501!

Es steht ein rundes Jubiläum an: dies ist der 501. Beitrag. Die letzten Jubiläen habe ich selbstverständlich beim 101. und 251. Beitrag gefeiert. Spaß beiseite – als ich gestern den letzten Beitrag schrieb, wurde mir erst klar, dass ich die vor kurzem noch so entfernt scheinende 500 erreicht habe.

Ja, 500 Beiträge und gut 3 Jahre nach Start dieses Blogs scheint es tatsächlich Leute zu geben, die das ganze Zeug hier lesen – wofür ich mich bedanke, auch wenn es die Texte manchmal nicht wert sein dürften.

Besonders freue ich mich auch über Kommentare, die zwar zahlreicher kommen als früher, aber gerne noch viel zahlreicher kommen dürfen.

Ein Best-Of will ich nicht wirklich machen – dazu hat sich in der Zeit auch viel zu viel verändert, und wenn es nach den Zugriffen ginge, ist ohnehin der Auswandererguide die Nummer eins.

Daher möchte ich diesen Artikel den verirrten Besuchern widmen, die wohl eigentlich etwas anderes gesucht haben und dann hier gelandet sind. Bestimmte Artikel erhalten nämlich Zugriffe, obwohl sie teilweise schon uralt sind:

  • In den letzten Monaten waren vor allem die Artikel zum Mord in Arboga beliebt – wenig verwunderlich.
  • Aber schon auf Platz 2 geht es kurios weiter. Eine uralte Parodie auf die „Du bist Deutschland“-Kampagne, bei der es um den glücklosen Karl Ranseier ging, findet auch heute noch viele Freunde.
  • Irgendwie kommt es oft vor, dass Leute nach „Jesus“ im Netz suchen und dann hier landen. Die Frage ist für mich eher, was sie denn zu finden hofften.
  • Weniger genau möchte ich allerdings wissen, was die Leute dazu anregt, nach „Schwanznutten“ zu suchen. Der dazugehörige Artikel war jedenfalls lange Zeit ein Dauerbrenner und der Suchbegriff steht heute auf Platz 6.
  • Nicht anders verhält es sich mit dem Film „Transsexuals barebackin‘ it“
  • Auch meine heißgeliebte Fistel regt immer wieder bei Google Suchende an, auf meine Seite zu kommen.
  • Leider habe ich viele von Dingen, die mir in der Statistik angezeigt wurden, vergessen. Manchmal sind allerdings urkomische Dinge dabei.

In diesem Sinne ein Gruß an diejenigen, die nicht gefunden haben, was sie hier suchen.

Vor allem aber einen Dank an meine treuen Leser, von denen es doch einige zu geben scheint! Ich werde mich bemühen, auch in Zukunft ab und zu etwas zu schreiben, das man vielleicht sogar lesen möchte.

Auswandererguide Teil XI – Die Bürokratie: krank sein und gesund werden

Zahnarztwerbung (Achtung: dies ist nur ein Beispiel für Zahnarztwerbung. Die dort gezeigte Firma ist bekannt dafür, dass sie ungewöhnlich oft angezeigt wird. Auch aus Erfahrungen in meinem Umfeld ist von einem Besuch abzuraten.)

Vor geraumer Zeit traf ich eine Schwedin, die der Meinung war, dass das schwedische Gesundheitssystem gut sei, wie es ist. Damit steht sie aber relativ alleine, nehme ich an. Die Schweden haben sich eher darauf eingerichtet und sind relativ lethargisch, wenn es um Verbesserungen im Gesundheitssystem geht. In der politischen Debatte brüstet sich die jeweilige Regierung damit, dass sie viel verbessert habe, auch wenn es de facto nur Fortschritte im Detail sind.

Insbesondere für Deutsche ist dieses System häufig ein konstantes Ärgernis, vor allem die langen Wartezeiten.

Trotz allem Ärger sollte man nicht vergessen, dass dieses Land eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt hat. Ein Gesundheitssystem kann im Zweifelsfall nur alles falsch machen, und auf deutsche Bedürfnisse ist es nun einmal nicht zugeschnitten.

Die Grundzüge des Systems lassen sich ungefähr so beschreiben:

  • Hohe Eigenverantwortung: die Anzahl der Arztbesuche soll so gering wie möglich gehalten werden – dass das Wartezimmer des Arztes zum Kaffeekränzchenersatz wird, soll also vermieden werden. Hierzu gibt es auch eine vorgeschaltete Telefonberatung, die erst einmal beurteilen soll, ob ein Arztbesuch wirklich vonnöten ist.
  • Autonomer Personaleinsatz: es wird kein Heer von Sprechstundenhilfen beschäftigt. Stattdessen gibt es Krankenschwestern, die Standarduntersuchungen und sogar gewisse Verschreibungen selbständig vornehmen können. Der Arzt muss sich also nur der weitergehenden Fälle annehmen.
  • Hoher Verstaatlichungsgrad: das System basiert auf Polikliniken und Hausärztevereinigungen, wo der Staat das Fachpersonal anstellt. Ärzte sind also keine mittelständischen Unternehmer wie in Deutschland. Ausgenommen sind davon aber Chiropraktiker, Naprapaten und Zahnärzte. Außerdem kommt es auch vor, dass der Betrieb von medizinischen Einrichtungen ausgeschrieben und dann eine private Firma vergeben wird.

Man sollte anmerken, dass das Gesundheitssystem eine der wenigen Zuständigkeiten ist, die dem Län, also den Provinzen, unterliegen. Daher gehört es auch zu den Dingen, die sich regional leicht unterscheiden. Insbesondere was Gebühren und Wartezeiten angeht, gibt es hier Unterschiede im Detail. Meine Erfahrungen beziehen sich auf Stockholms Län. Soweit mir anderes bekannt ist, werde ich das aber einfließen lassen.

Die Vårdcentralen

Was dem Deutschen der Hausarzt, ist dem Schweden die Vårdcentral (wörtlich „Pflegezentrale“). Es gibt rund 1000 davon in Schweden, und sie stellen in der Regel die erste Anlaufstelle bei medizinischen Anliegen dar. Es handelt sich dabei um eine Aufnahme, in der eine Reihe Allgemeinärzte zusammengefasst sind. Unterstützt werden sie von einer kleinen Verwaltung und mehreren Krankenschwestern, die aber zu guten Teilen die angesprochenen Standardbehandlungen vornehmen. Dazu gehören Blutabnahmen und -analysen sowie Verbandswechsel.
Es gibt aber je nachdem auch Fachärzte in der Vårdcentralen. Meist werden Patienten, die zu einem Facharzt müssen, zu einer entsprechenden Einrichtung weitergeschickt, die dann oft im örtlichen Krankenhaus ist.

Die Terminvergabe ist aus deutscher Sicht etwas eigenwillig. Die Ärzte und Krankenschwestern haben bestimmte Telefonzeiten, zu denen man direkt mit ihnen sprechen kann. Diese sind meist morgens an Werktagen und rund eine Stunde lang. Der Fall kann dann gleich entsprechend eingeordnet werden. Ggf. wird man aber auch gleich abgewiesen.
Teilweise erhielt ich noch am gleichen Tag einen Termin, wobei dieses Wort auch seiner Bedeutung gerecht wird: wenn man um 11 Uhr kommen soll, dann sitzt man spätestens um 11:05 Uhr dem Arzt gegenüber – ganz anders als in Deutschland. Jedoch sind diese Zustände eher stockholmspezifisch. In anderen Regionen sind die Wartezeiten auf einen Termin bei der Vårdcentral erheblich länger. Die Vårdgaranti (siehe weiter unten) verlangt, dass man innerhalb von sieben Tagen den Arzt sehen kann, und selbst dies wird vielerorts oft nicht eingehalten.

Ein Nachteil ist auch, dass man sich seit einiger Zeit (zumindest in Stockholm) in den Vårdcentralen ausweisen (siehe entsprechender Teil) können muss, um behandelt zu werden.

Praxisgebühr

Kostenfrei ist der Arztbesuch allerdings nicht: schon bevor man so etwas in Deutschland einführte, gab es hier eine Praxisgebühr. Diese wird pro Besuch erhoben.

Derzeit werden 70 kr für die Behandlung durch eine Krankenschwester verlangt und 140 kr für einen Arztbesuch. Bei einem Facharzt zahlt man allerdings mehr.

Das Gute an dem System: die Kosten sind auf 900 kr pro Jahr gedeckelt. Man kann ab dem ersten Besuch eine Stempelkarte führen, wo die gezahlten Beiträge vermerkt werden. Sobald 900 kr erreicht sind, erhält man eine „Frikort“ („Freikarte“), die für ein Jahr ab dem ersten gestempelten Besuch gilt. Auf diese Art wird vermieden, dass man in einem irgendeinem Zeitraum von 12 Monaten mehr als den Maximalbetrag bezahlt. Das Ganze ist also deutlich flexibler als in Deutschland mit der quartalsweisen Regelung.

Eine solche Deckelung gibt es nicht nur für Arztbesuche an sich, sondern auch für Arzneimittel und andere Bereiche.

Vårdval – die freie Arztwahl

Bis vor einigen Jahren war es üblich, dass jede Vårdcentral ihren festen Bezirk hatte und alle Einwohner dieses Bezirks sich dorthin zu begeben hatten. Ich selbst habe einmal eine Odyssee durch drei Vårdcentralen erlebt, bis ich endlich bei meiner zuständigen war.

Seit 2010 ist es aber in allen Regionen Schwedens so, dass die sogenannte Vårdval gilt. Dies bedeutet konkret, dass man zu jeder beliebigen Vårdcentral gehen darf. Bei mir war es auch so, dass mir meine Vårdcentral nach dem Umzug einen Fragebogen zugesandt hat, in dem ich meinen Arzt aussuchen konnte. Dies kann aber eine Eigenheit von Stockholm sein.

