hansbaer August 4th, 2008
Im vorläufig letzten Beitrag zum Thema Bürokratie will ich mich mit dem beschäftigen, was im Allgemeinen des Deutschen liebstes Kind ist: das Auto.
Wenn man mit einem solchen Gefährt nach Schweden kommt, muss man sich zwangsläufig überlegen, wie man weiter vorgeht, denn jedem dürfte bewusst sein, dass man sein Auto eigentlich nicht beliebig irgendwo anmelden darf.
Die folgenden Ausführungen berühren einmal wieder viele rechtliche Fragen. Meine Aussagen hierzu sind dementsprechend laienhaft.
Muss man ein Auto, das dauerhaft in Schweden ist, nach Schweden ummelden?
Die Antwort ist denkbar kurz: Ja!
Allgemein gilt hier wohl auch wie innerhalb Deutschlands, dass das Auto an dem Ort angemeldet sein muss, an dem es vorwiegend genutzt wird, in diesem Fall also Schweden.
Als einzige Vorschrift zu diesem Bereich habe ich nur die “Verordnung über den Internationalen Kraftfahrzeugverkehr” (IntVO) gefunden, die aber in ihrer letzten Fassung vom 1.3.2007 massiv an Substanz verloren hat und zu der Frage anscheinend nichts mehr enthält.
Andernorts habe ich wiederholt den Richtwert von einem Jahr vorgefunden, in dem ein Auto im Ausland betrieben werden darf, bevor es umgemeldet werden muss. Wenn man in Deutschland nicht gemeldet ist, darf man dort auch kein Auto anmelden.
In der Praxis gilt freilich etwas anderes. Das Anmeldeverbot lässt sich natürlich durch Bekannte und Verwandte leicht umgehen – sollten Fragen aufkommen, hat man das Auto eben ausgeliehen. Dank des Schengener Abkommens kann nämlich niemand feststellen, wann ein in Deutschland zugelassenes Auto nach Schweden eingeführt wurde. Dies kann gestern gewesen sein, aber auch vor Jahren. Eine Autoversicherung dürfte das in der Regel nicht kümmern, solange man brav gezahlt hat.
Dementsprechend ist diese Zone so grau, wie man es sich nur vorstellen kann.
Allerdings sind mir auch schon Autos mit deutschen Nummernschildern untergekommen, die nicht nur offenkundig schon längere Zeit in Schweden sind, sondern überhaupt nicht zugelassen sind. Konkret: die Schilder sind entstempelt und damit ist der Wagen offenkundig gar nicht zugelassen. Dass das Fahren eines Autos ohne Zulassung nicht nur nicht ratsam, sondern auch äußerst dämlich und zudem strafbar ist, braucht nicht weiter erläutert zu werden. Man hat keinen Versicherungsschutz und muss bei einem Unfall die Auswirkungen sämtlicher Sach- und Personenschäden selbst tragen. Außerdem wird man bei einem Auffliegen der ganzen Aktion wegen Fahren ohne Zulassung angezeigt. Das kann enorm teuer werden.
Dass man mit so etwas offenbar jahrelang durchkommen kann, zeigt auch ein anderen Aspekt des Fahrens mit ausländischen Kennzeichen. Da diese auch in der EU nicht einheitlich sind, wissen die ausländischen Behörden in der Regel nicht, woran man ein gültig zugelassenes Auto erkennt. Und selbst wenn: die Ahndung eines überfälligen TÜV ist schlichtweg außerhalb ihrer Zuständigkeit.
Welche Vorteile hat es, mit einem deutschen Kennzeichen zu fahren?
Oder anders gefragt: gibt es überhaupt welche?
