreck. Wenn ich das Buch richtig interpretiere, lebt die Autorin noch in Schweden und zieht Schweden Deutschland vor (auch viele deutschlandkritische Passagen). Sie schreibt ja auch gutes über Schweden, nur sie beleuchtet eben hauptsächlich die andere Seite.

    @Jasmin – ich habe meinen comment nur noch auf einer weiteren Seite gepostet (nicht auf „jeder Webseite), weil ich mich über solch unreflektierte Kritik ärgere. Demokratie lebt von Vielfalt der Meinungen und ich bin gegen Einfältigkeit. Die Betreiberin der Seite hatte sich nur auf hansbaers blog bezogen und nachgeplappert bzw. in typisch deutscher Manie noch einen draufgelegt. Da fand ich es nicht für wert, Zeit dafür zu verschwenden.

    Hansbaers Kritik ist sachlich und dient als Diskussionsgrundlage. Aber zu schreiben „Ein Buch für den Kamin“ ohne es gelesen zu haben, ist schon etwas heftig. Bücherverbrennungen hatten wir schon mal in unserer Geschichte. So etwas hat keine persönliche Kritik verdient und deshalb kopierte ich den comment von hier und postete ihn auch dort, nur um zu zeigen, das Bücherverbrennungen nicht mehr in unsere Zeit gehören.

    @hansbaer – Ich glaube das Fragezeichen ist als Fragezeichen gemeint.

  17. @Jasmin

    Die Autorin der Website die für Bücherverbrennungen ist, heißt auch Jasmin. Komischer Zufall nicht war? Du warst bestimmt auch so nett und hast der Autorin die schlechte Bewertung bei amazon unter dem gleichlautenden Titel gegeben ohne das Buch gelesen zu haben.

    Ich bin froh das ich in Schweden bin- mir graust es vor Deutschen wie Dir.

  18. Micke, du bist echt komisch drauf und an Schweden mag ich, dass ich so Leute wie dich seltener treffe als in Deutschland. Har det bra.

  19. @Micke
    wer hat geschrieben „ein Buch für den Kamin“ ich kann es ausser bei dir nirgends finden?
    Wenn ich sowas gelesen hätte, wäre meine Association erstmal gewesen, daß dieses Buch sich gut am Kamin lesen läßt. Da ich die Stelle nicht finde wo es steht kann ich deine Association nicht nachvollziehen.
    Du schreibst „Nur anhand der postings zu dem Buch lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, wie viele Leute hier nur Urlaub machen und zu Hause Inga Lindström gucken.“ Ausser mir leben vermutlich alle Poster in Schweden, wen meinst du also?

  20. @Harry,

    ich meinte Jasmin. War ihr wohl unangenehm was ich schrieb oder sie kann nicht zu ihrer Meinung stehen, wie dem auch sei, ihren blog eintrag hat sie gelöscht, google hat ihn auch nicht mehr im cache, aber wenn du den Buchtitel und Kamin eingibst, taucht es noch in der Suchliste auf. Kann mir auch egal sein wie Jasmin drauf ist mit ihren Bücherverbrennungen und das ihr das hier so akzeptiert. Heinrich Heine sagte mal: „Wer Bücher verbrennt, verbrennt am Ende auch Menschen.“

    Es ist mir egal ob ihr meine Assoziationen nachvollziehen könnt oder nicht, es stört mich auch nicht das ich „komisch drauf“ bin, ich werde Euch hier nicht weiter belästigen, sondern nur noch stiller Leser sein.

    Hälsningar

    Micke

  21. Ich hatte im Traum nicht geglaubt, dass ausgerechnet dieser Beitrag ein solches Echo hervorrufen würde.
    Eines habe ich jedenfalls mit Sicherheit gelernt: in Urlaub fahren ohne die Kommentare zuvor auf Moderation zu setzen ist ein Fehler.

    Nun zu den Dingen.

    Dass hier Kommentare möglich sind, hat einen Grund: es darf nicht nur, es soll diskutiert werden. Wenn ich nur meine eigene Meinung hören will, brauche ich auch nicht zu diskutieren. Daher freue ich mich auf Kommentare und kontroverse Diskussion. Ich habe hier schließlich ausdrücklich um Meinungsäußerung gebeten.

    Worüber ich mich weniger freue, ist, Leuten anhand einiger Zeilen einen Stempel aufzudrücken. Das ist auf beiden Seiten im Rahmen dieser Diskussion vorgefallen, und ich finde das äußerst unschön. Man muss nicht gleich persönlich werden, wenn man anderer Meinung ist. Ich halte es für falsch, aus ein paar Zeilen Rückschlüsse auf eine andere Person zu ziehen.

    Ganz allergisch bin ich, wenn es um das Vernichten von Schriftwerken jeglicher Art geht. Die Zeiten, als Bücher wegen missliebigen Inhalts verbrannt wurden, halte ich eigentlich für überwunden. Hier sind harte Worte durchaus angebracht, und da bin ich ganz bei Micke.

    Dennoch kann ich auch Jasmins Unmut verstehen. Ein Kommentar, der die oberflächliche Behandlung von Frau Eichingers Ausführungen kritisiert, muss selbst oberflächlich wirken, wenn er in identischer Form auf zwei verschiedene Blogbeiträge zweier verschiedener Autoren abgegeben wird.

    Und ich kann mich zumindest für meinen Teil an dieser Stelle nur wiederholen: ich habe nicht die fachlichen Darstellungen von Frau Eichinger kritisiert, sondern ihre Motivation und die Anmaßung, für den deutschen Auswanderer im Allgemeinen zu sprechen. Man kann dieses Land und seine Verhältnisse gerne kritisieren. Man sollte aber keine „Untersuchung“ ankündigen, deren Ergebnis dem Anschein nach schon von Anfang an feststeht, noch sollte man sich zum Sprecher eines imaginären Standardauswanderers aufschwingen.

    Da Micke hier Foreneinträge anspricht, werde ich auf sie eingehen, obwohl ich das ursprünglich nicht wollte. Ich hatte schon die leise Vermutung, dass ich auch zitiert worden bin, scheine aber bei einmaliger Zitierung gut weggekommen zu sein. Man könnte Zitate als schmeichelnd sehen, aber das fällt mir ausgesprochen schwer. Die Verwendung der Zitate ist vielleicht legal, aber die Ausgestaltung der Sache ist ausgesprochen schlechter Stil.

    Nicht nur, dass hier Privatleute ohne vorher gefragt zu werden zum Anwalt Eichingers Sache gemacht werden. Die Auswahl scheint auch extrem selektiv zu sein. Da wurden teilweise jahrealte Beiträge längst wieder inaktiver Benutzer ausgegraben, was den Schluss sehr nahe legt, dass die Autorin hier nur Rückendeckung für das Gesagte suchte. Das Zitat sollte also nicht stellvertretend für viele andere stehen, sondern nur das Gesagte nochmals unterstreichen. Dass die Auswahl der Autoren auch tendenziöse Züge trägt, passt hier nur zu gut ins Bild.

    Wäre das Buch ein Debattenbuch und als solches gekennzeichnet, wäre das hinnehmbar. So empfinde ich das alles nur als verfälschend und grob irreführend.

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