Prinzipiell ist die Vårdval natürlich eine feine Sache, da man so nicht auf Gedeih und Verderb auf eine bestimmte Vårdcentral angewiesen ist. Die Vårdcentralen müssen also um ihre Patienten kämpfen. Ein Nachteil ist allerdings, dass nach ersten Untersuchungen auf diese Art die Zahl der Arztbesuche steigt.

Vårdgaranti – Wartezeiten, Standard und die sehr spezielle Bedeutung der Notaufnahme

Obwohl das ja alles nicht so schlecht klingt, hat das Gesundheitssystem massive Schwächen.

Das hat vor allem einen Grund: es ist in bestimmten Bereichen chronisch unterbesetzt, um nicht zu sagen unterfinanziert. Damit ist nicht gemeint, dass diese Einrichtungen hoffnungslos überfüllt oder gar schlecht ausgerüstet wären – sie sind meist in bestem Zustand (soweit ich das sagen kann), aber es gibt schlicht viel zu wenige von ihnen und sie erreichen nicht den Durchsatz, um alle Patienten sofort behandeln zu können.

Dies betrifft vor allem den Bereich spezialisierter Ärzte und Krankenhäuser. Deren Zahl ist in Schweden per Einwohner deutlich niedriger als in Deutschland.

Man behilft sich mit der schwedischen Allzweckkeule für solche Fälle: die Warteliste. Wer zu einem bestimmten Spezialisten muss, reiht sich brav hinten ein und bekommt dann irgendwann einmal einen Termin zugewiesen. Dieser kann weit in der Zukunft liegen – zwar wurde noch von der sozialdemokratischen Regierung verfügt, dass die Wartezeit nie drei Monate überschreiten solle, aber wie die einzelnen lokalen Gesundheitsverwaltungen das ohne Budgeterhöhung anstellen sollten, blieb denen selbst überlassen.

Genau in dieser Wartezeitdeckelung liegt nämlich auch ein Problem. Konkret gelten folgende Grenzen:

  • 0 Tage: Telefonkontakt mit medizinischem Personal
  • 7 Tage (nach dem Telefonkontakt): erster Arztbesuch
  • 90 Tage (nach dem Arztbesuch): Facharztbesuch
  • 90 Tage (nach dem Facharztbesuch) Facharztbehandlung

Wenn man also von einem Facharzt behandelt werden muss (z.B. eine Operation), dann wird die Garantie im Extremfall auch nach 187 Tagen (6 Monate!) immer noch eingehalten.

Das Schlimme daran ist, dass nun zwar alle bestrebt sind, diese Garantie einzuhalten, aber der Eifer sehr schnell erlahmt, sobald dies erreicht ist. Ob jemand nach 5 oder 85 Tagen behandelt wird, ist irrelevant, weil die Garantie schließlich eingehalten wurde. Dementsprechend wird keine Überstunde eingelegt, solange man in diesem Soll liegt.
Wirklich traurig ist aber, dass es in manchen Regionen in mehr als 20% der Fälle nicht gelingt, überhaupt die 90 Tage einzuhalten. Zwar soll es laut den zuständigen Behörden in den letzten Jahren besser geworden sein, denn in weiten Teilen des Landes wird die Garantie in über 90% der Fälle eingehalten. Jedoch ist dies nicht gleichbedeutend mit großen Fortschritten, denn selbst wenn 90% innerhalb der 90 Tage zum Facharzt kommen, kann es trotzdem sein, dass alle von ihnen 89 Tage gewartet haben.

Im Extremfall muss man chronische Beschwerden mehrere Monate lang ertragen, bis der Fachmann einen Blick darauf wirft.

Kurzum: dieses System kultiviert „mittlere“ Wartezeiten anstatt möglichst schnelle Behandlungen anzustreben.

Das durfte ich auch schon am eigenen Leib erfahren.

Obwohl es nur einen Tag dauerte, mir einen Termin in der Vårdcentralen zu besorgen, musste ich fünf Wochen warten, um einen bei einem HNO-Arzt zu bekommen. Noch schlimmer war es bei der Operation einer Fistel. Der Begutachtungstermin war zwei Monate nach Überweisung, und die Operation selbst ließ dann nochmal knapp zwei Monate auf sich warten. Ein Nachkontrolltermin wurde gar nicht erst vereinbart, und wenn man eine Frage oder Anliegen hatte, so wird man in jeder Abteilung des Krankenhauses von einem Telefonautomaten empfangen, der erst einmal den Wunsch aufnahm. Mit einer realen Person sprach man dann erst später.
Solche Wartezeiten sind aber bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange. In meinem Umfeld betrug die Wartezeit für eine Magenspiegelung knapp 6 Monate.
Vor einiger Zeit hörte ich Karl Lauterbach in einem Podcast über ein Negativbeispiel für das deutsche Kassensystem berichten, dass da eine Magenspiegelung schonmal sechs Wochen Wartezeit erfordert hätte. Ich hoffe, er stellt das schwedische System nicht als positives Gegenmodell dagegen.

Ich kann mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass man möglichst schnell wieder weggeschickt werden soll. So ist die erwähnte telefonische Vorbesprechung bei der Vårdcentralen nicht selten ein Ratgeber, dass man erst gar nicht zu kommen braucht. Ein Klassiker ist fast schon, dass geraten wird, man solle doch einfach eine Alvedon (ein Paracetamol-Präparat) nehmen und wieder anrufen, wenn es nicht besser wird. Auch scheinen mir die Ärzte hier sehr gut darin zu sein, einem das Gefühl zu geben, man sei ein Hypochonder, der mit einer unbedeutenden Lappalie beim Arzt aufkreuzt. Da fühlt man sich nicht ernst genommen.

Die Absurdität dieses Systems liegt nicht zuletzt auch darin, dass es weniger Kosten spart als gedacht, denn eine schnelle Behandlung ist sicherlich billiger als eine lang verzögerte. Wegen besagter Fistel durfte ich monatelang regelmäßig Arbeitszeit und Material in der Vårdcentralen in Anspruch nehmen.

Gelegentlich arbeiten sich die Schwächen des Systems auch einmal in die Nachrichten vor. So verkündete das Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus im März 2007, fürs erste keine weiteren regulären Patienten mehr anzunehmen, weil schon die durch die Notaufnahme hereinkommenden Fälle die verfügbaren Krankenhausbetten voll auslasteten. Im Sommer wurde einmal empfohlen, dass man doch bitte in Stockholm keine Kinder kriegen solle, weil man wegen der Urlaubszeit einfach nicht genügend Kapazitäten habe. Die Planungen gingen sogar so weit, Schwangere nach Finnland zu schicken, damit sie dort ihre Kinder gebären mögen.

Große Wellen schlug auch ein Fall in Stockholm, bei dem eine unzureichende Telefonberatung dazu führte, dass eine Mutter mit ihrem dreijährigen Kind nicht zu einer Notaufnahme fuhr, obwohl das Kind schon blau anlief. Der Junge verstarb im Krankenhaus, und kurz darauf kam an die Öffentlichkeit, dass die Telefonberater Boni erhalten, wenn sie Gespräche schnell abwickeln.

Nachts, am Wochenende, dringend

Die Vårdcentral hat in der Regel nur zu üblichen Geschäftszeiten geöffnet. Was man ansonsten macht, wenn man zum Arzt muss, ist nicht einheitlich geregelt. Es gibt teilweise erweiterte Vårdcentralen, die dann großzügigere Öffnungszeiten haben.

Der letzte Ausweg ist die Notaufnahme. Hier landen letzten Endes auch diejenigen, die auf den normalen Arzt nicht mehr warten möchten oder können.

Man kann schon ahnen, wie es dort abläuft: man zieht eine Nummer und wartet. Wenn man Pech hat, Stunden. So ist es nicht verwunderlich, dass dort Zettel aufgehängt werden, man möge sich doch bitte melden, wenn man lebensbedrohliche Beschwerden wie Atemnot hat.

Die Krankenversicherung

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es nur eine Krankenversicherung, die „Försäkringskassan„. Diese ist die Allgemeinversicherung für alle, die in Schweden leben. Bezahlt wird sie über die Steuergelder. Über sie läuft auch z.B. das Kindergeld.

Versichert ist dort im Grunde jeder, der in Schweden wohnhaft ist, d.h. im Melderegister steht – kurzum: eine Personnnummer hat. Es wird von „bosättningsbaserade förmåner“ (wohnsitzbasierte Vorteile) gesprochen. Weiterhin gibt es auch noch Leistungen, die jedem zustehen, der in Schweden arbeitet, sogenannte „arbetsbaserade förmåner“.

Als Ausländer muss man sich bei der Försäkringskassan registrieren, um Leistungen von ihr zu beziehen. In dem dazugehörigen Formular werden einige weitere Daten abgefragt.

Praktisch alles über den normalen Arztbesuch hinaus erfordert ohnehin eine Registrierung, so auch die Erlangung einer europäischen Krankenversicherungskarte. Eine solche kann man online bestellen.

Die Försäkringskassan ist für ihre etwas gemächliche Arbeit bekannt. In meinem Fall konnte ich rund zwei Monate warten, bis Registrierung und Versicherungskarte erledigt waren, und es tat sich auch dann überhaupt erst etwas, als ich mehrere Anrufe getätigt und Mails geschrieben hatte.

