501!

Es steht ein rundes Jubiläum an: dies ist der 501. Beitrag. Die letzten Jubiläen habe ich selbstverständlich beim 101. und 251. Beitrag gefeiert. Spaß beiseite – als ich gestern den letzten Beitrag schrieb, wurde mir erst klar, dass ich die vor kurzem noch so entfernt scheinende 500 erreicht habe.

Ja, 500 Beiträge und gut 3 Jahre nach Start dieses Blogs scheint es tatsächlich Leute zu geben, die das ganze Zeug hier lesen – wofür ich mich bedanke, auch wenn es die Texte manchmal nicht wert sein dürften.

Besonders freue ich mich auch über Kommentare, die zwar zahlreicher kommen als früher, aber gerne noch viel zahlreicher kommen dürfen.

Ein Best-Of will ich nicht wirklich machen – dazu hat sich in der Zeit auch viel zu viel verändert, und wenn es nach den Zugriffen ginge, ist ohnehin der Auswandererguide die Nummer eins.

Daher möchte ich diesen Artikel den verirrten Besuchern widmen, die wohl eigentlich etwas anderes gesucht haben und dann hier gelandet sind. Bestimmte Artikel erhalten nämlich Zugriffe, obwohl sie teilweise schon uralt sind:

  • In den letzten Monaten waren vor allem die Artikel zum Mord in Arboga beliebt – wenig verwunderlich.
  • Aber schon auf Platz 2 geht es kurios weiter. Eine uralte Parodie auf die „Du bist Deutschland“-Kampagne, bei der es um den glücklosen Karl Ranseier ging, findet auch heute noch viele Freunde.
  • Irgendwie kommt es oft vor, dass Leute nach „Jesus“ im Netz suchen und dann hier landen. Die Frage ist für mich eher, was sie denn zu finden hofften.
  • Weniger genau möchte ich allerdings wissen, was die Leute dazu anregt, nach „Schwanznutten“ zu suchen. Der dazugehörige Artikel war jedenfalls lange Zeit ein Dauerbrenner und der Suchbegriff steht heute auf Platz 6.
  • Nicht anders verhält es sich mit dem Film „Transsexuals barebackin‘ it“
  • Auch meine heißgeliebte Fistel regt immer wieder bei Google Suchende an, auf meine Seite zu kommen.
  • Leider habe ich viele von Dingen, die mir in der Statistik angezeigt wurden, vergessen. Manchmal sind allerdings urkomische Dinge dabei.

In diesem Sinne ein Gruß an diejenigen, die nicht gefunden haben, was sie hier suchen.

Vor allem aber einen Dank an meine treuen Leser, von denen es doch einige zu geben scheint! Ich werde mich bemühen, auch in Zukunft ab und zu etwas zu schreiben, das man vielleicht sogar lesen möchte.

Scheißtage


Die Schweizer Botschaft in Stockholm – über der schweizer Fahne (die in der Schweiz nämlich nicht Flagge heißt) weht eine Flagge mit dem Logo der Euro 2008.

Tja, wieso bloggt er denn nicht mehr?

In der letzten Zeit ist viel passiert, und da leidet das Bloggen schon ein bisschen.

