Neues im Auswandererguide

hansbaer Dezember 14th, 2009

Nach der Änderung bei den Spikereifen neulich habe ich heute gesehen, dass sich bei den Führerscheinen die Verantwortlichkeiten bei den Behörden zum 1. Januar ändern. Das war ein guter Anlass, eine Reihe von Verbesserungen in den Teilen zum Führerschein und zum Auto anzubringen.

Auswandererguide Teil XIII – Die Bürokratie: das Auto oder die Frage, mit welchem Nummernschild man am liebsten fährt

hansbaer August 4th, 2008

Im vorläufig letzten Beitrag zum Thema Bürokratie will ich mich mit dem beschäftigen, was im Allgemeinen des Deutschen liebstes Kind ist: das Auto.

Wenn man mit einem solchen Gefährt nach Schweden kommt, muss man sich zwangsläufig überlegen, wie man weiter vorgeht, denn jedem dürfte bewusst sein, dass man sein Auto eigentlich nicht beliebig irgendwo anmelden darf.

Die folgenden Ausführungen berühren einmal wieder viele rechtliche Fragen. Meine Aussagen hierzu sind dementsprechend laienhaft.

Muss man ein Auto, das dauerhaft in Schweden ist, nach Schweden ummelden?

Die Antwort ist denkbar kurz: Ja!
Allgemein gilt hier wohl auch wie innerhalb Deutschlands, dass das Auto an dem Ort angemeldet sein muss, an dem es vorwiegend genutzt wird, in diesem Fall also Schweden.

Als einzige Vorschrift zu diesem Bereich habe ich nur die “Verordnung über den Internationalen Kraftfahrzeugverkehr” (IntVO) gefunden, die aber in ihrer letzten Fassung vom 1.3.2007 massiv an Substanz verloren hat und zu der Frage anscheinend nichts mehr enthält.

Andernorts habe ich wiederholt den Richtwert von einem Jahr vorgefunden, in dem ein Auto im Ausland betrieben werden darf, bevor es umgemeldet werden muss. Wenn man in Deutschland nicht gemeldet ist, darf man dort auch kein Auto anmelden.

In der Praxis gilt freilich etwas anderes. Das Anmeldeverbot lässt sich natürlich durch Bekannte und Verwandte leicht umgehen – sollten Fragen aufkommen, hat man das Auto eben ausgeliehen. Dank des Schengener Abkommens kann nämlich niemand feststellen, wann ein in Deutschland zugelassenes Auto nach Schweden eingeführt wurde. Dies kann gestern gewesen sein, aber auch vor Jahren. Eine Autoversicherung dürfte das in der Regel nicht kümmern, solange man brav gezahlt hat.

Dementsprechend ist diese Zone so grau, wie man es sich nur vorstellen kann.

Allerdings sind mir auch schon Autos mit deutschen Nummernschildern untergekommen, die nicht nur offenkundig schon längere Zeit in Schweden sind, sondern überhaupt nicht zugelassen sind. Konkret: die Schilder sind entstempelt und damit ist der Wagen offenkundig gar nicht zugelassen. Dass das Fahren eines Autos ohne Zulassung nicht nur nicht ratsam, sondern auch äußerst dämlich und zudem strafbar ist, braucht nicht weiter erläutert zu werden. Man hat keinen Versicherungsschutz und muss bei einem Unfall die Auswirkungen sämtlicher Sach- und Personenschäden selbst tragen. Außerdem wird man bei einem Auffliegen der ganzen Aktion wegen Fahren ohne Zulassung angezeigt. Das kann enorm teuer werden.

Dass man mit so etwas offenbar jahrelang durchkommen kann, zeigt auch ein anderen Aspekt des Fahrens mit ausländischen Kennzeichen. Da diese auch in der EU nicht einheitlich sind, wissen die ausländischen Behörden in der Regel nicht, woran man ein gültig zugelassenes Auto erkennt. Und selbst wenn: die Ahndung eines überfälligen TÜV ist schlichtweg außerhalb ihrer Zuständigkeit.

Welche Vorteile hat es, mit einem deutschen Kennzeichen zu fahren?

Oder anders gefragt: gibt es überhaupt welche?
Auch hier muss man bejahen. Zu den Vorteilen gehören:

  • Die “Trängselskatt” (“Gedrängesteuer”), eine in Stockholm seit 1. August 2007 nun endgültig eingeführte Stadtmaut, wird nicht auf ausländische Autos erhoben. Da werktags bis zu 20 kr pro Einfahrt in die Stockholmer Innenstadt oder Ausfahrt aus ihr heraus bezahlt werden müssen, ist dies durchaus ein geldwerter Vorteil. Diese Ausnahme ist allerdings auch systembedingt, da das System auf der automatischen Aufnahme von Nummernschildern beruht und daher mit ausländischen Kennzeichen Probleme hätte. Die spätere Erhebung der Gebühren im Ausland wäre auch rechtlich schwer durchführbar. Allerdings ist die Befreiung ausländischer Autos nur eine von zahlreichen Ausnahmen von der Steuer. Man kann sie beispielsweise auch durch Kauf eines umweltschonenden Fahrzeugs umgehen, was sich erheblicher Beliebtheit erfreut, da diese Autos auch anderweitig steuerlich gefördert werden.
  • Ein deutsches Auto muss nur alle zwei Jahre zum TÜV, ein schwedisches einmal im Jahr zur Bilprovning. Allerdings ist der Weg zur Bilprovning natürlich kürzer als zur nächsten Filiale des TÜV oder der DEKRA. Und um der Frage vorzubeugen: eine deutsche Plakette kann man natürlich nur von einer autorisierten deutschen Organisation erhalten, so dass eine Durchführung der Untersuchung in Schweden realistischerweise nicht möglich ist.
  • So blöd es klingt: man hat einen gewissen Ausländerbonus. Andere Autofahrer sind meistens etwas gnädiger, wenn man ihnen ungeschickt vor der Nase herumfährt – der Ausländer kennt sich schließlich nicht so aus.
  • Es ist zwar nur eine vage Spekulation, aber ich möchte stark annehmen, dass Bußgelder meistens unter den Tisch fallen, wenn es sich nicht um ein schweres Vergehen handelt. Zwar zahlt man für Geschwindigkeitsübertretungen hierzulande mindestens horrende 1500 kr, aber ich habe meine Zweifel, ob die schwedische Polizei sich die Mühe macht, ein Amtshilfegesuch wegen ein paar km/h zuviel nach Deutschland zu schicken. Bei einer Sache wird man allerdings knallhart zur Kasse gebeten, wie ich schon am eigenen Leib erfahren musste: da spezielle Firmen wie Carpark mit der Überwachung von Parkplätzen beauftragt werden, sind deren Politessen mit großem Eifer bei der Sache, da die Einnahmen natürlich den eigenen Gewinn steigern. Dementsprechend wird Falschparken knallhart bestraft, in der Regel mit mindestens 450 kr (ca. 48 €). Zahlt man nicht gleich, geht das an eine deutsche Anwaltskanzlei, die ihre eigenen Gebühren noch draufschlägt, so dass sich der Betrag fast verdoppelt und man letztendlich über 90 € zahlen muss.

Ein Vorteil ist zum 15. November 2009 weggefallen: ab sofort werden auch ausländische Autos von der schwedischen Winterreifenpflicht erfasst. Für alle Autos gilt die Pflicht vom 1. Dezember bis zum 31. März. Sie schreibt vor, dass entweder Winterreifen oder Schneeketten aufgezogen werden müssen. Zudem müssen diese Reifen 3 Millimeter Profil haben, während im Sommer nur 1,6 Millimeter vorgeschrieben sind.

In Schweden sind übrigens auch Spikes (schwedisch “dubbdäck”) zugelassen, was sich im Winter durch leicht veränderte Geräuschkulisse im Straßenverkehr bemerkbar macht. Diese Reifen dürfen allerdings nur vom 1. Oktober bis 15. April verwendet werden. Außerdem wurde mittlerweile eine Möglichkeit geschaffen, dass Kommunen Zonen einrichten, in denen Spikereifen verboten sind. Der Hintergrund dieser Vorschrift ist, dass die Feinstaubbelastungen durch diese Reifen in den Städten relativ hoch sind, obwohl dort wirklich keine Notwendigkeit besteht, diese Reifen zu haben. Stockholm hat deshalb schon länger eine Kampagne gegen Spikes Es ist fast schon beschlossene Sache, dass ein solches Spike-Verbot im Stockholmer Stadtteil Södermalm eingeführt wird.

Außerdem sollte man beachten, dass Spikes nicht in allen Ländern zugelassen sind. Wenn man also zu Weihnachten mit dem Auto zur Verwandtschaft fahren will, sind Spikes eine sehr unkluge Anschaffung, denn in Deutschland sind diese Reifen bis auf ganz wenige Ausnahmen verboten. Das gilt im Wesentlichen auch für Nicht-Deutsche, denn obwohl man in Österreich und in der Schweiz mit Spikes unter Einschränkungen fahren darf, führt der Weg von dort nach Schweden nahezu zwangsläufig über Deutschland oder andere Länder mit Spikereifenverbot (z.B. Polen). Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Spikes den Verbrauch erhöhen und nur mit niedrigerer Geschwindigkeit gefahren werden können. Spikes lohnen sich also längst nicht für alle Fälle, beispielsweise auch nicht in größeren Städten, denn der effektive Vorteil auf den dort meist gut geräumten Straßen ist minimal.