Auch hier muss man bejahen. Zu den Vorteilen gehören:
- Die “Trängselskatt” (“Gedrängesteuer”), eine in Stockholm seit 1. August 2007 nun endgültig eingeführte Stadtmaut, wird nicht auf ausländische Autos erhoben. Da werktags bis zu 20 kr pro Einfahrt in die Stockholmer Innenstadt oder Ausfahrt aus ihr heraus bezahlt werden müssen, ist dies durchaus ein geldwerter Vorteil. Diese Ausnahme ist allerdings auch systembedingt, da das System auf der automatischen Aufnahme von Nummernschildern beruht und daher mit ausländischen Kennzeichen Probleme hätte. Die spätere Erhebung der Gebühren im Ausland wäre auch rechtlich schwer durchführbar. Allerdings ist die Befreiung ausländischer Autos nur eine von zahlreichen Ausnahmen von der Steuer. Man kann sie beispielsweise auch durch Kauf eines umweltschonenden Fahrzeugs umgehen, was sich erheblicher Beliebtheit erfreut, da diese Autos auch anderweitig steuerlich gefördert werden.
- Ein deutsches Auto muss nur alle zwei Jahre zum TÜV, ein schwedisches einmal im Jahr zur Bilprovning. Allerdings ist der Weg zur Bilprovning natürlich kürzer als zur nächsten Filiale des TÜV oder der DEKRA. Und um der Frage vorzubeugen: eine deutsche Plakette kann man natürlich nur von einer autorisierten deutschen Organisation erhalten, so dass eine Durchführung der Untersuchung in Schweden realistischerweise nicht möglich ist.
- So blöd es klingt: man hat einen gewissen Ausländerbonus. Andere Autofahrer sind meistens etwas gnädiger, wenn man ihnen ungeschickt vor der Nase herumfährt – der Ausländer kennt sich schließlich nicht so aus.
- Es ist zwar nur eine vage Spekulation, aber ich möchte stark annehmen, dass Bußgelder meistens unter den Tisch fallen, wenn es sich nicht um ein schweres Vergehen handelt. Zwar zahlt man für Geschwindigkeitsübertretungen hierzulande mindestens horrende 1500 kr, aber ich habe meine Zweifel, ob die schwedische Polizei sich die Mühe macht, ein Amtshilfegesuch wegen ein paar km/h zuviel nach Deutschland zu schicken. Bei einer Sache wird man allerdings knallhart zur Kasse gebeten, wie ich schon am eigenen Leib erfahren musste: da spezielle Firmen wie Carpark mit der Überwachung von Parkplätzen beauftragt werden, sind deren Politessen mit großem Eifer bei der Sache, da die Einnahmen natürlich den eigenen Gewinn steigern. Dementsprechend wird Falschparken knallhart bestraft, in der Regel mit mindestens 450 kr (ca. 48 €). Zahlt man nicht gleich, geht das an eine deutsche Anwaltskanzlei, die ihre eigenen Gebühren noch draufschlägt, so dass sich der Betrag fast verdoppelt und man letztendlich über 90 € zahlen muss.
Ein Vorteil ist zum 15. November 2009 weggefallen: ab sofort werden auch ausländische Autos von der schwedischen Winterreifenpflicht erfasst. Für alle Autos gilt die Pflicht vom 1. Dezember bis zum 31. März. Sie schreibt vor, dass entweder Winterreifen oder Schneeketten aufgezogen werden müssen. Zudem müssen diese Reifen 3 Millimeter Profil haben, während im Sommer nur 1,6 Millimeter vorgeschrieben sind.
In Schweden sind übrigens auch Spikes (schwedisch “dubbdäck”) zugelassen, was sich im Winter durch leicht veränderte Geräuschkulisse im Straßenverkehr bemerkbar macht. Diese Reifen dürfen allerdings nur vom 1. Oktober bis 15. April verwendet werden. Außerdem wurde mittlerweile eine Möglichkeit geschaffen, dass Kommunen Zonen einrichten, in denen Spikereifen verboten sind. Der Hintergrund dieser Vorschrift ist, dass die Feinstaubbelastungen durch diese Reifen in den Städten relativ hoch sind, obwohl dort wirklich keine Notwendigkeit besteht, diese Reifen zu haben. Stockholm hat deshalb schon länger eine Kampagne gegen Spikes Es ist fast schon beschlossene Sache, dass ein solches Spike-Verbot im Stockholmer Stadtteil Södermalm eingeführt wird.