  • Hauptgrund war freilich die Vorbereitung auf die Klausur in Quantenmechanik. Diese hatte gleich doppelte Wichtigkeit. Zum Einen war es die letzte Klausur, die mir noch zu meinem Master fehlte. Zum Anderen ist der Kurs auch notwendig für die Doktorandenstelle, die ich im Sommer antreten wollte. Leider ging das Unternehmen schief – während ich die beiden Klausuren zuvor bestanden hatte, davon eine sogar recht gut, verfehlte ich in diesem Fall das Ziel. Nun besteht meine einzige Hoffnung in einer mündlichen Prüfung, da ich natürlich sowohl Master als auch Doktorandenstelle gerne noch diesen Sommer erlangen würde.
  • Tags darauf trat ich meinen Sommerjob an, der dieses Jahr wiederum Busfahren ist. Die bisherigen Erlebnisse waren leider wenig erbaulich.
    • Ich hatte zunächst nur sogenannte geteilte Dienste. Bei diesen arbeitet man nur in der Rush Hour, also früh morgens und am späten Nachmittag. Zwischendrin sind mehrere Stunden Pause. Der Nachteil liegt auf der Hand: der Tag ist verloren, weil man von der mehrstündigen Pause wenig hat.
    • Es war für schwedische Verhältnisse extrem heiß, so an die 30 °C. Da macht das auch nicht übermäßig viel Spaß.
    • Hinzu kamen extreme Verkehrsverhältnisse in den ersten Tagen. Ich hatte mehrfach um die 20 Minuten Verspätung. Das lag auch am „Studentutskick“. Hier in Schweden mieten sich die Abiturienten nämlich LKWs, rüsten sie mit einer Musikanlage aus und ziehen Bier trinkend damit durch die Straßen. Es roch nicht nur stark nach Bier, sondern man sah auch, in welchem Zustand die Leute waren. Da ich im Schritttempo hinterhertuckerte, konnte ich live beobachten, wie eine schon schwer angeschlagene junge Dame ihren Magen vom LKW herunter entleerte.
    • Die ganze Logistik bringen solche Verkehrsereignisse auch aus dem Lot, denn so viele Busfahrer kann man nicht in Reserve haben, um das abzufangen.
    • So viele Busse auch nicht: ich kam morgens zur Arbeit und mir wurde gesagt, sie hätten keinen Bus für mich. Die Hitze hatte den Bussen ziemlich zugesetzt, und die Ausfälle übers Wochenende taten ihr übriges. Der Busparkplatz war in der Tat komplett leer. Nach zwei Stunden Warten wurde die Sache abgeblasen und ich wurde als Reserve eingesetzt. Später ging es dann normal weiter.
    • Bei einem der geteilten Dienste trat ich den zweiten Block mit einer enormen 10-sekündigen Verspätung an. Mein Vorgänger begrüßte mich schreiend mit den Worten „Danke, dass du gekommen bist.“ Das war natürlich ironisch gemeint. Dann setzte er fort mit „Der Bus kocht und muss in die Garage gefahren werden.“ Und weg war er. Kurz darauf kam er nochmal, brüllte mich an: „Der Bus kocht und muss zurückgefahren werden. Mach die Ohrstöpsel raus, dann hörst du auch was!“ Und wieder war er weg. Wirklich schlauer war ich jetzt auch nicht. Die Kollegen draußen waren auch recht irritiert. In der Tat war der Bus vollkommen überhitzt und das Kühlwasser lief heraus. Da der vorige Busfahrer mich nicht gerade umfassend informiert hatte und man in der Regel nicht einfach so irgendwohin mit einem kaputten Bus fährt, musste ich nochmal bei der Zentrale anfragen. Diese sagte mir, ich solle den Bus zur Garage fahren und einen neuen holen. Ich dürfe den Bus aber nur fahren, solange die Temperatur unter 100 °C liege. Also wartete ich, bis das der Fall war, startete und fuhr los. Nach ca. 150 Metern war die Temperatur wieder hoch und ich musste erneut warten. Letztendlich hielt ich dreimal und wartete jeweils gut 10 Minuten, bis ich weiterfahren konnte. Bei dem finalen Abschnitt zur Garage, einer abschüssigen Straße namens Kellgrensgatan, war kurioserweise auch noch Stau. Ich fragte nochmals in der Zentrale nach, ob das so eine gute Idee ist, mit überhitztem Motor bewusst in einen Stau zu fahren. Dort teilte man meine Bedenken nicht, und ich wartete einen guten Moment ab, um loszufahren. Trotzdem musste ich staubedingt wieder auf halbem Wege anhalten. Sicherheitshalber stellte ich den Motor ab. Und damit war es passiert. Beim nächsten Start ging der Motor gleich wieder aus. So stand ich also mitten auf einer stark befahrenen Straße und konnte überhaupt nicht mehr fahren. Die Zentrale versprach, mir einen Mechaniker zu schicken. Der kam 20 Minuten später, schaute kurz etwas nach, und da der Motor dann auch genügend Zeit gehabt hatte, abzukühlen, schafften wir es in einem Stück in die Garage. Nach kurzer Wartezeit stand auch ein Ersatzbus für mich bereit, so dass ich es sogar noch schaffte, ein paar Haltestellen planmäßig zu bedienen und den Bus dann an meine Ablösung zu übergeben. In dem Fall ist das auch nicht ganz so tragisch, weil es sich um die Linie 4 handelt, die tagsüber in einem bestimmten Takt wie eine U-Bahn fährt, so dass die Leute den Bus nicht auf die Minute erwarten und sich beim Ausfall eines Busses nur die Wartezeit etwas erhöht.
    • Die Krönung war aber gestern. Da stieg frühmorgens eine Frau zu, die der Ansicht war, drei Abschnitte auf der Stempelkarte reichten für eine Fahrt von Zone C in Zone A aus. Dem ist nicht so – man braucht vier. Das wollte sie mir aber nicht glauben, und da ich derjenige bin, der entscheidet, wessen Ticket gültig ist oder nicht, ließ ich es auf eine Konfrontation ankommen. Der Streit dauerte mehrere Minuten. Da wollte die andere Person, die eigentlich auch noch zusteigen wollte, auch nicht mehr mitfahren. Zwar habe ich die Geschichte alles andere als optimal gelöst, denn mit etwas ruhigerer Herangehensweise und guter Argumentation hätte ich sie auflaufen lassen können. Andererseits ist es auch lächerlich, einen Streit wegen eines Stempelabschnitts anzufangen. Allerdings nahm das schnell Züge an, die ich auch jetzt nicht akzeptieren kann und über die ich mich noch zwei Tage später aufrege. Plötzlich war es nämlich so, dass sie mir dann auch noch ihr Leid über SL klagte, und dass ich ja schlecht ausgebildet sei. Zuletzt wollte sie meinen Namen wissen. Irgendwann gab ich dummerweise nach und habe sie die drei Haltestellen gefahren, die sie wollte. Ich rief auch noch etwas hinterher, das zwar nicht beleidigend war, aber guter Stil ist freilich anders. Meine Vermutung ist, dass der Stempel, der sich schon auf ihrer Karte befand, fälschlich die Zone C trug, denn sie hatte ihre Reise angeblich in Åkersberga begonnen, das eigentlich in Zone B liegt – bei netten Fahrgästen bin ich bereit, dem Glauben zu schenke, aber bei nervigen Fahrgästen bin ich da knallharter Prinzipienreiter. Ich hasse es, mein Recht nicht zu bekommen, aber ich glaube, im Servicebereich muss man auch mit sowas leben. Mit renitenten Fahrgästen, die sich beharrlich weigern, überhaupt einen Fahrschein zu zeigen, komme ich mittlerweile ja ganz gut klar, aber den Fall, dass mir ein Fahrgast mit zwar zeitlich gültigem, aber eben in der aktuellen Zone unzureichenden Fahrschein blöd kommt, hatte ich bislang auch nicht. Auf der anderen Seite muss ich es auch so sehen: jeden Tag habe ich alles in allem wohl mehrere hundert Fahrgäste, bei denen ich teilweise sicher positiv in Erinnerung bleibe, weil ich helfe und auch noch warte, wenn ich es eigentlich gar nicht müsste. Da muss ich mit zwei oder drei unzufriedenen Fahrgästen pro Tag leben – das ergibt immer noch eine Zustimmung von gut 99 %. In dem Fall dürfte die Verärgerung über den Nahverkehr allerdings eine Weile anhalten.
    • Ich bin übrigens nicht der einzige, der es mit den Regeln auch mal genau nimmt. Heute lagen im Pausenlokal stolze 5 eingezogene Studenten- und Schülerkarten, die wie alle Frühlingshalbjahrkarten vorgestern abgelaufen sind.

