Zweideutig

Wie an Hochschulen üblich gibt es auch an der SU einmal in der Woche ein Kolloquium, bei der ein Wissenschaftler einer anderen Hochschule zu Gast ist und über seine Arbeit referiert. Dies kann teilweise auch nur lose mit der jeweiligen Fachrichtung verbunden sein.

Beim Lesen des ersten Satzes der dieswöchigen Einladung wurde ich jedoch etwas stutzig:

Frustration is a ubiquitous phenomenon in condensed matter physics, and in science in general.

Ja, die Wissenschaft kann manchmal schon ganz schön frustrierend sein. Diese Feststellung wollte aber nicht so ganz zusammengehen mit dem Titel des Vortrags:

Frustrated Magnetic Pyrochlores — a Rich Playground for the Study of Exotic Collective Phenomena

wobei dessen zweite Hälfte ja durchaus noch zu einer sozialwissenschaftlichen Studie über Naturwissenschaftler passen würde.

Die „Magnetic Pyrochlores“ jedoch nicht, und so ging es in dem Vortrag doch um ein physikalisches Phänomen, das den etwas unschönen Namen „Frustration“ trägt.

Auswandererguide Teil XIV: Studieren in Schweden – Allgemeines

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Beweis meiner bezahlten Beiträge: Studentenausweise

Es ist wieder einmal Zeit für eine lange geplante, aber immer wieder verschobene neue Staffel des Auswandererguides. Bei meinen Aktivitäten in Schwedenforen kommen öfters Fragen auf, wie man in Schweden studieren kann.

Die individuellen Fälle sind dabei sehr vielfältig – manche kommen nur für ein Jahr in Schweden, andere möchten ein Fortsetzungsstudium machen. Einige ganz ambitionierte wollen ihr ganzes Studium in Schweden absolvieren. Prinzipiell geht das alles, aber die Informationen hierzu zu finden ist mühsam.

Diese und die folgenden Seiten werden hoffentlich etwas erleuchtend diesbezüglich sein.

Allgemeines

Wenn man Berichte wie diesen liest, mag man in den Glauben verfallen, an schwedischen Hochschulen herrschten ganz und gar paradiesische Zustände. In der Tat ist einiges verschieden von deutschen Hochschulen, soweit ich dies aus meinen Erfahrungen an der KTH und der Stockholmer Universität im Vergleich zur Uni Karlsruhe, an der ich früher studiert habe, sagen kann.

Studiengebühren gibt es in diesem Sinne nicht. Es gab Diskussionen, sie für Nicht-EU-Bürger einzuführen, aber weit gediehen ist dies nicht. Zahlen muss man lediglich die sogenannte „kåravgift“, die der Studentenschaft zukommt. Die Höhe dieser Abgabe ist verschieden. Bei der KTH lag sie bei ca. 30 €, an der Stockholmer Universität ist sie etwas höher. An der KTH war zudem ein Teil der Abgabe optional. Wollte man z.B. das Studentenradio unterstützen (was ich natürlich tat), konnte man den Beitrag um einen festgelegten Satz erhöhen. Anscheinend ist es jedoch so, dass man auch studieren kann, wenn man die Abgabe nicht bezahlt. Will man jedoch sein Abschlusszeugnis beantragen, braucht man einen Nachweis, dass man gezahlt hat. Die Zahlungsmoral kann also von regelmäßig bis alles zum Schluss schwanken.
Die Abgabenpflicht soll aber nach dem Willen der derzeitigen Regierung zum Sommer 2010 abgeschafft werden. Und wie ich diese Regierung kenne, wird das auch so kommen.

Das Konzept von Abschlussprüfungen ist in Schweden anscheinend nicht bekannt. Viele Kurse werden in Seminarform abgehalten, und die klassische allesentscheidende Klausur am Ende gibt es zwar in manchen, aber längst nicht in allen Kursen. Ein Dozent sagte zu uns sogar mal ganz offen, dass dies im Arbeitsleben ja auch nicht passiere, dass man vom Chef 4 Stunden lang in ein Zimmer gesperrt wird und dann ohne Hilfsmittel ein Problem lösen muss. Diese Art von Praxisbezogenheit war mir in Deutschland nie begegnet. Studienabschlussprüfungen, bei denen man praktisch alles, was man einmal gelernt hat, parat haben muss, existieren daher meines Wissens nicht. Das Studium ist kumulativ angelegt, d.h. man sammelt seine Punkte in Pflicht- und Wahlkursen. Sobald man eine gewisse Punktzahl zusammen hat, kann man mit dem Schreiben einer Abschlussarbeit beginnen. Man kann während des Schreibens und danach weiterhin an Kursen teilnehmen, um alle Anforderungen des Studiengangs letztendlich zu erfüllen.

Die Abschlussarbeit hat je nach Fach und akademischem Grad unterschiedliche Bezeichnungen. Bacheloraspiranten schreiben beispielsweise einen „C-uppsats“ (C-Aufsatz), Magister einen „D-uppsats“. Ich schrieb eine Examensarbete, was wohl in technischen Fächern die übliche Bezeichnung ist. Daher spricht man auch vom „Exjobb“, wobei es sich aber nicht um einen echten Job handelt, denn viele dieser Stellen sind unbezahlt. Das ist auch mit ein Grund, dass es zumindest in meinem Fach Physik nicht unüblich ist, diese Arbeit extern, also beispielsweise in einer Firma zu schreiben. Welche Firma hat nicht gerne einen jungen Forscher, der annähernd kostenneutral etwas entwickelt, was von Nutzen für den eigenen Betrieb sein könnte?