Außerdem sollte man beachten, dass Spikes nicht in allen Ländern zugelassen sind. Wenn man also zu Weihnachten mit dem Auto zur Verwandtschaft fahren will, sind Spikes eine sehr unkluge Anschaffung, denn in Deutschland sind diese Reifen bis auf ganz wenige Ausnahmen verboten. Das gilt im Wesentlichen auch für Nicht-Deutsche, denn obwohl man in Österreich und in der Schweiz mit Spikes unter Einschränkungen fahren darf, führt der Weg von dort nach Schweden nahezu zwangsläufig über Deutschland oder andere Länder mit Spikereifenverbot (z.B. Polen). Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Spikes den Verbrauch erhöhen und nur mit niedrigerer Geschwindigkeit gefahren werden können. Spikes lohnen sich also längst nicht für alle Fälle, beispielsweise auch nicht in größeren Städten, denn der effektive Vorteil auf den dort meist gut geräumten Straßen ist minimal.
Eine Überlegung wert sind vielleicht normale Winterreifen, die speziell für nordeuropäische Verhältnisse angepasst sind. Die in Mitteleuropa benutzten Winterreifen sind dies nämlich häufig nicht, so dass man mit “schwedischen” Winterreifen einen guten Kompromiss erreicht: volle Einsetzbarkeit in ganz Europa bei relativ guter Tauglichkeit für nordeuropäisches Wetter.
Welche Vorteile hat ein schwedisches Kennzeichen?
Nun ja… – es ist rechtlich einwandfrei. Im Falle eines Unfalls spart man sich in jedem Falle Scherereien, und wenn man nicht mehr in Deutschland gemeldet, aber sein Auto noch dort unter eigenem Namen angemeldet hat, könnte das auch irgendwann unangenehme Fragen aufwerfen.
Zahlt man in Schweden mehr Autosteuern und Versicherung?
Ganz klar: jein!
Die Frage ist deswegen nicht eindeutig zu beantworten, weil die Berechnungsgrundlagen sehr unterschiedlich sind.
In Deutschland spielen Kriterien wie Fahrzeugklasse, Schadstoffklasse und Hubraum eine Rolle. Bei der Versicherung sind es die berühmten Prozente, die über den Tarif entscheiden.
In Schweden hingegen unterscheidet man bei der Steuer (“Fordonskatt”, also Fahrzeugsteuer) bei Pkw im Wesentlichen zwischen zwei Fällen:
- “Neue Autos”, d.h. Autos ab Baujahr 2006 und älter Autos, die den Umweltstandard von 2005 erfüllen (Miljöklass 2005). Außerdem können Elektro- und Hybridfahrzeuge dort eingeordnet werden. Diese Autos werden allgemein mit einem Grundbetrag von 360 kr besteuert. Kohlendioxidausstoß bis 100 Gramm pro Kilometer ist frei. Alles, was darüber hinaus geht, wird mit 15 kr pro Gramm besteuert. Alternativ angetriebene Autos (z.B. Ethanol) werden nur mit 10 kr pro Gramm besteuert. Es gibt aber noch einen Faktor von 3,3 für Dieselautos und noch ein paar kleinere Details.
- “Ältere Autos”, d.h. alle anderen Autos. Dabei ist praktisch nur das Betriebsgewicht relevant, d.h. Leergewicht plus Sprit und Fahrer, und ob der Wagen ein Benziner oder ein Diesel ist.
Bei der Versicherung war für mich kein klares Schema erkennbar. Manchmal spielt eine Rolle, ob jemand unter 25 Jahren das Auto fahren soll. Manche Versicherungen interessieren sich für die Jahre der Unfallfreiheit, andere nicht. Bei manchen Versicherungen erhält man Rabatte, wenn man dort noch weitere Versicherungsverträge hat. In jedem Falle fließt aber der Standort des Autos ein. Dabei zählt oft, ob das Auto auf der Straße geparkt wird oder in einer Garage. Vor allem aber der Wohnort scheint eine erhebliche Rolle zu spielen.
Vorhersagen sind daher schwierig und bleiben zwangsläufig im Halbspekulativen. Ich verweise an dieser Stelle gerne auf meine Erfahrungen bei der Ummeldung meines eigenen Autos.