    • Andere sind offenbar regelrecht auf die Jagd gegangen: eingezogene Schüler- und Studentenkarten

    Wirklich Spaß gemacht hat die bisherige Zeit also nicht – ich hoffe, das ändert sich noch.

  • Zudem bin ich von technischem Pech verfolgt:
    • Mein guter Fjällräven-Rucksack hat nach nur einem Jahr ein Riesenloch an der Seite, und ich finde zwar alle anderen Quittungen von diesem Einkaufstag, aber jene von dem Rucksack ausgerechnet nicht.
    • Am gleichen Tag fiel plötzlich mein Laptop im Akku-Betrieb aus. Anscheinend ist der Akku total im Eimer. Nur bin ich mir nicht sicher, ob es nun am Akku oder am Laptop liegt, da ich nur zwei unbrauchbare Akkus (der jetzige war eigentlich schon Ersatz) habe, mit denen ich das nicht testen kann. Nun habe ich Ersatz bestellt, aber es kann gut sein, dass ich nachher einen neuen Akku habe und der Laptop als solcher eine Macke hat, was natürlich sehr ärgerlich wäre.
    • Mit ComHem, unserem Anbieter für Kabelfernsehen, Internet und Telefon, haben wir ja schon seit langem Probleme. Wir hatten letzten Herbst sogar einen Techniker da, weil das Bild immer wieder stehenblieb. Der befand, dass das Störungen im Haus waren und gab uns ein Spezialkabel, das die Störungen weit genug zu reduzieren schien. Das Problem blieb aber einfach nur in vermindert Form bestehen. Vor kurzem war es so schlimm, dass manche Kanäle unansehbar waren. Die klassische Hotline-Krankheit, auch einem einigermaßen kompetenten Anrufer keinen Glauben zu schenken, kam hier natürlich auch wieder vor. Wir schickten den Receiver ein. Während dessen Abwesenheit fiel uns auf, dass man analog ziemlich guten Empfang hat. Als der Receiver zurückkam – natürlich ohne gefundenen Fehler – verkabelte ich daher so, dass man auch analog schauen kann, wenn digital mal wieder spinnt. Der Effekt war bemerkenswert: der digitale Empfang war plötzlich praktisch störungsfrei. Der Techniker sollte am Donnerstag kommen, aber wir wollten uns nicht der Peinlichkeit hingeben, dass der Empfang nun doch funktioniert. Also buchten wir den Techniker nach dem ganzen Theater wieder ab.
    • Mein treuer Weltempfänger, den ich mir nach der Konfirmation gekauft habe, wird in seiner Eigenschaft als Radiowecker langsam auch unzuverlässig. Zum Glück hatte ich das Handy als Ersatzwecker.
    • Meine Kopfhörer für den MP3-Player, momentan überlebenswichtig in dem Job, zeigen auch schon Zerfallserscheinungen.
  • Immerhin gab es auch ein paar positive Dinge: wir waren am letzten Wochenende auf unserer „Sommerresidenz“. Wir hatten eine Hütte auf der Insel Grinda gemietet. Das Wetter war herrlich, aber wegen der Trockenheit bestand leider Grillverbot.
  • Zu allerletzt: meine neverending Story mit der Fistel an meinem Hintern geht weiter. Heute habe ich eine neue Öffnung entdeckt. Es ist zum Kotzen.

Eigentlich kann es nur noch besser werden…

Gedanken nach längerer Abwesenheit

Stilblüte
Very badisch: eine Stilblüte vom Feinsten

Weil ich einen Freund mit meinem spontanen Erscheinen zu seinem Geburtstag überraschen wollte, habe ich bislang verschwiegen, dass ich mich nach Deutschland begeben habe. Mittlerweile bin ich wieder zurück in Stockholm und bringe frohe Kunde aus D-Land.

    Welcome by Bergmann
    Mäßige Bildqualität, stellt aber ansonsten jede Stilblüte in den Schatten: eine Tanzschule in Baden-Baden heißt allen Ernstes so

  • Der Baden Airpark, a.k.a. „Karlsruhe/Baden“, ist zwar jetzt schöner und größer, aber solange die gesamte Einkaufsmeile nur aus Lastminute-Reisebüros besteht, in denen man sich noch nicht einmal hinsetzen kann, gewinnt ganz klar der Stuttgarter Flughafen. Dort gibt es nämlich einen Sexshop und eine Außenstelle der Arbeitsagentur.
  • Der Flughafen Skavsta wirkt aber noch viel bescheidener. Man hat den Eindruck, die Wände bestehen aus Pressspan, und die Warteschlangen bei der Sicherheitskontrolle sind so lang, dass der Flughafen überlastet zu sein scheint. Arlanda kommt da schon viel weltläufiger daher. Im Flughafenshop in Skavsta gab es auch nicht einmal Elchwurst.
  • Nun aber zu Deutschland: Die Rentner bekommen 1,1% mehr Geld. Sie tanzen auf den Straßen. Ihre Gehstöcke behindern den Verkehr. Ein Bild des Schreckens.
  • Maibaum