Das Studieren selbst läuft auch etwas anders ab. Eine Massenvorlesung habe ich noch nicht erlebt. Es gibt zwar eine Reihe größerer Vorlesungssäle, aber sowohl in Format als auch in der Anzahl war ich aus Karlsruhe anderes gewohnt. Der Kontakt mit den Dozenten ist wie in Schweden üblich von flachen Hierarchien und damit direktem Kontakt geprägt.

An Leseplätzen u.ä. hat es mir eigentlich nie gemangelt, wobei dies natürlich nicht repräsentativ sein kann. Was die Lehrmittel angeht, ist es jedoch ein erheblicher Unterschied zu Karlsruhe insofern, als dass dort die Standardkursliteratur in zigfacher Ausfertigung in den Regalen der Bibliothek stand und sich daher fast jeder Student für die Dauer des Kurses eines ausleihen konnte. In der Bibliothek hier gibt es bestenfalls zwei oder drei Ausgaben, wobei eigentlich nur ein weiteres Buch angeschafft wird, wenn eine neue verbesserte Auflage verfügbar ist. Mehrere Bücher identischen Inhalts wird man also kaum finden.

Einen Typus Student habe ich hier bislang kaum gesehen: den Bummelanten. Während einige Leute in Karlsruhe es sich zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben, die Aktivitäten im selbstverwalteten Wohnheim zu unterstützen, und die üblichen Verdächtigen, ihres Zeichens Studenten im 35+ Semester, regelmäßig in den einschlägigen Kneipen versumpften, habe ich hier zwar schon Studenten jeden Alters gesehen, aber keiner schien mir einer zu sein, der im Studium hängengeblieben ist. Dies mag auch an der Art der Studienförderung hier liegen (dazu mehr auf den folgenden Seiten).

Das Alter ist durchaus ein interessanter Aspekt, denn das lebenslange Lernen scheint in Schweden deutlich stärker vertreten zu sein als in Deutschland. Als ich hier anfing, hatte ich einen Kommilitonen jenseits der 40, und auch in anderen Vorlesungen saßen ernsthafte Studenten, die rund 10 Jahre älter als ich waren.

Mit dem Fahrrad in die Stadt

Der Umzug nach Värmdö brachte unweigerlich einen viel längeren Arbeitsweg mit sich. Letzten Herbst bin ich ja täglich mit dem Fahrrad gefahren, was der Kondition außerordentlich gut tat.

Nun ist das nicht mehr so leicht – aber nicht unmöglich. Gestern habe ich es ausprobiert: 56 km an einem Tag.

Auf Värmdö zu ist die Landschaft sehr malerisch, aber ab Nacka wird es zunehmend städtischer. Die Ausschilderung ist größtenteils richtig gut, und nur an wenigen Stellen gibt es keine angezeichneten Fahrradwege. Alleine die Wegweiser sind oft etwas furchteinflößend, wenn es da heißt, dass man noch 20 km vor sich hat.

Vom Kalorienverbrauch her ist das ganze natürlich nicht unerheblich – da geht praktisch ein ganzer Tagesbedarf drauf. Ein prima Training also, aber leider auch sehr langwierig: für jede Strecke brauchte ich gut 100 Minuten.

Sicherlich nichts für jeden Tag, aber jetzt im Sommer sicherlich nicht uninteressant.

Immer diese High Society

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Ich bin mir ja meiner Prominenz vollkommen bewusst. Welche Gesellschaftsveranstaltung würde schon gerne auf mich verzichten?

Nun habe ich aber eine Einladung zur Diplomübergabe der KTH im Stadshuset erhalten. Kurz darauf flatterte auch noch eine Einladung zum Willkommensabend für Doktoranden an der Stockholmer Universität herein. Allerdings war ich bei beiden Veranstaltungen schon im letzten Winter zugegen.

Das finde ich dann doch etwas anbiedernd.

23:37 Uhr im Labor, Caen, Frankreich

Meine erste Reise als Doktorand, und ich fühle mich nicht mehr in der Lage, einen Bericht über den Åland-Marathon oder sonst irgendetwas zu schreiben.

Daher lasse ich ein paar besonders schräge Zeitgenossen zu Wort kommen:

Wer sich fragt: nein, weder „Bis Baldrian“ noch „Bis Dennver“ waren je Jugendsprache noch sonst in irgendeiner Form angesagt.

Bericht zur Lage meiner selbst

Ich schreibe hier selten über meine Studien, aber heute ist doch einer der Tage, an dem ich dies tun möchte. Seit heute bin ich offiziell Doktorand bei Stockholms Universitet. Mein Masterzeugnis wird zwar noch etwas auf sich warten lassen, aber die die Uhr tickt: in 2 Jahren muss ich mein Lizentiat, eine Vorstufe zum Doktor, und in 4 Jahren meinen Doktor machen. Über was, das wird sich noch zeigen, aber höchstwahrscheinlich werde ich sehr viel mit dem im Bau befindlichen Projekt DESIREE zu tun haben.