Damit wäre im Grunde schon alles zur Versicherung an sich gesagt, wenn da nicht noch ein großes Fragezeichen wäre. Es ist nämlich so, dass es EU-Ausländer gibt, die für einen legalen Aufenthalt in Schweden eine gültige Krankenversicherung nachweisen müssen. Das sind Studenten und Leute, die nachweisen, dass sie genügend finanzielle Mittel besitzen, um sich selbst zu versorgen. Im Sinne der EU-Regelungen sollen sie dem Gastland nicht zur Last fallen, da sie schließlich auch keine Steuern zahlen. Gemäß dieser Logik müssten sie also selbst für ihre Krankenversicherung aufkommen. Einen Nachweis einer solchen eigenen Krankenversicherung müssen sie bei der Registrierung des Aufenthaltsrechts auch nachweisen.

Eine eigene Krankenversicherung ist im System ansonsten jedoch nicht vorgesehen, weil die Beiträge über die Steuern eingezogen werden. Das schwedische Sozialversicherungsgesetz sieht hierfür keine Ausnahmen vor.

Die Försäkringskassan scheint sich daher eines kleinen Tricks zu bedienen: die Registrierung wird verweigert mit der Begründung, dass man diese Personengruppen nicht als in Schweden dauerhaft wohnhaft betrachtet. Die Details dieser Konstruktion liegen aber im Verborgenen. Auch ist sonst keine Systematik zu erkennen, denn manchmal klappt die Registrierung doch.

Was bedeutet das in der Praxis? Erstaunlich wenig, denn soweit ich das bislang erlebt habe, kann man trotzdem ganz normal zum Arzt gehen. Das kennt, soweit man das ersehen kann, schlicht deswegen gut, weil die verschiedenen Provinzen die Abrechnung vornehmen, und diese scheren sich anscheinend nicht um die Registrierung bei der Försäkringskassan. Das Problem dabei ist nur, dass man darauf spekuliert, dass man versichert ist. Was passiert, wenn die Behörden ihre Routinen ändern, ist vollkommen unklar.

Genau daran liegt auch das Grundproblem: im Alltag kann man sich einigermaßen versichert fühlen, aber ob man es wirklich ist, weiß man nicht – und wenn es zum Fall der Fälle kommt, dann warten vielleicht hohe Kosten. Sich selbst versichern wiederum ist nicht im System vorgesehen, und auch private Versicherer bewegen sich nicht in dieses Feld, denn der Bedarf ist minimal. Mir ist nur eine Ausnahme bekannt: die Versicherung Gefvert versichert Studenten. Angeblich soll auch die eigentlich als Zusatzversicherung gedachte Versicherung „Sjukvård Flex“ von Trygg Hansa für diesen Fall anwendbar sein.

Man sollte sich bewusst sein, dass es vermutlich in keinem europäischen Land möglich ist, sich als Ausländer über das Bezahlen der Mehrwertsteuer zu versichern, denn wenn man ohne Erwerbstätigkeit hier lebt und sich auch sonst keine Ansprüche erworben hat, zahlt kaum mehr als diese. Wer meint, alleine damit einen hinreichenden Beitrag zur Unterhaltung der staatlichen Infrastruktur (Straßen etc.) beitragen zu können, ist naiv. Schweden (und damit seine Steuerzahler) legt bei dieser seltsamen Konstruktion definitiv drauf, und es ist schon einigermaßen merkwürdig, dass so etwas unbemerkt und in einer solchen rechtlichen Grauzone geblieben ist.

Vorsorge

Da man am liebsten gar keine Kranken haben möchte, weil man für sie ohnehin keinen Platz hat, sollte man annehmen, dass Vorsorge wichtig ist.

Es gibt in der Tat auch einige Aktivitäten in diesem Bereich. So erhalten Frauen ab 25 jedes Jahr eine Einladung zu einer Stammzellenuntersuchung. Auch werden öfters Kampagnen gegen Klamydia und anderen Infektionskrankheiten gemacht.

Auf der anderen Seite sind Impfungen in Schweden keine Pflicht, sondern müssen sogar teuer bezahlt werden. Für Hepatitis-Impfungen legt man so insgesamt deutlich über 1000 kr hin, wenn man alle Impftermine zusammenrechnet. Die Vorsorge innerhalb der Schwangerschaft ist anscheinend auch erhelich knapper, was bei der Gesamtkonstruktion des Systems auch irgendwie logisch erscheint.

Apotheke

Was die Arzneimittelversorgung angeht, hatte von 1970 bis Mitte 2009 der Staat auch ein Monopol. Allerdings hat man sich nicht wie bei Systembolaget einen schicken Namen ausgedacht – die Firma heißt seit 1998 schlicht Apoteket AB. Die Mehrheit der Filialen wurde mittlerweile an private Investoren verkauft, so dass Apoteket nur noch ein Akteur unter vielen ist. Andere große Ketten sind beispielsweise Medstop und – natürlich – DocMorris.

Die Filialen sehen sich nach wie vor ähnlich, auch wenn ich natürlich über die neuen Marktakteure mangels entsprechender Besuche nur bedingt im Bilde bin. Es gibt einen Bereich mit eigener Kasse, der wie eine Drogerie gestaltet ist. Für verschreibungspflichtige Arzneimittel muss man jedoch eine Nummer ziehen. Rezepte wurden mittlerweile anscheinend abgeschafft – man sagt nur noch seine Personnummer und weist sich aus.

Im Gegensatz zu Deutschland werden die Nachtdienste nicht reihum unter den Apotheken aufgeteilt. Manche haben einfach länger auf als andere. Das Netz der Apotheken ist dennoch beachtlich, und manche Vårdcentralen haben sogar eine im Gebäude.

Seit einiger Zeit verkaufen die Apotheken sogar Sexspielzeug, was vermutlich auch etwas dem Umstand geschuldet ist, dass Sexshops in Schweden eher selten anzutreffen sind.

Zahnarzt – weniger warten, mehr zahlen

Eine Arztgattung steht weitgehend außerhalb des vorgenannten Systems: der Zahnarzt.

Hier gibt es nämlich neben den staatlichen Einrichtungen auch privat praktizierende Ärzte.

Der Staat stellt einer Vårdcentral ähnlich Folktandvården zur Verfügung. Fast alle Kinder gehen dorthin, aber nur rund 40% der Erwachsenen. Hier spielt die Konkurrenz eine Rolle, denn neben der Terminverfügbarkeit geht es auch um den Preis.

Zwar werden viele Leistungen bei Kindern und Jugendlichen von der Krankenkasse bezahlt, aber als Erwachsener muss man das meiste selbst bezahlen. Derzeit ist gültig, dass man je nach Alter 150 kr oder 300 kr pro Jahr für Zahnbehandlungen erhält. Man kann diesen Betrag auch auf zwei Jahre ansparen – man erhält also bis zu 600 kr (ca. 63,50 €) pro Jahr ersetzt. Abgesehen davon zahlt man Rechnungen bis 3000 kr (317,80 €) komplett selbst. Darüber hinaus gibt es einen Kostenschutz, bei dem man darüber hinausgehende Beträge bis zu 85% ersetzt erhält. So zahlt man bei einer Behandlung, die 15000 kr kostet, „nur“ noch ca. 9000 kr.

Einen billigen Zahnarzt zu haben ist also nicht unwichtig, und dies sorgt auch dafür, dass munter die potenzielle Kundschaft umworben wird. Zwar hat dies nicht amerikanische Ausmaße, aber ein Super-Sonderangebot, bei der es aus irgendeinem Anlass nun die erste Kontrolle geschenkt gibt, findet man schon öfters.
Für mich war es ja schon ein Kulturschock, als ich das erste Mal die Praxisgebühr entrichten musste. Hier in Schweden hat der Zahnarzt das Kartenlesegerät praktisch direkt am Behandlungsstuhl.

Eine (potenziell geldsparende) Besonderheit ist der Beruf des Zahnhygienisten (Tandhygienist). Er (bzw. meistens eher sie) führt Kontrollen durch und entfernt Zahnstein. Der Vorteil ist, dass ein Termin dort weniger kostet und auch in die oben erwähnten Freibeträge eingerechnet wird. Im Optimalfall geht man also dorthin, und nur wenn etwas gefunden wird, was der Zahnarzt machen muss – sprich Kronen, Füllungen, Zahnersatz usw. – geht es auf dessen Behandlungsstuhl.

Schweden ist meines Wissens nicht alleine damit, dass Zahnbehandlungen nicht von der Kasse bezahlt werden. Man sieht auf alle Fälle, welche Blüten dies treibt. So wurde mir schon Familien erzählt, die zu Freunden ins Ausland fahren, um dort dann beim Zahnarzt die Zähne machen zu lassen. Das Ganze wird dann als Notfall deklariert, und schon ist die Kasse eher bereit, die Kosten zu übernehmen.

Im Gesundheitssystem arbeiten

Nach einiger Zeit in diesem Land macht sich die Erkenntnis breit, dass die Misere des Gesundheitssystems nicht unbedingt daran liegt, dass zuwenig Geld vorhanden wäre. Es ist auch ein Mangel an Fachkräften, der dies verursacht. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Ärzte Einwanderer sind. Rund ein Fünftel der praktizierenden Ärzte kommt nicht aus Schweden.

Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass zu wenig Fachpersonal ausgebildet wird. Sollte jemand den Beschluss fassen, sich in Schweden zum Arzt ausbilden zu lassen, kann ich dem nur sagen, dass er besser alle Hoffnungen fahren lässt – zumindest, wenn er dieses Studium vom ersten Semester an in Schweden aufnehmen will. Um Arzt, Zahnarzt oder Psychologe werden zu können, muss man Bestnoten haben. Die Studienplätze werden grob gesagt so zugeteilt, dass alle ausreichend qualifizierten Bewerber nach ihren Noten sortiert und dann die besten genommen werden. Bei wenig nachgefragten Studiengängen reicht da schon ein mäßiger Schnitt. Ins Medizinstudium in Schweden kommt kaum einer hinein, der nicht die Maximalpunktzahl hatte – 2,0 Punkte bei der Högskoleprovet sind also praktisch Pflicht, wenn man nicht schon Spitzennoten aus dem Gymnasium mitbringt. Ab und zu reichen auch einmal 1,9 oder gar nur 1,8 Punkte, aber das ist mehr als unsicher. Wartesemester gibt es nicht, und so muss man jedes Semester einen neuen Anlauf wagen, wenn man unbedingt Arzt werden möchte. Wer in Deutschland schon Probleme hatte, einen Studienplatz zu ergattern, kann es hier also gleich vergessen.

Ganz anders sieht es jedoch für Fachpersonal aus, das nach Schweden zum Arbeiten kommen will. Das wird oft händeringend gesucht. Allerdings braucht man natürlich eine schwedische Zulassung. Der schwedische Staat kennt dabei 21 verschiedene Berufe im Gesundheitsbereich. Hat man eine Ausbildung, die einem dieser Berufe entspricht, zumindest annähernd gleichwertig im Umfang ist und aus einem anderen EU/EWG-Land oder der Schweiz stammt, so ist es mit den entsprechenden Dokumenten möglich, eine Zulassung zu erhalten. Kommt man nicht aus einem dieser Länder, muss man ggf. noch eine Nachprüfung ablegen und ein Praktikum machen.

Ärzte, Zahnärzte, Krankenschwestern usw. werden also auf wenige Probleme stoßen und die Arbeitsbedingungen in Schweden mit den angenehmen geregelten Arbeitszeiten, guter Bezahlung und viel Urlaub als sehr angenehm empfinden.

Hat man jedoch eine Ausbildung, für die es keine direkte Entsprechung unter den 21 Berufen gibt, wird es ungleich schwerer. Dies trifft u.a. auf die deutschen Ausbildungen zur Kinderkrankenschwester und zum Altenpfleger zu. Diese Berufe werden vom Socialstyrelsen, der dafür zuständigen Behörde, nicht anerkannt.
Dies hat den Hintergrund, dass es keine schwedische Entsprechung zu diesem Beruf gibt. In Schweden sind diese Berufe eine 1,5- bis zweijährige Spezialausbildung zusätzlich zur Krankenschwester. Also muss man, um sie zu erhalten, erst einmal drei Jahre zur Krankenschwester ausgebildet worden sein. Insgesamt macht das also 4,5 bis 5 Jahre Ausbildung. In Deutschland sind es hingegen nur drei. Hinzu kommt, dass Krankenschwester in Schweden eine Hochschulausbildung ist. Hier findet die Berufsfreizügigkeit innerhalb der EU ihre Grenzen, weil eben nur gleichwertige Ausbildungen konvertiert werden können. Den Klageweg zu beschreiten ist übrigens aussichtslos – das Vorgehen des Socialstyrelsen ist hier anscheinend vollkommen konform mit den entsprechenden EU-Richtlinien.

Das Socialstyrelsen verweist in solchen Fällen darauf, sich an schwedischen Hochschulen zum entsprechenden Abschluss weiterzubilden. Sich direkt an die entsprechenden Hochschulen zu wenden ist nur teilweise von Erfolg gekrönt – im schlimmsten Fall erhält man keine Antwort, im besten erhält man einen Teil der Ausbildung anerkannt, so dass man nicht mehr so lange studieren muss. Unter Umständen muss man aber trotzdem erst einmal die Zulassung zur Hochschule erreichen, und auch wenn man einmal angenommen wurde, muss man sich darum bemühen, dass wirkliche alle zugesagten und erworbenen Hochschulpunkte ihren Weg ins Register finden.
Wird man nicht auf diesem alternativen Wege zugelassen, bleibt nur die Ochsentour: Zulassung erwerben, regulär für die Uni bewerben und die ganze Ausbildung von vorne machen. Man steht in Sachen Noten in direkter Konkurrenz mit allen anderen Bewerbern. Im Extremfall muss man also ein Abitur nachholen und dann das komplette dreijährige Studium machen, um in dem Beruf arbeiten zu können, den man schon zuvor gelernt hat.

Man sollte sich auch darauf einstellen, dass das Studium sich stark von der Ausbildung in den Lehrberufen unterscheidet. Man erwirbt dort einen Bachelorgrad, was darin resultieren kann, dass es irgendein wenig praxisnahes Hauptfach gibt, mit dem zuvor nie zu tun gehabt hat und in dem man eine Abschlussarbeit schreiben muss. Zudem ist das Studium meist erheblich weniger praxislastig – von den 3 Jahren Ausbildung zur Krankenschwester wird typischerweise nur rund ein Drittel in einem Krankenhaus o.ä. verbracht. Die restlichen zwei Drittel sind Universitätskurse und Semesterferien.

Zusammengefasst

Kurz zusammengefasst gilt für das schwedische Gesundheitssystem also folgendes:

  • Man wählt keine Krankenkasse, sondern ist zentral beim Staat versichert. Die Beiträge sind im Wesentlichen die Steuergelder.
  • Zentrale Anlaufstelle für alle medizinischen Probleme ist die Vårdcentralen, eine Art Hausarztvereinigung.
  • Die Qualität ist gut, aber die Wartezeiten oft extrem lang.
  • Eine Praxisgebühr ist bei jedem Arztbesuch zu entrichten, ist aber auf einen Maximalbetrag pro Jahr beschränkt.
  • Zahnarztbehandlungen sind meist voll selbst zu bezahlen.
  • Ausländisches Fachpersonal aus dem Gesundheitsbereich erhält ggf. unter Ableistung einer Kurzausbildung eine Zulassung, sofern es den entsprechenden Beruf in ähnlicher Form in Schweden gibt. Bei Fachpersonal, bei dem es keine direkte Entsprechung gibt, ist das Erlangen einer Zulassung enorm schwer, selbst wenn man aus einem anderen EU-Land kommt.

Einige Details zum Gesundheitssystem finden sich auf der deutschsprachigen Webseite inschweden.se.

4. Januar 2010: AKtualisierung in vielen Bereichen
6. September 2010: Neuerliche Überarbeitungen

Scheißtage


Die Schweizer Botschaft in Stockholm – über der schweizer Fahne (die in der Schweiz nämlich nicht Flagge heißt) weht eine Flagge mit dem Logo der Euro 2008.

Tja, wieso bloggt er denn nicht mehr?

In der letzten Zeit ist viel passiert, und da leidet das Bloggen schon ein bisschen.