    Auch das gehörte dazu: der Maibaum

  • Beim Feuerwehrfest war das Räuberfleisch gewohnt lecker und fettig. Das Bibbeleskäsbrot war auch nicht schlecht 🙂
  • Etwas spektakulärer waren meine Ergebnisse in Sachen Ahnenforschung. Vor einiger Zeit habe ich meine Großtante Irma angerufen, um mehr Details zu meinen Urgroßeltern zu erfahren. Von Ottersdorf gibt es nämlich ein Ortssippenbuch, in dem alle vorhandenen Kirchenbucheinträge und sonstige Dokumente vor 1913 ausgewertet und zusammengefasst wurden. Auf diese Art kann man sich von Person zu Person hangeln und feststellen, wer mit wem verwandt ist. Die Beschränkung auf 1913 ist in erster Linie dem Datenschutz geschuldet. Auf diese Art können Rückschlüsse auf lebende Personen nicht so leicht gezogen werden. Von Ottersdorf gibt es aber auch eine Ortschronik, wo die Gefallenen der beiden Weltkriege verzeichnet sind. Das dürfte zumindest einzelne Fragen erleichtern. Der echte Schatz ist aber definitiv das Ortssippenbuch, denn die Fülle an Informationen ist gigantisch. In aufsteigender Linie konnte ich zum Beispiel herausfinden, dass mein Ururgroßvater Valentin beim Zusammensturz eines Gebäudes ums Leben kam. Die männliche Linie reicht aber noch viel weiter zurück. Der Name Seitz kommt nämlich von Lorenz Seitz, der aus Hügelsheim kam und 1784 in Ottersdorf verstarb. Er war beruflich ein markgräflich badischer Jäger. Was diese Tätigkeit beinhaltete, ist schwer zu sagen, aber ich vermute, dass dies auch polizeiliche Aufgaben beinhaltete. Die meisten anderen Vorafhren von mir waren aber Bauern oder Maurer. Die am weitesten zurück reichende Linie endet bei einem Vorfahr, der 1702 starb. Einige Linien führen auch in die Nachbardörfer Wintersdorf und Plittersdorf. Die Auswertung der Daten ist aufwändig, und es ist natürlich auch fraglich, ob man wieder die Verbindung zu lebenden „Verwandten“ wird machen können – interessant wäre auf alle Fälle, die losen Enden, d.h. Geburtseintrage ohne Sterbeeinträge darauf zu untersuchen, wohin die entsprechende Person gewandert ist. Mein Ururgroßvater war anscheinend vorübergehend in Pforzheim und hat dort wohl auch geheiratet. Jedenfalls fehlen mir bislang alle Daten zu seiner Frau. An einer Stelle ist es mir aber gelungen, eine extrem entfernte Verbindung zu finden. Ein Elsässer, der auch Ahnenforschung betreibt, hat mit mir den besagten Lorenz Seitz als Vorfahren gemeinsam. Wenn ich richtig gerechnet habe, sind wir damit Cousins 6. Grades. Anscheinend war die Familie insgesamt aber ziemlich sesshaft, denn sonst hätte ich kaum einen fast vollständigen Stammbaum erstellen können. Ein tragischer Aspekt kommt mittlerweile aber dazu: meine Großtante Irma, der ich gerne noch meine Ergebnisse mitgeteilt hätte, ist am Freitag verstorben.
  • Walker (Symbolbild) - from sxc.hu

    Walker (Symbolbild)

