Auswandererguide Teil XVIII: Studieren in Schweden – Master und Doktor

Wie man an den bisherigen Ausführungen erkennen konnte, ist die Aufnahme eines Grundstudiums in Schweden nicht ohne Tücken. Neben den eventuell hohen Anforderungen in Sachen Sprache, belegte Fächer und Noten gibt es eventuell auch finanzielle Probleme zu meistern.

Ein Fortsetzungsstudium in Schweden ist daher für viele die ideale Möglichkeit, nach Schweden zu kommen – da bin ich mit eingeschlossen. Mit Fortsetzungsstudium ist gemeint, dass man zuvor schon einen Bachelor oder Master (bzw. vergleichbares) erworben hat und nun in Schweden mit einem Master bzw. Doktor weitermachen möchte.

Finanziell ist es weniger kritisch, weil zumindest der Doktor bezahlt ist. Sprachlich ist es weniger kritisch, weil Fortgeschrittenen- und Graduiertenkurse häufig auf Englisch sind.

Masterprogramme

Hinzu kommt, dass Schweden eine große Bandbreite an internationalen Masterprogrammen anbietet, die speziell für ausländische Studenten gedacht sind und in denen komplett auf englisch unterrichtet wird. Allerdings sollte man bedenken, dass die Anforderungen in diesen Studiengängen auch speziell darauf zugeschnitten sind. Das soll heißen, das Bewerbungsverfahren stellt unter Umständen besondere Ansprüche, die zwar als Vorsichtsmaßnahme bei nichteuropäischen Studenten sinnvoll erscheinen, aber auf europäische Studenten nur befremdlich wirken.

Bei meiner Bewerbung wurde zum Beispiel verlangt, dass man zwei Empfehlungsschreiben und ein ärztliches Attest über einen guten Gesundheitszustand einreicht sowie den TOEFL-Test bestanden hat. Dies soll offenkundig verhindern, dass Leute von dubiosen Hochschulen sich nach Schweden schleichen oder jemand zum Schein ein Studium beginnt, um eine in seiner Heimat nicht bezahlbare medizinische Behandlung auf Kosten des schwedischen Staates machen zu lassen.
So streng war es letztendlich nicht bei mir. Den TOEFL hatte ich nicht, was nicht bemängelt wurde, und auch das Attest hätte ich mir vermutlich sparen können. Verlassen kann man sich aber nicht darauf, dass man als Europäer nicht alle Anforderungen erfüllen muss, denn ich kam von einer Partnerhochschule der KTH, was die Bewertung wohl etwas gnädiger ausfallen ließ.

Nur auf eines kann man sich verlassen: EU-Bürger dürfen nicht diskriminiert werden, was soviel heißt, dass die Hochschule keine Anforderung an EU-Bürger stellen darf, die sie nicht auch an Schweden stellt. Insofern gilt es, die Anforderungen sehr gründlich durchzulesen.

Die Bewerbung für solche Programme erfolgte früher manchmal direkt bei der Hochschule (auch in meinem Fall), mittlerweile aber praktisch flächendeckend über studera.nu, die dann analog zu dem vorher beschriebenen System die eingeschickten Unterlagen beurteilen. Leider gibt es anscheinend keine Liste der Masterprogramme auf studera.nu – also ist es besser, sich durch die einzelnen Hochschulseiten durchzuklicken, um herauszufinden, welche Programme es gibt. Ein gutes Stichwort ist „magisterprogramm“ bzw. dessen bestimmte Form „magisterprogrammet“.

Promotion

Spätestens im Postgraduiertenbereich wird ohnehin alles etwas internationaler und unabhängiger. Hier laufen die Bewerbungen natürlich direkt über die Hochschule, so dass es auch nicht mehr ganz so standardisiert ist. Daher kann ich hier nur sehr bedingt einen Überblick über die schwedischen Besonderheiten in diesem Bereich geben.

Man ist im Gegensatz zu Deutschland kein reiner Hochschulmitarbeiter, sondern auch noch Student – man spricht vom forskarstudent (Forscherstudent). Das äußert sich leider nicht nur in einem netten Studentenausweis, mit dem man die üblichen Vergünstigungen erhält, sondern auch daran, dass verlangt wird, eine bestimmte Menge von ECTS-Punkten zu erwerben. Allerdings ist das auch individuell verschieden – je nach Vorausbildung werden bestimmte Kurse erlassen.

Auch ist das Doktorandenstudium länger als in Deutschland. Vier Jahre sind hier üblich. An vielen Stellen kann man auch fünf Jahre machen und dann 20% der Zeit für andere Dienste am Institut verbringen. Oft sind das Aufgaben in der Lehre wie die Betreuung eines Tutoriums, aber es können auch andere Dinge sein. Dies ist für Schweden oft nicht uninteressant, da sie dadurch 5 Jahre lang eine gesicherte Anstellung haben und Pensionsansprüche erwerben.