Miljöbilar – Umweltautos mit Steuer- und anderen Vorteilen
Alternative Treibstoffe sind übrigens sehr beliebt hierzulande, was u.a. an den oben genannten Steuervorteilen liegt. Zwar gibt es auch Tankstellen, die anderes anbieten, aber im Wesentlichen hat man sich für E85 entschieden. Es handelt sich dabei um eine Mischung von 85% Ethanol und 15% normalem Benzin, die an fast jeder Tankstelle verfügbar ist. Es hat dem Benzin recht ähnliche Eigenschaften, so dass gerade Neuwagen gerne als “Miljöbil” (Umweltauto) gekauft werden, die in der Lage sind, sowohl Benzin als auch Ethanol zu nutzen – hier hat man die volle Flexibilität, weil man auch normales Benzin tanken kann und damit auch im Ausland unabhängig ist. Zusätzlich gibt es seit 1. April 2007 einen Bonus beim Kauf eines Miljöbils von satten 10000 kr. Zudem gab es noch Extraprämien, wenn man ein altes Auto verschrotten ließ. Das hat zu einem starken Anstieg des Absatzes von E85 gesorgt – und teilweise sogar zu Versorgungsengpässen.
Allerdings sollte man auch die negativen Seiten nicht verschweigen. Allgemein ist es natürlich so, dass die Ethanolproduktion derzeit Lebensmittelpflanzen als Rohstoffe benutzt und damit für steigende Lebensmittelpreise sorgt, was zumindest in armen Ländern zu Problemen führt. Zudem sind die Produktionsmethoden wegen Düngereinsatzes und aufwändiger Verarbeitungsprozesse zumindest im Moment nicht sehr energieeffizient – vielfach heißt es sogar, es würde dabei mehr Energie hinein gesteckt als nachher herauskäme. Ethanol als alleinige Lösung der Umweltprobleme zu sehen greift also deutlich zu kurz, zumindest im Moment. Der Hype in Schweden zeigt allerdings starke Tendenzen dazu. Die Botschaft ist, man solle einfach ein Umweltauto kaufen und die Sache wäre erledigt. Die Werbung, die einem Steuervorteile und die Befreiung von der Trängselskatt noch schmackhafter macht, befördert dies noch. Zwar sind diese Autos die effizienteren auf dem Markt, aber das alleine reicht natürlich nicht aus. Im Alltag zeigt sich auch noch ein weiterer Effekt: E85 ist deutlich billiger als Benzin. So ist es ungeachtet der Ölkrise in diesem Sommer ungerührt bei rund 8,50 kr pro Liter, während man für Benzin mittlerweile um die 14 kr bezahlt. Im Ethanolvertrieb verbraucht ein Auto zwar auch mehr. Dies wog den Preisvorteil zumindest früher wieder auf, aber wenn man ca. 30% Mehrverbrauch einrechnet, ist Ethanol immer noch billiger als Benzin. Das ursprüngliche Problem, dass die ganzen Umweltautobesitzer letztendlich doch nur mit Benzin fuhren, dürfte sich damit zumindest vorübergehend verflüchtigt haben.
Es gibt aber auch darüber hinaus noch andere Anwendungen – so werden auch die Dieselmotoren von Bussen für Ethanol umgerüstet.
Leider sieht das schwedische Recht bislang keine einfache Möglichkeit zur Umschreibung auf einen alternativen Treibstoff vor. Wer also ein normales Auto hat, kann es zwar mit Umrüstsätzen ethanoltauglich machen, aber dies ist bisher stark in der Bastler- und Tüftlerecke angesiedelt. Der Weg zu einem etwas grüneren Auto ist also mit Aufwand verbunden und bringt in dem Fall steuerlich nichts. Für eine Anerkennung als Miljöbil muss man nämlich anscheinend eine Komplettabnahme machen lassen, die wohl teurer kommt als man an Ersparnis durch geringe Steuern etc. wieder hereinfährt. Manche Leute probieren übrigens mit einigem Erfolg die manuelle Zumischung von E85 – teilweise bis zu einem Anteil von 50%. Allerdings ist das sehr mit Vorsicht zu genießen. Wer die deutschen Nachichten diesen Frühling verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass die Bundesregierung von dem ursprünglichen Vorhaben, alternative Treibstoffe zwangsweise bei Diesel und Benzin zumischen zu lassen, etwas abrücken musste, weil unklar war, welche Autos damit klarkommen und welche nicht. Es ist also sehr fraglich, ob ein normales Auto nicht schon bei Zumischungsanteilen von 10% oder weniger Schaden nimmt.