  • Es ist freilich schwer, davon zu einem anderen Thema überzuleiten. Seit einiger Zeit bearbeite ich den Wikipedia-Artikel zu Klaus-Eckhard Walker, bis vor kurzem noch Oberbürgermeister der Stadt Rastatt und immer wieder in den überregionalen Schlagzeilen zu finden. In der dazugehörigen Diskussiuonsseite bricht immer wieder eine etwas absurde Fehde auf. Ein offenkundig glühender Walker-Verehrer wirft mir vor, ich sei ein Ein-Mann-Komplott, das aus dem Sumpf der Walker-Gegner emporgestiegen ist, um dem Ex-OB Schaden zuzufügen. Dieses Urteil rührt natürlich vor allem daher, dass ich keinen Hehl daraus mache, dass ich nicht zu den Unterstützern zu Walker gehöre. Derartige Reaktionen sind ein Sinnbild dafür, in welcher Weise sich die Stimmung in den Jahren, seit ich in Rastatt noch politisch involviert war, radikalisiert hat. Walker und seine Unterstützer sehen eine Front gegen sich, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er sich als Don Quichote sieht, der gegen die Windmühlen der Rastatter CDU und der Presse kämpft. Ob das ganze die brutale Wirklichkeit oder eher einer Paranoia zuzuordnen ist, sei dahingestellt – die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Jedenfalls hat Walker nun mit seinen Mitstreitern einen neuen Verein gegründet, der rein zufällig genauso heißt wie sein Slogan zur OB-Wahl. Er ist auch Gründungsvorsitzender – ein Schelm, wer böses dabei denkt. Das alles soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei nicht nur um ein persönliches Anliegen von Walker handelt. In dem polarisierten Wahlkampf letzten Herbst haben ihm immerhin rund 47% der Wähler die Stimme gegeben, und das gegen alle Parteien und eine Bürgerinitiative, die eigens zu seiner Abwahl gegründet wurde. Diese Wähler sind definitiv nicht nur die, die ihn 16 Jahre zuvor ins Amt gehievt hatten – denn die waren auch aus Protest um die Vorgänge im CDU-nahen Lager zu ihm gewandert. Aus welchen Gründen auch immer sie ihn letztes Mal gewählt haben mögen: Ihre Stimme ist mittlerweile wohl weniger bei den etablierten Parteien zuhause, und das dürfte allemal genug sein, um „Für unser Rastatt“ zu einer politischen Kraft zu machen, die den einen oder anderen Stadtrat ins Rathaus bringen wird. Der Demokratie tut das nur gut. Der Lebhaftigkeit der Stadtratssitzungen vermutlich auch.
  • Wenn ich mich schon in lokalen und regionalen Themen ergehe, will ich ein Buch nicht unerwähnt lassen, das ich gerade in Rekordtempo verschlinge. „Wir können alles: Filz, Korruption & Kumpanei im Musterländle“, herausgegeben von Josef-Otto Freudenreich, erzählen vier Journalisten Geschichten, die sich so wohl nur im Südwesten ereignen können. Die ersten Kapitel hinterlassen den Eindruck, das Land werde von einer Clique Schwaben regiert, bei denen die persönlichen Seilschaften mehr zählen als jedes Gesetz. Diese Zusammenfassung ist nicht einmal übertrieben und etwa nicht von meiner badischen Warte aus verfälscht: Badner kommen in der Tat bis zu der Darstellung des berühmten Flowtex-Falls praktisch gar nicht vor. Dafür sind wir in den Kapiteln zu allerlei Wirtschaftsmauscheleien umso stärker vertreten. Zum Abschluss folgen dann noch ein paar Geschichtchen, die das Ganze langsam ausklingen lassen, aber nicht notwendigerweise Eigenheiten des Musterländles beschreiben, denn islamische Terroristen waren auch in Hamburg, nicht nur in Ulm, und dass die Justiz nur allzu leichtfertig zugunsten eines Bundesrichters entschieden hat, kann auch sonstwo in Deutschland passieren. Spannend sind aus meiner Sicht die ganzen Hintergrundgeschichten um hohe Landespolitiker – wer weiß schon, dass der Ministerpräsident in der Vergangenheit mehr als fragwürdige Freunde hatte? Das Ganze illustriert auf eindrucksvolle Weise, wie schlecht es der politischen Kultur in einem Land tut, wenn es permanent von derselben Partei regiert wird. Die politische Moral verfällt, und Machtspiele in der Partei bestimmen letztendlich, wer einen Posten besetzt – sicherheitshalber lässt man sich das alle 5 Jahre nochmals vom Volk bestätigen. Das Schöne an dem Buch ist, dass es aber genau dies nicht sagt, sondern ohne Ansehen der Partei Seilschaften aufdeckt, wo vereinzelt dann auch Sozialdemokraten und Grüne auftauchen. Sicherlich ist das Gros der Dargestellten von der CDU oder der FDP, aber die Autoren wenden ihre spitze Feder nicht gegen die Institution als solche, sondern immer nur gegen die handelnden Personen. Letztendlich zeigt es einfach, wie Macht im Kleinen korrumpiert und das Recht äußerst flexibel macht. Wer sich für den Schmutz interessiert, der sich hinter der biederen Fassade von Bollenhüten, Kuckucksuhren und Maultaschen so abspielt, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.
  • Es wird Zeit, den Bogen zurück nach Schweden zu schlagen. Im ArbogaMordfall ist wieder Bewegung. Vor einer Woche wurde die verdächdigte Deutsche von zwei schwedischen Polizisten abgeholt und nach Schweden gebracht. Dort wurde sie am Samstag erstmals dem Haftrichter vorgeführt. Sie bestreitet, etwas mit der Tat zu tun zu haben, ist aber weiter in Haft. Mittlerweile sind auch weitere Informationen eingetroffen. So habe sie eine Erklärung abgegeben, warum sie an jenem Tag in Arboga gewesen sei. Ihr Anwalt ist der Meinung, die Erklärung sei plausibel. Wie die Erklärung aber lautet, ist anscheinend noch nicht bekannt. Die Analyse einer DNA-Probe von ihren Fingernägeln hat ergeben, dass keine Spuren der Opfer darin sind. Weitere DNA-Analysen von der Kleidung und v.a. dem am Flughafen beschlagnahmten Hammer fehlen aber noch. Man weiß also im Grund genommen nichts, denn die Nägel dürften nach einigen gründlichen Reinigungen sauber sein, und ein guter Anwalt hat gefälligst alles plausibel zu finden, wenn es seinem Klienten nützt.
  • Erster Demonstrationszug

  • Frisch zurückgekommen durfte ich gleich wieder arbeiten – und zum ersten Mal seit letztem Sommer Überstunden machen. Ich wurde nämlich von gleich zwei verschiedenen Demonstrationszügen aufgehalten. Letzten Samstag gab es nämlich drei Demonstrationen in Stockholm für …. Jesus! Ja, die haben tatsächlich für Jesus demonstriert. Es ist bemerkenswert, dass es so etwas im säkularisierten Schweden gibt, insbesondere weil die mitlaufenden Menschenmassen echt beeindruckend war. Allerdings war daran wenig spontan. Die Schilder mit Sprüchen wie „Jesus ist mein Herr, mir wird nichts mangeln“ waren alle im gleichen Schrifttyp. Mir hat es eine halbe Überstunde eingebracht, aber was es sonst gebracht hat, entzieht sich meinem Verständnis.
  • Und gleich nochmal einer

  • Seit gestern ist mein Hintern offiziell geheilt. Hat ja nur 5 Monate gedauert…
  • Und damit kann es endlich mit dem Joggen wieder losgehen. Zwar bin ich nicht mehr fit und habe noch mehr auf den Rippen als zuvor, aber die 10 km, die ich am 20. Mai laufen soll, werde ich schon irgendwie überleben.

I will survive

Montagabend, 23:30 Uhr: Ich wasche mich mit „DesCutan“, einem desinfizierenden Waschmittel. Es besteht aus einem lustigen Schwamm, der aufgeht, wenn man Wasser hinzugibt. Ich fühle mich ziemlich keimfrei.