Eine Überlegung wert sind vielleicht normale Winterreifen, die speziell für nordeuropäische Verhältnisse angepasst sind. Die in Mitteleuropa benutzten Winterreifen sind dies nämlich häufig nicht, so dass man mit “schwedischen” Winterreifen einen guten Kompromiss erreicht: volle Einsetzbarkeit in ganz Europa bei relativ guter Tauglichkeit für nordeuropäisches Wetter.

Welche Vorteile hat ein schwedisches Kennzeichen?

Nun ja… – es ist rechtlich einwandfrei. Im Falle eines Unfalls spart man sich in jedem Falle Scherereien, und wenn man nicht mehr in Deutschland gemeldet, aber sein Auto noch dort unter eigenem Namen angemeldet hat, könnte das auch irgendwann unangenehme Fragen aufwerfen.

Zahlt man in Schweden mehr Autosteuern und Versicherung?

Ganz klar: jein!

Die Frage ist deswegen nicht eindeutig zu beantworten, weil die Berechnungsgrundlagen sehr unterschiedlich sind.

In Deutschland spielen Kriterien wie Fahrzeugklasse, Schadstoffklasse und Hubraum eine Rolle. Bei der Versicherung sind es die berühmten Prozente, die über den Tarif entscheiden.

In Schweden hingegen unterscheidet man bei der Steuer (“Fordonskatt”, also Fahrzeugsteuer) bei Pkw im Wesentlichen zwischen zwei Fällen:

  1. “Neue Autos”, d.h. Autos ab Baujahr 2006 und älter Autos, die den Umweltstandard von 2005 erfüllen (Miljöklass 2005). Außerdem können Elektro- und Hybridfahrzeuge dort eingeordnet werden. Diese Autos werden allgemein mit einem Grundbetrag von 360 kr besteuert. Kohlendioxidausstoß bis 100 Gramm pro Kilometer ist frei. Alles, was darüber hinaus geht, wird mit 15 kr pro Gramm besteuert. Alternativ angetriebene Autos (z.B. Ethanol) werden nur mit 10 kr pro Gramm besteuert. Es gibt aber noch einen Faktor von 3,3 für Dieselautos und noch ein paar kleinere Details.
  2. “Ältere Autos”, d.h. alle anderen Autos. Dabei ist praktisch nur das Betriebsgewicht relevant, d.h. Leergewicht plus Sprit und Fahrer, und ob der Wagen ein Benziner oder ein Diesel ist.

Bei der Versicherung war für mich kein klares Schema erkennbar. Manchmal spielt eine Rolle, ob jemand unter 25 Jahren das Auto fahren soll. Manche Versicherungen interessieren sich für die Jahre der Unfallfreiheit, andere nicht. Bei manchen Versicherungen erhält man Rabatte, wenn man dort noch weitere Versicherungsverträge hat. In jedem Falle fließt aber der Standort des Autos ein. Dabei zählt oft, ob das Auto auf der Straße geparkt wird oder in einer Garage. Vor allem aber der Wohnort scheint eine erhebliche Rolle zu spielen.

Vorhersagen sind daher schwierig und bleiben zwangsläufig im Halbspekulativen. Ich verweise an dieser Stelle gerne auf meine Erfahrungen bei der Ummeldung meines eigenen Autos.

Miljöbilar – Umweltautos mit Steuer- und anderen Vorteilen

Alternative Treibstoffe sind übrigens sehr beliebt hierzulande, was u.a. an den oben genannten Steuervorteilen liegt. Zwar gibt es auch Tankstellen, die anderes anbieten, aber im Wesentlichen hat man sich für E85 entschieden. Es handelt sich dabei um eine Mischung von 85% Ethanol und 15% normalem Benzin, die an fast jeder Tankstelle verfügbar ist. Es hat dem Benzin recht ähnliche Eigenschaften, so dass gerade Neuwagen gerne als “Miljöbil” (Umweltauto) gekauft werden, die in der Lage sind, sowohl Benzin als auch Ethanol zu nutzen – hier hat man die volle Flexibilität, weil man auch normales Benzin tanken kann und damit auch im Ausland unabhängig ist. Zusätzlich gibt es seit 1. April 2007 einen Bonus beim Kauf eines Miljöbils von satten 10000 kr. Zudem gab es noch Extraprämien, wenn man ein altes Auto verschrotten ließ. Das hat zu einem starken Anstieg des Absatzes von E85 gesorgt – und teilweise sogar zu Versorgungsengpässen.

Allerdings sollte man auch die negativen Seiten nicht verschweigen. Allgemein ist es natürlich so, dass die Ethanolproduktion derzeit Lebensmittelpflanzen als Rohstoffe benutzt und damit für steigende Lebensmittelpreise sorgt, was zumindest in armen Ländern zu Problemen führt. Zudem sind die Produktionsmethoden wegen Düngereinsatzes und aufwändiger Verarbeitungsprozesse zumindest im Moment nicht sehr energieeffizient – vielfach heißt es sogar, es würde dabei mehr Energie hinein gesteckt als nachher herauskäme. Ethanol als alleinige Lösung der Umweltprobleme zu sehen greift also deutlich zu kurz, zumindest im Moment. Der Hype in Schweden zeigt allerdings starke Tendenzen dazu. Die Botschaft ist, man solle einfach ein Umweltauto kaufen und die Sache wäre erledigt. Die Werbung, die einem Steuervorteile und die Befreiung von der Trängselskatt noch schmackhafter macht, befördert dies noch. Zwar sind diese Autos die effizienteren auf dem Markt, aber das alleine reicht natürlich nicht aus. Im Alltag zeigt sich auch noch ein weiterer Effekt: E85 ist deutlich billiger als Benzin. So ist es ungeachtet der Ölkrise in diesem Sommer ungerührt bei rund 8,50 kr pro Liter, während man für Benzin mittlerweile um die 14 kr bezahlt. Im Ethanolvertrieb verbraucht ein Auto zwar auch mehr. Dies wog den Preisvorteil zumindest früher wieder auf, aber wenn man ca. 30% Mehrverbrauch einrechnet, ist Ethanol immer noch billiger als Benzin. Das ursprüngliche Problem, dass die ganzen Umweltautobesitzer letztendlich doch nur mit Benzin fuhren, dürfte sich damit zumindest vorübergehend verflüchtigt haben.

Es gibt aber auch darüber hinaus noch andere Anwendungen – so werden auch die Dieselmotoren von Bussen für Ethanol umgerüstet.

Leider sieht das schwedische Recht bislang keine einfache Möglichkeit zur Umschreibung auf einen alternativen Treibstoff vor. Wer also ein normales Auto hat, kann es zwar mit Umrüstsätzen ethanoltauglich machen, aber dies ist bisher stark in der Bastler- und Tüftlerecke angesiedelt. Der Weg zu einem etwas grüneren Auto ist also mit Aufwand verbunden und bringt in dem Fall steuerlich nichts. Für eine Anerkennung als Miljöbil muss man nämlich anscheinend eine Komplettabnahme machen lassen, die wohl teurer kommt als man an Ersparnis durch geringe Steuern etc. wieder hereinfährt. Manche Leute probieren übrigens mit einigem Erfolg die manuelle Zumischung von E85 – teilweise bis zu einem Anteil von 50%. Allerdings ist das sehr mit Vorsicht zu genießen. Wer die deutschen Nachichten diesen Frühling verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass die Bundesregierung von dem ursprünglichen Vorhaben, alternative Treibstoffe zwangsweise bei Diesel und Benzin zumischen zu lassen, etwas abrücken musste, weil unklar war, welche Autos damit klarkommen und welche nicht. Es ist also sehr fraglich, ob ein normales Auto nicht schon bei Zumischungsanteilen von 10% oder weniger Schaden nimmt.

Auto ummelden nach Schweden – wie?

Will man sein Auto nach Schweden überführen, gibt es eine Reihe von Vorschriften, die ich hier nur kurz anreißen will. Für eine detaillierte Beschreibung verweise ich auf meine Erfahrungen bei der Ummeldung.

Zunächst einmal muss das Auto den schwedischen Standards entsprechen. Innerhalb der EU ist das recht einfach, denn ein Fahrzeug, das ohnehin schon gemäß EU-Standards für den Verkehr zugelassen wurde, muss auch in Schweden zugelassen werden können.
Dies ist der Fall, wenn das Auto schon in einem anderen EU-Land zugelassen war, sich im Serienzustand befindet und man den Fahrzeugbrief im Original vorlegen kann. Ist das Auto nicht aus der EU oder noch nie zugelassen gewesen, dann sollte man ein “Certificate of Conformity” (CoC) vorlegen können, das die Einhaltung von EU-Standards belegt. Dieses ist beim Autohersteller erhältlich. Bei Volkswagen und Audi kostet es beispielsweise 34,40 € zuzüglich Mehrwertsteuer.
Ein CoC oder andere gründlichere Unterschungen können auch aus anderen Gründen notwendig werden. Hat das Auto z.B. Erweiterungen, die vom EU-Standard nicht gedeckt werden, dann muss erst festgestellt werden, ob diese auch in Schweden zulässig sind.

Einen Zoll zahlt man bei Einfuhr aus einem anderen EU-Land nicht, jedoch bei allen anderen Ländern, auch EWR-Ländern (Norwegen, Liechtenstein, Island).