An vielen Hochschulen gibt es zudem das Licentiat. Es handelt sich dabei um ein Zwischenexamen, das nach zwei Jahren abgelegt wird – sozusagen als Generalprobe für die Doktorarbeit. Es ist für sich genommen zwar auch ein akademischer Grad, aber kaum jemand dürfte danach direkt aufhören. International ist es ohnehin unbekannt.

Als Doktorand wird man üblicherweise bezahlt. Jedoch haben auch hier die Hochschulen ihre Tricks, Geld zu sparen. So wird bei vielen Doktoranden über Teile der vier Jahre statt eines Lohns ein sogenannter Utbildningsbidrag (Ausbildungsbeitrag) bezahlt. Es ist eine Art Stipendium, und da es kein Lohn im formellen Sinne ist, kann sich die Hochschule die üblichen Arbeitgeberabgaben sparen. So kommt das gleiche Netto bei weniger Kosten für die Hochschule heraus. Als Doktorand hat dies den Nachteil, dass darauf nicht die gleichen Pensionsleistungen entrichtet werden wie auf einen Lohn. Also fallen hier eventuell Ansprüche weg. Auch im Falle von Krankheit oder Arbeitslosigkeit (zugegebenermaßen unwahrscheinlich) kann dies Schwierigkeiten machen, da man natürlich keinen Lohnersatz erhalten kann, wenn man gar keinen Lohn erhalten hat.

Zur Höhe der Bezahlung sei noch gesagt, dass man davon leben kann, es aber für schwedische Verhältnisse meist am unteren Ende der Lohnskala liegt. Ich erhalte beispielsweise rund 1500 € brutto – als Vollzeitbusfahrer wären es gut 30% mehr.

Immer diese High Society

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Ich bin mir ja meiner Prominenz vollkommen bewusst. Welche Gesellschaftsveranstaltung würde schon gerne auf mich verzichten?

Nun habe ich aber eine Einladung zur Diplomübergabe der KTH im Stadshuset erhalten. Kurz darauf flatterte auch noch eine Einladung zum Willkommensabend für Doktoranden an der Stockholmer Universität herein. Allerdings war ich bei beiden Veranstaltungen schon im letzten Winter zugegen.

Das finde ich dann doch etwas anbiedernd.

Meine zweite Berufung – oder doch nicht

Nachdem mich gestern eine Magen-Darm-Grippe (oder eher der Anflug einer solchen) erwischt hat, verbrachte ich heute den Tag zuhause.
Am Nachmittag erhielt ich einen Anruf. Das ist für sich genommen nichts ungewöhnliches, zumal ich ja einiges gewohnt bin. Dieser hat mich allerdings sehr überrascht.

Es war Petter*, Lehrer an einem nicht ganz unbekannten Stockholmer Gymnasium. Er fragte mich, ob ich nicht Aushilfslehrer werden und unterrichten wolle. Es stellte sich heraus, dass er einfach alle Physik-Doktoranden der Stockholmer Universität abtelefonierte. Ich wies ihn darauf hin, dass ich Deutscher sei und daher vielleicht nicht so wahnsinnig gut geeignet, 25 pubertären Schülern Physik einzutrichtern.
Abgesehen davon, dass ich ohnehin schon genug zu tun habe, habe ich mit Verweis auf meine Gesundheit erst einmal abgelehnt, zu einem Treffen am morgigen Tage zu kommen.

Zwei Dinge beschäftigen mich aber:
Zum einen muss ich mir seither die Frage stellen, wie schlecht es um die personelle Ausstattung im schwedischen Schulsystem wirklich steht, wenn man schon Doktoranden fragen muss, ob sie (Aushilfs-)Lehrer werden wollen.
Zum anderen ist es der Gedanke an eine Karriere, die ich eigentlich vor 7 Jahren mit der Entscheidung, Physik auf Diplom zu studieren, für mich ausgeschlossen hatte. Dementsprechend habe ich mich seither nie wieder damit auseinandergesetzt, ob ich überhaupt zum Lehrer taugen würde.

* Name von der Redaktion geändert

23:37 Uhr im Labor, Caen, Frankreich

Meine erste Reise als Doktorand, und ich fühle mich nicht mehr in der Lage, einen Bericht über den Åland-Marathon oder sonst irgendetwas zu schreiben.

Daher lasse ich ein paar besonders schräge Zeitgenossen zu Wort kommen:

Wer sich fragt: nein, weder „Bis Baldrian“ noch „Bis Dennver“ waren je Jugendsprache noch sonst in irgendeiner Form angesagt.

Bericht zur Lage meiner selbst

Ich schreibe hier selten über meine Studien, aber heute ist doch einer der Tage, an dem ich dies tun möchte. Seit heute bin ich offiziell Doktorand bei Stockholms Universitet. Mein Masterzeugnis wird zwar noch etwas auf sich warten lassen, aber die die Uhr tickt: in 2 Jahren muss ich mein Lizentiat, eine Vorstufe zum Doktor, und in 4 Jahren meinen Doktor machen. Über was, das wird sich noch zeigen, aber höchstwahrscheinlich werde ich sehr viel mit dem im Bau befindlichen Projekt DESIREE zu tun haben.