Dienstagmorgen, 6:30 Uhr:
Ich trinke anweisungsgemäß nur ein Glas Wasser. Dann dusche ich mich nochmals mit „DesCutan“. Nachdem ich meinen lädierten Popo gründlichst abgeschrubbt habe, fällt mir ein, dass noch ein zweiter Durchgang fällig ist. Ich beschließe, die Rückseite des Schwamms zu verwenden.

8:30 Uhr: wir kommen im Krankenhaus an. Man weiß von meiner Operation nichts. Das ist schade, gerade jetzt, wo ich mich doch so schön geduscht habe.

8:40 Uhr: in der Zwischenzeit hat sich herausgestellt, dass ich in einer anderen Abteilung operiert werde. Dort angekommen darf ich warten.

8:50 Uhr: Ich werde hineingerufen und erhalte ein sehr modisches Hemd, das ich exklusiv zur Operation tragen darf. Ansonsten darf ich allerdings nur noch meine Unterhosen tragen.

9:15 Uhr: Die Ärztin erscheint und fragt mich, ob ich denn brav alle Anweisungen beachtet habe. „Ja“, antworte ich mit einem großen Grinsen. Sie fragt mich, was ich denn habe. Das ist natürlich nicht allzu beruhigend. Sie fragt außerdem, ob ich schon einmal unter Vollnarkose gewesen sei. Ich sage ja, aber das sei schon sehr lange her, und frage etwas verduzt, ob ich denn eine Vollnarkose bekäme. „Ja“, sagt sie daraufhin, „das machen wir normalerweise so.“

9:20 Uhr: Ich habe die Nachricht noch nicht ganz verdaut, da setzt mir die Krankenschwester eine Kanüle an der linken Hand. Es tut weh und sie sitzt nicht gut. Der zweite Versuch passt. Nach einer Spülung erhalte ich direkt die erste Portion Drogen.

9:25 Uhr: Ein Happy Hippo und Doktor Bob aus der Muppet-Show kommen zu Besuch. Wir diskutieren angeregt über die Spargelernte des letzten Jahres.

10:00 Uhr: Ich warte immer noch. Ich solle mit leerer Blase in den OP, so dass ich brav aufs Klo gehe. Selten mit einer Kanüle an der Hand gepinkelt, aber was tut man nicht alles für den Weltfrieden. Da der Schrank mit meinen Sachen abgeschlossen ist, muss ich mir mit den ausliegenden Magazinen behelfen.

11:15 Uhr: Mir wurde gerade beim Lesen des Yacht-Magazins langweilig, da kommt die Nachricht, dass es jetzt losgehe. Ich helfe, mein Bett in den OP zu schieben. Mittlerweile wird mir klar, dass die Ärztin, die ich getroffen habe, die Anästhesistin war. Meinen echten Arzt habe ich noch nicht gesehen. Die OP-Schwestern stellen sich alle sehr nett vor. Die eine, die die Operation direkt betreuen soll, ist gekleidet, als wolle sie danach gleich noch ein Kernkraftwerk dekontaminieren. Ich kriege irgendein komisch schmeckendes Zeug zu trinken und man klebt mir einige Dioden für das EKG an. Ich darf mich hinliegen und ganz diskret die Unterhosen ausziehen. Im Grunde genommen ist das albern, die werden mich sowieso in Kürze nackt sehen. Ich scherze etwas mit den Schwestern („Ich habe heute eigentlich nichts mehr vor!“), da bekomme ich die Narkose, und es fühlt sich seltsam an. Es läuft Musik. Ich nehme mir vor, mir den Titel zu merken. Es ist jedenfalls nicht „Stairway to heaven“ oder „Knockin‘ on heaven’s door“, denn diese genießen einen allgemeinen Bann in allen OPs dieser Welt. Ich darf etwas durch eine Maske einatmen. Selten so guten Sauerstoff gehabt.

13:00 Uhr: Ich erwache in einem dunklen Raum. Eigentlich hatte ich erwartet, dass man langsam entgleiten würde wie im Film. Pustekuchen. Den Titel, der vor der Operation lief, habe ich auch vergessen. Ich frage die Schwester, ob denn überhaupt Musik da drin liefe – könnte ja auch nur Halluzination gewesen sein. Sie bejaht. Ich erzähle ihr irgendwelche wirren Dinge davon, dass ich das Gefühl gehabt hätte, einen Podcast über meinen MP3-Player zu hören. Sie akzeptiert das direkt – vermutlich ist sie in Sachen Patienten, die nach der Narkose Blödsinn verzapfen, außerordentlich erfahren.

13:15 Uhr: Mein Blutdruck (140/77 oder so) ist ganz ok. Ich werde in mein Zimmer geschoben und meine Freundin darf zu mir kommen. Ich hänge an einem Tropf, der so langsam leer läuft.

13:30 Uhr: Ich fühle mich etwas schwach. Die Schwester bietet an, etwas zum Essen zu bringen. Ich warte noch etwas ab.

13:50 Uhr:
Es geht mir besser, und ich esse etwas. Lecker Käsestulle und Tee. Ich verzichte darauf, Schampus zu bestellen. Ich bin immer noch etwas blass, aber es wird besser.

14:20 Uhr: Tropf sei Dank muss ich auf die Toilette. Meine Freundin kommt diskreterweise als Tropfhalterin mit. Beim Aufstehen spüre ich erstmals Schmerzen in meinen Beinen. Meine Vermutungen gehen dahin, dass so ein OP-Tisch nicht gerade bequem ist. Ansonsten tut mir aber nichts weh, was man als positives Zeichen deuten könnte.