Auto ummelden nach Schweden – wie?
Will man sein Auto nach Schweden überführen, gibt es eine Reihe von Vorschriften, die ich hier nur kurz anreißen will. Für eine detaillierte Beschreibung verweise ich auf meine Erfahrungen bei der Ummeldung.
Zunächst einmal muss das Auto den schwedischen Standards entsprechen. Innerhalb der EU ist das recht einfach, denn ein Fahrzeug, das ohnehin schon gemäß EU-Standards für den Verkehr zugelassen wurde, muss auch in Schweden zugelassen werden können.
Dies ist der Fall, wenn das Auto schon in einem anderen EU-Land zugelassen war, sich im Serienzustand befindet und man den Fahrzeugbrief im Original vorlegen kann. Ist das Auto nicht aus der EU oder noch nie zugelassen gewesen, dann sollte man ein “Certificate of Conformity” (CoC) vorlegen können, das die Einhaltung von EU-Standards belegt. Dieses ist beim Autohersteller erhältlich. Bei Volkswagen und Audi kostet es beispielsweise 34,40 € zuzüglich Mehrwertsteuer.
Ein CoC oder andere gründlichere Unterschungen können auch aus anderen Gründen notwendig werden. Hat das Auto z.B. Erweiterungen, die vom EU-Standard nicht gedeckt werden, dann muss erst festgestellt werden, ob diese auch in Schweden zulässig sind.
Einen Zoll zahlt man bei Einfuhr aus einem anderen EU-Land nicht, jedoch bei allen anderen Ländern, auch EWR-Ländern (Norwegen, Liechtenstein, Island).
Zur Einfuhr hat das Transportstyrelsen, die schwedische Straßenverkehrsbehörde, mittlerweile eine recht gute Seite eingerichtet, deren Inhalt ich hier in Grundzügen wiedergeben möchte. Die Einfuhr erfolgt in folgenden Schritten:
- Das Fahrzeug muss beim Tullverket verzollt werden, sofern es aus einem Nicht-EU-Land stammt. Dies gilt auch für EWR-Länder, also Norwegen, Liechtenstein und Island – und selbstverständlich für die Schweiz.
- Für neue Fahrzeuge muss die Mehrwertsteuer gezahlt werden – das gilt für sämtliche Einfuhrländer. Als neu wird ein Fahrzeug betrachtet, das weniger als 6000 km gefahren wurde oder weniger als 6 Monate alt ist. Ein Jahreswagen kommt hier also deutlich billiger, denn man sollte sich in Erinnerung rufen, dass Schweden 25% Mehrwertsteuer verlangt, was vermeintliche Schnäppchen sehr schnell wieder relativiert.
- Für die Einfuhr muss seine sogenannte “Ursprungskontroll”, also eine Herkunftsüberprüfung durchgeführt werden. Bei dieser will die Behörde wissen, woher das Auto stammt. Dabei gibt es 10 mögliche Kategorien, unter denen ich die weniger alltäglichen (Diplomatenfahrzeug, Eigenbaufahrzeug) weglasse. Folgende beiden Kategorien dürften für die meisten Einwanderer interessant sein:
- “Eget bruk” (Eigengebrauch): Das Fahrzeug wurde im Ausland erworben und soll nun nach Schweden eingeführt werden. Dazu muss es ein Serienfahrzeug sein, das von einer physischen Person (also keiner Firma) eingeführt wurde und vom Besitzer in Schweden genutzt werden soll. Dazu müssen natürlich die entsprechenden Dokumente eingeschickt werden, also der Kaufvertrag o.ä., Kopien des Fahrzeugbriefs und ggf. Dokumente für die vorgenannten Anforderungen eingeschickt werden. Die Einfuhr eines Fahrzeugs darf maximal einmal in 12 Monaten durchgeführt werden. Den Sinn dieser Vorschrift kann man sich denken: massenhafte Privatimporte von Jahres- und Gebrauchtwagen sollen unterbunden werden.