Zur Einfuhr hat das Transportstyrelsen, die schwedische Straßenverkehrsbehörde, mittlerweile eine recht gute Seite eingerichtet, deren Inhalt ich hier in Grundzügen wiedergeben möchte. Die Einfuhr erfolgt in folgenden Schritten:

  1. Das Fahrzeug muss beim Tullverket verzollt werden, sofern es aus einem Nicht-EU-Land stammt. Dies gilt auch für EWR-Länder, also Norwegen, Liechtenstein und Island – und selbstverständlich für die Schweiz.
  2. Für neue Fahrzeuge muss die Mehrwertsteuer gezahlt werden – das gilt für sämtliche Einfuhrländer. Als neu wird ein Fahrzeug betrachtet, das weniger als 6000 km gefahren wurde oder weniger als 6 Monate alt ist. Ein Jahreswagen kommt hier also deutlich billiger, denn man sollte sich in Erinnerung rufen, dass Schweden 25% Mehrwertsteuer verlangt, was vermeintliche Schnäppchen sehr schnell wieder relativiert.
  3. Für die Einfuhr muss seine sogenannte “Ursprungskontroll”, also eine Herkunftsüberprüfung durchgeführt werden. Bei dieser will die Behörde wissen, woher das Auto stammt. Dabei gibt es 10 mögliche Kategorien, unter denen ich die weniger alltäglichen (Diplomatenfahrzeug, Eigenbaufahrzeug) weglasse. Folgende beiden Kategorien dürften für die meisten Einwanderer interessant sein:
    • “Eget bruk” (Eigengebrauch): Das Fahrzeug wurde im Ausland erworben und soll nun nach Schweden eingeführt werden. Dazu muss es ein Serienfahrzeug sein, das von einer physischen Person (also keiner Firma) eingeführt wurde und vom Besitzer in Schweden genutzt werden soll. Dazu müssen natürlich die entsprechenden Dokumente eingeschickt werden, also der Kaufvertrag o.ä., Kopien des Fahrzeugbriefs und ggf. Dokumente für die vorgenannten Anforderungen eingeschickt werden. Die Einfuhr eines Fahrzeugs darf maximal einmal in 12 Monaten durchgeführt werden. Den Sinn dieser Vorschrift kann man sich denken: massenhafte Privatimporte von Jahres- und Gebrauchtwagen sollen unterbunden werden.
    • “Flyttsak” (Umzug): wenn man die Anforderungen erfüllt, ist dies eine Alternative, denn sie stellt die niedrigsten Anforderungen an das Fahrzeug selbst. So werden bei der Überprüfung weniger strenge Standards angelegt, und die in Schweden gültigen Abgasnormen für Fahrzeuge ab Baujahr 1989 werden auch nicht angewendet. Das ist also für sehr alte Autos eventuell von Interesse. Man muss allerdings nachweisen, dass man mindestens ein Jahr lang im Ausland wohnaft war und in dieser Zeit das Auto schon besessen hat. Außerdem muss man ein zusätzliches Formular ausfüllen, indem man hierzu zusätzliche Angaben macht. Der formelle Nachweis des Besitzes dürfte diese Möglichkeit für alle diejenigen erschweren, die ihr Auto über Freunde und Verwandte in Deutschland angemeldet hatten. Für die Prüfung der Angaben dieser Variante muss man übrigens 600 Kronen bezahlen, was ein weiterer Nachteil gegenüber “Eget Bruk” ist. Nach Eingang des Antrags erhält man eine Rechnung, die erst bezahlt werden muss, bevor die weitere Bearbeitung erfolgt.

    Hat das Auto keine gültige Zulassung mehr, so dass es nicht vorgefahren werden kann, muss man sich auch um eine temporäre Versicherung bemühen, denn ohne diese erhält man keine vorläufige Zulassung. Wie ich gehört habe, ist dies bei Länsförsäkringar am einfachsten, weil man dort hingehen und die Versicherung direkt bezahlen kann.

  4. Ist die Ursprungskontroll erfolgriech, kann man sich bei Bilprovning melden, dem schwedischen Äquivalent des TÜV. Dort erhält man dann einen Termin für die Vorführung des Fahrzeugs (“Registreringsbesiktning”). Diese dient dazu, festzustellen, ob es sich wirklich um das angemeldete Auto handelt und dass es auch im beschriebenen Zustand ist. Eine “Kontrollbesiktning”, also die reguläre Überprüfung des technischen Zustandes, muss auch ausgeführt werden. Beide Überprüfungen können mit etwas Glück direkt hintereinander erfolgen.
  5. Wenn alle Überprüfungen erfolgreich waren, wird eine Nummer zugeteilt und man erhält die Schilder mit der Post.
  6. Dann fehlt nur noch eine gültige Versicherung (Trafikförsäkring). Diese entspricht, soweit ich dies ersehen kann, einer normalen Haftpflichtversicherung in Deutschland. Wie dort auch zahlt man für eine Teil- oder Vollkasko (Kaskoförsäkring) mehr.
  7. Hat man das alles zusammen, kann man das Fahrzeug anmelden. Die ganze Prozedur dauert natürlich etwas, so dass man es eventuell recht zügig durchziehen muss, denn die vorläufge Registrierung gilt normalerweise nur für 3 Monate. Meine eigenen Erfahrungen haben aber gezeigt, dass dies locker zu schaffen ist. In meinem Fall wäre es innerhalb von zwei Wochen zu machen gewesen.

Zur schwedischen Zulassung sei noch angemerkt, dass die Nummer des Kennzeichens nicht wie in Deutschland an den Besitzer gekoppelt vergeben werden, sondern an das Fahrzeug. Ein Auto behält also auch nach Besitzerwechsel sein Kennzeichen.
Persönliche Kennzeichen (personlig skylt) gibt es allerdings auch. Hierbei können 6 oder 7 Zeichen mehr oder weniger frei gewählt werden. Das ist zwar eine feine Sache, wird aber höchst selten angewandt. Der Grund ist einfach: es ist sehr teuer. Man bezahlt für eine zehnjährige Reservierung stolze 6000 kr.

Daher wird das Straßenbild klar von Fahrzeugen dominiert, die die normalen Schilder haben: drei Buchstaben gefolgt von drei Zahlen. Buchstaben und Zahlen geben übrigens keine Auskunft über den Ort der Registrierung. Allerdings gilt auch hier das schon erwähnte Öffentlichkeitsprinzip. Im Internet kann man schon einige Basisdaten abfragen, per SMS oder Telefonanruf werden dann sämtliche Daten zu Fahrzeug und Halter offengelegt. Man kann also unterwegs schnell und unkompliziert zu jedem x-beliebigen Fahrzeug, das man auf der Straße gesehen hat, sämtliche Informationen einholen. Ob man das gut findet, ist eine andere Sache.

Eine wichtige Neuerung gilt seit dem 1. Januar 2010. Ab diesem Datum ist die “Kontrollmärke”, also der Aufkleber auf dem hinteren Schild abgeschafft. Diese gab ähnlich der deutschen Prüfplakatte früher eine Orientierung, wann ein Auto das nächste Mal überprüft werden muss und wann die Steuer fällig ist. Da der Aufwand für den Versand erheblich war und ohnehin viele Autos mit alten Plaketten unterwegs waren, hat man sie nun abgeschafft. Alter Marken dürfen kleben bleiben, erfüllen nun aber keine Funktion mehr.

Führerschein

Wer einen Führerschein eines EU-Landes hat, braucht ihn erst dann umzutauschen, wenn er auch im Heimatland abgelaufen wäre oder bis 2032 – je nachdem, was zuerst eintritt. Das gilt übrigens auch für alte Führerscheine wie die grauen und rosa Lappen aus Deutschland.
Schweizer und Japaner können ihren Führerschein umtauschen, müssen dies aber innerhalb eines Jahres tun. Für alle anderen muss erst einmal die Eignung festgestellt werden, und ein Umtausch muss auch hier innerhalb eines Jahres erfolgen.

Weil der Führerschein in Schweden auch als Ausweis dient, habe ich die weiteren Details im dortigen Teil zusammengefasst.

Die Verkehrsregeln

Einige Worte sollte man zu den feinen Unterschieden in den Verkehrsregeln sagen:

  • Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind sehr restriktiv im Vergleich zu Deutschland. Innerorts gilt 50 km/h, aber außerorts lediglich 70 km/h. Auf der Autobahn darf man 110 km/h fahren. Ungewohnt für Deutsche gibt es aber durchaus Schilder, die diese Grenzen erweitern. So gibt es einzelne Autobahnabschnitte mit 120 km/h, und auch auf bestimmten Überlandstraßen darf man 90 km/h oder sogar 110 km/h fahren. Mittlerweile werden die Grenzen in Schritten von 10 km/h abgestuft, so dass es auch Bereiche mit 80 und 100 km/h gibt. Wegen der niedrigen Tempolimits sollte man sich auch schnell angewöhnen, “ohne Druck” zu fahren. Die linke Spur ist nämlich nicht nur für Raser reserviert, sondern kann auch zwischenzeitlich einfach mal so belegt werden.
  • Man sollte sich übrigens von dem Gedanken verabschieden, dass Autobahnen allgegenwärtig sind. Dafür ist dieses Land zu groß und zu spärlich besiedelt. Nordlich von Uppsala endet die Autobahn, und selbst die Verbindungsstraße zwischen Stockholm in Mittelschweden und Helsingborg im Süden ist an einem längeren Abschnitt keine Autobahn, sondern nur zweispurig. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das schwedische Benennungssystem für Straßen keine besonderen Bezeichungen für Autobahnen hat. So heißt die ganze Strecke von Stockholm nach Helsingborg E4, also Europastraße 4. Die Bezeichnung E4 enthält aber keinerlei Aussage über die Art der Straße. Daher erkennt man Autobahnen an der Farbe der Schilder (siehe weiter unten).Ähnlich ist es bei den schwedischen Riskvägar (Reichsstraßen), also der Entsprechung der Straßen, die in Deutschland mit B beginnen. Diese Straßen haben einfache eine Nummer (weiß auf blauem Grund) und können abschnittsweise eine Autobahn sein, müssen es aber nicht.
  • Doppelspurige Kreisverkehre sind für Deutsche oft ungewohnt. Die innere Spur (also die linke beim Hineinfahren) ist dabei für Linksabbieger gedacht, so dass Rechtsabbieger parallel trotzdem hineinfahren können. Das Ganze funktioniert in der Realität allerdings nur bedingt – an LKWs oder Bussen kommt man jedenfalls kaum vorbei. Vor dem Verlassen des Kreisverkehres sollte man auf alle Fälle rechts blinken und schauen, dass man den Kreisel auch sicher wieder verlassen kann. Eine weitere Besonderheit ist, dass viele vor dem Hineinfahren in den Kreisel anzeigen, wohin man allgemein möchte. D.h. will jemand links abbiegen, zeigt er das u.U. schon vor dem Hineinfahren an. Dieses Verhalten wird anscheinend von den Behörden zumindest toleriert, aber nicht ausdrücklich empfehlen. Ich habe es in meiner Erinnerung so beim Busführerschein erlernt. Die Straßenverkehrsbehörde schweigt sich zu dem Thema jedenfalls aus.
  • Fährt man auf einer Abbiegerspur, braucht man nicht zu blinken. Schon alleine das Fahren auf einer Abbiegerspur wird als Absicht ausgelegt, abzubiegen. Handelt es sich gar um mehrere Spuren, die in die gleiche Richtung abbiegen, sollte man das Blinken sogar vermeiden, da dies als ein geplanter Spurenwechsel verstanden werden könnte.
  • Nicht an jeder Kreuzung stehen Schilder, die die Vorfahrt regeln. Im Gegensatz zu Deutschland können Dreiecke, die auf den Boden gemalt sind, andeuten, dass man Vorfahrt gewähren muss. Hier muss man also vorsichtig sein. Man muss sich also der Vorfahrtsregeln immer sehr bewusst sein, da man nicht immer mit der Nase darauf gestoßen wird.
  • Wegweiser haben drei Farben: grün steht für Autobahn und blau für Überlandstraßen. Es gibt auch noch gelbe Schilder, und diese bedeuten schlicht, dass man mit dem schlimmsten rechnen muss. Orte, die durch ein gelbes Schild ausgewiesen sind, sind oft klein und haben nur eine Schotterpiste, die zu ihnen führt. Oft sind diese Straßen einspurig, d.h. nicht breit genug, um zwei Fahrzeuge nebeneinander aufzunehmen. Daher sollte man auf Schilder achten, die ein weißes M auf blauem Grund zeigen. Es handelt sich dabei um einen “Mötesplats”, also einen Treffpunkt. Dort ist die Fahrbahn so verbreitert, dass zwei Autos aneinander passieren können. Wenn man also Pech hat, muss man ein gutes Stück zurücksetzen, um überhaupt weiterzukommen.
  • Bei Parkplätzen und -verboten sollte man auch Zusatzschildern beachten, die die Uhrzeiten bezeichnen, an denen die entsprechende Regelung gilt. Normale Schrift (also weiß oder schwarz) gibt dabei die Gültigkeit an Werktagen an. Normale Schrift in Klammern macht Angaben zu den Tagen vor Sonn- und Feiertagen, also im Allgemeinen dem Samstag, aber auch beispielsweise dem Gründonnerstag oder dem 30. April. Rote Schrift gibt an, wann die Regelung an Sonn- und Feiertagen gilt.

Selbstverständlich gäbe es noch weitere Details, die aber den Rahmen hier sprengen würden.

Zusammenfassung

Ähnlich wie bei den melderechtlichen Fragen hat es durchaus Vorteile, sein Auto in Deutschland angemeldet zu lassen. Sollte es aber einmal Ärger geben, kann man in schwere Erklärungsnöte kommen. Auf Dauer fährt man also mit schwedischem Kennzeichen definitiv korrekter. Bestimmte Nachteile wie die Pflicht zur Citymaut in Stockholm trifft selbst auf Leute, die im Großraum Stockholm wohnen, nur sehr bedingt zu.

Das Ummeldungsverfahren ist auch weniger kompliziert, als es zunächst erscheinen mag. Insofern spricht nicht so viel dagegen, das Auto umzumelden.

Update 14.12.2009: Überarbeitung in vielen Bereichen (Führerschein, Steuer, Ummeldung)

Update 2.1.2010: Kleine Korrekturen, u.a. wegen Abschaffung der Plakette.

Leser fragen, ich antworte

hansbaer Juli 20th, 2008

Chris hat vor, in Schweden LKW zu fahren und daher eine Frage zum Führerschein in Schweden gestellt – wen meine Antwort interessiert, findet sie hier.

Auswandererguide Teil IX – Die Bürokratie: Legitimation oder die Macht des Ausweises

hansbaer August 10th, 2007

Der schwedische Staat kennt vier Insignien der vollwertigen Einwohnerschaft: Personnummer, Legitimation, Zepter und Reichsapfel. Allerdings gab es bei den Zeptern in letzter Zeit Lieferengpässe, so dass der Reichsapfel mit einer Übergangsfrist bis Ende des Jahres auch deren Rolle übernimmt.

OK, Scherz beiseite – Zepter und Reichsapfel sind natürlich Blödsinn, aber Personnummer und Legitimation sind schon die zwei Dinge, die bei Bezahlung und anderen offiziellen Vorgängen nützlich bis notwendig sind. Die Personnummer ist dabei natürlich am wichtigsten – ohne sie ist man schließlich im System nicht existent. Das musste schon Sandra Bullock in dem netten, aber im Detail etwas dilettantisch gemachten Thriller “Das Netz” bemerken.

Das hochtrabende Wort “Legitimation” (gesprochen Legitimachun) ist eine Abkürzung für eine “Legitimationshandling”, wobei es sich ganz allgemein um ein Dokument zum Nachweis der eigenen Identität handelt – kurzum: ein Personalausweis.
Damit wäre die ganze Geschichte schon erklärt, wenn man in Schweden nicht etwas eigene Wege gehen würde.

Die Besonderheit ist nämlich, dass die allermeisten schwedischen Personalausweise (genannt “ID-Kort”) nicht als Reisedokument dienen können. Der schwedische Staat gab nämlich bis vor einiger Zeit selbst überhaupt keine Personalausweise aus. Da aber Banken und die Post (z.B. bei Abholung von Einschreiben) eine Möglichkeit haben wollten, die Identität festzustellen, wurden von ihnen eigene Personalausweise eingeführt, die nach und nach quasioffiziellen Status erreichten. Dies geht soweit, dass Schweden mitunter irritiert und verärgert sind, wenn sie am Flughafen mit ihrem Personalausweis abgewiesen werden.
Auch in Schweden wohnhafte Ausländer können sich solche quasioffiziellen Ausweise besorgen.

Der Inhaber eines ausländischen Personalausweises mag sich natürlich fragen, wozu er denn so eine ID-Kort überhaupt haben will. Dies lässt sich am besten mit einigen Beispielen erklären, wo eine Art von Personalausweis verlangt werden kann:

  • Beim Arzt reicht es meist aus, die eigene Personnummer zu sagen. Aber nicht immer – findet das System aber die Personnummer nicht (mir schon passiert), kann man natürlich noch so oft beteuern, dass man diese Nummer hat. Hier benötigt man einen schwedischen Personalausweis, auf dem natürlich die Personnummer angegeben ist. In manchen Regionen (so auch in Stockholm) ist es seit einiger Zeit sogar Pflicht, einen solchen Ausweis vorzulegen. Im Extremfall bleibt dann als letzte Lösung nur, die Behandlungskosten vorzustrecken und dies später mit der Versicherung zu klären, was ausgesprochen mühselig sein dürfte.
  • Bei der Abholung von Medikamenten, die vom Arzt verschrieben wurden, wird eigentlich auch eine ID-Kort erwartet, da auch hier die Personnummer das entscheidende Element ist. Hier gelang es aber schon mit gutem Zureden und dem Vorzeigen eines Personbevis (Registerauszug von der Steuerbehörde), ans Ziel zu gelangen.
  • Gelegentlich kommt es bei Kartenzahlung vor, dass eine Legitimation verlangt wird. Handelt es sich um eine ausländische Bankkarte, genügt in der Regel ein ausländischer Pass oder Personalausweis. Bei einer schwedischen Bankkarte kann es aber vorkommen, dass eine schwedische ID-Kort verlangt wird. Hat man keine, helfen manchmal Überredungskünste (evtl. flankiert von einem Personbevis), aber auch nicht immer.
  • Bei der Bank ist es meist noch schlimmer, denn die haben die ganze ID-Kort-Sache ja erfunden. Da Konten ebenfalls an die Personnummer gekoppelt sind, wird man ohne wasserdichten Nachweis der Identität per ID-Kort wenn überhaupt nur widerwillig bedient.
  • Bei Discotheken hingegen sind die Türsteher in Sachen ID tolerant, solange man überhaupt eine vorlegen kann. Überhaupt nicht tolerant sind sie hingegen bei der Altersgrenze – wer das gewünschte Alter nicht erreicht (manchmal mehr als 23 Jahre), wird auch mit noch so tiefem Ausschnitt abgewiesen. Bei mir hat der tiefe Ausschnitt allerdings auch in Deutschland nie etwas geholfen.
  • Beim Alkoholkauf im Systembolaget gibt man sich am Eingang international und weist in vielen Sprachen darauf hin, dass man bitte nicht verärgert sein solle, wenn man nach dem Ausweis gefragt werde. Alle, die jung aussähen, würden kontrolliert – in der Tat ist mir das mit meinen 26 Jahren auch schon passiert, auch wenn das Alterslimit für Alkohol bei 20 liegt. Angesichts dieses polyglotten Selbstverständnisses ist wohl auch zu erwarten, dass ein ausländischer Pass oder Personalausweis für die Identifikation genügt.
  • Bei der Post (bzw. Geschäften, die als Postagentur dienen) geht insbesondere bei der Abholung von Paketen (die werden in Schweden nicht ausgeliefert) ohne Legitimation oft gar nichts.