15:30 Uhr: Mein Arzt kommt. Er ist jung, sympathisch und fragt mich, ob ich denn schwedisch könne. Dann erklärt er mir die Details. Wenn alles gut geht, ist die Sache in 2 Wochen vorbei. Da die Wunde sauber ist, konnte sie nämlich genäht werden, was den Prozess beschleunigt. Allerdings muss die Wunde trocken bleiben – ansonsten müssen die Fäden raus.

15:50 Uhr: Die Kanüle wird abgezogen. Ich verlasse das Krankenhaus. Eine begeisterte Menschenmenge erwartet mich am Ausgang. Ich fühle mich sehr fit, beschließe aber, heute nicht mehr joggen zu gehen.

16:30 Uhr: Ich bin zuhause. Beherzt sinke ich in einen Stuhl. Entweder habe ich wirklich keine Schmerzen oder die Drogen wirken noch hervorragend.

23:30 Uhr: Ich gehe zu Bett.

Mittwochmorgen, 7:00 Uhr: Ich stehe auf. Mir tut alles weh, vor allem der Nacken. Der OP-Tisch muss meinen Knochen doch mehr angetan haben, als ich zunächst vermutete. Auf der Toilette sehe ich plötzlich Blut. Es tropft auch noch etwas weiter und beunruhigt mich, denn sollte es so bleiben, würde mir die fadenlose Heilung blühen, die erheblich länger dauert.

10:00 Uhr: Ich gehe zu meinem Hausarzt. Zwar wurde es mir nicht ausdrücklich angeraten, aber ich lasse lieber dort den Pflasterwechsel machen, denn nach 4 Monaten Wartezeit gehe ich keine Risiken mehr ein. Ich warte eine geschlagene Stunde im Stehen. Wir beschließen, noch einen Tag abzuwarten.

16:00 Uhr: Ich schlafe. Den ganzen Tag über fühle ich mich schlapp.

Donnerstagmorgen, 7:00 Uhr: Die Nackenschmerzen sind besser. Dafür tut mein Hintern weh. Eine Hose mit Gürtel tragen ist unangenehm bis schmerzhaft. Sitzen geht auch nur mit Einschränkungen. Schuhe binden ist nur unter erheblichen Schwierigkeiten möglich.

10:30 Uhr: Beim Hausarzt ist leider nicht eindeutig feststellbar, wieviel Flüssigkeit aus der Wunde kommt. Ich war nämlich zuvor duschen, und der Verband hat sich bis oben hin vollgesogen. Die untere Wunde sieht sehr gut aus, aber die obere ist leicht gerötet. Man gibt mir lustige Damenbinden mit für eventuellen weiteren Ausfluss. Es ist bemerkenswert, wie weit die Peinlichkeitsschwelle ansteigt, wenn man einmal vier Monate lang eine Fistel am Hintern hat (dieser Beitrag ist der Beweis).

Freitag:
Sitzen ist immer noch schwierig, aber zumindest der Verband kann auf ein wasserdichtes Pflaster reduziert werden. Ich gehe trotzdem wie ein alter Mann und sitze in seltsamen Verrenkungen. Wenn es zwischenzeitlich gar nicht geht, muss die liebe Pharmaindustrie etwas nachhelfen. Insgesamt bin ich aber recht zufrieden und zuversichtlich, dass ich in zwei bis drei Wochen meine Fäden los bin und damit letztendlich auch dieses unsägliche Problem…

Neues vom Elend

Für Nicht-Eingeweihte muss es erklärt werden: seit irgendwann im Herbst letzten Jahres habe ich einen Sinus pilonidalis oder – verständlicher gesagt – eine Fistel am Hintern. Als diese sich Im November mit etwas Blut und Eiter bemerkbar machte, ging ich sofort zur Närakuten, einer Art Notdienst und Hausarztersatz für Kleinigkeiten. Der Arzt hieß Mohammed und diagnostizierte das Problem erfolgreich. Das war aber auch so ziemlich das einzige, was erfolgreich war.
Die angestrebte Therapie, das Ding einfach ausheilen zu lassen, schlug nämlich fehl, und als das nach gut drei Wochen regelmäßiger Verbandswechsel durch Krankenschwestern klar wurde, sagte die herbeigerufene Ärztin, das müsse auf alle Fälle operiert werden. Also wurde ich überwiesen – da war schon fast Mitte Dezember.
Ich rief beim Krankenhaus an, dass man mir doch bitte keinen Termin in der Zeit geben solle, in der ich in Deutschland bin. Die lakonische Antwort darauf war, dass ich vorher ohnehin keinen bekommen hätte.

Am 4. Februar schließlich, also mehr als 2 Monate nach Beginn der Behandlung, schaute sich dann endlich ein Chirurg die Sache an. Und – welch eine Überraschung – es ist eine typische Fistel!

Heute, also über zwei Wochen später, habe ich nun meinen Operationstermin erfahren: 20. März, also rund 4 Monate nach Beginn der Behandlung.

Das schwedische Gesundheitssystem fällt bei mir nach und nach durch – hätte man die Operation schon Ende November durchgeführt, hätte ich mir vier Monate lang den täglichen Pflasterwechsel und viele Gänge zu meiner Vårdcentralen erspart. Unterm Strich war so der Personal- und Materialaufwand für das Gesundheitssystem erheblich höher.

Mir bleibt nur zu hoffen, dass sich an diesem Zustand bald etwas ändert – und die Sache für mich persönlich am 20. März endgültig erledigt ist.

What’s going on?