  • Hauptgrund war freilich die Vorbereitung auf die Klausur in Quantenmechanik. Diese hatte gleich doppelte Wichtigkeit. Zum Einen war es die letzte Klausur, die mir noch zu meinem Master fehlte. Zum Anderen ist der Kurs auch notwendig für die Doktorandenstelle, die ich im Sommer antreten wollte. Leider ging das Unternehmen schief – während ich die beiden Klausuren zuvor bestanden hatte, davon eine sogar recht gut, verfehlte ich in diesem Fall das Ziel. Nun besteht meine einzige Hoffnung in einer mündlichen Prüfung, da ich natürlich sowohl Master als auch Doktorandenstelle gerne noch diesen Sommer erlangen würde.
  • Tags darauf trat ich meinen Sommerjob an, der dieses Jahr wiederum Busfahren ist. Die bisherigen Erlebnisse waren leider wenig erbaulich.
    • Ich hatte zunächst nur sogenannte geteilte Dienste. Bei diesen arbeitet man nur in der Rush Hour, also früh morgens und am späten Nachmittag. Zwischendrin sind mehrere Stunden Pause. Der Nachteil liegt auf der Hand: der Tag ist verloren, weil man von der mehrstündigen Pause wenig hat.
    • Es war für schwedische Verhältnisse extrem heiß, so an die 30 °C. Da macht das auch nicht übermäßig viel Spaß.
    • Hinzu kamen extreme Verkehrsverhältnisse in den ersten Tagen. Ich hatte mehrfach um die 20 Minuten Verspätung. Das lag auch am „Studentutskick“. Hier in Schweden mieten sich die Abiturienten nämlich LKWs, rüsten sie mit einer Musikanlage aus und ziehen Bier trinkend damit durch die Straßen. Es roch nicht nur stark nach Bier, sondern man sah auch, in welchem Zustand die Leute waren. Da ich im Schritttempo hinterhertuckerte, konnte ich live beobachten, wie eine schon schwer angeschlagene junge Dame ihren Magen vom LKW herunter entleerte.
    • Die ganze Logistik bringen solche Verkehrsereignisse auch aus dem Lot, denn so viele Busfahrer kann man nicht in Reserve haben, um das abzufangen.
    • So viele Busse auch nicht: ich kam morgens zur Arbeit und mir wurde gesagt, sie hätten keinen Bus für mich. Die Hitze hatte den Bussen ziemlich zugesetzt, und die Ausfälle übers Wochenende taten ihr übriges. Der Busparkplatz war in der Tat komplett leer. Nach zwei Stunden Warten wurde die Sache abgeblasen und ich wurde als Reserve eingesetzt. Später ging es dann normal weiter.
    • Bei einem der geteilten Dienste trat ich den zweiten Block mit einer enormen 10-sekündigen Verspätung an. Mein Vorgänger begrüßte mich schreiend mit den Worten „Danke, dass du gekommen bist.“ Das war natürlich ironisch gemeint. Dann setzte er fort mit „Der Bus kocht und muss in die Garage gefahren werden.“ Und weg war er. Kurz darauf kam er nochmal, brüllte mich an: „Der Bus kocht und muss zurückgefahren werden. Mach die Ohrstöpsel raus, dann hörst du auch was!“ Und wieder war er weg. Wirklich schlauer war ich jetzt auch nicht. Die Kollegen draußen waren auch recht irritiert. In der Tat war der Bus vollkommen überhitzt und das Kühlwasser lief heraus. Da der vorige Busfahrer mich nicht gerade umfassend informiert hatte und man in der Regel nicht einfach so irgendwohin mit einem kaputten Bus fährt, musste ich nochmal bei der Zentrale anfragen. Diese sagte mir, ich solle den Bus zur Garage fahren und einen neuen holen. Ich dürfe den Bus aber nur fahren, solange die Temperatur unter 100 °C liege. Also wartete ich, bis das der Fall war, startete und fuhr los. Nach ca. 150 Metern war die Temperatur wieder hoch und ich musste erneut warten. Letztendlich hielt ich dreimal und wartete jeweils gut 10 Minuten, bis ich weiterfahren konnte. Bei dem finalen Abschnitt zur Garage, einer abschüssigen Straße namens Kellgrensgatan, war kurioserweise auch noch Stau. Ich fragte nochmals in der Zentrale nach, ob das so eine gute Idee ist, mit überhitztem Motor bewusst in einen Stau zu fahren. Dort teilte man meine Bedenken nicht, und ich wartete einen guten Moment ab, um loszufahren. Trotzdem musste ich staubedingt wieder auf halbem Wege anhalten. Sicherheitshalber stellte ich den Motor ab. Und damit war es passiert. Beim nächsten Start ging der Motor gleich wieder aus. So stand ich also mitten auf einer stark befahrenen Straße und konnte überhaupt nicht mehr fahren. Die Zentrale versprach, mir einen Mechaniker zu schicken. Der kam 20 Minuten später, schaute kurz etwas nach, und da der Motor dann auch genügend Zeit gehabt hatte, abzukühlen, schafften wir es in einem Stück in die Garage. Nach kurzer Wartezeit stand auch ein Ersatzbus für mich bereit, so dass ich es sogar noch schaffte, ein paar Haltestellen planmäßig zu bedienen und den Bus dann an meine Ablösung zu übergeben. In dem Fall ist das auch nicht ganz so tragisch, weil es sich um die Linie 4 handelt, die tagsüber in einem bestimmten Takt wie eine U-Bahn fährt, so dass die Leute den Bus nicht auf die Minute erwarten und sich beim Ausfall eines Busses nur die Wartezeit etwas erhöht.
    • Die Krönung war aber gestern. Da stieg frühmorgens eine Frau zu, die der Ansicht war, drei Abschnitte auf der Stempelkarte reichten für eine Fahrt von Zone C in Zone A aus. Dem ist nicht so – man braucht vier. Das wollte sie mir aber nicht glauben, und da ich derjenige bin, der entscheidet, wessen Ticket gültig ist oder nicht, ließ ich es auf eine Konfrontation ankommen. Der Streit dauerte mehrere Minuten. Da wollte die andere Person, die eigentlich auch noch zusteigen wollte, auch nicht mehr mitfahren. Zwar habe ich die Geschichte alles andere als optimal gelöst, denn mit etwas ruhigerer Herangehensweise und guter Argumentation hätte ich sie auflaufen lassen können. Andererseits ist es auch lächerlich, einen Streit wegen eines Stempelabschnitts anzufangen. Allerdings nahm das schnell Züge an, die ich auch jetzt nicht akzeptieren kann und über die ich mich noch zwei Tage später aufrege. Plötzlich war es nämlich so, dass sie mir dann auch noch ihr Leid über SL klagte, und dass ich ja schlecht ausgebildet sei. Zuletzt wollte sie meinen Namen wissen. Irgendwann gab ich dummerweise nach und habe sie die drei Haltestellen gefahren, die sie wollte. Ich rief auch noch etwas hinterher, das zwar nicht beleidigend war, aber guter Stil ist freilich anders. Meine Vermutung ist, dass der Stempel, der sich schon auf ihrer Karte befand, fälschlich die Zone C trug, denn sie hatte ihre Reise angeblich in Åkersberga begonnen, das eigentlich in Zone B liegt – bei netten Fahrgästen bin ich bereit, dem Glauben zu schenke, aber bei nervigen Fahrgästen bin ich da knallharter Prinzipienreiter. Ich hasse es, mein Recht nicht zu bekommen, aber ich glaube, im Servicebereich muss man auch mit sowas leben. Mit renitenten Fahrgästen, die sich beharrlich weigern, überhaupt einen Fahrschein zu zeigen, komme ich mittlerweile ja ganz gut klar, aber den Fall, dass mir ein Fahrgast mit zwar zeitlich gültigem, aber eben in der aktuellen Zone unzureichenden Fahrschein blöd kommt, hatte ich bislang auch nicht. Auf der anderen Seite muss ich es auch so sehen: jeden Tag habe ich alles in allem wohl mehrere hundert Fahrgäste, bei denen ich teilweise sicher positiv in Erinnerung bleibe, weil ich helfe und auch noch warte, wenn ich es eigentlich gar nicht müsste. Da muss ich mit zwei oder drei unzufriedenen Fahrgästen pro Tag leben – das ergibt immer noch eine Zustimmung von gut 99 %. In dem Fall dürfte die Verärgerung über den Nahverkehr allerdings eine Weile anhalten.
    • Ich bin übrigens nicht der einzige, der es mit den Regeln auch mal genau nimmt. Heute lagen im Pausenlokal stolze 5 eingezogene Studenten- und Schülerkarten, die wie alle Frühlingshalbjahrkarten vorgestern abgelaufen sind.

    • Andere sind offenbar regelrecht auf die Jagd gegangen: eingezogene Schüler- und Studentenkarten

    Wirklich Spaß gemacht hat die bisherige Zeit also nicht – ich hoffe, das ändert sich noch.

  • Zudem bin ich von technischem Pech verfolgt:
    • Mein guter Fjällräven-Rucksack hat nach nur einem Jahr ein Riesenloch an der Seite, und ich finde zwar alle anderen Quittungen von diesem Einkaufstag, aber jene von dem Rucksack ausgerechnet nicht.
    • Am gleichen Tag fiel plötzlich mein Laptop im Akku-Betrieb aus. Anscheinend ist der Akku total im Eimer. Nur bin ich mir nicht sicher, ob es nun am Akku oder am Laptop liegt, da ich nur zwei unbrauchbare Akkus (der jetzige war eigentlich schon Ersatz) habe, mit denen ich das nicht testen kann. Nun habe ich Ersatz bestellt, aber es kann gut sein, dass ich nachher einen neuen Akku habe und der Laptop als solcher eine Macke hat, was natürlich sehr ärgerlich wäre.
    • Mit ComHem, unserem Anbieter für Kabelfernsehen, Internet und Telefon, haben wir ja schon seit langem Probleme. Wir hatten letzten Herbst sogar einen Techniker da, weil das Bild immer wieder stehenblieb. Der befand, dass das Störungen im Haus waren und gab uns ein Spezialkabel, das die Störungen weit genug zu reduzieren schien. Das Problem blieb aber einfach nur in vermindert Form bestehen. Vor kurzem war es so schlimm, dass manche Kanäle unansehbar waren. Die klassische Hotline-Krankheit, auch einem einigermaßen kompetenten Anrufer keinen Glauben zu schenken, kam hier natürlich auch wieder vor. Wir schickten den Receiver ein. Während dessen Abwesenheit fiel uns auf, dass man analog ziemlich guten Empfang hat. Als der Receiver zurückkam – natürlich ohne gefundenen Fehler – verkabelte ich daher so, dass man auch analog schauen kann, wenn digital mal wieder spinnt. Der Effekt war bemerkenswert: der digitale Empfang war plötzlich praktisch störungsfrei. Der Techniker sollte am Donnerstag kommen, aber wir wollten uns nicht der Peinlichkeit hingeben, dass der Empfang nun doch funktioniert. Also buchten wir den Techniker nach dem ganzen Theater wieder ab.
    • Mein treuer Weltempfänger, den ich mir nach der Konfirmation gekauft habe, wird in seiner Eigenschaft als Radiowecker langsam auch unzuverlässig. Zum Glück hatte ich das Handy als Ersatzwecker.
    • Meine Kopfhörer für den MP3-Player, momentan überlebenswichtig in dem Job, zeigen auch schon Zerfallserscheinungen.
  • Immerhin gab es auch ein paar positive Dinge: wir waren am letzten Wochenende auf unserer „Sommerresidenz“. Wir hatten eine Hütte auf der Insel Grinda gemietet. Das Wetter war herrlich, aber wegen der Trockenheit bestand leider Grillverbot.
  • Zu allerletzt: meine neverending Story mit der Fistel an meinem Hintern geht weiter. Heute habe ich eine neue Öffnung entdeckt. Es ist zum Kotzen.

Eigentlich kann es nur noch besser werden…

Gedanken nach längerer Abwesenheit

Stilblüte
Very badisch: eine Stilblüte vom Feinsten

Weil ich einen Freund mit meinem spontanen Erscheinen zu seinem Geburtstag überraschen wollte, habe ich bislang verschwiegen, dass ich mich nach Deutschland begeben habe. Mittlerweile bin ich wieder zurück in Stockholm und bringe frohe Kunde aus D-Land.