Dies alles sind Beispiele aus dem Leben eines Stockholmers. Auf dem Land sieht man die Dinge nicht so eng, wie mir schon erzählt wurde. Insofern kann man es einfach mal probieren, wie weit man ohne durchkommt. Ob man einen solchen Ausweis wirklich braucht, wird man schon früh genug im Alltagstest merken. Ich selbst kam ein Jahr lang gut ohne aus, aber wurde dann bei der Notaufnahme des Krankenhauses abgewiesen – der Zeh war glücklicherweise doch nicht gebrochen, aber es war Anlass genug, mich um ein solches Kärtchen zu bemühen.

Leider war und ist dies bei weitem nicht so einfach, wie es scheint, denn es gibt verschiedene Institutionen, die die Karten ausgeben, und jede hat ihre Besonderheiten. Praktisch alle allgemein anerkannten Personalausweise entsprechen dem SIS-Standard. Das steht nicht für das Schengener Informationssystem, sondern für das Swedish Standards Institute, dem schwedischen Gegenstück zum DIN.

Seit Anfang 2007 ist es für Ausländer deutlich schwerer geworden, einen Ausweis zu erhalten. Es gibt aber einen “Geheimtipp”, den ich zum Schluss verrate.

Im Folgenden also eine Auflistung der Ausweistypen und die Details dazu.

Personalausweise von der Post

Diesen Punkt spreche ich aus historischen Gründen an, weil vielleicht manche darüber gelesen haben, dass dies ginge.
Der “Svensk Kassaservice“, eine Tochtergesellschaft der Post, stellte bis 1. Mai 2008 noch Ausweise aus und wurde Ende 2008 abgewickelt. Aber schon seit Anfang 2007 war es für Ausländer annähernd unmöglich, dort eine Karte zu bekommen. Man musste nämlich bei Erstbeantragung eine Person mitbringen, die bezeugt, dass man der ist, der man vorgibt zu sein. Bis 2007 konnte das jeder mit einem schwedischen Ausweis sein, danach musste diese Referenzperson verwandt oder verschwägert sein. Das war für neu angekommene Ausländer praktisch nicht mehr zu erfüllen. Zudem war es absurd, denn auch schon vorher brauchte man wegen der peniblen Kontrollen unter Umständen mehrere Anläufe (ich brauchte drei), bis man den Ausweis endlich bekam. Trotzdem gab es anscheinend einen Betrugsfall, und so wurden die Vorschriften verschärft.

Das Problem wurde zuerst von der englischsprachigen Internetzeitung The Local und dann von dem liberalen Reichstagsabgeordnete Fredik Malm aufgegriffen, was aber nicht allzu verwunderlich war, da der Mann anscheinend medienwirksame Auftritte liebt. Schon im März geriet da der Stein ins Rollen, und das Thema bahnte sich zeitweise auch einen Weg in die normalen Nachrichten, vor allem nach dem die EU-Kommission in dem derzeitigen Zustand eine Diskriminierung von EU-Bürgern sah.

Eine Kommission der Regierung untersuchte das. Die Steuerbehörde Skatteverket (siehe unten) wurde schließlich beauftragt, ab 1. Juni 2009 Ausweise auszugeben.

Personalausweise von Banken

Als ich mich zum ersten Mal um einen Ausweis bemühte, wusste ich, dass die Banken solche ausstellen. Dies ist allem Anschein nach Glückssache, denn es hängt vom jeweiligen Bankangestellten und den ominösen Regeln der jeweiligen Bank ab, ob es klappt. Typische Ablehnungsgründe sind:

  • nur für Kunden unserer Bank
  • nur bei regelmäßigem Einkommen oder einer bestimmten Summe auf dem Konto
  • nur mit Referenzperson – ggf. muss diese Referenzperson auch verwandt/verschwägert sein bzw. auch Kunde der Bank sein.

Wenn dies alles nicht eintritt, hier eine Liste von Dingen, bei denen zumindest eine realistische Chance besteht, dass man sie bei der Beantragung benötigt:

  • Einen Personbevis – es handelt sich dabei um einen Melderegisterauszug der schwedischen Steuer- und Meldebehörde Skatteverket. Man kann diesen online und kostenlos unter Angabe der Personnummer sehr komfortabel bestellen. Es gibt viele verschiedene Versionen, wobei der für “ID-Kort” vermutlich immer der richtige ist.
  • Fotos – diese sollten aus Schweden stammen. Ich versuchte es vergeblich mit deutschen Fotos. Diese hatten jedoch keine weiße Hintergrundfarbe und waren nicht frontal aufgenommen. Immerhin ist es bei schwedischen Fotos noch erlaubt, zu lächeln. Bei deutschen Passfotos ist das mittlerweile ja verboten. Man sollte übrigens nicht nach Passfotos fragen, denn bei der Beantragung von schwedischen Pässen werden die Fotos gleich vor Ort von der Polizei aufgenommen. Daher besser konkret nach Fotos für die ID-Kort oder den Führerschein (körkort) fragen.
  • Eine noch nicht lange abgelaufene ID-Kort oder oder eine Referenzperson, die selbst Inhaber einer gültigen Legitimation (ergo in Schweden wohnhaft) ist und per Unterschrift bestätigt, dass man wirklich die Person ist, die man vorgibt zu sein. Diese Referenzperson sollte eventuell auch einen passenden Personbevis von sich selbst mitbringen.

Die nationale ID-Kort

Seit Oktober 2005 gibt es in Schweden auch Personalausweise, die von der Polizei ausgegeben werden und als Reisedokument anerkannt sind.
Eigentlich sind sie hier nur der Vollständigkeit halber anzumerken, da sie nur an Schweden ausgegeben werden können. Im Gegensatz zum deutschen Ausweis enthält die Karte einen Chip für elektronische Dienste und ist im Scheckkartenformat.

Sonderlich bekannt und beliebt ist diese Karte in Schweden jedoch nicht, weil die meisten Schweden ohnehin einen Pass besitzen.

Die Ausweise des Skatteverket

Wie weiter oben schon beschrieben, sah sich der schwedische Staat nach 2007 in der Pflicht, für Ausländer einen Zugang zu einer ID-Kort zu schaffen. Seit dem 1. Juni 2009 können nun Anträge gestellt werden. Hierzu muss man persönlich bei einer von 23 Skatteverket-Filialen (Liste auf dieser Seite unten)

Der Ausweis kostet 400 Kronen, die auf ein bestimmtes Konto zu überweisen sind, und zwar (laut Homepage) vor Antragstellung – was ich persönlich etwas fragwürdig finde, weil bei den hohen Anforderungen alles andere als sicher ist, ob nicht doch irgendetwas in Ordnung ist. Bei Ablehnung des Antrags erhält man das Geld zudem nicht zurück.

Man braucht eigentlich nur eine Sache mitzubringen: einen hinreichenden Nachweis der eigenen Identität.

Das ist aber auch der Knackpunkt, denn diese Anforderung ist höher als man denkt.

Diese (und nur diese) Nachweise werden akzeptiert:

  • ID-Kort vom Skatteverket, ein anderer Ausweis nach SIS-Standard, ein schwedischer Pass oder ein schwedischer Führerschein – für dieses Thema hier wenig hilfreich, denn wenn man so etwas hätte, würde man erst gar nicht zum Skatteverket gehen.
  • Ein Pass eines EU-Landes, der Schweiz, Liechtensteins oder Norwegens, der nach dem 1. September 2006 ausgestellt wurde
  • Eine Referenzperson, die zur Antragstellung mitkommt, und die Identität schriftlich bestätigt. Als Referenzperson werden nur akzeptiert:
    • Ehepartner oder Partner in einer registrierten Partnerschaft
    • Kinder oder Enkel, die mindestens 18 Jahre alt sind
    • Eltern oder Erziehungsberechtigte
    • Geschwister über 18 Jahre
    • Großeltern
    • Erziehungsberechtigter oder Vormund
    • Pflegeeltern
    • Staatlicher Beamter, der von Berufswegen etwas mit dem Antragssteller zu tun hat
    • Arbeitgeber, der den Antragsteller seit mindestens einem Jahr angestellt hat

    Weiterhin muss diese Person natürlich auch seine Identität (und ggf. die Verbindung zum Antragsteller) nach den weiter oben genannten Punkten nachweisen können. Bei den nahen Verwandten muss zudem sichergestellt sein, dass die Familienverhältnisse im offiziellen Melderegister stehen.

Alles andere geht ausdrücklich nicht – keine Personalausweise, keine guten Freunde, die mitkommen, keine Geburtsurkunden, keine Vermieter.

Man sieht deutlich, dass man damit notdürftig der Anforderung nachgekommen ist, EU-Bürgern Zugang zu einer ID-Kort zu geben – wobei die Anforderung, einen ziemlich neuen Pass zu haben, eine ziemlich hohe Hürde darstellt, denn die Beantragung eines solchen ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Alle anderen schauen sowieso in die Röhre.

Wer die Hürde nimmt, sich auszuweisen, darf sich gleich beim Skatteverket fotografieren lassen.

Nach einigen Wochen (in der Regel weniger als vier laut Homepage) erhält man einen Brief, mit dem man sich erneut persönlich zur Skatteverket-Filiale begibt. Der Ausweis kann nicht zugeschickt werden, sondern muss persönlich abgeholt werden.