- “Flyttsak” (Umzug): wenn man die Anforderungen erfüllt, ist dies eine Alternative, denn sie stellt die niedrigsten Anforderungen an das Fahrzeug selbst. So werden bei der Überprüfung weniger strenge Standards angelegt, und die in Schweden gültigen Abgasnormen für Fahrzeuge ab Baujahr 1989 werden auch nicht angewendet. Das ist also für sehr alte Autos eventuell von Interesse. Man muss allerdings nachweisen, dass man mindestens ein Jahr lang im Ausland wohnaft war und in dieser Zeit das Auto schon besessen hat. Außerdem muss man ein zusätzliches Formular ausfüllen, indem man hierzu zusätzliche Angaben macht. Der formelle Nachweis des Besitzes dürfte diese Möglichkeit für alle diejenigen erschweren, die ihr Auto über Freunde und Verwandte in Deutschland angemeldet hatten. Für die Prüfung der Angaben dieser Variante muss man übrigens 600 Kronen bezahlen, was ein weiterer Nachteil gegenüber “Eget Bruk” ist. Nach Eingang des Antrags erhält man eine Rechnung, die erst bezahlt werden muss, bevor die weitere Bearbeitung erfolgt.
Hat das Auto keine gültige Zulassung mehr, so dass es nicht vorgefahren werden kann, muss man sich auch um eine temporäre Versicherung bemühen, denn ohne diese erhält man keine vorläufige Zulassung. Wie ich gehört habe, ist dies bei Länsförsäkringar am einfachsten, weil man dort hingehen und die Versicherung direkt bezahlen kann.
- Ist die Ursprungskontroll erfolgriech, kann man sich bei Bilprovning melden, dem schwedischen Äquivalent des TÜV. Dort erhält man dann einen Termin für die Vorführung des Fahrzeugs (“Registreringsbesiktning”). Diese dient dazu, festzustellen, ob es sich wirklich um das angemeldete Auto handelt und dass es auch im beschriebenen Zustand ist. Eine “Kontrollbesiktning”, also die reguläre Überprüfung des technischen Zustandes, muss auch ausgeführt werden. Beide Überprüfungen können mit etwas Glück direkt hintereinander erfolgen.
- Wenn alle Überprüfungen erfolgreich waren, wird eine Nummer zugeteilt und man erhält die Schilder mit der Post.
- Dann fehlt nur noch eine gültige Versicherung (Trafikförsäkring). Diese entspricht, soweit ich dies ersehen kann, einer normalen Haftpflichtversicherung in Deutschland. Wie dort auch zahlt man für eine Teil- oder Vollkasko (Kaskoförsäkring) mehr.
- Hat man das alles zusammen, kann man das Fahrzeug anmelden. Die ganze Prozedur dauert natürlich etwas, so dass man es eventuell recht zügig durchziehen muss, denn die vorläufge Registrierung gilt normalerweise nur für 3 Monate. Meine eigenen Erfahrungen haben aber gezeigt, dass dies locker zu schaffen ist. In meinem Fall wäre es innerhalb von zwei Wochen zu machen gewesen.
Zur schwedischen Zulassung sei noch angemerkt, dass die Nummer des Kennzeichens nicht wie in Deutschland an den Besitzer gekoppelt vergeben werden, sondern an das Fahrzeug. Ein Auto behält also auch nach Besitzerwechsel sein Kennzeichen.
Persönliche Kennzeichen (personlig skylt) gibt es allerdings auch. Hierbei können 6 oder 7 Zeichen mehr oder weniger frei gewählt werden. Das ist zwar eine feine Sache, wird aber höchst selten angewandt. Der Grund ist einfach: es ist sehr teuer. Man bezahlt für eine zehnjährige Reservierung stolze 6000 kr.