    Welcome by Bergmann
    Mäßige Bildqualität, stellt aber ansonsten jede Stilblüte in den Schatten: eine Tanzschule in Baden-Baden heißt allen Ernstes so

  • Der Baden Airpark, a.k.a. „Karlsruhe/Baden“, ist zwar jetzt schöner und größer, aber solange die gesamte Einkaufsmeile nur aus Lastminute-Reisebüros besteht, in denen man sich noch nicht einmal hinsetzen kann, gewinnt ganz klar der Stuttgarter Flughafen. Dort gibt es nämlich einen Sexshop und eine Außenstelle der Arbeitsagentur.
  • Der Flughafen Skavsta wirkt aber noch viel bescheidener. Man hat den Eindruck, die Wände bestehen aus Pressspan, und die Warteschlangen bei der Sicherheitskontrolle sind so lang, dass der Flughafen überlastet zu sein scheint. Arlanda kommt da schon viel weltläufiger daher. Im Flughafenshop in Skavsta gab es auch nicht einmal Elchwurst.
  • Nun aber zu Deutschland: Die Rentner bekommen 1,1% mehr Geld. Sie tanzen auf den Straßen. Ihre Gehstöcke behindern den Verkehr. Ein Bild des Schreckens.
  • Maibaum

    Auch das gehörte dazu: der Maibaum

  • Beim Feuerwehrfest war das Räuberfleisch gewohnt lecker und fettig. Das Bibbeleskäsbrot war auch nicht schlecht 🙂
  • Etwas spektakulärer waren meine Ergebnisse in Sachen Ahnenforschung. Vor einiger Zeit habe ich meine Großtante Irma angerufen, um mehr Details zu meinen Urgroßeltern zu erfahren. Von Ottersdorf gibt es nämlich ein Ortssippenbuch, in dem alle vorhandenen Kirchenbucheinträge und sonstige Dokumente vor 1913 ausgewertet und zusammengefasst wurden. Auf diese Art kann man sich von Person zu Person hangeln und feststellen, wer mit wem verwandt ist. Die Beschränkung auf 1913 ist in erster Linie dem Datenschutz geschuldet. Auf diese Art können Rückschlüsse auf lebende Personen nicht so leicht gezogen werden. Von Ottersdorf gibt es aber auch eine Ortschronik, wo die Gefallenen der beiden Weltkriege verzeichnet sind. Das dürfte zumindest einzelne Fragen erleichtern. Der echte Schatz ist aber definitiv das Ortssippenbuch, denn die Fülle an Informationen ist gigantisch. In aufsteigender Linie konnte ich zum Beispiel herausfinden, dass mein Ururgroßvater Valentin beim Zusammensturz eines Gebäudes ums Leben kam. Die männliche Linie reicht aber noch viel weiter zurück. Der Name Seitz kommt nämlich von Lorenz Seitz, der aus Hügelsheim kam und 1784 in Ottersdorf verstarb. Er war beruflich ein markgräflich badischer Jäger. Was diese Tätigkeit beinhaltete, ist schwer zu sagen, aber ich vermute, dass dies auch polizeiliche Aufgaben beinhaltete. Die meisten anderen Vorafhren von mir waren aber Bauern oder Maurer. Die am weitesten zurück reichende Linie endet bei einem Vorfahr, der 1702 starb. Einige Linien führen auch in die Nachbardörfer Wintersdorf und Plittersdorf. Die Auswertung der Daten ist aufwändig, und es ist natürlich auch fraglich, ob man wieder die Verbindung zu lebenden „Verwandten“ wird machen können – interessant wäre auf alle Fälle, die losen Enden, d.h. Geburtseintrage ohne Sterbeeinträge darauf zu untersuchen, wohin die entsprechende Person gewandert ist. Mein Ururgroßvater war anscheinend vorübergehend in Pforzheim und hat dort wohl auch geheiratet. Jedenfalls fehlen mir bislang alle Daten zu seiner Frau. An einer Stelle ist es mir aber gelungen, eine extrem entfernte Verbindung zu finden. Ein Elsässer, der auch Ahnenforschung betreibt, hat mit mir den besagten Lorenz Seitz als Vorfahren gemeinsam. Wenn ich richtig gerechnet habe, sind wir damit Cousins 6. Grades. Anscheinend war die Familie insgesamt aber ziemlich sesshaft, denn sonst hätte ich kaum einen fast vollständigen Stammbaum erstellen können. Ein tragischer Aspekt kommt mittlerweile aber dazu: meine Großtante Irma, der ich gerne noch meine Ergebnisse mitgeteilt hätte, ist am Freitag verstorben.
  • Walker (Symbolbild) - from sxc.hu

    Walker (Symbolbild)

  • Es ist freilich schwer, davon zu einem anderen Thema überzuleiten. Seit einiger Zeit bearbeite ich den Wikipedia-Artikel zu Klaus-Eckhard Walker, bis vor kurzem noch Oberbürgermeister der Stadt Rastatt und immer wieder in den überregionalen Schlagzeilen zu finden. In der dazugehörigen Diskussiuonsseite bricht immer wieder eine etwas absurde Fehde auf. Ein offenkundig glühender Walker-Verehrer wirft mir vor, ich sei ein Ein-Mann-Komplott, das aus dem Sumpf der Walker-Gegner emporgestiegen ist, um dem Ex-OB Schaden zuzufügen. Dieses Urteil rührt natürlich vor allem daher, dass ich keinen Hehl daraus mache, dass ich nicht zu den Unterstützern zu Walker gehöre. Derartige Reaktionen sind ein Sinnbild dafür, in welcher Weise sich die Stimmung in den Jahren, seit ich in Rastatt noch politisch involviert war, radikalisiert hat. Walker und seine Unterstützer sehen eine Front gegen sich, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er sich als Don Quichote sieht, der gegen die Windmühlen der Rastatter CDU und der Presse kämpft. Ob das ganze die brutale Wirklichkeit oder eher einer Paranoia zuzuordnen ist, sei dahingestellt – die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Jedenfalls hat Walker nun mit seinen Mitstreitern einen neuen Verein gegründet, der rein zufällig genauso heißt wie sein Slogan zur OB-Wahl. Er ist auch Gründungsvorsitzender – ein Schelm, wer böses dabei denkt. Das alles soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei nicht nur um ein persönliches Anliegen von Walker handelt. In dem polarisierten Wahlkampf letzten Herbst haben ihm immerhin rund 47% der Wähler die Stimme gegeben, und das gegen alle Parteien und eine Bürgerinitiative, die eigens zu seiner Abwahl gegründet wurde. Diese Wähler sind definitiv nicht nur die, die ihn 16 Jahre zuvor ins Amt gehievt hatten – denn die waren auch aus Protest um die Vorgänge im CDU-nahen Lager zu ihm gewandert. Aus welchen Gründen auch immer sie ihn letztes Mal gewählt haben mögen: Ihre Stimme ist mittlerweile wohl weniger bei den etablierten Parteien zuhause, und das dürfte allemal genug sein, um „Für unser Rastatt“ zu einer politischen Kraft zu machen, die den einen oder anderen Stadtrat ins Rathaus bringen wird. Der Demokratie tut das nur gut. Der Lebhaftigkeit der Stadtratssitzungen vermutlich auch.
  • Wenn ich mich schon in lokalen und regionalen Themen ergehe, will ich ein Buch nicht unerwähnt lassen, das ich gerade in Rekordtempo verschlinge. „Wir können alles: Filz, Korruption & Kumpanei im Musterländle“, herausgegeben von Josef-Otto Freudenreich, erzählen vier Journalisten Geschichten, die sich so wohl nur im Südwesten ereignen können. Die ersten Kapitel hinterlassen den Eindruck, das Land werde von einer Clique Schwaben regiert, bei denen die persönlichen Seilschaften mehr zählen als jedes Gesetz. Diese Zusammenfassung ist nicht einmal übertrieben und etwa nicht von meiner badischen Warte aus verfälscht: Badner kommen in der Tat bis zu der Darstellung des berühmten Flowtex-Falls praktisch gar nicht vor. Dafür sind wir in den Kapiteln zu allerlei Wirtschaftsmauscheleien umso stärker vertreten. Zum Abschluss folgen dann noch ein paar Geschichtchen, die das Ganze langsam ausklingen lassen, aber nicht notwendigerweise Eigenheiten des Musterländles beschreiben, denn islamische Terroristen waren auch in Hamburg, nicht nur in Ulm, und dass die Justiz nur allzu leichtfertig zugunsten eines Bundesrichters entschieden hat, kann auch sonstwo in Deutschland passieren. Spannend sind aus meiner Sicht die ganzen Hintergrundgeschichten um hohe Landespolitiker – wer weiß schon, dass der Ministerpräsident in der Vergangenheit mehr als fragwürdige Freunde hatte? Das Ganze illustriert auf eindrucksvolle Weise, wie schlecht es der politischen Kultur in einem Land tut, wenn es permanent von derselben Partei regiert wird. Die politische Moral verfällt, und Machtspiele in der Partei bestimmen letztendlich, wer einen Posten besetzt – sicherheitshalber lässt man sich das alle 5 Jahre nochmals vom Volk bestätigen. Das Schöne an dem Buch ist, dass es aber genau dies nicht sagt, sondern ohne Ansehen der Partei Seilschaften aufdeckt, wo vereinzelt dann auch Sozialdemokraten und Grüne auftauchen. Sicherlich ist das Gros der Dargestellten von der CDU oder der FDP, aber die Autoren wenden ihre spitze Feder nicht gegen die Institution als solche, sondern immer nur gegen die handelnden Personen. Letztendlich zeigt es einfach, wie Macht im Kleinen korrumpiert und das Recht äußerst flexibel macht. Wer sich für den Schmutz interessiert, der sich hinter der biederen Fassade von Bollenhüten, Kuckucksuhren und Maultaschen so abspielt, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.
  • Es wird Zeit, den Bogen zurück nach Schweden zu schlagen. Im ArbogaMordfall ist wieder Bewegung. Vor einer Woche wurde die verdächdigte Deutsche von zwei schwedischen Polizisten abgeholt und nach Schweden gebracht. Dort wurde sie am Samstag erstmals dem Haftrichter vorgeführt. Sie bestreitet, etwas mit der Tat zu tun zu haben, ist aber weiter in Haft. Mittlerweile sind auch weitere Informationen eingetroffen. So habe sie eine Erklärung abgegeben, warum sie an jenem Tag in Arboga gewesen sei. Ihr Anwalt ist der Meinung, die Erklärung sei plausibel. Wie die Erklärung aber lautet, ist anscheinend noch nicht bekannt. Die Analyse einer DNA-Probe von ihren Fingernägeln hat ergeben, dass keine Spuren der Opfer darin sind. Weitere DNA-Analysen von der Kleidung und v.a. dem am Flughafen beschlagnahmten Hammer fehlen aber noch. Man weiß also im Grund genommen nichts, denn die Nägel dürften nach einigen gründlichen Reinigungen sauber sein, und ein guter Anwalt hat gefälligst alles plausibel zu finden, wenn es seinem Klienten nützt.
  • Erster Demonstrationszug