Wer also einen aktuellen Pass hat und nicht zu weit weg von einer der Skatteverket-Filialen wohnt, kann diese Sache angehen. Für alle anderen ist es mit erheblichen Kosten und Aufwand verbunden. Für Nicht-EU-Bürger ist es kaum praktikabel.

Geheimtipp für den Fall, dass es gar nicht ohne geht: der Führerschein

Die einzige Legitimation außerhalb des SIS-Standards, die allgemein erkannt ist, ist der Führerschein. Dieser wird auch von vielen Schweden als Legitimation benutzt.

Man kann also durch einen einfachen Trick an eine Legitimation kommen: man tauscht einfach seinen ausländischen Führerschein in einen schwedischen um.

Allerdings sollte man sich das gut überlegen, denn man nimmt auch Nachteile in Kauf.

Rein rechtlich gesehen sind nämlich nur diejenigen Fürherscheininhaber zum Umtausch ihres Führerscheins verpflichtet, die nicht aus einem EWR-Land (EU plus Island, Norwegen und Liechtenstein) kommen. Alle anderen müssen den Führerschein umtauschen, und zwar innerhalb eines Jahres – andernfalls verlieren sie das Recht zum Umtausch.
Schweizer und japanische Führerscheine dürfen direkt umgetauscht werden. Bei Führerscheinen anderer Länder muss erst die Eignung überprüft werden.

Es gibt also für EU/EWR-Bürger eigentlich keine Notwendigkeit, den Führerschein umzutauschen. Weil es hierbei gerne zu Missverständnissen kommt: man braucht keinen EU-Führerschein, um von diesen Regelungen zu betroffen – sie gelten auch für jeden grauen oder rosafarbenen Führerschein. Wenn ein schwedischer Polizist den Führerschein nicht akzeptieren will, muss man versuchen, ihn von der Gültigkeit der EU-Regelungen zu überzeugen – was mühsam sein kann, auch wenn man im Recht ist.

Es kommen ein paar andere Vorteile hinzu, die es durchaus interessant machen, den ausländischen Führerschein zu behalten:

  • Der schwedische Führerschein muss in Intervallen von 10 Jahren erneuert werden. Der deutsche und österreichische Führerschein gilt hingegen unbegrenzt. Allerdings sollte erwähnt werden, dass dies nicht so bleiben wird. Im Rahmen der ab 2012 geltenden Harmonisierung des Führerscheinrechts in Europa werden überall nur noch zeitlich begrenzte Führerscheine ausgegeben. Dies sind in der Regel 10 Jahre, aber es bleibt den Staaten vorbehalten, die Intervalle auf 15 Jahre zu erhöhen. Die Übergangsfristen laufen allerdings bis 2032. Bis dahin bleiben deutsche Führerscheine (also auch graue und rosa Lappen) in der EU voll gültig und müssen nicht umgetauscht werden, so dass nicht gerade dringender Handlungsbedarf besteht, es deutlich vor diesem Zeitpunkt zu tun. Ebenfalls zu erwähnen ist, dass die Erneuerung in Schweden recht günstig ist und bürgerfreundlich abläuft. So muss man erst persönlich vorstellig werden, wenn man den Führerschein per Einschreiben bekommt und ihn bei seiner Postfiliale abholt.
  • Die Gültigkeit von Bus- und Lkw-Führerscheinen (C,C1,CE,C1E,D,D1,DE,D1E) ist unterschiedlich beschränkt. Während diese in Deutschland erst ab einem Alter von 50 Jahren durch regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen verlängert werden muss, beginnt man in Schweden schon bei 45 Jahren damit. Allerdings wird der Führerschein in Schweden um bis zu 10 Jahre verlängetr, in Deutschland nur noch bis zu 5 Jahre.
  • Beim Umtausch meines Führerscheins gab es eine kleine Einschränkung im Detail. Da es die Klasse C1E in Schweden nicht gibt, wurde diese in einen Führerschein CE umgeschrieben und mit einer bestimmten Kennzahl versehen. Damit verlor ich im Detail das Recht, ein LKW-Gespann zu fahren, das insgesamt schwerer ist als 12 Tonnen. Diese Erweiterung stammte noch vom alten Führerschein der Klasse 3. Diese Kleinigkeit dürfte aber nur die allerwenigsten betreffen und ist eher eine bürokratische Spitzfindigkeit denn eine wirkliche Einschränkung.
  • Mit einem deutschem Führerschein drohen bei Verkehrsverstößen unter Umständen eventuell nicht die gleichen Sanktionen wie mit einem schwedischen Führershcein. So kann es sein, dass man mit einer Geldstrafe davonkommt, da eine ausländische Fahrerlaubnis von schwedischen Behörden ja nicht so leicht entzogen werden kann. Verlassen sollte man sich aber nie darauf, und angesichts der saftigen Bußgelder ist es ohnehin ratsamer, sich an die Regeln zu halten.

Wenn man also mit diesen kleinen Nachteilen leben kann und eine Legitimation haben möchte, ist der Umtausch eventuell eine Option. Man sollte sich aber bewusst sein, dass man den vorigen Führerschein anschließend nur wieder erhalten kann, wenn man in sein Heimatland zurückkehrt.

Ab 1. Januar 2010 übernimmt das Transportstyrelsen die Aufgaben rund um die Führerschein. Bis dahin muss man sich für den Umtausch an die Verwaltung des Län (vergleichbar mit einem Bundesland) wenden, in dem man wohnt. Details des neuen Umtauschprozesses sind noch nicht bekannt. (Stand 14. Dezember 2009)

Neben dem Antrag ist es auch erforderlich, das Original des ausländischen Führerscheins einzuschicken. Aus dem Grund ist es ratsam, ihn persönlich abzugeben und sich mit Kopie und Stempel den Eingang bestätigen zu lassen – diese Quittung muss nämlich für die Zeit des Umtauschs als Ersatz-Führerschein dienen, wenn man nicht komplett auf das Fahren verzichten möchte. Es ist anzunehmen, dass diese Möglichkeit wegfällt, wenn das Transportstyrelsen das übernimmt.
Der Führerschein wird dann zur Bestätigung dessen Gültigkeit nach Deutschland geschickt.
Dies verlängert die ganze Prozedur – man muss mit 4 bis 6 Wochen rechnen. Sobald die Länsverwaltung die Sache abschließt, bekommt man bescheid und das Transportstyrelsen wird beauftragt, einen Führerschein auszustellen. Neben der Zahlung von 465 kr – ein ander Ausweis ist auch nicht viel billiger – muss man ein schwedisches ID-Kort-Foto und eine Unterschrift abgeben. Die Ausstellung des Führerscheins selbst geht dann aber sehr schnelll, meist innerhalb einer Woche.
Bei Abholung kann man dann eine beliebige Referenzperson mitbringen. Ein Personbevis ist nicht nötig.

So dauert es schon bis zu zwei Monate, ehe man seinen neuen Führerschein in Händen hält. Das langsamste Glied in der Kette sind in diesem Fall die deutschen Behörden. Ich habe durchaus auch schon Geschichten gehört, dass es erheblich schneller gehen kann.

Zusammenfassung

Eine Legitimation ist nicht nur nützlich, sondern erspart eventuell viel Ärger. Zwar mag man mit netten Bitten und Erklärungen die meisten Stellen vom eigenen Anliegen überzeugen können, aber wegen Bagatellen wie einer Kartenzahlung lange Gespräche führen zu müssen kann auf Dauer nerven. Ob man eine ID-Kort braucht, muss aber jeder selbst nach den individuellen Bedürfnissen entscheiden.

Es ist auch nach den letzten Änderungen immer noch schwer, als Ausländer eine ID-Kort zu erhalten.

Das Anliegen, sich eine ausstellen zu lassen, nimmt man am besten bei nahegelegenen Banken und mit einem guten Freund als Referenz im Schlepptau in Angriff. Scheitert man hier, so ist der nächste Weg das Skatteverket, sofern man die hohen Anforderungen erfüllt.

Erfüllt man diese nicht und braucht trotzdem unbedingt eine ID-Kort, bleiben maximal noch zwei weitere Optionen.

Erstens kann man sich als EU/EWR-Bürger immerhin noch einen neuen Pass ausstellen lassen, was aber auch mit viel Aufwand und Kosten verbunden ist – zumindest, wenn man nicht in Stockholm und Umgebung lebt, denn hier sind die Botschaften.

Zweitens der Umtausch des Führerscheins, was aber wohlüberlegt sein will.

Update 5.8.2009: Umfangreiche Erneuerung in Sachen Skatteverket und den anderen Möglichkeiten, eine ID-Kort zu kriegen.
Update 14.12.2009: Ergänzungen zur Übernahme des Bereichs Führerschein durch das Transportstyrelsen.