Daher wird das Straßenbild klar von Fahrzeugen dominiert, die die normalen Schilder haben: drei Buchstaben gefolgt von drei Zahlen. Buchstaben und Zahlen geben übrigens keine Auskunft über den Ort der Registrierung. Allerdings gilt auch hier das schon erwähnte Öffentlichkeitsprinzip. Im Internet kann man schon einige Basisdaten abfragen, per SMS oder Telefonanruf werden dann sämtliche Daten zu Fahrzeug und Halter offengelegt. Man kann also unterwegs schnell und unkompliziert zu jedem x-beliebigen Fahrzeug, das man auf der Straße gesehen hat, sämtliche Informationen einholen. Ob man das gut findet, ist eine andere Sache.
Eine wichtige Neuerung gilt seit dem 1. Januar 2010. Ab diesem Datum ist die “Kontrollmärke”, also der Aufkleber auf dem hinteren Schild abgeschafft. Diese gab ähnlich der deutschen Prüfplakatte früher eine Orientierung, wann ein Auto das nächste Mal überprüft werden muss und wann die Steuer fällig ist. Da der Aufwand für den Versand erheblich war und ohnehin viele Autos mit alten Plaketten unterwegs waren, hat man sie nun abgeschafft. Alter Marken dürfen kleben bleiben, erfüllen nun aber keine Funktion mehr.
Führerschein
Wer einen Führerschein eines EU-Landes hat, braucht ihn erst dann umzutauschen, wenn er auch im Heimatland abgelaufen wäre oder bis 2032 – je nachdem, was zuerst eintritt. Das gilt übrigens auch für alte Führerscheine wie die grauen und rosa Lappen aus Deutschland.
Schweizer und Japaner können ihren Führerschein umtauschen, müssen dies aber innerhalb eines Jahres tun. Für alle anderen muss erst einmal die Eignung festgestellt werden, und ein Umtausch muss auch hier innerhalb eines Jahres erfolgen.
Weil der Führerschein in Schweden auch als Ausweis dient, habe ich die weiteren Details im dortigen Teil zusammengefasst.
Die Verkehrsregeln
Einige Worte sollte man zu den feinen Unterschieden in den Verkehrsregeln sagen:
- Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind sehr restriktiv im Vergleich zu Deutschland. Innerorts gilt 50 km/h, aber außerorts lediglich 70 km/h. Auf der Autobahn darf man 110 km/h fahren. Ungewohnt für Deutsche gibt es aber durchaus Schilder, die diese Grenzen erweitern. So gibt es einzelne Autobahnabschnitte mit 120 km/h, und auch auf bestimmten Überlandstraßen darf man 90 km/h oder sogar 110 km/h fahren. Mittlerweile werden die Grenzen in Schritten von 10 km/h abgestuft, so dass es auch Bereiche mit 80 und 100 km/h gibt. Wegen der niedrigen Tempolimits sollte man sich auch schnell angewöhnen, “ohne Druck” zu fahren. Die linke Spur ist nämlich nicht nur für Raser reserviert, sondern kann auch zwischenzeitlich einfach mal so belegt werden.
- Man sollte sich übrigens von dem Gedanken verabschieden, dass Autobahnen allgegenwärtig sind. Dafür ist dieses Land zu groß und zu spärlich besiedelt. Nordlich von Uppsala endet die Autobahn, und selbst die Verbindungsstraße zwischen Stockholm in Mittelschweden und Helsingborg im Süden ist an einem längeren Abschnitt keine Autobahn, sondern nur zweispurig. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das schwedische Benennungssystem für Straßen keine besonderen Bezeichungen für Autobahnen hat. So heißt die ganze Strecke von Stockholm nach Helsingborg E4, also Europastraße 4. Die Bezeichnung E4 enthält aber keinerlei Aussage über die Art der Straße. Daher erkennt man Autobahnen an der Farbe der Schilder (siehe weiter unten).Ähnlich ist es bei den schwedischen Riskvägar (Reichsstraßen), also der Entsprechung der Straßen, die in Deutschland mit B beginnen. Diese Straßen haben einfache eine Nummer (weiß auf blauem Grund) und können abschnittsweise eine Autobahn sein, müssen es aber nicht.