  • Frisch zurückgekommen durfte ich gleich wieder arbeiten – und zum ersten Mal seit letztem Sommer Überstunden machen. Ich wurde nämlich von gleich zwei verschiedenen Demonstrationszügen aufgehalten. Letzten Samstag gab es nämlich drei Demonstrationen in Stockholm für …. Jesus! Ja, die haben tatsächlich für Jesus demonstriert. Es ist bemerkenswert, dass es so etwas im säkularisierten Schweden gibt, insbesondere weil die mitlaufenden Menschenmassen echt beeindruckend war. Allerdings war daran wenig spontan. Die Schilder mit Sprüchen wie „Jesus ist mein Herr, mir wird nichts mangeln“ waren alle im gleichen Schrifttyp. Mir hat es eine halbe Überstunde eingebracht, aber was es sonst gebracht hat, entzieht sich meinem Verständnis.
  • Und gleich nochmal einer

  • Seit gestern ist mein Hintern offiziell geheilt. Hat ja nur 5 Monate gedauert…
  • Und damit kann es endlich mit dem Joggen wieder losgehen. Zwar bin ich nicht mehr fit und habe noch mehr auf den Rippen als zuvor, aber die 10 km, die ich am 20. Mai laufen soll, werde ich schon irgendwie überleben.

I will survive

Montagabend, 23:30 Uhr: Ich wasche mich mit „DesCutan“, einem desinfizierenden Waschmittel. Es besteht aus einem lustigen Schwamm, der aufgeht, wenn man Wasser hinzugibt. Ich fühle mich ziemlich keimfrei.

Dienstagmorgen, 6:30 Uhr:
Ich trinke anweisungsgemäß nur ein Glas Wasser. Dann dusche ich mich nochmals mit „DesCutan“. Nachdem ich meinen lädierten Popo gründlichst abgeschrubbt habe, fällt mir ein, dass noch ein zweiter Durchgang fällig ist. Ich beschließe, die Rückseite des Schwamms zu verwenden.

8:30 Uhr: wir kommen im Krankenhaus an. Man weiß von meiner Operation nichts. Das ist schade, gerade jetzt, wo ich mich doch so schön geduscht habe.

8:40 Uhr: in der Zwischenzeit hat sich herausgestellt, dass ich in einer anderen Abteilung operiert werde. Dort angekommen darf ich warten.

8:50 Uhr: Ich werde hineingerufen und erhalte ein sehr modisches Hemd, das ich exklusiv zur Operation tragen darf. Ansonsten darf ich allerdings nur noch meine Unterhosen tragen.

9:15 Uhr: Die Ärztin erscheint und fragt mich, ob ich denn brav alle Anweisungen beachtet habe. „Ja“, antworte ich mit einem großen Grinsen. Sie fragt mich, was ich denn habe. Das ist natürlich nicht allzu beruhigend. Sie fragt außerdem, ob ich schon einmal unter Vollnarkose gewesen sei. Ich sage ja, aber das sei schon sehr lange her, und frage etwas verduzt, ob ich denn eine Vollnarkose bekäme. „Ja“, sagt sie daraufhin, „das machen wir normalerweise so.“

9:20 Uhr: Ich habe die Nachricht noch nicht ganz verdaut, da setzt mir die Krankenschwester eine Kanüle an der linken Hand. Es tut weh und sie sitzt nicht gut. Der zweite Versuch passt. Nach einer Spülung erhalte ich direkt die erste Portion Drogen.

9:25 Uhr: Ein Happy Hippo und Doktor Bob aus der Muppet-Show kommen zu Besuch. Wir diskutieren angeregt über die Spargelernte des letzten Jahres.

10:00 Uhr: Ich warte immer noch. Ich solle mit leerer Blase in den OP, so dass ich brav aufs Klo gehe. Selten mit einer Kanüle an der Hand gepinkelt, aber was tut man nicht alles für den Weltfrieden. Da der Schrank mit meinen Sachen abgeschlossen ist, muss ich mir mit den ausliegenden Magazinen behelfen.

11:15 Uhr: Mir wurde gerade beim Lesen des Yacht-Magazins langweilig, da kommt die Nachricht, dass es jetzt losgehe. Ich helfe, mein Bett in den OP zu schieben. Mittlerweile wird mir klar, dass die Ärztin, die ich getroffen habe, die Anästhesistin war. Meinen echten Arzt habe ich noch nicht gesehen. Die OP-Schwestern stellen sich alle sehr nett vor. Die eine, die die Operation direkt betreuen soll, ist gekleidet, als wolle sie danach gleich noch ein Kernkraftwerk dekontaminieren. Ich kriege irgendein komisch schmeckendes Zeug zu trinken und man klebt mir einige Dioden für das EKG an. Ich darf mich hinliegen und ganz diskret die Unterhosen ausziehen. Im Grunde genommen ist das albern, die werden mich sowieso in Kürze nackt sehen. Ich scherze etwas mit den Schwestern („Ich habe heute eigentlich nichts mehr vor!“), da bekomme ich die Narkose, und es fühlt sich seltsam an. Es läuft Musik. Ich nehme mir vor, mir den Titel zu merken. Es ist jedenfalls nicht „Stairway to heaven“ oder „Knockin‘ on heaven’s door“, denn diese genießen einen allgemeinen Bann in allen OPs dieser Welt. Ich darf etwas durch eine Maske einatmen. Selten so guten Sauerstoff gehabt.

13:00 Uhr: Ich erwache in einem dunklen Raum. Eigentlich hatte ich erwartet, dass man langsam entgleiten würde wie im Film. Pustekuchen. Den Titel, der vor der Operation lief, habe ich auch vergessen. Ich frage die Schwester, ob denn überhaupt Musik da drin liefe – könnte ja auch nur Halluzination gewesen sein. Sie bejaht. Ich erzähle ihr irgendwelche wirren Dinge davon, dass ich das Gefühl gehabt hätte, einen Podcast über meinen MP3-Player zu hören. Sie akzeptiert das direkt – vermutlich ist sie in Sachen Patienten, die nach der Narkose Blödsinn verzapfen, außerordentlich erfahren.

13:15 Uhr: Mein Blutdruck (140/77 oder so) ist ganz ok. Ich werde in mein Zimmer geschoben und meine Freundin darf zu mir kommen. Ich hänge an einem Tropf, der so langsam leer läuft.

13:30 Uhr: Ich fühle mich etwas schwach. Die Schwester bietet an, etwas zum Essen zu bringen. Ich warte noch etwas ab.

13:50 Uhr:
Es geht mir besser, und ich esse etwas. Lecker Käsestulle und Tee. Ich verzichte darauf, Schampus zu bestellen. Ich bin immer noch etwas blass, aber es wird besser.

14:20 Uhr: Tropf sei Dank muss ich auf die Toilette. Meine Freundin kommt diskreterweise als Tropfhalterin mit. Beim Aufstehen spüre ich erstmals Schmerzen in meinen Beinen. Meine Vermutungen gehen dahin, dass so ein OP-Tisch nicht gerade bequem ist. Ansonsten tut mir aber nichts weh, was man als positives Zeichen deuten könnte.

15:30 Uhr: Mein Arzt kommt. Er ist jung, sympathisch und fragt mich, ob ich denn schwedisch könne. Dann erklärt er mir die Details. Wenn alles gut geht, ist die Sache in 2 Wochen vorbei. Da die Wunde sauber ist, konnte sie nämlich genäht werden, was den Prozess beschleunigt. Allerdings muss die Wunde trocken bleiben – ansonsten müssen die Fäden raus.

15:50 Uhr: Die Kanüle wird abgezogen. Ich verlasse das Krankenhaus. Eine begeisterte Menschenmenge erwartet mich am Ausgang. Ich fühle mich sehr fit, beschließe aber, heute nicht mehr joggen zu gehen.

16:30 Uhr: Ich bin zuhause. Beherzt sinke ich in einen Stuhl. Entweder habe ich wirklich keine Schmerzen oder die Drogen wirken noch hervorragend.

23:30 Uhr: Ich gehe zu Bett.

Mittwochmorgen, 7:00 Uhr: Ich stehe auf. Mir tut alles weh, vor allem der Nacken. Der OP-Tisch muss meinen Knochen doch mehr angetan haben, als ich zunächst vermutete. Auf der Toilette sehe ich plötzlich Blut. Es tropft auch noch etwas weiter und beunruhigt mich, denn sollte es so bleiben, würde mir die fadenlose Heilung blühen, die erheblich länger dauert.

10:00 Uhr: Ich gehe zu meinem Hausarzt. Zwar wurde es mir nicht ausdrücklich angeraten, aber ich lasse lieber dort den Pflasterwechsel machen, denn nach 4 Monaten Wartezeit gehe ich keine Risiken mehr ein. Ich warte eine geschlagene Stunde im Stehen. Wir beschließen, noch einen Tag abzuwarten.