License to drive

hansbaer Juli 27th, 2007

Körkortsremsa

Heute morgen, 8 Uhr – Vägverket, die schwedische Straßenverkehrsbehörde, hat ihre Abteilung für Busfahrprüfungen ziemlich weit draußen, nämlich auf einem Flugplatz. Dort hat man mehr oder weniger auf der grünen Wiese ein paar Container (links im Bild) hingestellt. Mein Fahrprüfer ist schon da, kontrolliert meinen Führerschein, und schon geht es los. Die mühsam eingeübte Sicherheitskontrolle wird von ihm kaum betrachtet. Er steht nämlich draußen, raucht eine und unterhält sich mit dem Vertreter meiner Fahrschule. Danach die “Funktionsprüfung”, einem kurzen Gespräch über bestimmte technische Details des Busses. Er will etwas über die Parkbremse wissen – meine Paradedisziplin.
Das Fahren lief auch gut. Der Prüfer meinte allerdings, ich wäre zu schnell von der Autobahn abgefahren. Das ist insofern seltsam, als dass ich in den Fahrstunden einen kleinen Anschiss kassierte, als ich es genau so machte, wie er es heute gerne gehabt hätte. Der Vertreter meiner Fahrschule war zudem der Meinung, ich wäre insofern zu schnell unterwegs gewesen, dass das Einbremsen vor Ampeln und Kreisverkehren für die Fahrgäste ungemütlich würde. Das erstaunte mich insofern, als dass ich solche Kritik seit mindestens 10 Fahrstunden nicht mehr gehört hatte und zudem das Gefühl hatte, in der Prüfung eher langsam gefahren zu sein.

Wie dem auch sei: ich habe den Führerschein. Der oben abgebildete Abrissstreifen gilt maximal ein Jahr lang als Führerscheinersatz innerhalb Schwedens, bis mein neuer Führerschein ausgestellt wurde. Das ist weiter aber kein Problem, denn das dauert normalerweise nur eine Woche.

Montag geht es dann mit der Ausbildung zum Linienverkehr weiter.

Uppkörning

hansbaer Juli 13th, 2007

Wenn man in Schweden zur praktischen Fahrprüfung antritt, dann nennt man das “Uppkörning”, sehr frei übersetzt “auffahren”. Das darf ich in Kürze auch machen, nämlich am 27. Juli. Drückt mir die Daumen!

Weitere Highlights:

  • Gestern hatte ich wegen des starken Regens einen Fahrgast, da er mit dem Fahrrad zur Fahrschule gekommen war und wir in dann besser mitnahmen. Das Erstaunlich war jedoch, dass er ein Deutscher im gesetzteren Alter ist und damit ein noch unwahrscheinlicherer Kandidat für eine Arbeit als Busfahrer. Wie sich herausstellte, hat er sogar mal ein halbes Jahr lang in Rastatt gewohnt und ist nun wegen Familie seit 5 Jahren in Schweden.
  • Heute morgen hatte ich einen Erste-Hilfe-Kurs. Der war mit insgesamt 3 Stunden Umfang noch lächerlicher als der deutsche Kurs für den Führerschein. Leider hatte er trotzdem zwei Beatmungspuppen dabei.
  • Nachmittags dann ein Brandschutzkurs, der mich als ehemaliger Feuerwehrmann auch nicht wirklich beeindrucken konnten. Dass wir selbst einmal Schaum- und Kohlendioxidfeuerlöscher ausprobieren durften, war allerdings nicht schlecht. Mit einer Brandschutzdecke auf eine Puppe springen hätte allerdings nicht unbedingt sein müssen.
  • Hier noch etwas anderes zum Thema Führerschein in Schweden.

45

hansbaer Juni 1st, 2007

Führerschein

Gestern 8 Uhr. Das Telefon klingelt.
“Fabian, weißt du, was ich für dich habe”, sagt eine Frau auf schwedisch.
“Ja”, lüge ich perplex und unwissend. Sie scheint das nicht zu irritieren
“Ich habe einen Prüfungstermin für die Theorieprüfung. Nämlich morgen um 9.45 Uhr”
“Aber ich habe kommende Woche Prüfungen an der Uni, und außerdem habe ich ohnehin schon einen Termin für kommende Woche Donnerstag.”, argumentiere ich zurück. Wegen der langen Verzögerung beim Umtausch meines Führerscheins bin ich gelinde gesagt auch etwas aus der Übung.
“Ja, aber du machst ja schon seit März, und wird jetzt langsam Zeit.”
Widerwillig akzeptiere ich den neuen Termin. In der Tat ist ja auch etwas Eile geboten, denn meine ersten Kontakte mit der Busfahrerwelt sind schon mehr als drei Monate her, und schon in einem Monat soll ich die Straßen unsicher machen. Nachmittags sitze ich dann am Computer in der Fahrschule und mache Testprüfungen. Nach rund 12 Durchläufen habe ich wirklich auch die letzte Frage einmal gesehen und kenne viele Antworten schon auswendig. Das ist trügerisch, denn die Fragen sind natürlich nicht identisch mit denen in der offiziellen Prüfung. Also pauke ich mir noch Arbeitszeitregelungen und Achslasten ein.

Heute morgen dann einmal wieder die Begegnung mit dem modernen schwedischen Staat. Der helle Vorraum der Prüfungsräume beherbergt eine Reihe Fotokabine, wo man selbst das Foto für den Führerschein machen kann – alles elektronisch, versteht sich. Spaßeshalber nehme ich bei der Sprachenauswahl deutsch. Daher könnte ich mir auch ein Lächeln nicht verkneifen, denn die Computerstimme spricht vernehmbar mit österreichischem Akzent.
Die Prüfung selbst ist auch am Computer, und zwar browsergestützt. 60 Fragen gibt es. 5 sind Dummy-Fragen, die anscheinend Kandidaten zur Übernahme in den offiziellen Fragekatalog sind und die man zuerst an realen Versuchskaninchen testen will. Leider kriegt man bei diesen Fragen auch keine Punkte. Von den verbleibenden 55 Fragen muss man mindestens 44 richtig beantworten. Nach knapp 40 Minuten (so viel Zeit hat man) dann der Moment der Spannung. Ich klicke auf “Avsluta” (Abschließen) und das Ergebnis erscheint. 45 richtige! Bestanden!

Netterweise zeigt das System dann auch an, welche Fragen falsch waren. Weniger nett ist allerdings, dass einem nur gesagt wird, dass die Antwort falsch war, aber nicht, welche richtig gewesen wäre.

Ist ohnehin egal – auch knapp bestanden ist bestanden, und wenn man rund 24 Stunden vorher bescheid kriegt, dass man Prüfung hat, schaut man weniger auf die Punktzahl.

Nächste Woche geht es also auf die Piste, hoffe ich.

PS: das Bild oben zeigt meinen neuen schönen schwedischen Führerschein. Ein Detail wurde vom deutschen Führerschein nicht übernommen: mit diesem darf ich keine Lastzüge mehr fahren, bei denen der gesamte Zug schwerer ist als 12 Tonnen. Da das Zugfahrzeug nur 7,5 Tonnen wiegen darf und der Anhänger nur eine Achse haben darf, ist dieser Fall aber ohnehin hypothetisch. Ein weiterer kleiner Nachteil: der Führerschein muss alle 10 Jahre verlängert werden. Das ist aber auch nicht weiter tragisch, denn das wird in Deutschland – wenn auch mit großzügigen Übergangsfristen – auch kommen. Ein Schmankerl hat die ganze Sache in jedem Fall: da ich ja die alte Klasse 3 gemacht habe und somit Inhaber des Führerscheins CE (Lkw mit Anhänger, in meinem Fall natürlich auf 7,5 t beschränkt) bin, kriege ich beim Erwerb des Busführerscheins nicht etwa Klasse D (Bus), sondern gleich Klasse DE (Bus mit Anhänger). Das beruht wohl darauf, dass die Macher der Regeln davon ausgingen, dass jemand, der einen Lkw mit Anhänger fahren kann, auch einen Bus mit Anhänger fahren kann. Eine kleine Lücke im System in diesem Fall, denn natürlich ist nicht bedacht worden, dass man in Deutschland früher auch einen CE-Führerschein, wenn man gar kein Lkw fahren konnte, schon gar nicht mit Anhänger. Ich selbst bin auch nicht gerade ein Anhängervirtuose, aber den DE-Führerschein nehme ich gerne. Dass ich jemals einen Bus mit Anhänger fahren werde, ist ohnehin unwahrscheinlich. Ein Gelenkbus zählt nämlich nicht als Bus mit Anhänger.

Otti der Otter

hansbaer Mai 30th, 2007

Nachdem hier wenig los war in den letzten zwei Wochen, ein kleiner Abriss über die letzten Tage:

  • Ich habe meinen schwedischen Führerschein erhalten. Damit geht es hoffentlich bald auch in Sachen Bus voran. Überraschung beim Abholen des Ausweises im lokalen Postcenter. Die Dame von der Post reißt doch vor meinen Augen einfach so den Brief auf. Ich dachte nur “Hallo Postgeheimnis?”. Genauso baff war ich neulich beim Lesen der Zeitschrift der Straßenverkehrsbehörde. Dort steht doch tatsächlich auf der letzten Seite:

    SMS-Dienst
    - Wem gehört das Fahrzeug? Schicken Sie die Kennzeichennummer an 71456
    Service-Telefon 07221-252525
    - Fahrzeugschein, Schilder und TÜV-Stempel bestellen
    - Angaben über Fahrzeug nachfragen (z.B. wem es gehört und ob die Steuer bezahlt ist)
    - Fahrzeug an- oder abmelden

    Auf gut deutsch: jeder kann per SMS zu jedem x-beliebigen Auto den Besitzer herausfinden. Wenn er anruft, kann er gleich auch noch herausfinden, ob derjenige die Steuer bezahlt hat und – wenn er etwas pfiffig ist – das Auto gleich abmelden. Ganz nebenbei kann man per Ratsit oder direktem Anruf bei der Steuerbehörde Gehalt und Kreditwürdigkeit herausfinden. Geschickte Dataminer wissen so innerhalb kurzer Zeit alles mögliche über eine Person. Man fühlt sich doch gelegentlich etwas wie im Big-Brother-Staat hier. Das Offentlighetsprincipen (deutsch “Öffentlichkeitsprinzip”), das praktisch alle amtliche Dokumente öffentlich macht, in allen Ehren – im 21. Jahrhundert wird das zunehmend bedenklich. Über Datenschützer in Deutschland kann man da fast nur schmunzeln, denn das hier ist alles ein erheblich deutlicherer Eingriff in die Privatsphäre. Offenbar bin ich auch nicht ganz der einzige, der solche Bedenken hat.