Mancher mag sich ja fragen, wieso so wenig hier passiert in letzter Zeit. Nun ja, es hat wohl damit zu tun, dass ich ab und zu auch mal was Vernünftiges mache 🙂

Trotzdem hier einige Dinge, die sich aktuell gerade so abspielen:

  • DASDING.de hat einen Relaunch gemacht, und dafür mussten ein paar Nächte dran glauben. Leider ist die Arbeit noch lange nicht fertig.
  • Trotz allem konnte ich mittlerweile die meisten meiner Praktikumsprotokolle einreichen, so dass nun „nur“ noch das Protokoll für den Reaktortrip nach Finnland übrig ist.
  • Die mittlerweile nahezu unendliche Geschichte meines Furunkels am Hintern geht weiter. Nachdem ich nun geschlagene zwei Monate auf einen ersten termin beim Chirurgen gewartet habe, darf ich nun noch einen Monat warten, bis das endlich operiert wird. In solchen Bereichen hat das schwedische Gesundheitssystem massive Schwächen, denn man hätte den Aufwand und die Kosten massiv reduziert, hätte man den Eingriff schon Ende November gemacht. Stattdessen lässt man die Leute warten und hat als Sicherheitsnetz die Notaufnahme, die dann wiederum allen möglichen Kleinkram behandeln muss, der normalerweise nicht in ihren Bereich fällt.
  • Heute Nacht ist Tsunami Tuesday, der größte Tag bei den amerikanischen Vorwahlen. Ich überlege schon jetzt, wie ich das mit meiner Vorlesung morgens um 8 vereinbaren kann.
  • Wenn wir schon bei weniger essentiellen Dingen des Lebens sind: seit einiger Zeit interessiere ich mich sehr für Genealogie. Mein Stammbaum bei verwandt.de hat mittlerweile 207 Mitglieder, vor allem dank meiner Mutter, die ein geradezu unglaubliches Wissen über die Verwandtschaft hat. Das in der Seite verankerte Social-Networking-Prinzip kann nämlich nur sehr bedingt fruchten, da natürlich nur Personen teilnehmen können, die noch leben. Daher geht der Stammbaum zwangsläufig sehr in die Breite, aber wenig in die Höhe. Soll heißen: Man kann zwar die Zusammenhänge zwischen den lebenden Verwandten sehr gut erstellen, wenn man sie etwas befragt, aber weiter als bis zu den Urgroßeltern wird man ohne eigene Recherchen nicht vorstoßen können. Der Weg dazu war mir anfangs nicht so klar. Nach etwas Recherchen habe ich nun begonnen, bei den Standesämtern anzufragen. Diese erfassen nämlich die Daten seit 1876, was mit etwas Glück sogar bis zur Generation der Ururgroßeltern reicht.

Was sonst noch so geschah

Spätherbstbilder

Ein grauer Schleier legt sich über die Stadt. Die Sonne geht nicht mehr auf, es ist kalt und dunkel. Vor zwei Wochen fror ich an einem Laternenpfahl fest und konnte mich erst jetzt, als die Temperaturen kurz einmal für 10 Minuten über 0°C stiegen, befreien.

Nun ja, das letztere stimmt natürlich nicht. In den letzten zwei Wochen ist wenig passiert, aber das Gefühl, der Tag ist schon vorbei bevor er überhaupt begonnen hat, steigert sich. Heute ist der Sonnenuntergang um 15:11 Uhr, und der kürzeste Tag des Jahres ist immerhin noch einen Monat weg.

Dennoch bin ich recht aktiv, oder zumindest bemühe ich mich. In bestem Multitasking springe ich zwischen meinen ganzen Tätigkeiten hin und her.

Eine dieser Tätigkeiten, das Laufen, musste ich jedoch unerwartet einstellen. Vergangenen Freitag musste ich feststellen, dass ich einen Sinus Pilonidalis habe. Der Fachmann spricht von einer „Fistel“ oder auch einem „Furunkel am Hintern“. Es schmerzt nicht, aber lustig ist anders. Angesichts der etwas unvorteilhaften Platzierung ist es in diesem Fall auch nicht opportun, bei sinnlosen Partygesprächen ominös etwas von einer Kriegsverletzung zu erzählen. Genausowenig schmeichelhaft war die pampersartige Kompresse, die ich in den ersten Tagen tragen durfte. Nun, nach knapp einer Woche, ist die Sache weitgehend abgeheilt und nur noch ein kleines Pflaster würde von der nahezu tödlichen Verletzung künden – wenn ich sie denn jemandem zeigen würde.

Fast fataler ist jedoch, dass ich Anitibiotika nehmen muss. Nach leidvollen Erfahrungen im Vorjahr weiß ich, dass körperliche Anstrengung in diesem Zustand überhaupt gar keine gute Idee ist. Meine 2:40 Stunden im Halbmarathon künden davon.

Also trainiere ich derzeit nicht. Wirklich bitter wurde es aber erst, als ich las, wer sich unter den unzähligen Menschen befindet, die den New York City Marathon schneller gelaufen sind als ich. Eine Krücke wie Elton, die ihre Kröten damit verdient, sinnfreie Unterhaltung für halbdemente Menschen zu produzieren, schaffte es trotz einer bescheidenen 10-km-Zeit in gerade einmal 5:30 Stunden. 43 Minuten schneller als ich. Hoffentlich ist die Pillenpackung bald leer.

Dennoch geht es auf anderen Gebieten weiter. Meine Kurse laufen einigermaßen, aber auch für DASDING und einen anderen Auftraggeber habe ich etwas zustande gebracht.
Ein Grund, warum es hier etwas still wurde, ist, dass ich auch die lange verzögerte zweite Staffel meines Auswandererguides an den Start bringen will. Mittlerweile habe ich die Folge zum Sozialsystem aufgespalten, so dass das Auto erst in Teil 14 drankommen wird. Dazu aber mehr, wenn es aktuell wird.