16:00 Uhr: Ich schlafe. Den ganzen Tag über fühle ich mich schlapp.

Donnerstagmorgen, 7:00 Uhr: Die Nackenschmerzen sind besser. Dafür tut mein Hintern weh. Eine Hose mit Gürtel tragen ist unangenehm bis schmerzhaft. Sitzen geht auch nur mit Einschränkungen. Schuhe binden ist nur unter erheblichen Schwierigkeiten möglich.

10:30 Uhr: Beim Hausarzt ist leider nicht eindeutig feststellbar, wieviel Flüssigkeit aus der Wunde kommt. Ich war nämlich zuvor duschen, und der Verband hat sich bis oben hin vollgesogen. Die untere Wunde sieht sehr gut aus, aber die obere ist leicht gerötet. Man gibt mir lustige Damenbinden mit für eventuellen weiteren Ausfluss. Es ist bemerkenswert, wie weit die Peinlichkeitsschwelle ansteigt, wenn man einmal vier Monate lang eine Fistel am Hintern hat (dieser Beitrag ist der Beweis).

Freitag:
Sitzen ist immer noch schwierig, aber zumindest der Verband kann auf ein wasserdichtes Pflaster reduziert werden. Ich gehe trotzdem wie ein alter Mann und sitze in seltsamen Verrenkungen. Wenn es zwischenzeitlich gar nicht geht, muss die liebe Pharmaindustrie etwas nachhelfen. Insgesamt bin ich aber recht zufrieden und zuversichtlich, dass ich in zwei bis drei Wochen meine Fäden los bin und damit letztendlich auch dieses unsägliche Problem…

Neues vom Elend

Für Nicht-Eingeweihte muss es erklärt werden: seit irgendwann im Herbst letzten Jahres habe ich einen Sinus pilonidalis oder – verständlicher gesagt – eine Fistel am Hintern. Als diese sich Im November mit etwas Blut und Eiter bemerkbar machte, ging ich sofort zur Närakuten, einer Art Notdienst und Hausarztersatz für Kleinigkeiten. Der Arzt hieß Mohammed und diagnostizierte das Problem erfolgreich. Das war aber auch so ziemlich das einzige, was erfolgreich war.
Die angestrebte Therapie, das Ding einfach ausheilen zu lassen, schlug nämlich fehl, und als das nach gut drei Wochen regelmäßiger Verbandswechsel durch Krankenschwestern klar wurde, sagte die herbeigerufene Ärztin, das müsse auf alle Fälle operiert werden. Also wurde ich überwiesen – da war schon fast Mitte Dezember.
Ich rief beim Krankenhaus an, dass man mir doch bitte keinen Termin in der Zeit geben solle, in der ich in Deutschland bin. Die lakonische Antwort darauf war, dass ich vorher ohnehin keinen bekommen hätte.

Am 4. Februar schließlich, also mehr als 2 Monate nach Beginn der Behandlung, schaute sich dann endlich ein Chirurg die Sache an. Und – welch eine Überraschung – es ist eine typische Fistel!

Heute, also über zwei Wochen später, habe ich nun meinen Operationstermin erfahren: 20. März, also rund 4 Monate nach Beginn der Behandlung.

Das schwedische Gesundheitssystem fällt bei mir nach und nach durch – hätte man die Operation schon Ende November durchgeführt, hätte ich mir vier Monate lang den täglichen Pflasterwechsel und viele Gänge zu meiner Vårdcentralen erspart. Unterm Strich war so der Personal- und Materialaufwand für das Gesundheitssystem erheblich höher.

Mir bleibt nur zu hoffen, dass sich an diesem Zustand bald etwas ändert – und die Sache für mich persönlich am 20. März endgültig erledigt ist.

What’s going on?

Mancher mag sich ja fragen, wieso so wenig hier passiert in letzter Zeit. Nun ja, es hat wohl damit zu tun, dass ich ab und zu auch mal was Vernünftiges mache 🙂

Trotzdem hier einige Dinge, die sich aktuell gerade so abspielen:

  • DASDING.de hat einen Relaunch gemacht, und dafür mussten ein paar Nächte dran glauben. Leider ist die Arbeit noch lange nicht fertig.
  • Trotz allem konnte ich mittlerweile die meisten meiner Praktikumsprotokolle einreichen, so dass nun „nur“ noch das Protokoll für den Reaktortrip nach Finnland übrig ist.
  • Die mittlerweile nahezu unendliche Geschichte meines Furunkels am Hintern geht weiter. Nachdem ich nun geschlagene zwei Monate auf einen ersten termin beim Chirurgen gewartet habe, darf ich nun noch einen Monat warten, bis das endlich operiert wird. In solchen Bereichen hat das schwedische Gesundheitssystem massive Schwächen, denn man hätte den Aufwand und die Kosten massiv reduziert, hätte man den Eingriff schon Ende November gemacht. Stattdessen lässt man die Leute warten und hat als Sicherheitsnetz die Notaufnahme, die dann wiederum allen möglichen Kleinkram behandeln muss, der normalerweise nicht in ihren Bereich fällt.
  • Heute Nacht ist Tsunami Tuesday, der größte Tag bei den amerikanischen Vorwahlen. Ich überlege schon jetzt, wie ich das mit meiner Vorlesung morgens um 8 vereinbaren kann.
  • Wenn wir schon bei weniger essentiellen Dingen des Lebens sind: seit einiger Zeit interessiere ich mich sehr für Genealogie. Mein Stammbaum bei verwandt.de hat mittlerweile 207 Mitglieder, vor allem dank meiner Mutter, die ein geradezu unglaubliches Wissen über die Verwandtschaft hat. Das in der Seite verankerte Social-Networking-Prinzip kann nämlich nur sehr bedingt fruchten, da natürlich nur Personen teilnehmen können, die noch leben. Daher geht der Stammbaum zwangsläufig sehr in die Breite, aber wenig in die Höhe. Soll heißen: Man kann zwar die Zusammenhänge zwischen den lebenden Verwandten sehr gut erstellen, wenn man sie etwas befragt, aber weiter als bis zu den Urgroßeltern wird man ohne eigene Recherchen nicht vorstoßen können. Der Weg dazu war mir anfangs nicht so klar. Nach etwas Recherchen habe ich nun begonnen, bei den Standesämtern anzufragen. Diese erfassen nämlich die Daten seit 1876, was mit etwas Glück sogar bis zur Generation der Ururgroßeltern reicht.

Was sonst noch so geschah

Spätherbstbilder

Ein grauer Schleier legt sich über die Stadt. Die Sonne geht nicht mehr auf, es ist kalt und dunkel. Vor zwei Wochen fror ich an einem Laternenpfahl fest und konnte mich erst jetzt, als die Temperaturen kurz einmal für 10 Minuten über 0°C stiegen, befreien.

Nun ja, das letztere stimmt natürlich nicht. In den letzten zwei Wochen ist wenig passiert, aber das Gefühl, der Tag ist schon vorbei bevor er überhaupt begonnen hat, steigert sich. Heute ist der Sonnenuntergang um 15:11 Uhr, und der kürzeste Tag des Jahres ist immerhin noch einen Monat weg.

Dennoch bin ich recht aktiv, oder zumindest bemühe ich mich. In bestem Multitasking springe ich zwischen meinen ganzen Tätigkeiten hin und her.

Eine dieser Tätigkeiten, das Laufen, musste ich jedoch unerwartet einstellen. Vergangenen Freitag musste ich feststellen, dass ich einen Sinus Pilonidalis habe. Der Fachmann spricht von einer „Fistel“ oder auch einem „Furunkel am Hintern“. Es schmerzt nicht, aber lustig ist anders. Angesichts der etwas unvorteilhaften Platzierung ist es in diesem Fall auch nicht opportun, bei sinnlosen Partygesprächen ominös etwas von einer Kriegsverletzung zu erzählen. Genausowenig schmeichelhaft war die pampersartige Kompresse, die ich in den ersten Tagen tragen durfte. Nun, nach knapp einer Woche, ist die Sache weitgehend abgeheilt und nur noch ein kleines Pflaster würde von der nahezu tödlichen Verletzung künden – wenn ich sie denn jemandem zeigen würde.

Fast fataler ist jedoch, dass ich Anitibiotika nehmen muss. Nach leidvollen Erfahrungen im Vorjahr weiß ich, dass körperliche Anstrengung in diesem Zustand überhaupt gar keine gute Idee ist. Meine 2:40 Stunden im Halbmarathon künden davon.

Also trainiere ich derzeit nicht. Wirklich bitter wurde es aber erst, als ich las, wer sich unter den unzähligen Menschen befindet, die den New York City Marathon schneller gelaufen sind als ich. Eine Krücke wie Elton, die ihre Kröten damit verdient, sinnfreie Unterhaltung für halbdemente Menschen zu produzieren, schaffte es trotz einer bescheidenen 10-km-Zeit in gerade einmal 5:30 Stunden. 43 Minuten schneller als ich. Hoffentlich ist die Pillenpackung bald leer.

Dennoch geht es auf anderen Gebieten weiter. Meine Kurse laufen einigermaßen, aber auch für DASDING und einen anderen Auftraggeber habe ich etwas zustande gebracht.
Ein Grund, warum es hier etwas still wurde, ist, dass ich auch die lange verzögerte zweite Staffel meines Auswandererguides an den Start bringen will. Mittlerweile habe ich die Folge zum Sozialsystem aufgespalten, so dass das Auto erst in Teil 14 drankommen wird. Dazu aber mehr, wenn es aktuell wird.