  • Ich war kürzlich in Deutschland bei meinen Eltern. Das Wetter war extrem heiß, was wir nun wirklich nicht mehr gewont waren. Trotz allem natürlich schön. Kurz die Highlights: Mein Heimatdorf Ottersdorf veranstaltet im Sommer die “Heimattage”. Dazu hat man sich als Logo “Otti”, den Otter, ausgesucht. Nicht dass dieses Tier ein Wahrzeichen des Dorfes wäre, aber die Namensähnlichkeit ist bestechend, und man kann lustige Anstecker verkaufen, die dann etwas Geld für die Heimattage eintreiben. Ich bekam einen Otti von Sven Planet (den ich an dieser Stelle herzlich grüße) geschenkt, da die Anstecker offenbar weggingen wie geschnitten Brot. Leider muss ich gestehen, dass Otti bislang verschollen geblieben ist – ich habe ihn hier in Stockholm noch nicht gesehen, aber vielleicht steckt er ja noch irgendwo in den Untiefen meines Rucksacks. Ansonsten waren wir noch exzellent Spargelessen – seit langem mal wieder Spargel-All-You-Can-Eat (auch wenn es offiziell nicht so heißt) für 19,70 € beim Restaurant Schoko in Rheinstetten-Forchheim. Das ist zwar ungewöhnlich viel Werbung für meine Verhältnisse, aber einen solchen Geheimtipp sollte man etwas propagieren. Leider ist der Urlaub ja schon wieder vorbei. Wegen der untragbaren Zuständen auf der A8 zwischen Karlsruhe und Stuttgart schafften wir es erst auf die Minute zum Flughafen – letztendlich hat uns die Möglichkeit zum Internet-Check-In gerettet. Dann war es auch egal, dass wir die Leberwurst (könnte ja C4-Sprengstoff sein) bei der Sicherheitskontrolle abgeben mussten.
  • Seither war das spektakulärste Ereignis das Pokalfinale Stuttgart-Nürnberg, das Benjamin, ein ehemaliger Kollege von DASDING, der derzeit beim schwedischen Rundfunk arbeitet – und ich im Irish Pub des Hauptbahnhof anschauten. Erstaunlicherweise gesellte sich noch eine Gruppe Schwaben und Franken dazu. Insofern ein herrlicher Abend.

Seither ist lernen angesagt – Klausuren stehen an, mein Führerscheintest und die Präsentation meiner Masterarbeit.

Verkehr in der Theorie

hansbaer April 4th, 2007

Polis
(Ausriss: Du&Jag i Trafiken)

Nachdem von meiner Masterarbeit der erste Entwurf (voller Fehler natürlich) fertig ist, kann ich einmal eine Sache hier erwähnen, die mich noch so beschäftigt – neben den vielen anderen.

Ich meine den vormals schon erwähnten Führerschein. Am Montag durfte ich zur Voruntersuchung antanzen. Zum obligatorischen Drogentest wurde mir eine Urinprobe genommen und Blut abgezapft – selten so viel Spaß gehabt. Beim Augentest brillierte ich wie gewohnt – allerdings musste ich peinlicherweise meine Wissenslücken im Bereich Alphabet auf Schwedisch anmerken. Da habe ich in meinen Kursen nämlich verpasst. Ich wusste daher schlichtweg nicht, wie J ausgesprochen wird: Je. Nachdem das im Vorfeld geklärt war, war das Lesen der kleinsten Zeile kein Problem. Der Blutzucker war auch normal. Die Urinprobe war, mmh, interessant – ich musste meine Taschen ausleeren und der Wasserhahn wurde abgeklebt, damit ich ja nicht bescheiße. Gesamtergebnis der Untersuchung: alles ok.

Nun habe ich schon drei Theoriestunden gehabt. Herausfordernd ist die Theorie nur in ihrer Menge, nicht wirklich inhaltlich. Gestern fand ich es ausgesprochen ermüdend, mir eine Stunde lang am Stück die Funktionsweise eines Fahrtenschreibers erklären zu lässen. Am Computer konnte ich die ersten beiden Level der Fragebögen bestehen. Das erste Level zwar erst nach drei Versuchen, dann aber mit 59 von 60 Fragen richtig. Das zweite schaffte ich dann auf Anhieb, und beim dritten scheiterte ich nur knapp. Bei der ganzen Sache beschäftigt mich eher, wie die Fahrstunden mit meinem Stundenplan kollidieren werden.

Besonders interessant ist allerdings Trafiksvenska – man lernt Wörter, die man im Schwedischkurs nie hören würde und oft auch gar nicht hören möchte. Es handelt sich um Verkehrsschwedisch, d.h. Vokabular, das den Straßenverkehr betrifft. Interessanter Zufall, dass Thomas auf Fiket gestern einige Fachvokabeln aus dem Bereich Astronomie präsentierte.

Hier also eine kleine Liste ganz anderer Fachvokabeln:

  • väjningsplikt: Die Pflicht, Vorfahrt zu gewähren
  • tuta: hupen
  • vägren: Seitenstreifen
  • körfält: Fahrspur (hört man leider oft in den Verkehrsnachrichten)
  • bogsering: Abschleppen
  • blinker: Ein sehr ungewöhnliches schwedisches Wort, denn Wörter, die im Deutschen auf “er” enden, enden im Schwedischen normalerweise auf “are” – wie z.B. lärare (Lehrer), hammare (Hammer). “blinkare” wäre also die logischere Variante gewesen. Noch ungewöhnlicher ist allerdings der Plural “blinkers” – einen s-Plural kennt das schwedische nämlich eigentlich nicht. Laut pauker.at gibt es auch “körriktningsvisare” (also Fahrrichtungsanzeige), aber ich vermute stark, das ist genausowenig Alltagsschwedisch wie “Fernsprecher” alltagsdeutsch ist.
  • medlut: ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, weil es im Wörterbuch nicht drinsteht. Ich vermute aber, es heißt “in Fahrtrichtung”. motlut gibt es nämlich auch – und das heißt vermutlich “gegen die Fahrtrichtung”.
  • prestationsförmåga: Leistungsvermögen – eigentlich kein Verkehrbegriff, aber eine der Fragen im Fragebogen, über die ich zuerst stolperte. Die richtige Antwort war, dass etwas Stress das Leistungsvermögen erhöht. Kann schon sein.

Sehr beschäftigt ist der Fragebogen übrigens mit dem Einfluss auf das Fahrverhalten, wenn man mehrere Leute im Fahrzeug hat. Die seltsamste Antwort war bislang aber, dass Erwachsene sich selbst ums Anschallen zu kümmern haben. Ist der Fahrer also nicht haftbar, wenn außer ihm keiner angeschnallt ist?

Noch ein Kuriosum:

Hörselskadade

Dieses Schild ist eine sogenannte “Tilläggstavla”, also ein Schild, das zu einem anderen hinzugefügt wird. In diesem Fall geht es um eine Behinderung. Drei Punkt auf gelbem Grund? Na, klingelts? Falsch! Das Zeichen steht groteskerweise für Hörgeschädigte.

Synskadade

Dieses Zeichen wiederum steht für Sehgeschädigte.

Eine Logik kann man wohl nur darin erkennen, dass das schwedische Wort für taub, “döv”, drei Buchstaben hat, “blind” hingegen fünf.

Ein weiteres Fundstück ist das Bild in der Einleitung. Damit teilt ein Polizist mit, man solle die Geschwindigkeit senken. Sollte es dieses Zeichen in Deutschland jemals gegeben haben, so gehe ich davon aus, dass es nach 1945 abgeschafft wurde…

King of the Road

hansbaer März 20th, 2007

Buss Stockholm - sxc.hu

Kennt hier jemand jemanden, der jemanden kennt, der Bewerbungsgespräche mag? Ich nicht.

Heute morgen hatte ich eines, und zwar auf schwedisch, was die Angelegenheit nicht leichter macht. Unter meinen vielen Bewerbungen befand sich ja auch eine an Busslink, einer der Betreiber von Buslinien in Stockholm. Die allgemeine Urlaubszeit hier in Juli und August bringt nämlich mit sich, dass so ziemlich alle in Urlaub sind und damit massig Stellen frei sind, die unbedingt mit Sommervertretungen besetzt werden müssen. Die Not ist so groß, dass man halbwegs qualifiziert wirkenden Menschen (z.B. mir) den Busführerschein bezahlt, damit diese dann im Sommer einen roten Bus (manche sind auch blau) durch Stockholm fährt.

Es lief erstaunlich gut – ich konnte ihm in flüssigem Schwedisch meine halbe Lebensgeschichte erzählen, und seine Hauptsorge war nur, dass ich meinen deutschen EU-Führerschein gegen sein schwedisches Pendant austauschen müsse, bevor ich anmelden kann. Den Job hätte ich jedenfalls.

Mein persönliches Hindernis war, dass ich mich ja zum Löcherbohren in der Antarktis freiwillig gemeldet habe und der Vorkurs hierzu im Sommer sein würde.

Insofern harre ich der Dinge und habe auf alle Fälle schonmal das Verfahren zum Führerscheinumtausch in die Wege geleitet.

PS: Soviel grün wie oben im Bild würde ich jedenfalls selten sehen – meine Anstellung läuft wahrscheinlich auf die Innenstadtlinien hinaus.

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