- Doppelspurige Kreisverkehre sind für Deutsche oft ungewohnt. Die innere Spur (also die linke beim Hineinfahren) ist dabei für Linksabbieger gedacht, so dass Rechtsabbieger parallel trotzdem hineinfahren können. Das Ganze funktioniert in der Realität allerdings nur bedingt – an LKWs oder Bussen kommt man jedenfalls kaum vorbei. Vor dem Verlassen des Kreisverkehres sollte man auf alle Fälle rechts blinken und schauen, dass man den Kreisel auch sicher wieder verlassen kann. Eine weitere Besonderheit ist, dass viele vor dem Hineinfahren in den Kreisel anzeigen, wohin man allgemein möchte. D.h. will jemand links abbiegen, zeigt er das u.U. schon vor dem Hineinfahren an. Dieses Verhalten wird anscheinend von den Behörden zumindest toleriert, aber nicht ausdrücklich empfehlen. Ich habe es in meiner Erinnerung so beim Busführerschein erlernt. Die Straßenverkehrsbehörde schweigt sich zu dem Thema jedenfalls aus.
- Fährt man auf einer Abbiegerspur, braucht man nicht zu blinken. Schon alleine das Fahren auf einer Abbiegerspur wird als Absicht ausgelegt, abzubiegen. Handelt es sich gar um mehrere Spuren, die in die gleiche Richtung abbiegen, sollte man das Blinken sogar vermeiden, da dies als ein geplanter Spurenwechsel verstanden werden könnte.
- Nicht an jeder Kreuzung stehen Schilder, die die Vorfahrt regeln. Im Gegensatz zu Deutschland können Dreiecke, die auf den Boden gemalt sind, andeuten, dass man Vorfahrt gewähren muss. Hier muss man also vorsichtig sein. Man muss sich also der Vorfahrtsregeln immer sehr bewusst sein, da man nicht immer mit der Nase darauf gestoßen wird.
- Wegweiser haben drei Farben: grün steht für Autobahn und blau für Überlandstraßen. Es gibt auch noch gelbe Schilder, und diese bedeuten schlicht, dass man mit dem schlimmsten rechnen muss. Orte, die durch ein gelbes Schild ausgewiesen sind, sind oft klein und haben nur eine Schotterpiste, die zu ihnen führt. Oft sind diese Straßen einspurig, d.h. nicht breit genug, um zwei Fahrzeuge nebeneinander aufzunehmen. Daher sollte man auf Schilder achten, die ein weißes M auf blauem Grund zeigen. Es handelt sich dabei um einen “Mötesplats”, also einen Treffpunkt. Dort ist die Fahrbahn so verbreitert, dass zwei Autos aneinander passieren können. Wenn man also Pech hat, muss man ein gutes Stück zurücksetzen, um überhaupt weiterzukommen.
- Bei Parkplätzen und -verboten sollte man auch Zusatzschildern beachten, die die Uhrzeiten bezeichnen, an denen die entsprechende Regelung gilt. Normale Schrift (also weiß oder schwarz) gibt dabei die Gültigkeit an Werktagen an. Normale Schrift in Klammern macht Angaben zu den Tagen vor Sonn- und Feiertagen, also im Allgemeinen dem Samstag, aber auch beispielsweise dem Gründonnerstag oder dem 30. April. Rote Schrift gibt an, wann die Regelung an Sonn- und Feiertagen gilt.
Selbstverständlich gäbe es noch weitere Details, die aber den Rahmen hier sprengen würden.
Zusammenfassung
Ähnlich wie bei den melderechtlichen Fragen hat es durchaus Vorteile, sein Auto in Deutschland angemeldet zu lassen. Sollte es aber einmal Ärger geben, kann man in schwere Erklärungsnöte kommen. Auf Dauer fährt man also mit schwedischem Kennzeichen definitiv korrekter. Bestimmte Nachteile wie die Pflicht zur Citymaut in Stockholm trifft selbst auf Leute, die im Großraum Stockholm wohnen, nur sehr bedingt zu.
Das Ummeldungsverfahren ist auch weniger kompliziert, als es zunächst erscheinen mag. Insofern spricht nicht so viel dagegen, das Auto umzumelden.
Update 14.12.2009: Überarbeitung in vielen Bereichen (Führerschein, Steuer, Ummeldung)
Update 2.1.2010: Kleine Korrekturen, u.a. wegen Abschaffung der Plakette.